'Luzide Psychose' ?

Hallo,
angelehnt an den Begriff des luziden Traums, frage ich mich, ob es bei schwächeren Psychosen, die mit negativen Gefühlen behaftet sind, dem Betroffenen möglich ist, willentlich in die Psychose einzugreifen und sie „positiver“ zu gestalten. Bsp. jmd wird durch einen Vorfall in einen Zustand versetzt, bei dem u.a. Umweltgeräusche und Stimmen von anderen Menschen zu Vorwürfen am Tod einer anderen Person „uminterpretiert“ werden. Die Falschheit dieser Sinneswahrnehmungen ist ihm bewußt aber gefühlsmäßig haben sie dennoch eine höchst negative Wirkung. Ist es denkbar, daß diese Person die Stimmen dahingehend beeinflussen kann, daß deren Aussagen ihn entlasten (bzgl. des Todes der anderen Person) ?

Gruss
Enno

Wenn man davon ausgeht, daß man im Äußeren sieht, was im Innern ist, so ist anzunehmen, daß die Person einen wirklichen Grund hat sich schuldig zu fühlen. Die Sinne folgen entsprechend. Das kann man nur heilen, wenn man die Wurzel des Übels findet und bei der Person Reue hervorrufen kann.

gruß
rolf

Hallo,
ein Grund für diese Person liegt sicher vor, nur muß dieser nicht unbedingt rational begründbar sein. Bsp. Frau wird von Freund verlassen, ihr geht es entsprechend schlecht, sichtbar aber nicht schlechter als jedem der sowas erlebt und noch sehr am ehemaligen Partner hängt. Freunde besuchen sie mehrmals motivieren sie zum Ausgehen, bis zum Abend, den sie in scheinbar sehr guter, gelöster Stimmung ausklingen läßt, der Kontakt zu ihr abbricht. Ein paar Tage wurden als normal empfunden, da sie die Eltern besuchen wollte. Dort ist sie allerdings nie angekommen. Statt dessen liegt sie nach Aussagen des untersuchenden Arztes seit dem frühen Morgen des dem Abend folgenden Tages tot in ihrer Badewanne - der Suizid wurde mittels Medikamenten durchgeführt.
Die Freunde gingen an diesem Abend nicht alle einheitlich, sondern einer blieb ca. 30min länger, weil sie ihm noch etwas erzählen wollte. Derjenige sieht es nun als seine Schuld an, die Zeichen des Suizids nicht erkannt zu haben oder besser seinem Gefühl vertraut zu haben, daß ihm sagte, daß ihre insbesondere _gelöste_ Stimmung kein gutes Anzeichen war.

Gruss
Enno

Hallo Enno
Ich sehe nicht, was der Inhalt/die Frage Deines ersten Postings mit diesem hier zu tun hat.
Bei der Frau handelt es sich möglicherweise um eine depressiv-hysterisch akzentuierte Persönlichkeit, da muss überhaupt nix Psychotisches mit hinein spielen.
Was Du im 1.Postinn über Psychosen geschrieben hast, klingt für mich eher poetisch-romantisch, hat aber wenig Verbindung zu wissenschaftlich-psychiatrischen Erkenntnissen.
Gruss, Branden

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Derjenige sieht es nun als seine Schuld an,

die Zeichen des Suizids nicht erkannt zu haben oder besser
seinem Gefühl vertraut zu haben, daß ihm sagte, daß ihre
insbesondere _gelöste_ Stimmung kein gutes Anzeichen war.

Gruss
Enno

Du meinst sicher er hat seinem Gefühl vertraut, das ihre Stimmung EIN gutes Anzeichen war.

Und jetzt hat er Schuldgefühle? Ich meine die können aber nur sehr oberflächlicher Art sein. Da hier nun wirklich kein echter Grund vorliegt. Insofern ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Schockzustand normalisiert.

Noch eins: Beim luziden Träumen ist man entweder Meister oder reiner Beobachter des Geschehens. Das kann man nicht so ins Wachbewußtsein übertragen. Hier ist man doch eher Opfer, da diese Trennung vom Geschehen im allgemeinen nicht vorhanden ist.

gruß
rolf

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Verarbeiten
Diese Beschreibung des Ausgangsszenariums macht es etwas deutlicher, was du oben gefragt hast.

