Machtprobe

gute argumente, schlechte argumente … feminismus
hallo,

gute argumente: öffentliche schulen sind religionsfrei zu halten. zustimmung. (auch wenn es nur eine alibiaussage ist, denn realisiert ist dieses eben nicht, siehe krizifix.)

Jetzt frag ich mich nachdem, was du
geschrieben hat, aus welchem Grund irgend jemand findet, dass
etwas verhüllt gehört ? Ist es peinlich ? abstoßend ? Kann der
Anblick der Umgebung nicht zugemutet werden ?

und das ist ein schlechtes argument. der staat hat nicht die aufgabe religiöse vorschriften und andere weltanschauliche einstellungen zum thema mode zu hinterfragen.

mit demselben argument könnte man auch gegen lehrerinnen vorgehen, die zb. in transparenten oberteilen, kurzen röcken, make up, gefärbten haaren und anderem sexy outfit unterrichten: „jetzt frage ich mich, aus welchem grund jemand findet, daß etwas gezeigt/betont gehört? ist es anziehend? erotisch? soll der anblick die männer aufreizen? wird die frau hier zum sexobjekt degradiert?“ (ist nicht a. schwarzer & co. DAGEGEN AUCH? zb. pornobilder = frauenfeindlich usw.) ja was denn nu? entweder soll jede frau anziehen was sie will oder eben nicht! ist nicht das feminismus? selbstbestimmung jenseits männlicher einstellungen, und zwar jenseits ALLER einstellungen, nicht nur jener, die einem nicht passen.

[erläuterung: obiges zu den oberteilen war nicht MEINE MEINUNG, sondern eine gegenargumentation des arguments wegen.

weiters: nein, ich bin NICHT für schleier an den schulen.]

gruß datafox

Weiter :smile:
Moin Eli,

Gute Frage. Da es den Fall noch nicht gab, wäre es reine
Spekulation und ich sehe hinter dem Fall ja andere Motive als
die Frage nach Kleidung. So befüruchte ich, das dieses sogar
hier weniger ein Problem wäre.

Nun bin ich aber etwas perplex. welche anderen Motive als die Frage der Kleidung siehst du denn ? Falls diese Frage komisch erscheint möchte ich anführen, dass ich mit religiösen Kleidungsvorschriften nun so gut wie überhaupt keine Erfahrung habe und daher das Ansinnen, aus religiösen Gründe eine bestimmte Kleidung tragen zu wollen zumindest bei nicht ordinierten nicht so recht anchvollziehen kann. Also erhelle mich :smile:

Gruss
Marion

hallo grilla,

danke fuer deine antwort und auch allen anderen danke die sich an der diskussion beteiligen.

natuerlich ist es prinzipienreiterei. aber man muss auch mal auf den prinzipien rumreiten und aus prinzip nicht nachgeben. ansonsten erscheint es mir recht verharmlosend und sorgenlos. alice schwarzer es doch einigermassen gut gelungen, meiner meinung nach, einen gewissen hintergrund vbei frau ludinn aufzudeken der uns doch zu denken geben sollte. sie richtet sich ja keineswegs gegen frauen die mit kopftuch unterrichten.

Kopftuch in den Unterricht - aus welchen Gründen auch immer.
Kinder würden sich nicht daran stören, egal wie religiös sie
erzogen werden. Neidenswerte Sorglosigkeit, von der wir
Prinzipienreiter uns eine Scheibe abschneiden sollten - außer
wir brauchen solche Überzeugungen unbedingt, eben wie Frau
Ludin und Frau Schwarzer.

gerade deshalb sollte einwenig der hintergrund von frau ludin beleuchtet werden! ich finde man darf nicht staatsbeamte akzeptieren die einen recht unklaren hintergrund haben.

gruss
juss

dazu ein weiterer reaktionärer vorschlag von mir zum
kopftuchthema: schuluniformen! und zwar für lehrer und schüler
gleichermaßen. pappt sie alle ins selbe t-shirt und
schirmmütze, am besten mit dem namen der schule drauf, und
alle diskussionen über kopftücher sind beendet. mit demselben
schlag wird auch die lästige protzerei mit modegütern
verhindert, durch die sozial schwächere diskriminiert werden.

