Lebensziel Kind(er) - wenn unerfüllt geblieben

Hallo Ihr Lieben,

wenn sich dieser größte Lebenswunsch trotz Wunsch und Plan und … nie nicht erfüllt (hat) - was dann? Wie kommt man/frau damit zurecht, wenn das eigene Lebensglück *eigentlich* darauf abgestellt war und ist?
Gibt es Selbstvorwürfe, evtl. zu wenig dafür getan zu haben? Wann hören sie auf?
Was hilft: Therapeut, Adoption, Ehrenamt mit Kindern … ?

Das würde ich gern aus der Perspektive „danach“ hören, wenn also die Familienplanung definitiv abgeschlossen ist.

Gerne auch Tipps zu weiterführenden Webseiten.

Danke fürs Lesen!
Val

Adoption sollte nicht die Antwort sein
Hallo,

Was hilft: Therapeut, Adoption, Ehrenamt mit Kindern … ?

Adoption sollte nicht die Alternative sein. Den Kindern zuliebe.
Bei einer Adoption sollen Eltern für Kinder gefunden werden, nicht Kinder dazu benutzt werden, jemandens Lebensziel zu erfüllen.

Gruß
Elke

sehe ich auch so

Bei einer Adoption sollen Eltern für Kinder gefunden werden,
nicht Kinder dazu benutzt werden, jemandens Lebensziel zu
erfüllen.

Genau. Wie kommt man aber aus der Lebenskrise raus? Die Gedanken können ein einziger Teufelskreis sein …

Ich suche nach Antworten von Menschen, die eine Möglichkeit gefunden haben, damit umzugehen.

Hi Elke,

Bei einer Adoption sollen Eltern für Kinder gefunden werden,
nicht Kinder dazu benutzt werden, jemandens Lebensziel zu
erfüllen.

Das sag mal Angelina Jolie!!
Gruß,
Claudia

Gruß
Elke

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Hallo Valle,

ich hab vorhin schon mal angesetzt, es dann doch wieder gelassen.

Das ist nämlich gar nicht so einfach zu beantworten, finde ich.

Mich würde interessieren, warum das Dein Lebensziel war/ist? Was sind Deine Gedanken dazu?

Verstehen kann ich Deinen Gedanken schon. Ich wusste schon ziemlich früh, dass mein Traum Mann, zwei Kinder, Haus und Hund war.

Nun, das ist ein bisschen anders gekommen. Ich habe ein Kind, das mittlerweile erwachsen ist. Der Vater hat sich an meinem „Traum“ nicht so sehr lang beteiligt und Kind geht heute eigene Wege. Ohne Frage, es war eine schöne Zeit. Aber irgendwann war es auch eine recht nervenaufreibende Zeit. Ich hatte meine Vorstellungen von Eltern-Kind-Beziehung, die anscheinend etwas neben der Realität war *gg

Nicht falsch verstehen, ich bereue nichts :smile:

Was für Dich das Richtige wäre, das kann ich nicht beurteilen. Das musst Du vermutlich selbst herausfinden. Therapie - Adoption - Ehrenamt … wow, da liegen für mich Welten zwischen. Therapie käme ja dann in Frage, wenn Dich das Thema so belastet, dass es für Dich ein Problem ist, das Du selbst nicht lösen kannst.

Wenn Du Dich gern für Kinder einsetzen möchtest, dann wäre ehrenamtliche Arbeit vielleicht nicht schlecht? Vielleicht informierst Du Dich mal beim Kinderschutzbund?

Adoption? Ja, weiss ich nicht. Das kann ich nicht beurteilen, ob das für Dich in Frage kommen könnte. Den Verweis auf Angelina Jolie sehe ich zwiespältig, weil wohl kaum ein „nicht Promi“ so schnell zu einem Adoptiv-Kind kommen würde.

Aber nicht nur deswegen. Du solltest Dir zunächst überlegen, was Deine wirkliche Intention ist.

Liebe Grüße
usch

Hallo Val,

meiner Ansicht nach gibt es da keinen Kunstgriff, der einem zur Lebenszufriedenheit verhilft.
Das ist grundsätzlich eine Frage wie die Einstellung zur eigenen Biographie ist, nämlich darüber nachzudenken, was einen glücklich machen kann, und nicht darüber zu trauern, was einen unglücklich macht.