Du meinst mit „leichter Psychose“, daß dieser letzte, von der Frau gewünschte Gesprächspartner seit diesem Ereignis manche tatsächlich vorhandene Geräusche und Stimmen als Ausdrücke von Schuldvorwürfen erlebt, sie also „traumartig“ um_deutet_? Ist das richtig?
Die Geräusche, Stimmen an sich sind also nicht halluziniert?

Bezeichnet dieser Mann das dann trotzdem als „Falschheit der Sinneswahrnehmung“? Und wünscht er trotzdem, „die Stimmen“ zu beeinflussen? D.h. so, wie man es beim luziden Träumen kann und ggf. erlernen kann (zumindest die eigene Reaktion auf geträumte Inhalte)?

Ganz gewiß wird er zumindest dieses tiefgreifende Erlebnis des Abschiedsszenariums verarbeiten müssen, in das er ja bewußt von der Freundin gebracht worden war. Das ist schon möglich, daß da Gefühle von Schuld („ich habe die Vorzeichen nicht erkannt“) zurückbleiben, auch wenn er weiß, daß ihn (vermutlich) keine faktische Schuld trifft. Solche Dinge kann man zumindest im Dialog effizient bewältigen. Techniken wie die beim Klartraum sind dazu nicht nötig.

Da du aber von „leichter Psychose“ sprachst: Wenn du damit meinst, daß dieser Mann unabhängig von diesem singulären Erlebnis und seinem Nachspiel auch sonst reale Geräusche subjektiv umzuinterpretieren pflegt, dann weißt du ja selbst, daß sich deine ursprüngliche Frage erübrigt und was sich dann zu unternehmen empfiehlt.

Grüße

Metapher

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Hallo,

Du meinst sicher er hat seinem Gefühl vertraut, das ihre
Stimmung EIN gutes Anzeichen war.

nein wirklich umgekehrt. Er hatte ein ungutes Gefühl beim weggehen aber in Anbetracht, daß sie nie depressive Anzeichen zeigte, ersichtlich den Freitod ins Kalkül zog oder überhaupt als Diskussionthema interessant fand, verdrängte er das Gefühl als „unbegründet“.

Und jetzt hat er Schuldgefühle? Ich meine die können aber nur
sehr oberflächlicher Art sein.

Normal scheinen die Schuldgefühle verdrängt zu sein. Durch den Vorfall sind sie scheinbar wieder an die „Oberfläche“ gekommen. „Oberflächlich“ na ja - sie reichen zumindest im akuten Zustand, um sowohl sie, wie auch scheinbar beliebige Passanten zu Anklägern machen. Sie spricht über Umweltgeräusche (wie eine halt eine Stimme in Entfernung z.B. zwei Wohnungen weiter), Wortfetzen von Passanten werden falsch uminterpretiert und daraus eine Anklage gebastelt. Das dies irreal ist, ist ihm völlig klar, es ändert aber an dem extrem drückenden Gefühl nichts - neben dem Symptomen der illusionären Verkennung beim Hören an sich und dem Tick zum Verfolgungswahn.

Da hier nun wirklich kein echter Grund vorliegt.

Das meinen auch andere - nur irgendwo tickt das „hätte er doch auf das Gefühl vertraut“. Sie hätte bequem bei (einer) Bekannten oder bei ihm übernachten können. Sicher stellt sich dann die Frage, ob es nicht eine Woche später passiert wäre aber das stellt Hilfe beim Suizid generell in Frage. Und häufig, wie scheinbar auch in diesem Fall, ist der Entschluß eher aus einer „Kurzschlußreaktion“ entstanden, als aus einem längeren zielgerichteten Weg ins Grab.

Insofern ist es wahrscheinlich nur eine
Frage der Zeit, bis sich dieser Schockzustand normalisiert.

Bzgl. den psychotischen Symptomen ziemlich wahrscheinlich. Nur wird der Suizid und dessen vermeintliche Schuld daran nur wieder verdrängt, bis zum nächsten Vorfall, der den ganzen Negativkrempel wieder sichtbar macht.

Das kann man nicht so ins Wachbewußtsein übertragen.

Was scheinbar klappt ist Gegenparts zu den Anklägern zu kreieren, die ihn entlasten.