hallo datafox,

eine idee die ich sogar begruessen wuerde. habe 4 jahre lang selber schuluniform getragen und fands gar nicht so schlimm. allerdings ist es nun ein ganz anderes thema.
gruss
juss

das ist leider wohl Wunschdenken, es sei denn es würde nur ein
Lieferant zugelassen, ansonsten gäb es halt Schuluniformen von
pfuipfui-Firmen oder binichnichtsupi-Firmen und die
Diskriminiererei ist fast genauso wieder da.
Aber selbst wenn es nur einen Lieferanten gäbe, würden sich
sicher einige vom Schneider ‚Spezialuniformen‘ auf Maß machen
lassen. Also wären günstigstenfalls grobe Äußerlichkeiten
kaschiert - leider

hallo Gandalf,

einfach keine fetten aufnaeher erlauben ausser einem logo der schule und mann haette das problem schon wesentlich mehr im griff.

gruss
juss

aber ich warte noch auf die harten einwände: „gleichschaltung
wie bei den n… !“ mal abwarten wie lange es dauert *lol*

ich denke mit gleichschaltung kann man hier nicht kommen. jede schule haette womoeglich eine andere uniform. es wuerde sich ein gutes buntes durcheinander ergeben.

juss

hallo marion,

dann bin ich mir ziemlich sicher, das ich dies als
Vorbildcharakter (auch hinsichtlich des Umgangs der
Geschlechter miteinander) für Tochter an einer Schule nicht
haben möchte. Da wäre mir ein buddhistischer Mönsch, der
Verzicht auf materielle Gelüste lehrt, schon lieber *lach*.

wenn ich diese passage etwas erweitern darf…

ich habe nicht selten den eindruck bekommen das solche kopftuchtragenden mitschuelerinen ihre klassenkameradinen geradezu zu einer „schlampe“ herabgewuerdigt hatten weil sie sich den blicken anderer maenner und ihrer klassenkameraden aussetzen. wenn die lehrerin mit soclhen argumenten ankommen wuerde faende ich es eine zumutung.

Gruss juss

hallo Eli,

Wieso sollte selbstbewusste Frauen kein Kopftuch tragen?

es macht sie groesstenteils zu absoluten aussenseitern! oft in der schule oder uni beobachtet!

Geht es darum? Warum erkennst Du im Kopftuch eine Wertigkeit?
Sprichst Du da diesem Kopftuch nicht mehr zu, als das Stück
Stoff hergibt? Wie dem auch sei, es ist für mich Sache einer
Muslima oder einer Frau und auch eines Mannes ein Kopftuch zu
tragen und zu wissen, warum sie oder er es tut. Es ist nicht
mehr Sache dieses zu bewerten oder gar alleine aufgrund dieses
Kopftuches Selbstbewusstsein abzusprechen.

natuerlich ist es die sache der muslima ob sie nun kopftuch traegt oder nicht aber ich bin mir nicht sicher ob sie immer freiwillig zum kopftuch greifen. auch hier hab ich beobachtungen gemacht die einfach die frauen die kein kopftuch tragen (aus muslimischen familien) entweder gezwungen werden oder einfach keinen respekt bekommen. scheinbar sehen die moslems, die strikt auf das tragen eines kopftuches bestehen, in diesem nichts weiter als das stueck stoff!

Ich dachte hier ginge es um Religionen(!) und das dieses auch
den Respekt vor anderen Glaubensweisen mit einschliesst.
Leider scheine ich mich geirrt zu haben.

es geht um religionen und im besonderen keine falsche toleranz sondern ehrliche offenheit und interesse zu bekunden an moslems und anderen minderheiten. wenn man aber radikalen minderheiten narrenfreiheit laesst hat es nichts mitrespekt zu tun.

Schalom,

juss

hallo eli,

tjo, da bin ich einwenig sprachlos und manchmal frag ich mich
woher die leute hier kommen.-)

Und ich frage mich, warum es einem immer so leicht fällt über
andere, die man garnicht kennt, Urteile zu fällen :wink:

denke eigentlich nicht das ich unwissend bin und ungerechter weise ueber leute herfalle. wenn ich auch kein gelehrter bin so habe ich doch die moeglichkeit gehabt lange zu beobachten und sogar erfahrungen in bestimmten freundeskreisen zu machen.

alice schwarzer hat also angst
vor selbstbewusten frauen… darueber muss ich nachdenken+g+

Irgendwie muss ich mich unklar ausgedrückt haben. Ich bezog
mich dabei auch auf das Tragen von Kleidung aufgrund
religiöser Motive, aufgrund der Liebe zu G’tt.

hier kommen wir wohl ohne „echte“ ismalexperten nicht aus um zu pruefen inwieweit ein kopftuch einen liebesbeweis an gott darstellt.

