Ahoi.
Daß Du mir vorwirfst ich hätte keine Ahnung von
der Unilandschaft ist einfach nur grotesk. Ich hab da ein paar
Jährchen mehr auf dem Buckel als Du, und wahrscheinlich auch
mehr Unis als Student und Dozent von innen gesehen.
Du vergißt den entscheidenden Haken dabei und hast demzufolge schlecht gelesen - ich habe Dir vorgeworfen, daß Dein Blick so stark ins Unlogische verzerrt ist, daß Du Deine Erfahrungen sofort auf jeden Studiengang, jede Uni oder sonst etwas pauschalisiert hast.
Und wenn es nunmal so ist, daß leitungsorientierte Bezahlung auf der Breite noch nicht durchgeschlagen ist, und selbst wenn, dann die etwaigen Kürzungen auf dem Rücken der Lehre ausgetragen werden, dann kannst Du Dich auf den Kopf stellen und sonst was für Geschichten erzählen. Fakt ist, läßt man den Störfaktor „Eltern“ beim Themenkomplex Schule weg, sind das im Verhältnis zur Uni paradiesische Zustände FÜR DEN SCHÜLER.
Sicher, im Endeffekt kann man natürlich resignativ sagen „Du hast es doch so gut wie überstanden, und das gar nicht mal schlecht, und gelernt hast Du auch viel…“. Dies ändert aber nichts daran, daß selbst an einer gut betreuten Uni oft für den Lernenden viele Ecken und Kanten exisitieren.
Wenn Du im Grundstudium nur an einer Stelle den falschen Choleriker oder Dozentenidioten sitzen hast, kann es passieren, daß Du wegen sonst was nicht einmal bis ins Hauptstudium kommst.
Man sagt ja nicht, der Abschluß muß hinterhergeschmissen werden, ganz im Gegenteil, aber es gibt einfach momentan keine effektive Möglichkeit auf Lehre und Lehrklima einflußzunehmen.
Klausuren sind doch das beste Beispiel. Wenn der entsprechende Professor er nicht einsieht, daß es eine relativ starke Vornote über die ganze Vorlesung ermittelt geben sollte, steht man dumm da und muß sich auf das Glück am Prüfungstag verlassen. Daß man also das Richtige gelernt hat, daß dann auch halbwegs passende Aufgaben drankommen, daß man nich krank wird et cetera et cetera et cetera.
Würde hier wirklich eine Leistungsorientiertheit und eine Evaluation massiv Einzug halten, wäre vielerorts das System der „Klausur = Fachnote“ längst gebrochen.
Wenn ich von Unilandschaft spreche, meine ich die ganze
Republik. Deine Äußerungen sind durch die Bank weg viel zu eng
gefaßt und damit unsachlich, wenn ein anderer von einem ganz
anderen Rahmen spricht.
Ich auch. Tut mir leid, daß ich nicht immer alles komplett
generalisiere sondern versuche es an Einzelbeispielen zu
erläutern.
Du stellst dann nur fälschlicherweise die Beispiele (also gewissermaßen den Tunnelblick) als der Wahrheit letzten Schluß hin und folgerst eben aus diesen Beispiel auf alles Weitere. Universität besteht aber nicht nur aus Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Mathematik.
Ohne BWL bspw. wüßte ich gar nicht, wo man die vielen Mädchen hübschen hernehmen sollte.

Nochmal: Es gibt keine Übergangsphase
Seit 2 Jahren exostiert nur noch die W Besoldung bei
Neuberufungen. Altprofs sind davon nicht betroffen.
Also hat man automatisch eine Übergangsphase. Solange Rückstände eines anderen Systems vorhanden sind, ist man immer in einer Übergangsphase.
Nochmal Dein Stolperstein: Nur weil es plötzlich heißt „W-Besoldung“ ist nicht die Unilandschaft automatisch eine flächendeckende „W-Besoldung“. Erst nach und nach wenn auch die C-Professuren absorbiert sein werden, dann kannst Du wieder mit Deiner „Leistungsorientiertheit der Besoldung“ etc. anfangen.
Als Ingenieur müßtest Du diesen Gedankengang eigentlich hoch und heilig verstanden haben - denn nur weil ich irgendwo etwas in eine *schwarze Kiste* hineinschicke, muß noch lange nichts herauskommen, oder das herauskommen, was man erwartet oder vermutet hat.
Oder technischer für Dich: Die Unilandschaft hat wie jedes System eine Zeitkonstante.
Du übersiehst brutal die Realität des Alltags, also was alles
möglich ist.
Hör mal zu Stud-Ing.: Ich hab mich jahrelang durch zwei
Studien gequält und anschließend noch 60h Woche über 5 Jahre
promoviert. Dabei muste ich Übungen vor hunderten von
Studenten halten und auch Ansprechpartner un Betreuern für
ihre Fragen sein. Ich bin bei der Evaluierung dabei stets gut
weggekommen. Erzähl Du mir also nicht was harter Uni Alltag
bedeutet.
Das werte ich gar nicht ab - aber Deine Schlußfolgerungen daraus müssen einfach abgewertet werden, weil sie mehrheitlich unlogisch sind.