Mit Grüßen
Reni

Hallo Val,

und Paare, die Kinder haben, sehen ihr Lebensziel wiederum nicht erreicht, wenn sich der Nachwuchs nicht so entwickelt, wie sie es erwartet haben.

Alle Dinge kann man von zwei Seiten betrachten!

LG
Birgitt

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Hallo,

Lebensziel Kind(er) - wenn unerfüllt geblieben

wenn sich dieser größte Lebenswunsch trotz Wunsch und Plan und … nie nicht erfüllt (hat) - was dann? Wie kommt man/frau damit zurecht, wenn das eigene Lebensglück *eigentlich* darauf abgestellt war und ist?

Du hast ein sehr schönes Ziel auf Deine Fahnen geschrieben, denn eine Familie mit Kindern ist aus meiner Sicht sehr erstrebenswert! Die Gesellschaft hat das leider noch nicht erkannt.

Was nun? Du konntest Deine Liebe nicht Deinen eigenen Kindern schenken, so schenke sie anderen Kindern oder anderen Menschen! Es ist etwas sehr, sehr großes, wenn Du ein armes, allein stehendes Kind aufnimmst, es versorgst, ihm eine gute Erziehung mit viel Z e i t und Herzenswärme schenkst und eine gute Ausbildung gibst. Jesu wird gewiß Deinen guten Willen und Deine Tat segnen!

Gibt es Selbstvorwürfe, evtl. zu wenig dafür getan zu haben? Wann hören sie auf?

Ich bin der Ansicht, dass die Kinderlosigkeit in der Regel durch eine falsche Lebensweise und Ernährung hervorgerufen wird. Die Forschungen von Prof. Kollath und anderen Naturforschern zeigen das ganz deutlich.

Der Mensch hätte mit unserer Zivilisationskost und Lebensweise keine Jahrtausende überlebt. Deshalb sollten wir uns wieder auf ein einfaches, naturgemäßes Leben und auf eine einfache, gesunde Ernährung zurück besinnen.

Der Mensch ist aber sehr regenerationsfähig und kann bei einer Umstellung noch viel erreichen.

Wenn es trotz allem nicht geht, so nimm die Lage willig an und übe Dich in der Liebtätigkeit. Siehe oben.

Herzliche Grüße
Helmut

Ein freundliches Hallo in die Runde :wink:!

Den schönen Worten von Helmut möchte ich mich in jedweder Hinsicht anschließen und noch Folgendes hinzufügen:

Ich (bzw. mein Mann und ich :wink:) habe(n) einen Sohn, inzwischen 13 Jahre alt, meine Schwester hat aus Überzeugung auf Kinder verzichtet, obwohl sie sie sehr mag und sehr gut mit ihnen umgehen kann.

Meine Schwester steht auf dem Standpunkt, kinderlose, aber kinderliebe Menschen seien gleichermaßen tragende Säulen der Gesellschaft, denn sie können sich gelegentlich sehr intensiv und sehr hingebungsvoll mit „fremden“ Kindern beschäftigen und in deren Leben eine wichtige Rolle einnehmen. Indem sie die Eltern mal „entlasten“ (wenn ich das mal so bezeichnen darf, denn punktuell empfinde ich das so, wenngleich heute weniger als früher), ermöglichen sie erst ein harmonisches Familienleben.

Ich kann dies wirklich absolut bestätigen. Solche Menschen übernehmen ein Kind mal für ein paar Stunden, Tage oder gar Wochen und alle Beteiligten genießen es sehr. Wer selbst Kinder im Haushalt hat, verwaltet natürlich aus Gefälligkeit auch gelegentlich mal „fremde“, aber das ist nicht dasselbe.

Eine befreundete Nachbarin, ebenfalls kinderlos, hat diverse Nichten und Neffen. Obwohl sie, wie ich, nicht berufstätig ist, ist es oft schwierig, mal ein Treffen zustandezubringen, weil sie so oft irgendwo dringend benötigt wird.

Ohne solche Menschen käme das alltägliche Familienleben nicht mal in die Nähe des Klischees „Familienidylle“.

LG
sine

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Hi Claudia!