Schalom,

juss

Hallo,

ein wesentlicher Aspekt scheint mir in der Diskussion hier unterzugehen: die Frage danach, was der Staat seinen Bürgern vorschreiben dürfen soll.

Es ist nämlich so, daß hier von staatlicher Seite jemandem Vorschriften über seine Kleidung gemacht werden. Damit möchte man dem Einfluß der Religion in dieser Frage etwas entgegensetzen, aber was würde dabei erreicht? Nicht der Imam, sondern der Minister dürfte entscheiden, wie man (oder besser frau) sich zu kleiden hat.

Nun wird einerseits argumentiert, daß das Kopftuch als religiöses Symbol in der Schule nichts zu suchen habe; andererseits versucht man nachzuweisen, daß der Islam keine Vorschriften diesbezüglich kennt.

In meinen Augen geht die Argumentation an der Sache vorbei. Die Intention ist, religösen Fundamentalismus aus der Schule zu verbannen; die Begründung wird je nach Diskussionsstand hingebogen, so daß es paßt.

Ich behaupte, selbst wenn Frau Ludin vor dem Verfassungsgericht scheiterte, wäre das ein Phyrrussieg für die Demokratie. Damit würde dem Staat die Entscheidung darüber überlassen, was er als erlaubt ansieht. Dies kann von uns nicht gewollt sein: Bekleidung ist und bleibt eine individuelle Entscheidung. (Daß es Staaten gibt, die Kleidungsvorschriften erlassen, kennen wir nicht nur aus der islamischen Welt: ich habe noch erlebt, wie in Argentinien lange Haare und kurze Röcke verfolgt wurden). Dies ist sehr wohl eine grundsätzliche Frage und keine Prinzipienreiterei.

Natürlich bin ich gegen die Unterdrückung der Frauen. Aus meiner Sicht wird aber hier die gute Sache mit den falschen Mitteln verfolgt.

Gruß

J.

Hallo Grilla!

Du glaubst also, daß die Personen die wesentlich mehr Zeit mit
deinen Kindern verbringen, keinen Einfluss auf das Kind haben
sollen?

Eine rhetorische Frage mit einem leichten Touch Polemik?

Eine rethorische Frage die nicht als persönlicher Angriff gemeint war, aber trotzdem provokant sein soll.

Lehrer ohne Einfluß sind nicht einen Euro wert. Wer sonst,
wenn nicht Erzieher müssen auf unsere Kinder Einfluß nehmen
können. Und wie weit ihr Einfluß gehen soll, bestimmen Staat
und Eltern.

Irrtum. Jeder Erzieher bestimmt das selbst. In den meisten Fällen unbewußt. Hat was mit Charisma zu tun.

Wie stellst du dir das genau vor?

Ich glaube , dass eine genaue Beschreibung, wie ich mir den
Einfluß von Lehrern auf meine Kinder vorstelle, ins offtopic
rutschen würde.
Was ich auf keinen Fall möchte, ist eine muslimische Lehrerin,
die meinen Kindern verdeckt oder offen verquaste
Glaubensdogmen unterjubelt, weil ich schon Probleme damit
habe, mit den manchmal märchenhaften Vorträgen weltfremder
Religionslehrer aus der christlichen Sparte klarzukommen.

Ich stimme dir großteils zu. Wobei mir aber der gekennzeichnete Gegner lieber ist als der unsichtbare. Und es sind nicht nur Religionslehrer, die getarnt in Anzug und Krawatte, weit größeren und gefährlicheren Einfluß als Fr. Kopftuch haben.

Grüße Dusan

volle zustimmung! o.T.
.

moin,

gute argumente: öffentliche schulen sind religionsfrei zu
halten. zustimmung. (auch wenn es nur eine alibiaussage ist,
denn realisiert ist dieses eben nicht, siehe krizifix.)

