Bei mir wurden bereits vor mehreren Jahren 2 Leistenbrüche festgestellt, wobei der eine gravierender ist als der andere. Ich hatte noch nie Beschwerden damit. Nun meinte der Arzt im Verlauf eines Gesundheits-CheckUps, daß ich mich
vorsichtshalber operieren lassen solle, um die Gefahr eines Durchbruches und damit eine plötzliche Notoperation zu
vermeiden.Ein Sonogramm bestätigte die Diagnose, und man bot mir an, die Operation ambulant durchzuführen.
Hat jemand Erfahrungen damit?
Ein Sonogramm bestätigte die Diagnose, und man bot
mir an, die Operation ambulant durchzuführen.
Hat jemand Erfahrungen damit?
Ich habe vor ca. 8 Monaten meinen Leistenbruch in einer Uni-Klinik unter örtlicher Betäubung operieren lassen. Am nächsten Tag war ich wieder draußen. Manchmal kann man schon am OP-Tag wieder nach Hause.
In der Klinik, in der ich war, wurde zusätzlich zur örtlichen Betäubung noch eine Infusion mit einem Schmerzmittel angelegt, das auch gleichzeitg entspannt, so daß man eigentlich während der OP recht ruhig ist.
Natürlich geht das, man kann die Operation ambulant durchführen lassen. Es gibt nur nicht sehr viele Ärzte, die das bei Kassenpatienten machen, da der finanzielle Aufwand dieser Operation die Summe übersteigt, die von den Kassen gezahlt wird, das heßt, der Arzt zahlt drauf. Er kann es nur machen, wenn er mit anderen Sachen genug verdient.
Ob die Operation in Lokalanaesthesie so das non plus ultra für diese Operation ist, wage ich zu bezweifeln, da man eine große Menge an Betäubungsmitteln braucht, um die Operation schmerzarm (schmerzfrei ist wirklich selten) durchführen zu können. Diese Menge könnte bereits für Nebenwirkungen am Herz sorgen.
Man sollte es sich also wirklich gut überlegen, ob man auf die bessere Schmerzbehandlung und die freieren Therapieoptionen im Krankenhaus verzichtet.
Jörg
Ob die Operation in Lokalanaesthesie so das non plus ultra für
diese Operation ist, wage ich zu bezweifeln, da man eine große
Menge an Betäubungsmitteln braucht, um die Operation
schmerzarm (schmerzfrei ist wirklich selten) durchführen zu
können. Diese Menge könnte bereits für Nebenwirkungen am Herz
sorgen.
Man sollte es sich also wirklich gut überlegen, ob man auf die
bessere Schmerzbehandlung und die freieren Therapieoptionen im
Krankenhaus verzichtet.
Jörg
Hi Jörg,
wieso ist die Schmerzbehandlung im Krankenhaus denn besser? Ein niedergelassener Arzt benutzt die selben Medikamente wie der angestellte Krankenhausarzt. Natürlich haben alle Medikamente Nebenwirkungen, aber die unterscheiden nicht danach, ob sie ín der Klinik oder der Praxis gegeben wurden! Und Schmerzen wird auch im Krankenhaus keiner aushalten wollen (ist heutzutage auch wirklich überflüssig).
Zum zweiten: Während einer Vollnarkose werden Schmerzmittel in erheblichen Umfang gegeben, da die Hypnotika (die einen schlafen legen) dies nicht leisten.
Die körperliche Belastung durch Medikamente und das Risiko ist während einer Lokalanästhesie in jedem Fall geringer.
Ergänzung
Ich habe leider erst nach dem Absenden des Artikels Deine Visitenkarte gelesen.
Habe ich Dein Posting falsch verstanden, oder plädierst Du wirklich für eine OP unter Vollnarkose? Als Chirurg kennst Du doch das Risiko und die Belastung…
Bitte präzisiere doch Dein Statement etwas.
war vielleicht ein kleiner Verständigungsfehler, das mit der Voll- und der Lokalanaesthesie.
Jetzt schreibe ich ein bisschen vollständiger.