Oder Madonna…

Ein Kind aus einem anderen Kulturkreis zu adoptieren und als Mode Assecoire herumzutragen, scheint leider momentan in Hollywood „IN“ zu sein, so wie vorher der arme Minihund von Paris Hilton.

Gruß
Siân

Hallo Valle,

ich möchte Dir vorschlagen, den Wunsch nach Kindern nicht „Lebensziel“ zu nennen, sondern einfach Wunsch. Denn „Lebensziel“ impliziert, das eigene Leben als irgendwie weniger wert oder gescheitert anzusehen, wenn der Wunsch nicht in Erfüllung geht. Du machst es Dir damit also unnötig schwer.

Ich hätte auch gerne Kinder gehabt. Es ist zwar theoretisch noch möglich (wie übrigens lt. ViKa auch in Deinem Falle, sofern nicht medizinische Gründe dem entgegenstehen), aber nicht sehr wahrscheinlich. Selbstvorwürfe haben keinen Sinn, weil man die „großen“ Dinge des Lebens nicht wirklich planen kann, im Gegensatz zu kleinen und vielleicht banalen Vorhaben. Da ist man machtlos und muß im Grunde froh sein, wenn die Dinge einem solchen Wunsch gemäß laufen.

Es ist also normal, wenn Wünsche nicht in Erfüllung gehen und es steht kein wie immer geartetes schuldhaftes Versagen dahinter. Da kannst Du Dich von dem Wunsch nur trennen, und logischerweise auch traurig darüber sein, dann aber Dich anderem zuwenden.

Ich habe diesen und manche andere Wünsche hinter mir lassen müssen. Jetzt will ich nur noch, daß es mir selber gut geht. Dann sehe ich weiter.

Grüße,

I.

Hallo Elke,

ich finde, deine Antwort stimmt nur für diejenigen zur Adoption freigegebenen Kinder, die eine Zukunftsperspektive und vernünftige Lebensbedingungen haben. Wenn ein ernsthaft krankes Kind keine adäquate medizinische Versorgung im Kinderheim seines armen (im finanziellen Sinne) Heimatland erhält oder Kinder in dem Heim völlig vernachlässigt werden, dann ist für diese Kinder jede liebende Familie eine Chance.

10% der ehemaligen Heimkinder in Russland begehen kurz nach ihrer Entlassung aus dem Heim Selbstmord. Viele junge Frauen (bis zu 60%) werden Opfer von Menschenhandel. Schwer kranke Kinder werden wie Tiere behandelt (in einem ukrainischen Kinderheim für Kinder mit Down-Syndrom sterben jährlich 10% der Kinder, das sind 5 von 50 jedes Jahr; in anderen russischen und ukrainischen Kinderheimen für psychisch oder körperlich behinderte Kinder müssen die Kinder nackt in ihrem eigenen Kot schlafen, also völlig ohne adäquate Versorgung; schau dir bitte diese Seiten an: http://www.iwanuschka.de/ und http://www.deti.zp.ua/eng/index.php !). Aber auch gesunde Kinder sind dort sehr häufig unterentwickelt (können z.B. mit 10 Jahren immer noch nicht lesen, haben gravierende Entwicklungsrückstände, weil sie nicht gefördert werden, haben psychosomatische Krankheiten, die nach Adoption ausheilen usw.). Neugeborene werden in Krankenhäusern zurückgelassen und leben dort mehrere Jahre lang, bevor sie in ein Kinderheim kommen.

Das sind schreckliche Zustände und für diese Kinder bedeutet jede EIGENE Familie, die sich um sie sorgt, selbst wenn sie nach deutschen Maßstäben nicht ideal passt, eine Chance. Die Chance auf ein menschliches Leben.

Grüße,
Anja

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Hi,

Auch Kinder mit schlechten Ausgangsvoraussetzungen sind nicht dafür da, für andere Lebenszweck zu sein.
Es geht einfach nicht, dass man zwei schlechte Situationen zusammenwirft, und hofft, dass daraus etwas Gutes entsteht. Das funktioniert genausowenig, wie wenn man einem Kind sagt, es soll seine Suppe aufessen, weil es in der Sahelzone Kinder verhungern.
So schrecklich die Zustände sind, die du beschreibst (und ich könnte aus meinen Erfahrungen anders schreckliche Zustände aus Afrika schildern), sie haben konkret sehr wenig mit der Ausgangsfrage zu tun.