Du siehst alles nur einseitig aus Deiner persönlichen Meinung heraus:
* schlechte Erfahrungen mit Lehrern auf Deinem Lebensweg + ein paar Berichte aus dem Bekanntenkreis + dubiose Medienberichte = katastrophale Lehrersituation
* tolle Unierfahrungen, tolle Evaluationsergebnisse = empfehlenswerte Situation an Unis
- das ist die grobe Vereinfachung von dem, was Du hier zu dem ganzen Thema gesagt hast.
Bei einer Erörterung würdest Du damit kaum auf eine gute Note kommen, weil jede Auseinandersetzung mit der anderen Seite der Medaille fehlt, ebenso wie das Einräumen etwaiger anderer Fakten- und Erfahrungswerte.
Wenn man Dir für so diesen Erkenntnisgewinn (Feststellungscharakter) über die eigene Meinung bügeln muß, nehm ich das - wie immer - gerne in Kauf.
Es gibt da diesen berühmten Unterschied zwischen eigener Meinung und persönlichem Standpunkt. Deine eigene Meinung ist verfassungsrechtlich geschützt, aber nicht über Kritik erhaben; dagegen ist ein persönlicher Standpunkt immer ein reflektierter, erörternder Gedankgengang.
Toleranz heißt nicht, daß man die eigene Meinung anderer Leute nicht als den Blödsinn entlarven kann, den sie manchmal darstellen.
Die Ansage war eindeutig: Es gab insgesamt weniger Geld für
die Professur, also wurden sofort alle weiterführenden
Lehrverantstaltungen vom Idealmaß auf das nötigste Maß
zurückgefahren.
Das kann der Prof aber nicht entscheiden. Und die Prodekane
für die Lehre hüten sich i.d.R. Veranstalltungen zu streichen.
Da muß der Prof durch. Er wird gezwungen Drittmittel
einzuwerben, da er sonst den Lehrauftrag nicht erfüllen kann.
Diese Umstellung ist schon Jahre her, da gab es diese Diskussion in dem Maße noch gar nicht. Der Prof. hat damals einfach Konsequenzen gezogen und andere Prioritäten gesetzt. Das wurde dann eben so hingebogen, daß die Lehre verknappt wurde.
Ich als Student fand diese Aussage einfach nur schade, denn es ist ein bißchen dünn, zu komplizierten Themen der Höheren Mathematik eine oder zwei Übungen zu haben, die dann am besten noch alle Nuancen abdecken sollen.
Nur soviel: Erkenne einfach an, daß Du mit jemanden diskutierst der
überwiegend miserable Erfahrungen mit Lehrern auf allen Ebenen
gemacht hat.
Wie gesagt: Es ist unter diesen Umständen trotzdem unlogisch, dann derart zu generalisieren, wie Du es tust - also ohne Regulativ, ohne andere Blickwinkel.
Und wenn Dir an einer Diskussion gelegen ist,
dann kommentiere doch mal meine Vorschläge zur
Leistungsbesoldung von Lehrern, anstatt nur auf Unis
rumzureiten.
Meiner Meinung nach müßte man sogar das Einkommen der Lehrer anheben. Ich bin ja nun desöfteren in Schulen, in nachschulischen Horten, in Klassen, stehe vor Klassen/Klassenarbeitsgruppen.
Solange die Schüler einigermaßen gesunden Menschenverstand, ein wenig Willen und vorallem halbwegs Benehmen mitbringen, macht diese Sache riesig viel Spaß.
Spätestens wenn aber solche mißratenen, großmäuligen Bälger das angenehme Klima aufmischen, und man gleichzeitig keine griffige Handhabe zur Maßregelung hat, ist es vorbei mit dem Spaß.
Und in solchen Momenten sage ich mir immer „Ich wöllte diesen Beruf dann nicht ausüben…Respekt vor den Menschen, die sich damit herumschlagen.“
Um also überhaupt wieder Anreiz zu schaffen, müßte man das Geld für den Beruf nach oben schrauben, gleichzeitig natürlich, wie in manchen Bundesländern schon Jahre üblich, das Berufsbeamtentum abschaffen und mehr Handhabe zum Aushebeln von Lehrern bereitstellen.
Das ist aber nur ein kleiner Teil: Das ganze System muß reinstalliert werden. Geregelte, kostenfreie Kindergartenbetreuung 7.00 bis 16.00 Uhr. Zusätzlich Angebote für Eltern, die in einem anderen Zeitfenster arbeiten. Standardmäßige Hortbetreuung direkt nach der Schule. Das erfordert natürlich einen Speiseraum und eine Schulküche, selbst daran mangelt es in weiten Teilen Deutschlands. Vorallem in den Alten Ländern. Die ganze Erziehung muß wieder auf eine Situation zurechtgerückt werden, daß nämlich bis auf die ersten Jahre das Kind mehrheitlich nicht bei den Eltern ist und damit auch anderenorts erzogen und betreut werden muß. Sprich: Schulen und Kindergärten müssen wieder weg von der reinen Bildungsanstalt zur Erziehungsanstalt kommen. Hinzu kommt eine allgemeine Bildungsreform: zentralstaatliche Organisation und Vereinheitlichung der Bildung, Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems hin zu einer 10klassigen Standardschule und anschließender gymnasialer Oberstufe, wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt werden und eine entsprechende Lehrerbeurteilung positiv ausfällt. Ach und so kann man diese Dinge stundenlang fortsetzen.
Es ist eben falsch, sich die Lehrer herauszugreifen und da nun an allen möglichen Reglern zu drehen.
MfG