Oh nein! Land unter!
Und ein Tip: In der gestrigen Montagsausgabe ein ganzseitiger
Artikel von einem Autor Munske „Lob der Rechtschreibung“. So
klar, präzise und im Zusammenhang dargestellt, habe ich
darüber schon lange nicht mehr gelesen.
Da bist du aber zu bedauern! Leider!
Dieser Horst Haider Munske ist vielleicht und vermutlich bloß ein Blender. Zwar kann ich fast alles, was er vorbringt, bestätigen – außer einigen Klöpsen, wo ich nicht sicher bin, ob er so naiv ist oder so hinterhältig, um solche Sachen anzuführen - , aber zwischen dem und den Konsequenzen, die er sieht und zieht, liegt noch manche Wüste.
Aber zu den Klöpsen:
Wenn er z. B. das Englische und das Französische – diese Musterbeispiele verzweifelt unlogischer Orthographien – anführt als Kronzeugen für die Beibehaltung von „ph, th, ch“, dann bemüht er just die beiden europäischen Sprachen, deren Stottergrasviecher die albernsten Auswüchse und schlimmsten Atavismen aufweisen. Ich weise gern einmal mehr auf „ghoti“ hin.
Völlig außer Acht und auch Neun lässt er, dass so ehrwürdige Sprachen, wie das Spanische und das Italienische keinen Moment zögern, filosofia zu schreiben.
Und man mache diese Pröbe noch bei anderen Sprachen. In Tschechisch schreibt man: filozofie; in Estland: filosoofia; in Schweden: filosofi. Man sehe sich weiter um!
Und sein Hinweis, er habe in einem Text aus dem Jahre 1341 „daz“ mit „ß“ geschrieben gefunden; und zwar in den Weistümern von Jacob Grimm - - -
Ja, da muss ich mich doch fragen: „Ist der selber so naiv? Oder hält er seine Leser für so dämlich?“ Jacobs Buch wurde im 19. Jhdt. gedruckt und – soweit ich Grimm kenne – vermutlich, ja, ziemlich sicher, nicht in Fraktur oder einer anderen gotischen Bastarde.
Wer nur einmal in ein Buch der Grimms geschaut hat, ihre Kleinschreibung, ihre Eigenwilligkeiten kennt, wer weiß, was sie mit dem gesammelten „Volksmärchen" machten …
Das ist ungefähr ein so schlagender - oder soll ich sagen geprügelter – Beleg, wie der Hinweis: Im alten Griechenland gab es schon Currywurstbuden, weil in einer Inszenierung von Aischylos’ „Die Perser“ - gestern in arte - aus dem Jahr 2004 auf einem stillgelegten Flugplatz bei Berlin ein Mitglied des Chores – oder wars der Bote? – neben einer solchen gekotzt hat.
Und das Juristendeutsch als Bastion guten und klaren Deutsches und damit als leuchtendes Vorbild für gute Orthographie verkaufen zu wollen. Dazu habe ich nichts zu sagen, das spricht für sich selbst.
Und dann seine Kontinuität! Hat der wirklich einmal Drucke der Lutherzeit, der Lessingzeit, der Goethezeit, der Karl-May-Zeit, der Grasszeit nebeneinander gelegt und verglichen?
Oder einen Druck von vor Hitler und nach Honecker?
Wo ist da Kontinuität?
Aber ach, man wird mich wieder als verbissenen Verteidiger der Neuen Rechtschreibung betrachten, weil ich einmal mehr gezeigt habe, wie die Gegner derselben argumentieren. Und die, die an der Alten festhalten wollen, haben verklebte Ohren.
Fritz