Mach ich´s richtig ?

Hallo Leute,

ich bin 53 Jahre alt, hatte bisher in meinem ganzen Leben noch nix mit Sport am Hut, muss jetzt aber unbedingt was tun, 1. wg. Fitness und 2. wg. Gewichtsproblemen.

Nun habe ich vor einigen Tagen versucht auf dem Laufband loszulegen.

Ich schaffe bei 4,1 km/h und 4 % Steigung 13 Minuten. Dies habe ich nun in den letzten Tagen täglich je 3 x absolviert.

Und nun meine Frage: Bringt es mir was, diese (zunächst) ca. 40 Minuten täglich in drei Etappen zu laufen?

Oder „MÜSSEN“ sie „am Stück“ absolviert werden, um einen Trainingserfolg zu haben, wobei es mir wichtiger ist, etwas mehr Fitness zu erreichen. Wenn ich daneben noch abnehme, ist das natürlich o.k., steht aber nicht an erster Stelle.

Danke für jede Antwort

S

Hi Susanne,

also ich verstehe nicht ganz Deine Angabe zu Deinem Training.

Wieso schaffst Du ausgerechnet 4.1 km/h bei 4% Steigung nur 13 Minuten lang, aber dafür 3x am Tag? Könntest Du dass nochmals genauer definieren.

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Jedenfalls erst einmal super, dass Du was für Deine Gesundheit tun willst. Dafür ist es nie zu spät!

Hier zum Einstieg noch paar allgemeine Hinweise zum Training, die vor allem mit weit verbreiteten Vorurteilen aufräumen sollen:

  1. Immer vor dem Training aufwärmen und immer auch, am besten im aufgewärmten Zustand das Stretching nicht vergessen.

  2. Ausdauertraining (im Fitness-Jargon auch Cardio genannt) führt nicht zur Gewichtsreduktion. Es erhöht in erster Linie die Ausdauer und das allgemeine Wohlbefinden. Es zwar stimmt schon, dass während des Ausdauertrainings Fett verbrannt wird, doch ist das zu wenig, um auch Erfolge vorzuweisen. Auch wenn man 24 Stunden durchjoggen würde, verliert man nur 3-4kg, wovon aber nur ca. 1kg Fett ist. Der Rest ist dabei Muskelmasse (deswegen ist proteinreiche Nahrung wichtig, weil die Muskeln als Protein-Speicher genutzt werden).

  3. Sporttraining führt nur in Kombination mit der richtigen Ernährung zur Abnahme, d.h vor allem WENIGE Kohlenhydrate (Kohlenhydrate machen Fett nicht Fett! Und die Zufuhr von Kohlenhydraten und Fett trennen, da sonst die Kohlenhydrate verbrannt und das Fett gespeichert wird.), viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt, wichtig sind auch GUTE Proteindrinks (mit allen essentiellen Aminosäuren) denn diese kompensieren den Muskelabbau, viel Trinken, bewusst und vielseitig essen und trinken: Vitamine und Mineralstoffe. Also eher Atkins-Diät als Brigitte-Diät (obwohl die Diät nicht zu intensiv sein sollte, der Körper soll ja noch leistungsfähig bleiben.)

  4. Es kann zu Anfang beim Training sogar zu einer Gewichtszunahme kommen, da Muskelmasse auf- und Fettmasse abgebaut wird und Muskelmasse ist schwerer als Fett.

  5. Vergiss, was Dir die Fitnesstrainer zum Laufen im „Fett-Verbrennungs-Puls“ erzählen. Die Wahrheit ist: Es gibt keinen wirklichen Fettverbrennungspuls. Der Körper verbraucht die ganze Zeit, ohne Pause oder Unterbrechung Fett. Es gibt zwar einen gewissen Zeitpunkt, an dem vermehrt Fette zur Energiegewinnung herangezogen werden, die damit erreichte Fettreduktion ist aber minimal, mehr als das. Selbst wenn den Tag lang durchgejoggt werden würde, alles im Fettverbrennungsbereich, würden nicht annährend genug Fette verschwinden, als dass man etwas sehen könnte. Es ist lange bekannt, dass nur ein Training, welches den Stoffwechsel mit einbezieht, auch wirklich effektiv sein kann, da hierdurch auf lange Sicht mehr Fette verbraucht werden. So kann nur ein Sprinttraining, oder ein Training mit Sprintintervallen hier wirklich hilfreich sein (Intervalltraining).