Dass sich das Christentum innerhalb weniger Jahre komplett aus den Klassenzimmern verbannen lässt, ist wohl illusorisch, aber die Richtung stimmt, und die würde durch das Tolerieren religiöer Symbole wieder aufgehalten, wenn nicht zurückgedreht.

Jetzt frag ich mich nachdem, was du
geschrieben hat, aus welchem Grund irgend jemand findet, dass
etwas verhüllt gehört ? Ist es peinlich ? abstoßend ? Kann der
Anblick der Umgebung nicht zugemutet werden ?

und das ist ein schlechtes argument. der staat hat nicht die
aufgabe religiöse vorschriften und andere weltanschauliche
einstellungen zum thema mode zu hinterfragen.

Generell natürlich nicht. Bei seinen Angestellten im Staatsdienst in der Erziehung hingegen schon, sofern diese von den Angestellten in seinen Job hineingetragen werden. Was jeder zu Hause macht, interessiert auch den Staat bei seinen Angestellten nicht.

Im übrigen schrieb ich oben ausdrücklich „frage ich mich“…, und ich darf mir doch sicher schon Gedanken über solche Kleidungsvorschriften machen, oder nicht ? :smile:

mit demselben argument könnte man auch gegen lehrerinnen
vorgehen, die zb. in transparenten oberteilen, kurzen röcken,
make up, gefärbten haaren und anderem sexy outfit
unterrichten:

Ich finde es gibt schon einen grundlegenden Unterschied zwischen dem Tragen von religiösen, politischen oder anderen Symbolen und schlichter Kleidungspräferenz. Schließlich geht es hier ja auch nur um Frau Ludins Kopftuch und nicht um ihre Rocklänge oder Sockenfarbe.

"jetzt frage ich mich, aus welchem grund jemand

findet, daß etwas gezeigt/betont gehört? ist es anziehend?
erotisch? soll der anblick die männer aufreizen?

Natürlich, warum denn sonst? Zumindest wenn es etwas ist, dass ganz offensichtlich keinen anderen Zweck hat *g*

wird die frau

hier zum sexobjekt degradiert?" (ist nicht a. schwarzer & co.
DAGEGEN AUCH? zb. pornobilder = frauenfeindlich usw.)

Darüber ließe sich durchaus diskutieren, nur weiss ich grad nicht, was das mit der aktuellen Diskussion hier und dem Neutralitätsgebot der Schulen zutun hat.

ja was

denn nu? entweder soll jede frau anziehen was sie will oder
eben nicht! ist nicht das feminismus?

Nein, nicht das ist wüsste. Wir sollten hier doch zwischen Privatleben und Berufsleben unterscheiden. Es gibt schließlich jede Menge Berufe (wenn nicht sogar die Mehrheit) wo eine bestimmte Kleidung vorgeschrieben ist, sowohl für Männer, als auch für Frauen. Das hat nicht in jedem Fall etwas mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft zutun.

selbstbestimmung

jenseits männlicher einstellungen, und zwar jenseits ALLER
einstellungen, nicht nur jener, die einem nicht passen.

Nein, hier sind IMHO lediglich die Einstellung des Staates und der Grundordnung entscheidend, auf der dieser Staat beruht. Und wenn da „religiöse Neutralität“ steht, dann ist das so und wird von mir für gut befunden.

Ich glaube kein Mensch in der Schulbehört, im Kultusministerium, vor den jeweiligen Gerichten etc. hat etwas dagegen, wenn Frau Ludin privat ein Kopftuch, eine rosa Pappnase oder eine Nonnenkutte trägt.

Gruss
Marion

Bravo! :smile: (owT)

Hallo Juss.

Wieso sollte selbstbewusste Frauen kein Kopftuch tragen?

es macht sie groesstenteils zu absoluten aussenseitern! oft in
der schule oder uni beobachtet!

Eben oder will hier jemand sagen, dass es leicht ist, eine solche Position zu beziehen? Es ist nun einmal viel leichter, mit der Masse mitzuschwimmen, dazu gehört erst einmal nicht so viel Selbstbewusstsein.

natuerlich ist es die sache der muslima ob sie nun kopftuch
traegt oder nicht aber ich bin mir nicht sicher ob sie immer
freiwillig zum kopftuch greifen.

