Du hast bisher nicht mehr zu Deiner Begründung angeführt als
Deine persönliche Interpretation des Textes.
Das ist falsch. Ich habe inhaltlich begründet, warum man den Text nicht so interpretieren kann, wie Du es gern hättest. Du versuchst Dich dagegen mit einem Autoritätsbeweis zu retten.
Nicht? Du behauptest, dass das erste Postulat nichts über die
Lichtausbreitung aussagt.
So ist es. Die Lichtausbreitung ist Inhalt des zweiten Postulates. Das erste Postulat befasst sich nur mit Bezugssystemen und nicht mit dem, was darin beschrieben wird.
Einstein sagt, dass das Gesetz der
Lichtausbreitung im Vakuum dem Relativitätsprinzip gehorchen
muss.
Und das tut es doch auch. Wenn die Lichtgeschwindigkeit - wie vom zweiten Postulat gefordert - stets den gleichen Wert hat, dann ist das erste Postulat in diesem Punkt automatisch erfüllt. Es gäbe nur dann ein Problem, wenn das zweite Postulat nicht in allen Bezugssystemen gleichermaßén gelten würde. Aber das wird bereits durch dessen allgemeingültige Formulierung von vorn herein ausgeschlossen. Anders wäre es, wenn Einstein die Lichtgeschwindigkeit im zweiten Postulat nicht zur Naturkonstante erklärt, sondern statt dessen nur gefordert hätte, dass die Lichtausbreitung isotrop zu sein hat. Dann würde man in der Tat noch das erste Postulat benötigen um auf die Bezugssysteminvarianz zu schließen. Einstein hat es sich aber einfacher gemacht und gleich beides in das zweite Postulat gesteckt.
Wenn nämlich nur das zweite Postulat gelten würde, dann wäre
eine schallähnliche Ausbreitung von Licht (Äther-Theorie)
durchaus erlaubt.
Eben nicht. Wenn das zweite Postlat sowas erlauben würde, dann
könnte das erste es auch nicht mehr verhindern.
Das zweite Postulat macht schlicht und ergreifend keine
Aussage über das „Ausbreitungsmedium“ von Licht. Folglich kann
das zweite Postulat weder den Äther verbieten noch erlauben.
Das hat hier auch niemand behauptet. Warum äußerst Du Dich
nicht über das was ich schreibe und fängst statt dessen von
etwas ganz anderem an?
Die Existenz eines Ausbreitungsmediums von elektromagnetischen
Wellen ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass es ein
einziges Bezugssystem gibt, in dem sich elektromagnetische
Wellen nach den bekannten Gesetzen ausbreitet, sozusagen das
System absoluter Ruhe.
Du hast oben von einer „schallähnliche Ausbreitung von Licht (Äther-Theorie)“ gesprochen und die erzwingt genausowenig ein ausgezeichntes Bezugssystem, wie die Schallausbreitung selbst. Weder gelten im Ruhesystem des klassischen Lichtäthers (wir reden hier nicht über Maxwell) besondere Gesetze, noch lässt sich feststellen, ob es ruht oder nicht.
Bei Galilei-Transformation bewegt sich das Licht nach der Äther-Theorie in jedem Bezugssystem mit der Geschwindigkeit v=c+u, wobei u die Geschwindigkeit des Ätherwindes ist (den Michelson und Moreleay messen wollten). u=0 ist einfach nur ein Spezialfall dieses in allen Bezugssystemen gleichermaßen gültigen Gesetzes. Interessant wird es erst, wenn man v=c anstelle von v=c+u voraussetzt und genau das passiert im zweiten Postulat. Das Relativitäsprinzip wird von alldem nicht tangiert.
„[…] Wir wollen diese Vermutung (deren Inhalt im folgenden
„Prinzip der Relativität“ genannt werden wird) zur
Voraussetzung erheben und außerdem die mit ihm scheinbar
unverträgliche Voraussetzung einführen, daß sich das Licht
im leeren Raume stets mit einer bestimmten, vom
Bewegungszustande des emitierenden Körpers unabhängigen
Geschwindigkeit V fortpflanze.“
Genau diesen Satz könnte ich auch für Schall hinschreiben:
„dass sich der Schall in Luft stets mit einer bestimmten vom
Bewegungszustande des emitierenden Körpers unabhängigen
Geschwindigkeit V fortpflanze.“
Das kannst Du zwar so hinschreiben, aber es steht offensichtlich im Widerspruch zu experimentellen Beobachtungen. Sobald die Luft sich nämlich bewegt, pflanzt sich der Schall nicht mehr mit einer bestimmten Geschwindigkeit V fort, sondern mit der Geschwindigkeit V+u. Wenn überhaupt, dann darfst Du diese Aussage nur für das Ruhesystem der Luft machen und das must Du dann auch dazu schreiben. Das kannst Du notfalls auch implizit tun, indem Du forderst, dass das Bezugssystem so zu wählen ist, dass die Aussage gilt. Eine derartige Einschränkung ist im zweiten Postulat aber weit und breit nicht zu finden.