In erster Linie wird dennoch Anfängern zum Training im „Fett-Puls“ geraten, um ihn davor zu bewahren ins Übertraining zu kommen. Wenn Du aber ein wenig fortgeschrittener Bist, solltest Du auf jeden Fall zum Intervalltraining, später sogar zum HIT wechseln.
(Erklärung z.B. hier http://www.ironsport.de/Ausdauertraining.htm)

  1. Es stimmt auch nicht, dass Ausdauertraining erst nach 20 Minuten zur Fettverbrennung führt. Das Fett wird von Anfang an verbrannt.

  2. Falsch ist auch, dass man mit Muskeltraining gezielt da Fett abbauen kann, wo man’s nötig hat (Also Po-Training gegen den dicken Po ist unnütz, bis auf eine gewisse Straffungswirkung).Das Problem ist, dass das Fett aus allen Speichern gleichzeitig abgebaut wird. Dabei bestimmt die Zugänglichkeit für das Durchblutungssystem die Geschwindigkeit des Abbaus. In der Regel ist der Abbau aber ziemlich zufällig über den Körper verteilt.

So das war’s erst einmal, sorry für den langen Post, aber es geistern viele Lügen und Falschheiten herum, so dass man als Anfänger selten weiß, wass man tun sollte.

Hallo Nico,

also ich verstehe nicht ganz Deine Angabe zu Deinem Training.

Wieso schaffst Du ausgerechnet 4.1 km/h bei 4% Steigung nur 13
Minuten lang, aber dafür 3x am Tag? Könntest Du dass nochmals
genauer definieren.

Auf dem Laufband kann ich eben 4,1 km/h einstellen. Schneller schaffe ich es nicht und bin nach 13 Min. dann vollkommen aus der Puste. Die 4 % Steigung sind nur eine „Zugabe“.

Wenn ich mich dann wieder erholt habe, kann ich die 2. und 3. 13 Min. halt wieder angehen. Ich weiß nicht, wie ich das besser erklären soll.

VIIIELEN Dank für die weiteren Ausführungen. Einiges wusste ich schon, Vieles war mir neu.

Gruß
S

Moin,

Auf dem Laufband kann ich eben 4,1 km/h einstellen. Schneller
schaffe ich es nicht und bin nach 13 Min. dann vollkommen aus
der Puste. Die 4 % Steigung sind nur eine „Zugabe“.

4,1 km/h sind ja nun Spaziergeh-Tempo, das sollte man eigentlich fast beliebig lange durchhalten - natürlich ohne Steigung. Probiere doch mal 0% Steigung und 8 km/h, wenn Du das 13 min. durchhälst, wäre das schon ein guter Anfang.

Olaf

Hallo,

ich sehe alles so ziemlich genauso wie Du - nur nicht, dass eine 53-jährige offenbar etwas übergewichtige Sportanfängerin Protein-Drinks braucht.

Olaf

Hallo Susanne,

vieles schon geschrieben, alles richtig.

Wer anfängt Sport zu treiben sollte folgendes noch beherzigen:
Man kann mit 3 oder 4 Trainingseinheiten nicht das aufholen was man Jahrelang vernachlässigt hat. Auch nicht indem man sich „schindet“.
Also sollte die erste Devise lauten: maßhalten.
Vor allem nicht überschätzen und übernehmen. Es bring auf Dauer nichts wenn man schon mit dem Gefühl an das Training geht „oha jetzt MUSS ich mich wieder quälen“.
Es muss Spass machen. Ja, ich weiss, einige werden jetzt wieder sagen, falsch man muss an seine Grenzen gehen um einen Trainingserfolg zu erzielen.
Ist auch richtig, aber doch nicht für einen über 50-jährigen Neueinsteiger!!!
Also Susanne schraube Deinen Maßstab herunter.( Falls Du höhere Trainingseinheiten machst)
30 min 3 mal in der Woche sollten für den Anfang völlig genügen.
Ich rate immer zu folgendem Modus: 5 min. gehen 1 min. joggen und das 5 mal wiedeholen. Nach 10 solcher Einheiten dann auf 4 min… gehen und 2 min. joggen umsteigen. Bis dann am Ende 30 min joggen Stück rauskommen.
Erholung ist sehr wichtig. Nie die Regeneration vernachlässigen. Die Muskeln, Bänder und Gelenke müssen sich ja auch erst an die Belastung anpassen. Insofern bringt tägliches „keulen“ nicht viel. Besser ist daher mal ein oder 2 tage nicht zu joggen, und ab und an eine andere Sportart einzubauen. Radfahren oder schwimmen.
Aber auf jeden Fall dranbleiben.
Viel Erfolg wünscht running
(der bereits in 2 Wochen seinen 2. Crossmarathon absolviert und auch erst mit 49 Jahren und 135 kg angefangen hat Sport zu treiben)

Hi Susanne,

Auf dem Laufband kann ich eben 4,1 km/h einstellen. Schneller
schaffe ich es nicht und bin nach 13 Min. dann vollkommen aus
der Puste. Die 4 % Steigung sind nur eine „Zugabe“.