Gruß
Elke

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Hi,

zwei schlechte Situationen

was ist so schlimm daran, wenn ein Kind der größte Wunsch einer Frau ist? Ich kann mir vorstellen, dass diese Frauen sehr fürsorgliche und liebende Mütter werden und die (adoptierten) Kinder es bei ihr mehr als gut haben. Egal, ob sie aus Deutschland oder einem armen Land kommen.
Ich denke, da kann man nicht von einer schlechten Situation sprechen.

Gruß,

Steffie

Hallo Elke,

Auch Kinder mit schlechten Ausgangsvoraussetzungen sind nicht
dafür da, für andere Lebenszweck zu sein.

ich verstehe einfach nicht, warum ein Kind, dass vielleicht zu den 10% gehört, das im russischen Kinderheim sterben würde (und andernfalls mit an 100% grenzenden Sicherheit bis zu seinem frühen Tod hungrig und einsam dahinvegetieren würde) es deiner Meinung in einer Familie schlechter haben sollte, in der es Lebenszweck der Eltern sein wird. Also, wenn ich die Entscheidung hätte zwischen Tod (oder solchen Bedingungen hier: http://www.iwanuschka.de/situation-in-russland.htm) und nicht optimalen Adoptiveltern, würde ich mich mit Sicherheit für die zweite Variante entscheiden.

Das funktioniert genausowenig, wie wenn man einem Kind sagt,
es soll seine Suppe aufessen, weil es in der Sahelzone Kinder
verhungern.

Was hat das bitte damit zu tun? Klar ist diese Aussage bezüglich des in unserem Wohlstandsland aufwachsenden Kindes sinnlos. Aber ich sehe überhaupt keinen Zusammenhang mit der von mir geschilderten Situation.

So schrecklich die Zustände sind, die du beschreibst (und ich
könnte aus meinen Erfahrungen anders schreckliche Zustände aus
Afrika schildern), sie haben konkret sehr wenig mit der
Ausgangsfrage zu tun.

Indirekt schon. Nämlich deshalb, weil sich die Fragestellerin Gedanken über eine Adoption macht und ihr hier geantwortet wird, in ihrer Situation sei es für das Kind auf jeden Fall schlecht. Ich bin der Überzeugung, dass man es aus Sicht des Kindes relativ sehen muss, sprich: Welche Situation ist für dieses Kind besser und menschenwürdiger?

Gruß,
Anja

Hi,

zwei schlechte Situationen

was ist so schlimm daran, wenn ein Kind der größte Wunsch
einer Frau ist?

Weil dann ein Mensch benutzt wird (das Adoptivkind hat keinerlei Möglichkeiten darauf Einfluss zu nehmen, ob es „erwählt“ wird oder nicht). Es ist für das Lebensglück eines anderen verantwortlich.

Ich kann mir vorstellen, dass diese Frauen
sehr fürsorgliche und liebende Mütter werden und die
(adoptierten) Kinder es bei ihr mehr als gut haben.

Das ist die Frage. Ich habe schon mit zuvielen Eltern zu tun gehabt, deren „größter Wunsch“ ein Kind war. Man kann, wenn die Kinder erwachsen geworden sind, nicht mehr abschätzen, was besser gewesen wäre: die Situation ist nun einmal so, wie sie ist, aber in zuvielen Fällen habe ich sehr unglückliche Erwachsene erlebt.
Was ist überhaupt „mehr als gut“? Nur eine Frage, die die Richtung meiner Gedanken andeuten will: Müssen Adoptivkinder dankbar sein, dass sie gerettet wurden?

Egal, ob
sie aus Deutschland oder einem armen Land kommen.
Ich denke, da kann man nicht von einer schlechten Situation
sprechen.

Doch. Adoption entsteht immer aus schlechten Situationen heraus. Die abgebenden Eltern können ihre eigenen Kinder nicht behalten - da gibt es keine Möglichkeit, dass dies aus einer guten Lage entsteht. Die verlassenen Kinder sind verlassen worden - damit müssen sie ihr ganzes Leben leben. Die Adoptiveltern sind meist Eltern, die auf biologische Art keine Kinder bekommen können - das ist eine Verletzung. Durchaus vergleichbar mit Eltern, die ein Kind durch Krankheit oder Unfall verloren haben (viele Adoptiveltern haben dazu noch eine „Karriere“ in Behandlungszimmern hinter sich, um doch noch auf „natürlichem“ Weg zu Kindern zu kommen). Das muss verarbeitet sein, bevor man sich auf ein Adoptivkind einlässt.

