Land in Sicht

Hallo Richard,

abgesehen davon, dass ich Levay zustimmen muss,
und dein Text weder in alter noch in neuer Rechtschreibung
fehlerfrei ist, bestaetigst du nur meinen Eindruck:
die lautesten Kritiker der NDR sind diejenigen, die
sich nicht damit beschaeftigt haben, sondern nur
Floskeln loslassen.

Gruesse
Elke

Hallo Heinrich,

ich komm hier Eckard ein bisschen hinterhergetrottelt,
weil ich mehrere Tage ungewollt total offline war.
Im Prinzip hat er schon alles gesagt. Anhaengen wollte
ich noch, dass ich den Vergleich unpassend finde.
Ich war ZU ANFANG ein Gegner der Rechtschreibreform.
Als sie dann beschlossen war, hab ich mich damit eingehend
beschaeftigt, weil ich es mir beruflich nicht leisten kann,
sie zu ignorieren. Und fand sie besser als ihr Ruf (nicht,
dass es nicht Kritikpunkte gibt). Aber mal abgesehen von
allem anderen: zum jetztigen Zeitpunkt eine Kehrtwendung
zu machen, halte ich fuer total verfehlt.

Nun zu deinem direkten Vorwurf: ich lebe seit ueber
sechs Jahren in einem Land, wo genau das praktiziert
wird, was Eckard erklaert hat: es wird an der Kasse
eifrig auf- und abgerundet. Meist - Ueberraschung! zu
Unkosten des Ladens. 1 oder 2 Halala-Stuecke hab ich
seit Jahren nicht gesehen. Funktioniert wunderbar. Also,
bitte unterstelle mir nichts.

Gruesse
Elke

Oh nein! Land unter!

Und ein Tip: In der gestrigen Montagsausgabe ein ganzseitiger
Artikel von einem Autor Munske „Lob der Rechtschreibung“. So
klar, präzise und im Zusammenhang dargestellt, habe ich
darüber schon lange nicht mehr gelesen.

Da bist du aber zu bedauern! Leider!

Dieser Horst Haider Munske ist vielleicht und vermutlich bloß ein Blender. Zwar kann ich fast alles, was er vorbringt, bestätigen – außer einigen Klöpsen, wo ich nicht sicher bin, ob er so naiv ist oder so hinterhältig, um solche Sachen anzuführen - , aber zwischen dem und den Konsequenzen, die er sieht und zieht, liegt noch manche Wüste.

Aber zu den Klöpsen:

Wenn er z. B. das Englische und das Französische – diese Musterbeispiele verzweifelt unlogischer Orthographien – anführt als Kronzeugen für die Beibehaltung von „ph, th, ch“, dann bemüht er just die beiden europäischen Sprachen, deren Stottergrasviecher die albernsten Auswüchse und schlimmsten Atavismen aufweisen. Ich weise gern einmal mehr auf „ghoti“ hin.

Völlig außer Acht und auch Neun lässt er, dass so ehrwürdige Sprachen, wie das Spanische und das Italienische keinen Moment zögern, filosofia zu schreiben.
Und man mache diese Pröbe noch bei anderen Sprachen. In Tschechisch schreibt man: filozofie; in Estland: filosoofia; in Schweden: filosofi. Man sehe sich weiter um!

Und sein Hinweis, er habe in einem Text aus dem Jahre 1341 „daz“ mit „ß“ geschrieben gefunden; und zwar in den Weistümern von Jacob Grimm - - -
Ja, da muss ich mich doch fragen: „Ist der selber so naiv? Oder hält er seine Leser für so dämlich?“ Jacobs Buch wurde im 19. Jhdt. gedruckt und – soweit ich Grimm kenne – vermutlich, ja, ziemlich sicher, nicht in Fraktur oder einer anderen gotischen Bastarde.
Wer nur einmal in ein Buch der Grimms geschaut hat, ihre Kleinschreibung, ihre Eigenwilligkeiten kennt, wer weiß, was sie mit dem gesammelten „Volksmärchen" machten …

Das ist ungefähr ein so schlagender - oder soll ich sagen geprügelter – Beleg, wie der Hinweis: Im alten Griechenland gab es schon Currywurstbuden, weil in einer Inszenierung von Aischylos’ „Die Perser“ - gestern in arte - aus dem Jahr 2004 auf einem stillgelegten Flugplatz bei Berlin ein Mitglied des Chores – oder wars der Bote? – neben einer solchen gekotzt hat.

