Hallo,
Liebe Corinne,
das was du da vorbringst kann doch nicht ernsthaft eine
Erklärung sein für eine Reduzierung des Bildungsangebots für
unsere Kinder.
An sich hoffe ich ja, dass Schüler etwas davon haben, dass ihre Lehrer sich fortbilden. Wie Schulen Fortbildungen legen, die sie buchen wollen, liegt nicht in unserer Entscheidungsmacht. Aber es ist nun mal Tatsache, dass wir - wie auch andere Unternehmen - im Schulbereich nie auf die Idee kommen würden, Seminare überwiegend in den Ferien anzubieten. Logischerweise halten wir uns an die Statistiken, die uns zeigen, welche Bereiche von wem, wann am ehesten besucht werden. Dafür betreiben wir natürlich auch Marktforschung. Selbstlos sind wir da keineswegs. Und wo man nicht selbstlos ist, gibt es Gruppen, die darunter leiden. Das kann ich nicht abstreiten.
Das nimmt ja mittlerweile erschütternde Formen
an wie viele Stunden da ausfallen.
Wie gesagt, wie das gehandhabt wird, liegt bei den Schulen und meine Darstellung betrifft sicherlich nur einen Teilaspekt, warum Stunden ausfallen. Gründe für Stundenausfälle liegen ja nicht nur darin, dass Lehrer ständig Fortbildungen besuchen würden. Da sollte man unterscheiden. Stellt sich natürlich die Frage, wie Stundenausfälle begründet werden und warum es keine Alternativangebote gibt.
Ob ich das gutheiße, dass so viele Stunden ausfallen - steht auf einem ganz anderen Stern. Es ging zunächst einmal darum zu klären, warum Seminare oft nicht in den Ferien stattfinden. Ich mag auch noch mal zu bedenken geben, dass die staatlichen Fortbildungsangebote von Lehrern gegeben werden, die nicht alle ihre Seminare nur allein in die Ferienzeit legen können und wollen.
Warum sollen denn für den
Berufstand Lehrer und für die Branche öffentliche Bildung
permanent andere Regeln gelten als für jede andere
Unternehmung?
Von welchen Regeln sprichst du? Wenn wir Fortbildungen in Unternehmen anbieten, dann finden diese auch zur Arbeitszeit statt, für die sie freigestellt werden müssen. Ebenso gibt es hier auch Wochenendseminare - diese wiederum gibt es ebenso für Lehrer, Wochenendseminare sind aber teurer. Auch mit ein Grund, warum man auch in der Woche Angebote unterbreitet. Das muss man auch sagen. Ich sehe da keine unterschiedliche Handhabung. Nur die Folge mag eine andere sein. Aber wenn ein Arbeitnehmer auf eine Fortbildung geht, kostet ihn das auch Arbeitszeit, in der er eventuell Dinge zu erledigen hätte, auf die Kollegen warten.
Die paar? schwarzen Schafe (wie du sie nennst) werden doch de
facto von einem Heer von Mitläufern in diesem Berufstand
gestützt und mitgezogen. In jeder anderen Arbeitsumgebung
würden diese Leute auf die Straße gesetzt und/oder würden
deren Mitarbeiter ein solches Verhalten nicht tolerieren.
Da wäre ich persönlich sehr dafür.
Ich erlebe in Gesprächen mit Lehrern eine ähnliche Stimmung. Die sind nämlich von diesen schwarzen Schafen ziemlich angeödet, weil sie dem Berufsstand des Lehrers ein schlechtes Image geben. Ich bin auch der Meinung, dass es nicht die Kollegen sind, die diese schwarzen Schafe mitziehen. Denn diese schwarzen Schafe gehören meist zu den Kollegen, die auch nicht viel im Kollegium tun, was wiederum bedeutet, dass die anderen Mehraufwand haben. Aber liegen bleiben darf das, was erledigt werden muss, auch nicht. Wie sollen sich also die Kollegen wehren? Schließlich entscheiden sie nicht über den Verbleib des schwarzen Schafes an ihrer Schule, sie haben aber die Folgen zu tragen (schlechter Ruf, Verärgerung der Eltern, Mehraufwand usw.). Und auch die Schulleitung hat in diesem Bereich nicht viel zu sagen. Das schwarze Schaf wird meist versetzt und dann hat eine andere Schule damit zu kämpfen - das Problem ist damit aber nicht aus der Welt geschafft.