Ich will nicht jede Adoption per se ins schlechte Licht rücken.
Wer das mag, möge dort ein bisschen in den Diskussionen stöbern:
http://www.adoption.de/
ich möchte nur immer wieder davor warnen, Adoption als Lösung von Problemen von Eltern zu sehen.

Was die internationalen Adoptionen betrifft, so gibt es einleuchtende Gründe, warum sie mit sovielen Hindernissen belegt sind, und warum sich immer wieder Organisationen aus diesem „Geschäft“ zurückziehen.

Ein Kind großzuziehen, bedeutet eine große Verantwortung (ob sich Eltern dessen bewusst sind oder nicht). Ein Kind großzuziehen bringt - bei aller Freude - viele Probleme mit sich, vor allen Dingen bringt es viele nicht-voraussehbare Probleme mit sich. Ein Kind zu adoptieren, bringt mehr Probleme mit sich, manche voraussehbar, manche nicht. Ein Kind aus einem fremden Kulturkreis zu adoptieren (selbst wenn man das dem Kind äußerlich nicht ansieht), bringt noch einmal mehr Probleme mit sich.

Die teilweise absurde Schlußfolgerung aus diesen Thesen (die aber keine Theorie sind, sondern belegt) ist, dass gerade diese Eltern, für die Kinder NICHT automatisch in die Lebensplanung gehören und die ein Kind NICHT als ihren größten Wunsch bezeichnen, sich in der Praxis als die Eltern zeigen, die besser geeignet sind, mit vielen dieser Probleme umzugehen.

Gruß
Elke

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Und hier eine ganz konkrete Frage an dich. Würdest du tatsächlich sagen, es sei besser für das Kind, in dem Heim mit den weiter unten zitierten Bedingungen zu bleiben, als in eine Familie aufgenommen zu werden, deren „Lebenszweck“ das Kind ist? Falls du diese Frage mit „Ja“ beantwortest, haben wir wohl wirklich völlig unterschiedliche Ansichten von einem menschenwürdigen Leben.

"Die Kinder sitzen tagein, tagaus ohne Spielzeug in Bett-Käfigen. Dreimal täglich werden sie ungenügend und ungeduldig gefüttert und zweimal aus ihrer nassen Wäsche befreit. Windeln gibt es nicht. Viele Kinder ziehen sich die nassen Kleider selbst vom Leib.

Durch unausgewogene Ernährung, Beruhigungsmittel und mangelnde Hygiene haben viele Kinder Hautausschlag. Da diese Kinder keiner unterrichtet, sind die Kinder unterentwickelt, kleinwüchsig und gestört.

Auf einer Station mit etwa 40 Kindern arbeitet im Internat Nr. 30 eigentlich eine Krankenschwester mit vier ungelernten Betreuerinnen. Häufig sieht man jedoch nur ältere, im Internat lebende Behinderte, die die nötigste Arbeit verrichten.

[…]

In einem Heim müssen sich bis zu 50 Kinder eine Pflegerin teilen, so dass keines mit ausreichend menschlicher Zuwendung aufwächst. Die Kinder liegen apathisch im Bett, werden nur in Eile gefüttert und gelegentlich gewaschen. Durch schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung sind viele kleinwüchsig, haben Haut- und Organkrankheiten und Verhaltensstörungen. Die meisten lernen weder laufen noch sprechen und sterben noch im Kindesalter."

Erfahrungsbericht einer deutschen Helferin:

"Hat man das Wärterhäuschen mit den davor lungernden, herrenlosen Hunden passiert und öffnet die Tür zum ersten Korpus des „Internats“, schlägt einem schon der süßliche Geruch von Urin entgegen. In der Vorhalle, in die selten ein Kind kommt, sind die Wände bunt bemalt, während die anderen Zimmer steril weiß sind.[…]

Mit Tilo zusammen arbeitete ich auf einer Station in der ersten Etage, wo sowohl Kinder sind, die nur im Bett liegen, als auch welche, die gehen können. Aber auch von denen, die sich mehr oder weniger aufrecht bewegen können, dürfen nur ein paar „Lieblinge“ das Bett oder Ställchen verlassen, das in der Mitte des Zimmers steht. Kinder, die das nicht kapieren und sich selbst aus ihrem Käfig befreien, werden eben angebunden.