Gruss
Enno

Hallo,
das Suizidbsp. dient nur der näheren Beschreibung welche Schuldgefühle bei ihm konkret und am schwersten auftauchen. Mit Psychose hätte dies vermutlich kaum etwas zu tun, nur hört er diese Frau jetzt in Umwelt-/Alltagsgeräuchen, die ihn anklagt und beliebige Passenten (deren aufgeschnappte Worte, falsch interpretiert werden) scheinen diese Meinung zu teilen. Neben einer Reihe anderer verdrängter aber völlig banaler Dinge, die scheinbar nur mal kurz ins Kalkül gezogen würden aber gleich ad acta gelegt wurden und z.B. positive Bekanntschaften in einen düsteren, kaputten Licht erscheinen lassen.

Gruss
Enno

Hallo,

Du meinst mit „leichter Psychose“, daß dieser letzte, von der
Frau gewünschte Gesprächspartner seit diesem Ereignis manche
tatsächlich vorhandene Geräusche und Stimmen als
Ausdrücke von Schuldvorwürfen erlebt, sie also
„traumartig“ um_deutet_? Ist das richtig?

ja seit dem Ereignis, daß wenige Tage zurückliegt. Diese illusionären Verkennungen betreffen nur das Hören und sie „spricht“ durch uminterpretierte Umwelt-/Alltagsgeräusche zu ihm. Ebenso ist diese Schuldzuweisung scheinbar Bestandteil jedes beliebigen Gesprächs von unbekannten Leuten auf der Straße, deren aufgeschnappte Wortfetzen zu einer Anklage „erweitert“ werden. Es weiß jeder, jeder hält ihn für schuldig - bis auf die scheinbare Möglichkeit mehr oder minder willentlich Gegenparts in das na ja ich nenn’ es mal „Wahnszenario“ einzubauen, die ihn entlasten.

Die Geräusche, Stimmen an sich sind also nicht halluziniert?

Ja - nicht halluziniert, im Sinne das real vorhandene akkustische Reize die Basis für die Stimmen bilden.

Bezeichnet dieser Mann das dann trotzdem als „Falschheit der Sinneswahrnehmung“?

Ja, die Verkennung ist ihm auch bewußt, nur hat die rationale Einsicht kaum Wirkung auf das drückende Gefühl. Bsp. er befindet sich als einziger abends in der Firma und gewinnt den Eindruck, daß in einem Teil des Gebäudes alle Arbeitskollegen dieses „er war Schuld Thema“ diskutieren. Real sind dort Leute anwesend und unmittelbar einsichtig für ihn ist ebenfalls, daß dieses kollektive Geheimtreffen völlig absurd ist, sogar bereits die Annahme das irgendein Kollege solo sowas äußern würde, da in der Firma ein äußerst freundschaftliches Klima herrscht.
Er bekommt es dennoch erst aus dem Kopf, als er hingeht und sich unmittelbar davon überzeugt, daß dort völlig andere Personen sitzen, als seine Kollegen (deren Thema naheliegenderweise auch nicht das Anfangs gehörte zu sein scheint). Immerhin wurde der sehr kurze echt wahnwitzige Einfall, die Kollegen wären getarnt und hätten schnell das Thema gewechselt, als echt absurd entsorgt :wink:. D.h. auf der Ratio-Schiene ist nicht zu punkten, nur real Erlebtes ist ein unmittelbarer Gegenpol.

Und wünscht er trotzdem, „die Stimmen“ zu
beeinflussen? D.h. so, wie man es beim luziden Träumen kann
und ggf. erlernen kann (zumindest die eigene Reaktion auf
geträumte Inhalte)?

Das scheint auch zu funktionieren. Wie genau ist unklar, nur scheint es in die Richtung zu gehen, bei jeder Anklage konsistent mit denselben Gegensprechern aufzuwarten und stoisch dieses Prozedere zu wiederholen, bis es verselbstständigt.

Solche Dinge kann man zumindest im Dialog
effizient bewältigen. :Techniken wie die beim Klartraum sind dazu nicht nötig.

Evtl. ist das ein Ansatz für danach, die jetzigen Effekte sind Menschen ohne gleichwertigen Erfahrungen nur schwer ohne seltsamen Beigeschmack zu vermitteln.

Da du aber von „leichter Psychose“ sprachst: Wenn du damit
meinst, daß dieser Mann unabhängig von diesem singulären
Erlebnis und seinem Nachspiel auch sonst reale Geräusche
subjektiv umzuinterpretieren pflegt, dann weißt du ja selbst,
daß sich deine ursprüngliche Frage erübrigt und was sich dann
zu unternehmen empfiehlt.