Ich denke, die meisten Lehrer haben nichts gegen eine Einführung des Leistungsprinzips. Viele, mit denen ich spreche, würden auch sofort auf Verbeamtung verzichten, wenn sie die gleichen Möglichkeiten und Rechte hätten wie in der Wirtschaft. Lehrer sein heißt nämlich nicht nur Vergünstigungen haben.
Übrigens, auf der einen Seite wehrst du dich vehement gegen
Pauschalisierungen gegenüber Lehrern, andererseits bist du
aber sofort bereit Pauschalbehauptungen gegenüber Eltern,
Kindern und Erziehungsmethoden rauszulassen.
Dies war nicht als Pauschalisierung gemeint. Es war lediglich eine Darstellung, warum ich es mir schwer vorstelle, Lehrer zu sein, weil mich persönlich gerade diese Punkte stören würden. Und es ist nicht abzustreiten, dass diese Aspekte den Lehrerberuf mittlerweile bestimmen. Klar ist das ein Angriff auf Eltern, aber ich denke, wer seine Kinder im besten Gewissen erzieht, muss sich durch meine Aussage wirklich nicht angegriffen fühlen. Ich bin auch Mutter und weiß wovon ich rede und ich kenne in meiner Familie die Schwierigkeit der Erziehung - gerade weil mein Sohn noch ein Einzelkind ist, was sich aber garantiert ändern wird. Wir leben nun einmal in einer Gesellschaft, die geprägt ist vom „Einzelkindertum“, vom Massenmedienkonsum und hoher Scheidungsrate (Man sachaue sich die Statistiken nur mal an!) und daraus ergeben sich logischerweise die von mir aufgezählten Gefahren wie noch viele andere.
Ich halte eine gewisse Pauschalisierung gegenüber Lehrern für
legitim, weil jeder der auf der Schule war, weiß, wie
außerordentlich abhängig die eigene schulische Leistung von
der Arbeitsleistung des entsprechenden Lehrers ist und weil es
sich nicht um ein paar schwarze Schafe handeln kann, wenn man
mit Eltern in der gesamten Republik über dieses Thema redet
und wirklich jeder von 1-5 Lehrern an seiner Schule berichten
kann. Das sind nicht ein paar schwarze Schafe - das ist ein
Trend.
1-5 Lehrern…hm, und wie sieht das im Betrieb aus? Da gibt es genauso schwarze Schafe und man kommt auf die gleiche Anzahl. Ist das ein Trend? Oder wird deswegen gleich die ganze Branche verbannt?
Ich maße mir wirklich an, zu sagen, ich kenne Berufe der Wirtschaft und Berufe des Beamtentums. Und Lehrer in den Himmel heben, das ist nicht meine Absicht. Aber ich finde, man darf nicht aus den Augen verlieren, dass jeder Beruf und jeder, der darin arbeitet mit ganz eigenen berufspezifischen Problemen zu kämpfen hat, Lehrer wie Manager. Es gibt überall schwarze Schafe, aber es gibt genauso Leistungen, die man anerkennen sollte. Und der Lehrerberuf ist nun einmal einer der Berufe, der ständiger Kritik ausgesetzt ist - eben aus dem Grund, weil wir alle glauben mitreden zu können, was diesen Beruf betrifft, weil wir alle die Schule kennen. Aber Schüler sein und Lehrer sein - das sind zwei verschiedene Welten. Schließlich maße ich mir auch nicht an, zu sagen, der Bäckerberuf ist ein leichtes Handwerk, weil ich perfekt backen kann. Auch mit der Vergangenheit Schüler gewesen zu sein, werden wir nicht zum Experten für den Beruf des Lehrers.
Viele Grüße von Kim