Die Kinder sitzen tagaus, tagein in diesen Zimmern ohne Spielzeug, werden drei Mal täglich gefüttert und zwei Mal umgezogen. Ansonsten kümmert sich keiner um sie. Dadurch sind die Kinder unterentwickelt, kleinwüchsig und gestört. In vielen Fällen ist gar nicht mehr zu unterscheiden zwischen der Behinderung, die das jeweilige Kind in das Kinderheim geführt hat, und den Schäden, die durch das Existieren in demselben entstanden sind. Hospitalismus ringsum: das vorherrschende Geräusch in der Totenstille ist das rhythmische Klopfen von Kinderköpfen an Wände und Gitterbetten. Die Kinder müssen einen Drang haben, sich zu spüren, der bis dahin reicht, daß sie sich verletzen. Auf der anderen Seite scheint sie das Rhythmische ihrer Schaukelbewegungen zu beruhigen und zu entfernen von der elenden Realität.[…]

Es ist schwer vorstellbar, daß diese kleinen, blassen Kinder mit den kurzgeschorenen Haaren und den bunten Anzügen alle älter als sechs Jahre alt sind, denn sie sehen aus wie Kleinkinder. Aber in „Internate“ kommen nur Kinder ab diesem Alter. Auf unserer, der Station für „liegende“ Kinder sind die, die entweder wegen körperlicher Behinderungen wirklich nicht gehen können, und die, die es bis dahin einfach nicht gelernt haben zu gehen. Dabei muß man sich aber vor Augen halten, daß der Raum, auf dem sie gehen lernen könnten, aus der 1,5 m langen, weichen Matratze in ihrem Bett besteht! (Da werden diese Kinder als „entwicklungsunfähig“ abgetan, dabei gibt es welche, die sich unter diesen Umständen selbst das Gehen beibringen; das soll mal einer nachmachen…) Von diesen „liegenden“ können ein paar unsicher gehen, aber keines kann sprechen, weil keiner mit ihnen spricht.[…]

Die wenigen Dinge, die zum Alltag im Kinderheim gehören, beherrschen die Kinder gut. Fast alle können sich auf ganz niedliche Weise Hemd und Hose an- und ausziehen (weiter haben sie nichts an), ihren Urin mit dem Bettuch aufwischen und einige versuchen sogar, nur eine Eck ihres Bettes naß zu machen und die andere trocken zu halten. Einmal hatte ich vergessen, einen Wassereimer vom Bodenwischen wegzuräumen. Schneller als ich gucken konnte, war Olga, ein Mädchen mit Down-Syndrom, auf dem Fußboden zu dem Eimer gerutscht und fing an, mit dem dreckigen, nassen Feudel den Boden zu wischen, was sie oft gesehen haben muß. Ein anderes Mal zog mir ein kleiner Down-Junge meine Schuhe aus, und als ich wenig später nach ihm sah, war er, der wohl nie in seinem Leben Schuhe angehabt hat und schon gar nicht in der Größe, dabei, sich meine Schuhe anzuziehen.[…]

Schrecklich ist immer das Mittagessen. Aus Metallschüsseln wird mit großen Löffeln den im Bett liegenden Kindern ein Mix aus Kartoffelbrei, Suppe und Hackfleisch in den Mund geschaufelt. Die Kinder schreien, bis sie zu essen bekommen, schauen beim Essen nur auf den Teller und schlucken und schlucken in Hetze - und schreien, wenn sie abgefertigt sind. Die, die stehend im Ställchen gefüttert werden, drängeln einander weg, um noch einen Löffel zu ergattern. Durch die Angst der Kinder, nicht genug zu bekommen, und die Ungeduld des Personals landet natürlich ein Großteil des Essens statt im Mund im Bett, auf der Kleidung oder in den Haaren der Kinder. Diese Atmosphäre des Gierens, des Kampfes, Geschreis und der Eile in dem ansonsten monotonen, totenstillen Alltag machen das Essen zu einem Horror.

