Hi Raimund
Du schreibst sehr poetisch, und insofern auch einleuchtend 
Ich hatte auch nicht unbedingt die Absicht, auf die gestellte (jahrtausende alte) Frage eine Antwort zu geben. Das wäre müßig.
Interessieren tut mich vielmehr, welche Wege gegangen werden, um dennoch eine Antwort zu finden. Nicht umsonst hat (vielleicht) Sybille die Frage ja in diesem Brett, und nicht im Biologiebrett gestellt… aber die meisten Antworten enthalten ausschließlich biologische Argumente.
Bei solchen Fragen ist es immer ganz nützlich, zu reflektieren, welche Vorwegnahmen in ihnen bereits enthalten sind, und vor allem, ob sie (an der Intention des Fragenden gemessen) auch präzise genug formuliert sind.
Die Frage, wodurch sich menschliches Leben auszeichnet macht aber folgende Vorwegnahme:
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es ist nach dem Beginn des individuellen Lebens gefragt, nicht nach dem Leben als biologisches Phänomen überhaupt (das ist ein kontinuierlicher Prozess, beginnt als gar nicht bzw. beginnt vor 2-3 Mrd Jahren)
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es ist nach menschlichem Leben im Unterschied zu anderem Leben gefragt
Dies - zusammen mit der Tatsache, daß nicht im Biobrett gefragt wurde - sollte sich so zusammenfassen lassen:
Wodurch zeichnet sich ein biologisches Individuum als Mensch aus (d.h. was am Menschen ist nicht nur biologisch zu verstehen). Und weiter - da auch menschliche Individualität ganz fraglos an biologische Individualität (auch ein biologisch problematischer Begriff, wie ein Poster schon bemerkte) gekoppelt ist - kann man in der biologischen Entwicklung des Individuums (beginnend mit der Befruchtung) irgendeine Phase ausmachen, die man als Beginn des „Menschseins“ dieses biologischen Objektes assoziieren könnte?
Wenn man aber davon ausgeht, daß der Mensch durch etwas charakterisiert ist, das sich nicht biologisch bestimmen läßt (davon geht die Fragestellung nämlich aus, sonst hätte sie nämlich gelautet „wann beginnt individuelles biologisches Leben“ und nicht „wann beginnt menschliches Leben“), dann ist klar, daß die Frage oben auf eine nur metaphorische Antwort abzielt.
Alle Antworten vom Typ „Spermium dringt in Eizelle ein“ zwichnet nicht den Menschen aus, sondern jedes metazoische Individuum bzw. alle Individuen aus Phyla, die sich per Sexualität reproduzieren.
Bewundernswert (wie du es so schön beschrieben hast) ist der Reproduktionsmechanismus in allen eukaryotischen Lebensformen. Biologisch zeichnen sich die Primaten (nicht allein die Gattung Homo) allein durch die Größe und Komplexität des Genpools. Das macht den Menschen nicht aus.
Wenn man aber davon ausgeht, daß Menschen (nichtbiologisch bestimmt) durch einen biologischen Mechanismus allein ein weiteres Individuum erzeugen können, das dan ebenfalls Mensch ist, das ist allerdings speziell bewundernswert: es ist dann aber immer noch eine Bewunderung der (biologischen) Natur, nicht aber des Menschen…
Was soll man unter „Tun“ verstehen?
Ich meinte es nicht trivial - Nagel und Goethe sind ja vielleicht (wir wissen es noch nicht) eine Frage des Gensatzes - also wiederum eine biologische.
Ich meinte damit (natürlich nur vorab und als Ansatz) alles, was die biologische Natur allein nicht möglich macht - z.B. Fragen stellen vom Typ „was macht den Menschen aus?“
Grüße
Metapher