Natürlich gibt es hier beide Seite, aber gerade deswegen muss man doch der Freiheit selber zu wählen, mehr Gewicht geben.

es geht um religionen und im besonderen keine falsche toleranz
sondern ehrliche offenheit und interesse zu bekunden an
moslems und anderen minderheiten. wenn man aber radikalen
minderheiten narrenfreiheit laesst hat es nichts mitrespekt zu
tun.

Was ist den jetzt am Tragen von Kopftüchern radikal oder geht es um den Zwang diese Tragen zu müssen? Nun gut, aber darum ging es bislang in der Diskussion nicht. Es ging ja um das genaue Gegenteil, dass diese Gesellschaft so frei ist, auch das Tragen von Kopftüchern zu tolerieren und darin erst einmal keinen Ausdruck von Unterdrückung oder Fundamentalismus zu sehen.

Schalom,
Eli

Hallo Marion.

Schon klar, aber würdest vielleicht auch nur ein klein wenig
in Betracht ziehen, dass des eventuell auch mit dem
Ansehen der Frau in den betreffenden Gesellschaften
zusammenhängt ? :smile:

Ja, aber dann muss wir in der Diskussion differenzieren und verschiedene neue Probleme diskutieren. Gerade durch eine Offenheit in dieser Frage würden aber diese Diskussion erst in der Öffentlichkeit und in der Schule möglich. Wenn die Schule sich aber dem Kopftuch verweigert, verdrängt sie damit auch diese Diskussion, bzw. verhindert dass sich dieser Frage emanzipiert genähert werden kann.

Insondern finde ich es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass
z.B. bestimmte Bekleidungevorschriften auch etwas über die
Stellung der Frau in einer Gesellschaft aussagen, oder falls
dies ursprünglich nicht so beabsichtigt war, sollte man sich
doch schon mal Gedanken machen, welche Implikationen eine
solche Bekleidungsvorschrift in unserer heutigen
Gesellschaft mit sich bringt.

Sicherlich sollte man sich darüber Gedanken machen und aus diesem Grund bin ich u.a. auch dafür, dass es in öffentlichen Schulen möglich sein muss, dass Frauen sich religiös begründet kleiden.

[…] Die Realität sieht
doch wohl eher so aus, dass verschleierte Muslima auffallen
wie bunde Hunde und von vielen Leute angestarrt werden. Wer
nicht auffallen will sollte sich im Alter von 18 Jahren ein
bauchfreies T-Shirt, enge Jeans und Buffaloes anziehen *g*.

Mh, entschuldige aber dieser Vergleich ist schon etwas absurd. Es geht doch nicht um das Auffallen, sondern darum, ob es gewissen Grenzen zwischen den Geschlechtern gibt und ob und wie diese kenntlich gemacht werden. Und ich zumindest bin mir sicher, dass die Blicke der Männer (und Frauen) auf eine solche Muslima anders sind, als auf die entsprechend 18-Jährige. Willst Du das leugnen? Aber letztlich geht es garnicht darum.

Auch sollte klar sein, dass das Bild und Ansehen der Frau in
einer Gesellschaft durch vielerlei Dinge entsteht. Ich bin nun
der ganz persöhlichen Auffassung (und da stehe ich vermutlich
auf der Seite von Frau Schwarzer), dass man Einflussnahmen,
die auf eine (von meiner Sicht aus gesehen) Schlechterstellung
der Frau in der Gesellschaft hinweisen, zumindest in
Bereichen, die kaum „privat“ zu nennen sind, wie eine
öffentliche Schule, zurückdrängen sollte.

Dann sollte man darüber aber auch offen diskutieren können und nicht durch einseitige Verbote Meinungen ausschliessen. So bin ich mir sicher, dass auch die betreffende Muslima hierzu interessant Beiträge leisten kann und es in diesen Fragen auch ganz andere Ansichten gibt.

Und ja, für mich ist das Tragen von Kopftüchern eindeutig eine
Benachteiligung von Frauen. Falls du das nicht glauben magst, bind
dir doch mal so ein Ding bei dieser Hitze um und geh draußen
spazieren. Außer der Tatsache, dass dich jeder anstarrt, deine
Haare fettig werden und dein Kopf anfängt zu jucken, wird es dir
vermutlich ziemlich warm werden :smile:

Da ich mich auch religiös kleide, kenne ich diese Probleme. Nur verstehe ich nicht, was nun genau das mit der Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung zu tun hat? Wäre hier nicht die Frage sinnvoller, wie oft ich dann dumm angemacht werde?