Es ist wohl nicht nötig zu betonen, daß die Nahrung nicht abgestimmt ist auf die Krankheiten der Kinder, was dazu führt, daß fast alle aufgeblähte Bäuche, spindeldürre Arme und Beine und Ausschläge am ganzen Körper haben, die wohl großenteils von Beruhigungsmitteln kommen."

Und hier eine ganz konkrete Frage an dich. Würdest du
tatsächlich sagen, es sei besser für das Kind, in dem Heim mit
den weiter unten zitierten Bedingungen zu bleiben, als in eine
Familie aufgenommen zu werden, deren „Lebenszweck“ das Kind
ist? Falls du diese Frage mit „Ja“ beantwortest, haben wir
wohl wirklich völlig unterschiedliche Ansichten von einem
menschenwürdigen Leben.

Ich halte einfach die Fragestellung für falsch. Das war auch mit meinem Suppen-vergleich gemeint.

Vielleicht kennt jemand die Geschicht von Arun
http://plattform.knienieder.com/sites/fernsehen.htm
(runterscrollen zu „Aruns Wut - ein Adoptivkind klagt an“.
Dieser Dokumentarfilm (und die Geschichte dazu, die in Adoptionsforen lang und breit diskutiert wurde) zeigt vielleicht ein paar der Probleme, die auftauchen können.
Der erwachsene Adoptierte, der über seine Adoption reflektiert und an seinem Leben leidet, vergleicht sich nicht mit den 10% an gestorbenen Kindern.

Meine anderen Gedanken zu dem Thema stehen in dem längeren Posting.

Gruß
Elke

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Hallo,

Und hier eine ganz konkrete Frage an dich. Würdest du
tatsächlich sagen, es sei besser für das Kind, in dem Heim mit
den weiter unten zitierten Bedingungen zu bleiben, als in eine
Familie aufgenommen zu werden, deren „Lebenszweck“ das Kind
ist? Falls du diese Frage mit „Ja“ beantwortest, haben wir
wohl wirklich völlig unterschiedliche Ansichten von einem
menschenwürdigen Leben.

Ich halte einfach die Fragestellung für falsch. Das war auch
mit meinem Suppen-vergleich gemeint.

wie gesagt, die Parallele zu der Suppe verstehe ich nicht. Für mich sind das zwei Paar Schuhe. Das „Suppenkind“ lebt bereits in menschenwürdigen Verhältnissen. Mag sein, dass diese Verhältnisse besser sein könnten, aber jedenfalls droht es nicht zu sterben.

Vielleicht kennt jemand die Geschicht von Arun
http://plattform.knienieder.com/sites/fernsehen.htm
(runterscrollen zu „Aruns Wut - ein Adoptivkind klagt an“.
Dieser Dokumentarfilm (und die Geschichte dazu, die in
Adoptionsforen lang und breit diskutiert wurde) zeigt
vielleicht ein paar der Probleme, die auftauchen können.
Der erwachsene Adoptierte, der über seine Adoption reflektiert
und an seinem Leben leidet, vergleicht sich nicht mit den 10%
an gestorbenen Kindern.

Das mag sein. Was aber schlägst du vor? Wäre es besser, wenn dieses Kind zu eben jenen 10% gehört hätte? Wäre es besser, wenn er jetzt gar nicht die Möglichkeit für seine „Anklage“ hätte, weil er längst im Grab läge? Oder wenn er, geistig und körperlich völlig unterentwickelt, zu einem drogenabhängigen Straßenbettler werden würde? Wobei ich mich aber mit den Zuständen der indischen Kinderheime nicht auskenne, doch vermute ich, die Situation der Kinder dort nicht wesentlich anders ist als in den russischen Heimen.