Auch dieser Satz ist vollkommen richtig. Es wird in diesem
Satz nämlich nicht gesagt, auf was sich die Geschwindigkeit
des Lichts/Schalls bezieht. Im Falle von Schall ist es die
ruhende Luft
Geschwindigkeiten beziehen sich immer auf Bezugssysteme. Wird kein Bezugssystem vorgegeben, ist es frei wählbar.
Im Falle von
Licht ist es egal in welchem Bezugssystem man die
Geschwindigkeit misst. Dass es egal ist, ist aber eine Aussage
des ersten Postulats!
Nein, das ist eine Aussage des zweiten Postulates, indem dort ohne Einschränkung der freien Wahl des Bezugssystems festgelegt wird, dass Licht sich im Vakuum mit einer bestimmten Geschwindigkeit auszubreiten hat. Ohne die Beschränkung auf das Vakuum würde das Postulat übrigens genauso experimentellen Beobachtungen widersprechen, wie Deine obige Behauptung über den Schall.
In Einsteins zweitem Postulat steht nichts von
„Invarianz“
Natürlich steht das da. Ich habe Dir die betreffende Passage
sogar unterstrichen.
Nein, verdammt nochmal! (entschuldigung!) Was Du unterstrichen
hast ist lediglich die Aussage, dass die Geschwindigkeit des
Lichts konstant sei.
Nein. Die Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ist darin zwar ebenfalls enthalten, aber die Festlegung auf einen bestimmten Wert geht weit darüber hinaus. Sie beinhaltet auch mehr als die Isotropie der Lichtgeschwindigkeit. Indem Einstein der Vakuumlichtgeschwindigkeit einen bestimmten Wert zuordnet, legt er fest, dass sie von nichts abhängt - weder von der Bewegung der Quelle, noch von der Zeit oder der Richtung und auch nicht von der Wahl des Bezugssystem - einfach von gar nichts. Der Wert ist immer und überall derselbe. Es gibt nicht die Spur eines Hinweises darauf, dass das zweite Postulat nicht allgemeingültig ist.
Man kann sich fragen „konstant in Bezug
auf was?“ und dann findet man in dem von Dir nicht
unterstrichenen Teil „in Bezug auf den Bewegungszustand des
Senders“.
Wenn das eine Einschränkung wäre, käme man damit niemals zur Lorentz-Transformation. Die Unabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit von der Bewegung der Quelle war nämlich schon in der klassischen Äthertheorie genauso unumstritten wie das Relativitätsprinzip. Das dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass Einstein diesen Aspekt besonders hervor hebt. Er erleichtert dem Leser (von dem er damals annehmen konnte, dass er ein Anhänger der Äthertheorie ist) den Zugang zu seiner Arbeit. Darüber hinaus hat es keine Bedeutung. Aus damaliger Sicht mag diese redundante Bemerkung von Vorteil gewesen sein, aber heute führt sie nur noch zu Verwirrung, wie Du hier eindrucksvoll beweist.
Wenn Licht sich stets mit V bewegen soll
(und das fordert das zweite Postulat), dann darf es sich nicht
mit anderen Geschwindigkeiten bewegen - auch nicht in anderen
Bezugssystemen.
"… auch nicht in anderen Bezugssystemen" ist eine Aussage
des ersten Postulats!
Na und? Es macht doch nichts, wenn die beiden Postulate übereinstimmende Aussagen machen. Nur widersprechen dürfen sie sich nicht.
Oder wo bitteschön spricht das zweite Postulat über
Bezugssysteme?
Das frage ich Dich. Du tust doch die ganze Zeit so, als wäre es nur für ein Bezugssystem formuliert und es bedürfe zusätzlich des ersten Postulates, um seine Gültigkeit auf alle Bezugssysteme auszudehnen. Tatsächlich wird die Gültigkeit des zweiten Postulates aber gar nicht erst auf ein Bezugssystem beschränkt.
Das Wort „Bezugssystem“ taucht in ihm überhaupt nicht auf!
Eben!