Und das Juristendeutsch als Bastion guten und klaren Deutsches und damit als leuchtendes Vorbild für gute Orthographie verkaufen zu wollen. Dazu habe ich nichts zu sagen, das spricht für sich selbst.

Und dann seine Kontinuität! Hat der wirklich einmal Drucke der Lutherzeit, der Lessingzeit, der Goethezeit, der Karl-May-Zeit, der Grasszeit nebeneinander gelegt und verglichen?
Oder einen Druck von vor Hitler und nach Honecker?
Wo ist da Kontinuität?

Aber ach, man wird mich wieder als verbissenen Verteidiger der Neuen Rechtschreibung betrachten, weil ich einmal mehr gezeigt habe, wie die Gegner derselben argumentieren. Und die, die an der Alten festhalten wollen, haben verklebte Ohren.

Fritz

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Hier geht es ums Prinzip, alo um etwas grundsätzliches, und da muß man auch bereit sein, selbst Opfer zu bringen.

antal hat in ihren postings sehr gute Beispiele angeführt die der NRR jedwede positive Sinnhaftigkeit absprechen, so daß ich dem wohl nichts sachliches mehr hinzufügen zu brauche. Außer, daß nach der neuen Rechtschreibung dem Text nicht mehr zu entnehmen ist ob jemand persönlich angesprochen wird (kleinschreibung von du sie ihnen ihr usw.)

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Hi Richard,

hab grad heute in der Zeitung wieder einen Artikel gelesen, in dem ein Wort nach der neuen Rechtschreibung getrennt wurde, was nicht nur den Sinn dieses Satzes entstellt hat, sondern den ganzen Satz völlig unverständlich gemacht hat. Ich hab mir davon nichts gemerkt, kann den also hier auch nicht zitieren. Würde das aber auch nicht tun, weil es zum einen doch nichts hilft, zum anderen aber mir zu blöde (so eher im mittelhochdeutschen Sinne gemeint, „tumb“) ist - war in irgendeiner „Bäckerzeitung“. Trifft etwa mich das, wenn DESSEN Satz unverständlich ist?

Also, es kommt, wie es kommen wird. Laß die mal machen, ich werde, ohne jede Rechthaberei so, genau soooo weiterschreiben, wie es nach meinem Empfinden der Verständlichkeit eines (meines) Textes optimal entgegenkommt (also: Auto fahren und radfahren wird bei mir vereinheitlicht; „wohlgeformte Frau“ und „wohl geformte Frau“ entsprechend behandelt).

Ich weiche mal auf ein völlig anderes Sachgebiet aus, das leider eben doch außerordentlich viel mit unserem heutigen Verständnis der Dinge zu tun hat, auch und grade mit der heute überall penetrant festzustellenden Rechthaberei: Es ist mir sch…egal, ob diese Regierung und dieser Kanzler deren großkotzigen, riesigen Versprechungen, er werde die Arbeitslosenzahlen halbieren, einhält, einhalten kann, erreichen kann, oder nicht (daran sollen wir sie messen, grins). Ich nehme es, wie es kommt.

Aber jetzt was anderes: warum Du meinst, daß „Antal“ weiblich ist, geht mir nicht so richtig in den Kopf? Antal ist die ungarische Version von Anton, und der ist männlich, durch und durch. Das könnte ich sogar ganz leicht beweisen; :smile:))

Antal

Servus Antal,

sorry, aber der Name klingt für mich weiblich.
Ist ungefähr so wie Alex als Abkürzung für Alexandra - klingt männlich.

Übrigens, die Zahl der Arbeitslosen läßt sich mit Hilfe der NRR weit mehr als halbieren.

Aus Arbeitslose wird Arbeits Lose,
und aus Arbeitslosenzahlen wird ganz einfach Arbeitslose zahlen.

Gruß Richy