Das seh ich anders. Religiöse Symbole in Schulen betreffen
IMHO das Neutralitätsgebot sehr wohl, und da ist es mir
ziemlich gleich, ob dieses Sympbol nun in Form eines
Kruzifixes an der Wand hängt oder in Form eines Kopftuchs um
den Kopf der Frau Ludin.

Neutralität bedeutet hier nur, dass alle Inhalte wertneutral vermittelt werden, was ansich schon ein Paradox ist. Warum dieses aber durch Tragen von Kopftüchern betroffen sein soll, ist mir bislang nicht klar geworden.

Sicher wird es das nie in letzter Konsequenz geben. Nur sehe
ich es eben als Wert an, diese Neutralität so weit wie möglich
zu verteidigen. Das beginnt für mich bei der Religion und
endet für mich bei Stickern für politische Parteien am Revers
von Lehrerjackets und Produktwerbung wenn z.B. der Sportlehrer
ausschließlich von Nike gesponserte Sportkleidung trägt und
auch nur diese empfielt. All das will ich in Schulen nicht
sehen.

Wenn das die Probleme unserer Schulen wären, dann könnten wir uns glücklich schätzen. Mir wäre es wichtiger, dass bestimmte Werte vermittelt werden und hier sehe ich einfach, dass wir dazu auch offene muslimische Lehrer brauchen, welche ihre Religion offen und ohne äussere Zwänge ausleben. Genauso wie wir solche Lehrer in anderen Bereichen brauchen, wo entsprechender Bedarf ist.

Warum denkst du, das ich das nur einer Strömung
absprechen will ? Ich würde mich auch gegen das Tragen von
rosa Pappnasen von Verehrern des heiligen Pink wehren, wenn
diese so unterrichten wollten. Ich dachte eigentlich, hätte
deutlich gemacht, dass es sich bei mir um ein Prinzip handelt,
und nicht um ein Kopftuchdebakel :smile:

Weil ich das für unmöglich halte. Auch deine 18-jährig-Geleidete vertritt hierdruch bestimmte Werte. Warum dürfen diese ungefragt in der Schule vermittelt werden, andere aber nicht? Warum keine Vielfalt in der Schule?

Wenn du einen Obststand auf dem Markt hast, und lässt es
augenzwinkernd zu, dass sich Obdachlose immer mal wieder ein
paar Krischen moppsen heisst das doch noch lange nicht, dass
Diebstahl deshalb ein D erlaubt sei und der Gemüsehändler, der
das nicht zulässt, es erst zum Problem macht!

Und dann ist es für mich halt auch normal, dass genau gegen diesen Gemüsehändler vor Gericht gezogen wird, weil nun einmal Mundraub in Deutschland kein Straftatbestand ist.

Im übrigen betreffen solche Entscheidungen nicht nur Frau
Ludin mit ihrem Kopftuch.

Was denn noch?

Das meine ich mit Mündigkeit eines Bürgers. Man sollte sich
einfach darüber im klaren sein, dass bestimmte fundamentelle
Entscheidungen auch bestimmte Konsequenzen mit sich bringen.
Ist man nicht bereit, diese Konsequenzen zu trage, sollte man
die Entscheidung auch nicht entsprechend fällen. Oder anders
gesagt: Wenn Frau Ludin meinst, dass Gott will, dass sie immer
und überall ein Kopftuch trägt, dann will er vermutlich nicht,
dass sie im deutschen Schulsystem unterreichtet.

Wo ist denn das Problem, dass Frau Ludin einen Weg eingeschlagen hat, welcher jedem Bundesbürger offen ist? Ich verstehe nicht, warum du alleine das schon ihr absprechen willst oder dahinter Fundamentalismus erkennst.

Ich wusste gar nicht, dass sich das Verfassungsgericht
überhaupt schon im Fall Ludin geäußert hat. Ich fände das bei
einem noch anhängigen Verfahren auch eher ungewöhnlich, aber
kannst du mir verraten, wo ich das nachlesen kann?

Da ging es noch nicht um das Verfahren Ludin und es wurden Verfassungsrichter zu diesem Fall befragt.