Ich kenne mich mit der Problematik von Heimkindern in Russland etwas aus. Ich habe auch persönlich Kontakt zu einem langjährigen Straßenkind, das selbst sagt, wäre es nicht nach einem Suizidversuch von einem Adoptivvater gefunden und aufgepäppelt worden, es heute nicht mehr leben würde. Und das alles, obwohl sein Freund (der ebenfalls in die Familie aufgenommen wurde), von eben jenem Adoptivvater sexuell missbraucht wurde - doch auch er hätte das Leben in dieser „Familie“ nicht gegen den sicheren Tod auf der Straße eingetauscht (wo diese Kinder unter anderem als minderjährige Callboys dienen mussten). Ich weiß, das können wir von unserem Standpunkt nicht nachvollziehen, aber ich weiß das aus dem Mund eines Betroffenen, der SEHR viel auf russischen Straßen erlebt hat. Natürlich spricht er auch mit gespaltenen Gefühlen über seinen Adoptivvater, natürlich lebt er auch heute nicht in einer heilen Welt, natürlich wird er auch heute von den schlimmen Erinnerungen immer wieder eingeholt und wird diese Last nie mehr loswerden. Aber gleichzeitig weiß er genau, dass er dem Adoptivvater sein Leben verdankt und hätte sein Schicksal nicht dagegen eintauschen wollen, damals gestorben zu sein. Sein Lebenswille ist größer als alles andere.

Verstehe mich nicht falsch. Ich möchte an dieser Stelle auf keinen Fall behaupten, eine Familie, die Gewalt irgendeiner Art ausführt, sei eine, durch die ich eine Adoption befürworten würde! Davon reden wir hier aber gar nicht. Denn du sprachst von einer Familie, deren Lebenszweck das Kind sei. Das kann später zu psychologischen Problemen beim Adoptivkind führen, muss aber nicht. Gerade im Fall schwerkranker Kinder wäre das in vielen Fällen aber die letzte Rettung für das Kind. Alternative: Tod.

Gruß,
Anja

Hallo,

Ich halte einfach die Fragestellung für falsch. Das war auch
mit meinem Suppen-vergleich gemeint.

wie gesagt, die Parallele zu der Suppe verstehe ich nicht. Für
mich sind das zwei Paar Schuhe. Das „Suppenkind“ lebt bereits
in menschenwürdigen Verhältnissen. Mag sein, dass diese
Verhältnisse besser sein könnten, aber jedenfalls droht es
nicht zu sterben.

Was ich damit meinte: genauso wie es dem Kind, dem es total wurscht ist, dass in Afrika/Asien oder sonst wo, Kinder Hunger leiden, wenn es seine Suppe nicht essen will, weil das eine nichts mit dem anderen zu tun hat, so hat das Elend von Heimkindern in Russland/Malawi/Indien nichts mit den Kinder- und Lebenswünschen von westlichen Erwachsenen zu tun.

Das mag sein. Was aber schlägst du vor? Wäre es besser, wenn
dieses Kind zu eben jenen 10% gehört hätte? Wäre es besser,
wenn er jetzt gar nicht die Möglichkeit für seine „Anklage“
hätte, weil er längst im Grab läge?

So wie er es beschreibt, würde er es vorziehen. Ich maße mir darüber kein Urteil an.

Oder wenn er, geistig und
körperlich völlig unterentwickelt, zu einem drogenabhängigen
Straßenbettler werden würde?

Dann könnte er nicht über die Alternative nachdenken.

Wobei ich mich aber mit den
Zuständen der indischen Kinderheime nicht auskenne, doch
vermute ich, die Situation der Kinder dort nicht wesentlich
anders ist als in den russischen Heimen.

Deine Einzelfallschilderung ist natürlich tragisch und anrührig. Aber mir ging und geht es um etwas anderes: eine viel differenziertere Sichtweise von Adoption. Ich halte Adoption - aus eigener Erfahrung und aus Erfahrung mit Adoptiveltern, -kindern und abgebenden Eltern für eine idealisierte Verhaltensweise und je blauäugiger (oder kinderwunsch-besessener) man potentielle Adoptiveltern (die einzigen, die in diesem Dreieck eine Wahl haben) in diese Problematik hineinlaufen lässt, desto größer werden die Probleme (die fast nur von den Adoptivkindern ausgebadet werden müssen).

Elend in Kinderheimen gab es schon immer (heute ist die Blickrichtung eher nach Osteuropa, früher ging sie eher nach Fernost). Auch wenn das Einzelschicksal betroffen macht - die Lösung kann nicht durch Auslandsadoptionen kommen, sondern nur durch ganz konkrete, großangelegte Hilfe vor Ort - oberste Priorität: den Eltern es möglich machen, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern, danach: menschenwürdige Lösungen für diese Kinder im eigenen Land.

Gruß
Elke

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