Lokalanaesthesie meint tatsächlich eine Schmerzblokade, die nur lokal, also um die Wunde (OP-Gebiet) herum wirkt. Dazu muss man mit mehreren Stichen einer Spritze die oberflächlichen (Haut und Unterhaut) und die tieferen (Muskel, Faszien) Schichten der Bauchwand möglichst lückenlos mit einem Lokalanaesthetikum anspritzen. Das Problem ist nur, die Bauchwand ist ja kaputt und unter der Haut kann schon Darm lauern. Falls man das nicht merkt und hier spritzt, ist der Patient zwar die Hernie los, hat aber eeine Darmverletzung. Der Darm läßt sich aber während der Operation nicht überprüfen, da er sofort nach Eröffnung der oberflächlichen Schichten wieder im Bauch verschwindet. So ganz komplikationslos ist die lokale Betäubung also nicht. Dazu kommt, dass man für eine wirklich schmerzarme Operation mindestens 40 ml des Betäubungsmittels benötigt. daß diese Menge jedoch bei herzkranken Patienten bereits einen Herzstillstand auslösen kann, wenn das Mittel zu schnell aufgenommen wird. Bei 40 ml besteht aber oft noch ein erheblicher Schmerz in der Tiefe, der oft nicht ausreichend bekämpft wird, da … (s.o.)
Als Nebeneffekt der Lokalanaesthesie quillt das Gewebe auf und die Strukturen, dia man sicher erkennen und operieren soll verändern sich, es ist also durchaus anspruchsvoller, so zu operieren. Der Chirurg, der das so macht, muss also viel Erfahrung haben, oder er muss ein Kunststoffnetz verwenden.
Weit verbreitet ist die Spinalanaestehsie, bei der eine Nadel in den Rückenmarkkanal gestochen wird, über die ein Schmerzmittel gegeben wird und so eine Schmerzausschaltung der unteren Körperhälfte erzeugt wird. Auch diese Methode hat Nebenwirkungen, die sich oft in Kopfschmerzen und Schwindel nach der OP äußern und in sehr seltenen Fällen auch mal eine Verletzung der Rückenmarkfasern oder eine Atemlähmung sein können. Außerdem tun die behandelnden Ärzte sich schwer, die Patienten am gleichen Tag nach hause zu lassen (aus verständlichen Gründen - oder ?)
Was bleibt, weil praktikabel und nach 4 bis 6 Stunden abgeklungen, ist die Vollnarkose. Natürlich hat die auch ihre Nebenwirkungen, die aber in den letzten Jahren mehr und mehr reduziert wurden. Für den Patienten besteht der Vorteil darin, dass man alle OP-Methoden, auch die endoskopischen, anwenden kann. Der Chirurg kann mit dem Patienten präoperativ sehr genau planen und kann immer ein Ausweichkonzept anwenden, falls das vorgesehene Konzept sich in der Operation als untauglich herausstellt, das geht bei der Lokalanaestehesie nur bedingt.
Zum Thema Schmerzmittel im Krankenhaus und zu Hause: Natürlich kann der ambulant tätige Arzt die gleichen Schmerzmittel anwenden, wie in der Klinik. Aber erst muss der Patient die mal haben (vor oder nach der OP in die Apotheke). Wenn sie dann nicht reichen, ruft er den Arzt, der vielleicht gerade in einer nächsten OP ist und nicht weg kann. Bis dieser dann kommt, hat der Patient weiter Schmerzen. Im Krankenhaus klingelt der Patient, die Schwester kommt, gibt eine Spritze und der Schmerz ist weg, ehe er richtig begonnen hat.
Ausserdem habe ich mich auch schon ambulant operieren lassen, man muss es ja mal probieren. Ich habe also Schmerzmittel zuhause genommen, auch diese haben Nebenwirkungen, und ich hatte so starken Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, dass meine Frau neben der Versorgung der Kinder auch noch Probleme hatte, mich auf die Toilette zu bekommen, auch das Problem ist im Krankenhaus gelöst.
Falls mich also jemand fragen würde:
Leistenbruch endoskopisch, in Vollnarkose und zwei bis vier Tage im Krankenhaus.