Also gut, bei jedem Training sind letztendlich folgende Faktoren entscheidend für den Erfolg:

  1. Die geleistete „Arbeit“. Damit meine ich die Arbeit, wie sie auch die Physik definiert:
    „Die Arbeit W (engl. Work) ist im Rahmen der Physik eine Energiemenge E, die von einem System in ein anderes System übertragen wird. Diese Übertragung erfolgt in der klassischen Mechanik durch das Wirken einer Kraft entlang eines Weges. In einem konservativen Kraftfeld ist die Größe der geleisteten Arbeit wegunabhängig.“
    Klingt kompliziert, bedeutet aber lediglich, dass mehr zurückgelegter Weg in der gleichen Zeit mehr Energie verbraucht.
    Deshalb ist für die geleistete Arbeit erst einmal egal, ob du 3x13 Minuten oder einmal 39 Minuten läufst.

  2. In biologischen Systemen ist allerdings die Sache nicht mehr ganz so einfach. Erstmal ist das Problem, dass der Körper zu, „Überkompensieren“ neigt und außerdem dass es im Körper drei Energiespeicher gibt, die je nach Belastung unterschiedlich angebrochen werden (und auch unterschiedlich schnell wieder „aufgefüllt“ werden). Diese sind Fette, Kohlenhydrate (im Grunde Zucker) und Proteine. Was, wieviel abgebaut wird, hängt von der Sauerstoffversorgung im Blut und daher von Deinem Puls ab. Außerdem ist eine gute Sauerstoffversorgung wichtig, so dass Dein Organismus nicht unnötig leidet.

Ich würde deshalb für zukünftiges Training einen Pulsmesser empfehlen. Als Anfänger wird Dein Ruhepuls schon ziemlich hoch liegen (der echte Ruhepuls sollte übrigens immer kurz nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen bestimmt werden). Dann solltest Du Deinen Trainingspuls berechnen:
(220 - Lebensalter - Ruhepuls) x 0,66 + Ruhepuls = Trainingspuls
oder ohne Einbeziehung des Ruhepuls
180 - Lebensalter = Trainingspuls

Du siehst in Deinem Fall sollte der Puls beim Training nicht über 130 liegen. (Zumindest am Anfang)

Da Du sagst, Du kommst bei Deinem jetzigen „Setting“ Deines Laufbandes schon aus der Puste, kann es sein, dass die Geschwindigkeit, bzw. die Steigung schon zu viel eingestellt ist. Ich würde Dir deshalb empfehlen, dass Du entweder die Steigung reduzierst, oder erst einmal mit einem Crosstrainer (sehen wie Langlauf-Trainingsmaschinen aus) oder Fahrrad anfängst, deine Kondition aufzubauen.

Wenn Du merkst, dass es Dir mit der Zeit leichter fällt, kannst Du dann wieder mit dem Laufband weitertrainieren.

Gruß,

Nico

ich sehe alles so ziemlich genauso wie Du - nur nicht, dass
eine 53-jährige offenbar etwas übergewichtige Sportanfängerin
Protein-Drinks braucht.

Wenn Sie anfängt richtig zu trainieren und gleichzeitig eine Diät
macht, können Proteindrinks helfen dem Abbau der Muskelmasse
entgegenzuwirken.

Hi Nico.

Schön, dass Du mit Vorurteilen aufräumen willst, aber bei dem Punkt, dass Du bei Ausdauertraining Muskelmasse verlierst, liegst Du mit Sicherheit falsch. Das würde ja bedeuten, dass für das Ausdauertraining Proteine zur Energiegewinnung herangezogen werden. DAS ist aber nur in extremen Ausnahmesituationen (Kohlenhydrat- und Fettmangel wg. Unterernährung) der Fall. Proteine werden fast NIE für die Energiegewinnung verschwendet.

In Deinem Punkt 5 widersprichst Du Dir selbst: einerseits schreibst Du, dass es keinen „Fett-Verbrennungs-Puls“ gibt und andererseits schreibst Du, dass nur ein Training, welches den Stoffwechsel mit einbezieht, effektiv sein kann. Der Puls und die damit zur Verfügung stehende Sauerstoffmenge beeinflusst maßgeblich den Stoffwechsel. Auf Grund der Molekülstruktur von Kohlenhydraten und Fettsäuren ist es unabdingbar, dass mehr Sauerstoff zur Verfügung stehen muss, um die Fettsäuren verwerten zu können. Ist der Trainingspuls zu hoch, verringert sich die Sauerstoffaufnahme (im Blut) und Fettsäuren können nur sehr ungenügend verwertet werden. Es entsteht- wie beim KH-Stoffwechsel – Brenztraubensäure -> Milchsäure -> Laktat und letztlich wieder KH.