Nein in dieser deutlichen Form, sind die Effekte noch nie aufgetreten. Das ein negativer Vorfall, einen ganzen Berg von verdrängten mit negativen Gefühlen behafteten wieder ans „Tageslicht“ befördert, ist schon mehrmals passiert, auch das dabei die ein oder andere Verkennung (beim Hören) dabei war aber fast permanentes Zugesülze von kleinen Männchen und Weibchen im Ohr, hat einen sehr eigenen Nervfaktor :wink:. Nur scheinen die sich mittlerweile mit den Gegenparts rumzustreiten und werden leiser *g*.
Der Vorfall war vermutlich nur der Tropfen, der das Faß zum überlaufen brachte. Zumindest entlockte er den Kollegen des Mannes anfangs nur eine „das war alles ?“ Reaktion. Allerdings war unmittelbar bei dem Vorfall das Gefühl entstanden, einen halben Meter neben seinem Körper zu stehen. Wesentlicher Kontext des ganzen war Schlafentzug und starker psychischer Streß wg. einer bevorstehenden OP oder besser dem was evtl. danach kommt + den ausstehenden „Beichten“ diesbzgl. an nahestehende Personen. Einen anderen Punkt verkneife ich mir. Er würde auch die Erklärung in die falsche Richtung drücken, was man eher länglich begründen müßte.

Gruss
Enno

Is there a monster under your bed ?
Moin nochmal,

Ja, die Verkennung ist ihm auch bewußt, nur hat die rationale
Einsicht kaum Wirkung auf das drückende Gefühl. Bsp. er
befindet sich als einziger abends in der Firma und gewinnt den
Eindruck, daß in einem Teil des Gebäudes alle Arbeitskollegen
dieses „er war Schuld Thema“ diskutieren. Real sind dort
Leute anwesend und unmittelbar einsichtig für ihn ist
ebenfalls, daß dieses kollektive Geheimtreffen völlig absurd
ist, sogar bereits die Annahme das irgendein Kollege solo
sowas äußern würde, da in der Firma ein äußerst
freundschaftliches Klima herrscht.
Er bekommt es dennoch erst aus dem Kopf, als er hingeht und
sich unmittelbar davon überzeugt, daß dort völlig andere
Personen sitzen, als seine Kollegen (deren Thema
naheliegenderweise auch nicht das Anfangs gehörte zu sein
scheint). Immerhin wurde der sehr kurze echt wahnwitzige
Einfall, die Kollegen wären getarnt und hätten schnell das
Thema gewechselt, als echt absurd entsorgt :wink:. D.h. auf der
Ratio-Schiene ist nicht zu punkten, nur real Erlebtes ist ein
unmittelbarer Gegenpol.

Moooooment, wie wäre es denn, wenn er aufgrund der rationalen Einsicht, dass seine Vermutungen mit ziemlicher Sicherheit nicht zutreffend sind, einfach sitzen bleibt, und er die Möglichkeit, dass die Kollegen doch über ihn lästern als zu vernachlässigendes Restrisiko ansieht, dass ihn aber, selbst im Fall wenn das Restrisiko tatsächlich eintritt, nicht weiter juckt ?

Mich erinnert das ganze jedenfalls grad an Kinder, die unterm Bett nachschauen um sicherzustellen, dass da auch ganz gewiss kein Monser sitzt.

Gruß
Marion

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Aktuelle Ereignisse

Enno,

ja seit dem Ereignis, daß wenige Tage zurückliegt.

Ach so - ein ganz aktuelles Ereignis also, und diese Erscheinungen also auch erst seit ein paar Tagen! Nun, sie gehören durchaus in das Spektrum der Verarbeitungen aktueller heftiger traumatischer Belastungen. Und bei den von dir beschriebenen Umständen des Suizids sind solche Belastungen eh naheliegend. Dementsprechend wäre ihm zu empfehlen, doch einmal ebenso aktuell den Kontakt mit einem Traumatherapeuten aufzunehmen - und nicht erst nach Monaten.

Gruß

Metapher

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Das gleicht schon fast einem Kriminalfall :smile:

Ansich kann ich mir nur vorstellen, daß eventuell in diesem letzten Gespräch, von dem Du berichtet hast, etwas gesagt wurde, von dem er jetzt fest glaubt, daß dies zu dem Suizid geführt haben könnte. Daher ließe sich ein derart extremes Schuldgefühl herleiten und auch erklären, da es ja auch von Furcht begleitet zu sein scheint. Die Sinneswahrnehmungen verfärben dann die Übertragung entsprechend.

