Alles Nebenkriegsschauplätze
Hallo, ihr alle,
diese Sache liegt mir recht am Herzen, vor allem, weil ich weiß (zu wissen meine), was die deutsche Sprache bedeutet, welche Kraft und Gewalt sie hat. Ich zitiere hierzu nur Jean Paul, der gesagt hat: „Die deutsche Sprache ist die Orgel unter den Sprachen“ (muß jemandem erklärt werden, was die „Orgel“ unter den Musikinstrumenten bedeutet? Und was er damit also ausdrücken wollte?) Und was ich gar nicht möchte, ist, daß (ich schreibe dieses hier noch mal mit ß, obwohl mir das gleich wäre mit ss) sich „Ministeriale, Beamte, Apparatschiks“ (Entschuldigung, ich sag das mal so pauschalierend, wohl wissend (sic, hier schreibt man´s mal auseinander!!), daß ich damit dem einen oder anderen unrecht tue) über so etwas Heikles entscheiden. Denn das ist der gleiche Schlag, das sind Leute aus der gleichen Sparte, die sich Beispiel vor einigen Jahren nicht darauf einigen konnten, an welchem Termin die Sommerzeit beginnen bzw. enden sollte. Geradezu eine Lappalie, und doch hat man sich jahrelang gestritten, und ein Jahrzehnt gebraucht, bis auch nur halbwegs Synchronität geschaffen war. Das kann man eigentlich per Telefonkonferenz an einem Vormittag innerhalb 10 Minuten erledigt haben.
Und von diesen Leute sollen wir uns dam dieser „Orgel“ rumpfuschen lassen? Niemals!!
Damit das aber nicht falsch verstanden wird: Ich sehe selbst und weiß selbst, daß in der alten Schreibung ein Bündel von unlogischen Regeln vorhanden war (sehr schön aufgelistet in dem Buch von Dieter E. Zimmer, Die Elektrifizierung der Sprache). Also etwa: „radfahren“ klein und zusammenschreiben, „Auto fahren“ groß und getrennt. Kein vernünftiger Mensch wird dieses (und anderes) verteidigen wollen. Also, raus damit. Aber muß man gleich so übers Ziel hinausschießen?
Wenn ich nur an diese unseligen Regeln der neuen Getrenntschreibung denke: „Ist diese Frau nun wohl geformt?“ Oder wohlgeformt? Mir wird richtig körperlich schlecht, wenn ich daran denke, daß da offenbar Leute mitreden, und mitentscheiden!!!, die eine solche, glasklar auf der Hand liegende Verschlimmbesserung mit aller Gewalt durchdrücken wollen.
Eigentlich sind das alles Dinge, die eine Gruppe von vernünftigen Menschen, vorher schön aufgelistet (s. Dieter Zimmer), an einem längeren Vormittag entscheiden könnten. Abends kann man schon zusammen essen gehen. Natürlich hätte man damit nur 90 % aller in der alten Schreibung unguten Fälle erledigt. Aber eben doch immerhin 90%, die restlichen 10 % wären so selten, so knapp, daß sie gar nicht mehr auffielen, damit könnten wir die nächsten 100 Jahre leben.
Und auch nicht mißverstehen, meine Bemerkung über die Schönheit der deutschen Sprache ist weder nationalistisch noch chauvinistisch: Ich weiß auch, daß Französisch die Sprache der Diplomaten ist (und spreche es gut genug, um da mitreden zu können), und kenne die Eleganz der italienischen Sprache, und die Prägnanz des Englischen. Und ich habe selbst Jahrzehnte gebraucht (weil man ja immer die Befürchtung hegt, den anderen Unrecht zu tun und die eigene Position überzubewerten) um zu sehen und zu verstehen, daß Deutsch wirklich herausragend ist, die „Orgel“ eben.
Johannes Groß (der sehr wohl ums Deutsche wußte) hat mal geschrieben, als er noch lebte, in welcher Sprache ließe sich in der Anrede in einem Brief Ähnliches ausdrücken wie im deutschen, wenn man schreibt: „Sehr verehrte, liebe gnädige Frau,“
Na ja, hat vielleicht damit zu tun, daß nicht mehr allzu viele solcher Briefe geschrieben werden…
So, und jetzt noch mal zum Anfang zurück: Wenn wir diese NDR erst mal eingeführt und zugelassen haben, führt nie, nie, niemals mehr ein Weg dahin zurück, diese übers Ziel hinausgeschossenen Regeln zurückzunehmen. Es gibt nur einen Weg: Alte Schalter auf zurück!!! Und dann erneut: von vorne. Aber bitte mit mehr Verstand und Einfühlungsvermögen.
Und vielleicht eine abschließende Bemerkung an einige „meiner Vorredner“. Das, diese meine Einstellung, hat nichts zu tun mit „nicht so eng sehen“ (Livia) oder „den Fortschritt nicht wollen“ (jame) oder „unfelxibel“ sein. Das hat damit zu tun, daß die deutsche Sprache ein Wert an sich ist, an der man ebensowenig locker dranrumdoktert, wie an unserem Grundgesetz - beides ordne ich übrigens im Range in etwa gleich ein.
Antal