Hallo Zerschmetterling,
Du warst im Grunde schon auf dem richtigen Dampfer. Eine
vegetarische Ernährung ist meines Erachtens deswegen ein
Luxus, weil sie nur deswegen so populär ist, weil das Angebot
an vegetarischen Nahrungsmitteln bei uns recht groß ist.
da würde ich aber zwischen „Wellness-Vegetarier“ (mal so salopp bezeichnet) und zwischen Leuten, die sich einfach vollwertig aber ohne Fleisch ernähren, unterscheiden.
Mit „Wellness-Vegetarier“ meine ich eher solche, die hochverarbeitete Spezialprodukte konsumieren a la „vegetarischer 'Wurst’salat aus der Packung“, auf den Grill ihr Fake-Hähnchen legen (auch sowas gibt es *schüttel*), lauter importiertes Obst und Gemüse möglichst exotischer Herkunft, dazu Nahrungsergänzungsmittel, irgendwelche künstlichen Getränke…
Daneben gibt es aber auch Leute, die sich schlichtweg mit ganz normalen, wenig verarbeiteten und einheimischen Lebensmitteln ernähren und schlichtweg kein Fleisch essen.
Ich habe meine Zweifel, dass es noch so viele Vegetarier gäbe,
wenn man sich auf regionale Produkte, womöglich noch mit
saisonaler Verfügbarkeit, beschränken müsste. Irgendwannn
hängen einem die Äpfel nämlich zum Hals raus, und ich glaube
dass ist eine der wenigen Obstsorten, die es früher auch im
Winter gab.
Als ich noch bei meinen Eltern gewohnt habe, war ca. 95 % des Gemüses und Obstes, das wir gegessen haben, einheimisch - und zwar aus dem eigenen Garten.
Wenn man wenig Geld hat, aber ein geerbtes Grundstück auf dem Land, und ein wenig Motivation dazu, wird man dieses zur Eigenversorgung nutzen.
Es gab mal (!) gekauftes Obst wie Orangen, aber selten - ansonsten alles aus dem einheimischen Garten. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich als Kind (Kindergartenalter) erfuhr, dass meine Oma in der Stadt keinen Garten hat und ich mich ernstlich fragte, woher sie ihr Essen bekommt 
Was ist schlimm daran, sich auf saisonal verfügbares Obst und Gemüse zu „beschränken“? Ich finde eher, damit tut man sich was Gutes: Statt meinetwegen irgendwelche verwässerten „Flugerdbeeren“ im Winter zu essen, freue ich mich lieber auf die deutsche Erdbeersaison und genieße dann aus vollen Zügen.
Dass einem einheimisches Obst und Gemüse „zum Halse raus hängt“, glaube ich nicht - es gibt ja wirklich vielfältige Sorten, auch Apfel ist nicht gleich Apfel. Schade, dass viele Sorten nicht mehr sehr bekannt sind.
Ferner kann man etliches an Obst auch trocknen (ich denke da z.B. an die Trockenpflaumen, getrocknete Heidelbeeren etc.) und einmachen (Marmelade, Kompott, Mus).
Auch Gemüse lässt sich übern Winter lagern, sogar wenn weder Gefrier- noch Kühlschrank zur Verfügung stehen - dem Keller sei dank und der Möglichkeit, einzukochen.
Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass unser Lebensstil
inzwischen physisch so anspruchslos geworden ist, dass wir uns
sogar ‚künstlich‘ Bewegung verschaffen müssen.
Das stimmt in der Tat, hat aber mit vegetarischer Ernährung nichts zu tun.
Wenn man über längere Zeit schwere physische Arbeit verrichten
muss, stellt man schnell fest, dass weit schwerer ist, seinen
Energie und Nährstoffbedarf über rein pflanzliche Nahrung zu
decken als über eine Mischkost.
Das stimmt so nicht. Frage (dich) mal bzw. informiere dich, was früher eine Magd, ein Knecht etc. gearbeitet haben und was üblicherweise auf deren Teller lag.
Noch ca. 70 - 80 Prozent unserer Groß- und Urgroßeltern haben Fleisch eher selten (weniger als einmal pro Woche) gesehen; deren Lebensstil war aber in den meisten Fällen physisch um Längen anstrengender als heutzutage in unserem Lande.
Oder was ein indischer Rikschafahrer leistet und isst (oder auch so ziemlich jeder andere Inder abseits von Festtagen und „neumodischer“, also aus dem Westen übernommener Ernährung). Die meisten Inder (außer Moslems) leben vegetarisch; Gemeinschaftsverpflegung ist - außer, es handelt sich z.B. um eine Hochzeit - generell vegetarisch. Ca. 40 % der Inder sind Vegetarier, die restlichen ernähren sich von einer Mischkost mit wenig Fleisch.
Es gibt „sogar“ sich vegetarisch ernährende Profisportler.
Das ist alles problemlos mit vegetarischer Ernährung möglich - die sollte dann natürlich nicht aus „Tomate und Blattsalat“ bestehen, keine Frage. Aber mit Hülsenfrüchten, Wurzeln (Kartoffeln, Manjok, Süßkartoffeln…), Getreide etc. ist das kein Problem.
Viele Grüße,
Nina