Sonst stimme ich mit Dir überein.
Beste Grüße
Lothar

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Schön, dass Du mit Vorurteilen aufräumen willst, aber bei dem
Punkt, dass Du bei Ausdauertraining Muskelmasse verlierst,
liegst Du mit Sicherheit falsch. Das würde ja bedeuten, dass
für das Ausdauertraining Proteine zur Energiegewinnung
herangezogen werden. DAS ist aber nur in extremen
Ausnahmesituationen (Kohlenhydrat- und Fettmangel wg.
Unterernährung) der Fall. Proteine werden fast NIE für die
Energiegewinnung verschwendet.

Nein das stimmt nicht. Auch im Ausdauertraining werden Proteine
(Muskelmasse) zur Energiegewinnung herangezogen. Grund hierfür ist,
dass die Verstoffwechslung von Zuckern und Proteinen schneller geht,
als die Fettverstoffwechslung. Allerdings sorgt die Superkompensation
nach dem Training schnell wieder für einen Ausgleich dieses Protein-
Abbaus und sogar für eine Neusynthese weiterer Muskeln.

Allerdings gebe ich zu, dass diese Ansicht strittig ist
siehe dazu auch

„Protein requirements and recommendations for athletes: relevance of
ivory tower arguments for practical recommendations.“
Tipton KD, Witard OC.

In Deinem Punkt 5 widersprichst Du Dir selbst: einerseits
schreibst Du, dass es keinen „Fett-Verbrennungs-Puls“ gibt und
andererseits schreibst Du, dass nur ein Training, welches den
Stoffwechsel mit einbezieht, effektiv sein kann. Der Puls und
die damit zur Verfügung stehende Sauerstoffmenge beeinflusst
maßgeblich den Stoffwechsel. Auf Grund der Molekülstruktur von
Kohlenhydraten und Fettsäuren ist es unabdingbar, dass mehr
Sauerstoff zur Verfügung stehen muss, um die Fettsäuren
verwerten zu können. Ist der Trainingspuls zu hoch, verringert
sich die Sauerstoffaufnahme (im Blut) und Fettsäuren können
nur sehr ungenügend verwertet werden. Es entsteht- wie beim
KH-Stoffwechsel – Brenztraubensäure -> Milchsäure ->
Laktat und letztlich wieder KH.

Da habe ich mich offensichtlich undeutlich ausgedrückt:
Es gibt zwei Phänomene, die ich hier meine

1.Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem nach dem Training die
eigentliche Verbrennung von Fetten einsetzt, sozusagen
kompensatorisch aufgrund der Mehrbelastung des Organismus. Das
bedeutet: umso mehr Arbeit der Körper leisten musste, umso mehr
Energie nach dem Training aus dem Fett gewonnen wird (bis zu 24h
lang).

  1. Außerdem ist zwar die prozentuale Fettverbrennung im
    anaeroben Bereich geringer, die absolute Fettverbrennung ist
    im anaeroben Bereich jedoch höher. Denn insgesamt ist der
    Energieverbrauch höher und das Blut ist ja nicht plötzlich
    Sauerstofffrei, sondern nur die Sättigung mit Sauerstoff ist
    geringer. Außerdem ist die Fettverbrennung während des Trainings
    gegenüber der nach dem Training zu vernachlässigen, egal ob man im
    „aeroben“ oder im „anaeroben“ Bereich trainiert.

Sorry falls einige Aussagen zu oberflächlich waren (und dadurch
ungenau werden), aber für eine detaillierte Aufdröselung des
Stoffwechsels im Sport ist hier einfach nicht genug Platz.

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Du solltest wenn möglich Training mit Praktischem verbinden,
also zB die letzten 4 km von Arbeit nach Hause gehen/joggen,
mit dem Rad oder noch besser zu Fuß einkaufen, etc.
Auf diese Weise hast du direkte, konkrete Erfolgserlebnisse
und musst nicht wochenlang auf was Positives warten.
Laufband halte ich für eine sehr depremierende Trainingsmethode.
Ausserdem ist Steigung am Laufband ein Witz, da du nur das Bein etwas höher hebst und nicht wie in Wirklichkeit deine gesamte Masse nach oben beförderst.
Pulsmesser mit einstellbarem Trainingsbereich(Tonsignale) ist für dich als Anfänger besonders empfehlenswert.
Ansonsten: Geh eher langsam ran.

mfg
vume5