Ich würde mal in dieser Richtung weiter forschen.

gruß
rolf

Hallo,
der Vergleich mit dem Monster unterm Bett trifft es nahezu perfekt - vermutlich mutet es deshalb auch so „bescheuert“ an.

Moooooment, wie wäre es denn, wenn er aufgrund der rationalen
Einsicht, dass seine Vermutungen mit ziemlicher Sicherheit
nicht zutreffend sind, einfach sitzen bleibt, und er die
Möglichkeit, dass die Kollegen doch über ihn lästern als zu
vernachlässigendes Restrisiko ansieht, dass ihn aber, selbst
im Fall wenn das Restrisiko tatsächlich eintritt, nicht weiter juckt ?

Normalerweise kann man anhand von verstandsmäßigen Erkenntnissen Einfluß auf das Gefühl nehmen oder die Wertigkeiten „Verstandserkenntnis“ vs. „Gefühlsüberzeugung“ willentlich im bestimmten Rahmen verschieben. Das scheint hier nicht möglich zu sein und die Wertigkeiten von an sich als unwesentlich gewerteten Dingen sind plötzlich unverständlich hoch. Teilweise völlig lächerliche Dinge, auf die man normalerweise keine 5sec verschwenden würde, z.B. ob die verschlammten Turnschuhe im eigenen Minischuhregal vor der Tür die Nachbarn stören - von denen man weiß, daß sie einen ansprechen würden und die man bereits diesbzgl. gefragt hat. Der Punkt, sowie weitaus bizarrere anmutende Punkte waren (gestern) ebenfalls nur durch das Gespräch mit dem Nachbarn und dessen Reaktion beseitigbar. Erst als gesehen wurde, daß der Nachbar ehrlich beteuerte es mache ihm wirklich nichts aus, machte dieser Punkt „plopp“ wie eine Seifenblase und war weg.

Gruss
Enno

Hallo,
nur um es klarzustellen - es ist für mich nicht ersichtlich, ob es in dieser Form verständlich war. Der Suizid wurde Anfang 2004 verübt, der Vorfall (eine Tötung eines kleineren Wirbeltiers mit dem PKW, bei ca. 30km/h, wg. zuvorigen Zebrastreifen mit kreuzenden Passanten. Das Tier sprang unmittelbar vor und zwischen das Auto, wurde also nicht mit den Reifen überrollt, sondern der Schädel durch den Schlag auf den Asphalt gebrochen) ist wenige Tage her. Dabei ist, glaube ich, wesentlich, daß das Tier bis auf die Schädelverletzung unversehrt war, zuckte und gleichzeitig Blut aus dem Schädel spritze und das dem „Täter“ zugewandte Auge (subjektiv) eine wortlose Schuldzuweisung und Unverständnis, fast kindliche Unschuld enthielt. Das vor dem Hintergrund, daß die Tötung den Täter klar mit der nur teilweisen Kontrolle über seinen PKW und dessen ggf. verheerenden Auswirkungen auf Unbeteiligte konfrontierte. Nur schwer beschreibbar, wenn man noch nichts ähnliches erlebt hat, was an den Reaktionen der Kollegen ersichtlich ist, die keineswegs verroht oder tierfeindlich sind.

Gruss
Enno

PS: Der Täter hat zu BW Zeiten bei einem Unfall eines Panzers mit einem an einer uneinsehbaren Kuppe überholenden Wagen „erste“ Hilfe geleistet - was sich für den Fahrer oder besser dessen breiige Überreste ohnehin erübrigte und dem Beifahrer, dem das Gehirn aus dem Schädel getreten war, letztlich auch nichts mehr gebracht hatte (der verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus). Obwohl der Eindruck vermutlich bis ans Lebensende heften bleiben wird, hat er keine vergleichbare Qualität, weil der Täter damals einen ca. 50m hinter dem Panzer fahrenden LKW lenkte, die Schuldfrage max. über die erste Hilfe hätte aufkommen können, dort mehrere Leute am Werk waren und die Situation von vorneherein als extrem eingestuft wurde.

Hallo,
ich zitier’ Dich trotzdem :wink:.

> Worin besteht diese negative Wirkung ?