Ich hoffe das reicht als Erklärung.
also die Verständigungsfehler sind beseitigt. Ich kann Dein Posting auch als Fachmeinung akzeptieren (Du bergündest das ja wirklich ausführlich), aber unterschreiben würde ich das trotzdem nicht (noch nicht?).
Daß die Lokalanästhesie ungünstig ist, davon konntest Du mich überzeugen. Aber was Deiner Meinung nach gegen eine Spinalanästhesie spricht konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Meiner Meinung nach verharmlost Du die Risiken einer Vollnarkose ein wenig (ob das wohl am Beruf liegt? ). Natürlich wurde die Narkosesteuerung mittlerweile enorm verfeinert. Aber hier steckt auch ein Risiko: Der Anästhesist muß hochkonzentriert arbeiten. Und wie die Arbeitsbedingungen in deutschen Kliniken aussehen, darüber brauche ich Dir wohl nichts erzählen. Natürlich gehe ich davon aus, daß JEDER Arzt sein Bestes gibt, aber wer übermüdet ist, macht leichter Fehler. Auch Ärzte sind nur Menschen. Und auch die Intubation ist ja nicht ganz gefahrlos (von Ösophagusintubation will ich hier gar nicht reden, aber auch sonst ist das Ganze ja nicht ohne). Und das Schmerzempfinden muß auch in Vollnarkose ausgeschaltet werden. Dazu kommt ein mehrtägiger Klinikaufenthalt.
Dagegen erscheinen mir die Nebenwirkungen/Risiken einer Spinalanästhesie um einiges geringer. Und mit 'ner 10er Valium ist mir der Trubel im OP auch ziehmlich egal… *g*
Einen endoskopischen Eingriff würde ich für mich hier ablehnen: Die Schmerzen danach und die tagelangen Blähungen wären mir die zu erwartenden Vorteile nicht wert. Sicher, das Infektionsrisiko ist geringer und die Narbe kleiner, aber neben den postoperativen Beschwerden müsste ich eine Vollnarkose in Kauf nehmen (s.o. die vermeide ich so lange es geht).
das Schöne an der Medizin ist, dass es immer mehrere Wege gibt. Der einzelne kann sich den besten für sich selbst heraussuchen.
Eigentlich will ich Dich nicht überzeugen. Aber ich glaube hier gibt es noch ein paar Punkte zu klären.
Spinalanaesthesie: So weit ich weiss, gibt es keine ambulante Leistenbruchoperation unter Spinalanaesthesie. Die Zeit bis zum „Aufwachen“ der Beine beträgt mehrere Stunden und es wird eine Bettruhe von 24 Stunden, mindestens aber bis zum nächsten Morgen empfohlen. Ambulant geht nur in Lokalanaesthesie oder mit Vollnarkose.
Fehlintubationen sind im OP-Saal kein Thema. Im Gegensatz zu Dir als Rettungssanitäter arbeiten die Anaesthesisten im OP-Saal nicht unter Zeitdruck und sie haben einen optimal vorbereiteten Patienten vor sich. Selbst wenn es mal nicht beim ersten Mal klappt, kann man das korrigieren, der Patient geht ja immer mit einer Maske zu beatmen und kann so mit Sauerstoff angefüllt werden, dass man wieder jede Menge Zeit zur Intubation hat.
Endoskopische Operationen sind sehr ausgereift. Bei der modernsten Methode wird die Bauchhöhle nicht mehr eröffnet und es werden auch keine Klammern in die Leiste eingebracht. Die Operation erfolgt in dem Raum zwischen der Bauchhöhle und der Muskulatur/Haut. Das heisst, dass die seltenen, kurzzeitigen Probleme mit der Verdauung nicht mehr auftreten. Die von mir operierten Patienten verlasssen das Krankenhaus etwa 2 Tage eher als die konventionell (in Spinalanaesthesie) operierten. Ein von mir operierter Bauer hat am 4.! postoperativen Tag wieder Getreidesäcke auf den Hänger geladen. Das heisst, das Netz zwingt auch nicht zu so langer Schonung vor dem Heben und Tragen.
Das waren noch mal meine Argumente, aber wie gesagt, jeder findet den besten Weg für sich allein.