Vom Verstand her nur bzgl. der ‚Psychose‘ an sich. Die Schuldfrage ist vom Verstand klar verneint worden. Vom Gefühl her - und nur das spricht ja auf die „virtuellen Ankläger“ überhaupt an - wird das Schuldempfinden durch die „Ankläger“ gesteigert. Sie bestärken die Sichtweise, daß die Entscheidung gegen die unschöne Vorahnung ihre Todesursache war.
Dein beschriebenes Vorgehen paßt in etwa. Das Abblocken der negativen Gedanken geht, z.B. indem man über die Stimmen einen „erdachten“ noch lauteren Ton legt oder sich zwingt statt den Stimmen irgendein - vorzugsweise höchst redundanzreiches Lied - zu legen. Oder indem man einfach laut losquatscht oder singt - wobei die beiden Ansätze eher für die heimischen Gefilde geeignet sind - wenn man sich gerade solo darin aufhält. Das nicht werten müßte man probieren, die Entwertung läuft aber scheinbar über die Gegenparts zu den Anklägern. Wenn die sich gegenseitig die Köpfe einhauen, kann man sozusagen den Film genießen und die Ankläger zudem so manipulieren, daß ihre teilweise komplexen „Schuldbeweise“ widersinnig werden.
Ein professioneller Gesprächspartner wäre überlegenswert, wenn der zur Zeit dringlichere OP Termin + X (evtl. Nachbehandlung) vom Tisch ist.

Gruss
Enno

Ah, jetzt verstehe ich Dich erst richtig, Enno.
Ja, das klingt in der Tat schon sehr nach Psychose, was der Mann da bietet. Akustische Halluzinationen (insbesondere Stimmen, die ihn anklagen o.ä.)sind zwar eindrucksvoll und eine im wahrsten Sinne des Wortes „lärmende Symptomatik“, die strak auf eine Psychose hinweist, aber letztlich eben doch Symptome ZWEITER Ordnung (nach Schneider, klassisch-psychiatrisch). Symptome ERSTER Ordnung bleiben doch formale und inhaltliche Denkstörungen, also eine Inkohärenz des Denkens, die uns im längeren Dialog mit Patienten eigentlich immer deutlich wird.
Ich habe in meinen lange zurückliegenden Zeiten als Arzt auf Psychiatrischen Abteilungen allerdings auch schon Patienten erlebt, die nur eine Zeitlang -z.B. durch starke Konflikte- psychotisch waren und nicht zu den schwer heilbaren, dauerhaft erkrankten schizophrenen Psychotikern gehörten. So erinnere ich mich z.B. an einen Mann, der sich in die Freundin seiner Frau verliebt hatte und durch diesen Konflikt eine gewisse Zeit psychotisch wurde.
Wenn der Dir bekannte Mann schon deutlich älter als 20, 25 ist, hat er in meinen Augen eine gute Chance (Prognose), dass es eine vorüber gehende psychotische Episode ist. Die Schizophrenen erkranken überwiegend als Twens oder Teenager.
Gruß, Branden

Akustische Halluzinationen (insbesondere
Stimmen, die ihn anklagen o.ä.)sind zwar
eindrucksvoll (…) aber letztlich eben doch
Symptome ZWEITER Ordnung (nach Schneider,
klassisch-psychiatrisch).

Soweit ich mich an „Tölle“ erinnere, gehören akustische Halluzinationen (imperative, dialogisierende und kommentierende Stimmen) zu den 5 Schneiderschen Erstrangsymptomen.
Eine gesicherte Diagnose der Schizophrenie ist m. W. aber erst bei Auftreten von mindestens 3 Erstrangsymptomen zu stellen.

Da das Stimmenhören hier aber eher isoliert beschrieben wird, zudem offensichtlich durch Überprüfung der Realität korrigiert werden kann,(Wahngewissheit fehlt)
denke ich differientiell an eine pathologische Trauerreaktion.

Gruss
Volker

Sorry Branden

Ich hatte die Anrede vergessen. Dies sei hiermit nachgeholt:

Hallo Branden

Gruss
Volker

Hallo Volker
Ich denke auch, dass wir uns im Zweifelsfalle auf die Sache mit den drei Erstrangsymptomen einigen können.
Praktisch gesprchen: Wenn neben dem Stimmenhören deutlich und dauerhaft oder wiederkehrend inhaltliche und formale Denkstörungen zu bebachten sind, liegt der Verdacht auf eine Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis vor. Ich tippe aber „gefühlsmäßig“ auch eher auf eine Art „Durchgangssyndrom“, eine psychotische Episode mit besserer Prognose. Soweit man das alles so ferndiagnostisch sagen kann.
Gruß, Branden