Ok, und da kann ich ganz definitiv Antworten, dass es keine
Freiheit der Kleiderwahl für Lehrer geben sollte. Im übrigen
gibt es diese Freiheit in kaum einem Beruf.

Warum denn das? Oder wie genau soll dann die Kleidung aussehen und wer will das festlegen? Ich bin jetzt schon etwas erstaunt.

Die Frage ist genauso gültig, wenn es nicht vor das Gericht
geht. Es wird ja dauernd Fr. Ludin etwas unterstellt. Warum
ist dieses kein Problem wenn ich das auch anderen
unterstellen?

Da kann ich jetzt nicht folgen. Was unterstellst du jetzt
anderen und ist für mich kein Problem ?

Das Problem entsteht ja erst, wenn die Kleidung von Frau Ludin entsprecht interpretiert wird und so sah bislang auch die Urteilsbegründung aus. Mit der gleichen Argumentation kann man auch bei anderen anfangen deren Kleidung als bewussten Ausdruck von Werten zu interpretieren und zu hinterfragen.

Die Leute, die das finden, sagen das ja auch ziemlich offen
und selbstbewusst (hab ich zumindest den Eindruck). Und ich
denke, ich habe ziemlich offen und selbstbewusst gesagt, dass
es mir nicht um den Islam, sondern ums Prinzip geht. Sorry,
aber ich würde einen entsprechend gekleideten orthodoxen Juden
genau so wenig im Schuldienst sehen wollen, wie einen
buddhistischen Mönch in Mönchskutte oder einen Lehrer mit
einem unüberssehbaren Kreuz um den Hals.

Nur weil hier die Kleidung genauso Ausdruck einer Lebenseinstellung ist, wie bei jedem anderen Menschen? Weil hier sogar die Kleiderwahl wahrscheinlich wesentlich rationaler erfolgt?

Ok, schön und gut, aber wieso sie meint, ihren Fall vors
Verfassungsgericht bringen zu müssen ist mir dabei immer noch
nicht ganz klar.

Warum wehren sich hier viele so massiv und zum Teil mit völlig unsachlichen Argumenten? Wie dem auch sei, wenn jemand anfängt einfach die Grundrecht von jemanden einzuschränken, dann kann ich mich nur noch wundern.

Was spricht denn nach Meinung von Frau Ludin
dagegen, sich einen Job zu suchen, wo sie beides problemlos
vereinbaren kann und damit ist es gut ? Offensichtlich hat sie
so einen Job ja bereits gefunden. Warum also dieser Gang durch
sämtliche Instanzen ?

Weil sie auf ihre Rechte besteht und wir in einem Rechtsstaat leben?

Du musst zugeben, dass hier der Verdacht zumindest naheliegt,
dass hier prinzipiell was entschieden werden soll und es
sollte doch klar sein, dass so eine Entscheidung Auswirkungen
auf unsere Gesellschaft und die Rechtssprechung haben wird.

Ja und?

Und diese Auswirkungen möchte ich nicht haben, weil es mir so
gefällt, wie es ist. bzw. allenfalls in die entgegengesetze
Richtung verbesserungswürdig wäre.

Wenn diese Entscheidung mit dem Grundgesetz vereinbar ist, kann ich damit leben und habe keine Probleme damit, dass auch eine gläubige Muslima hier alle Rechtsmittel ausschöpft.

Schalom,
Eli

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Hallo Marion.

Nun bin ich aber etwas perplex. welche anderen Motive als die
Frage der Kleidung siehst du denn?

Du selbst hast es auch schon angedeutet: Es geht um das, wofür angeblich diese Kleidung steht und um das Prinzip. Wobei auch hier die Frage sicherlich sich eben nicht auf die Kleidung beschränkt, sondern auf Dinge welcher ausserhalb der solchen liegen.

Schalom,
Eli

Hallo Eli,

wir hatten das ja ansich schonmal diskutiert:smile::

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Aber weil ich so spannend finde…

… hier möchte ich zunächst aus meinem alten Posting zitieren:

„Ich finde, gerade die Frage des Kopftuches ist nicht einfach damit abzutun mit dem Hinweis tolerant/intolerant. Das hat viel mit dem Verhältnis von Staat und Kirche und Religionsfreiheit und Persönlichkeitsrechten, Gleicheitsgrundsätzen (Mann und Frau)und tun. Manchmal geraten Grundrechte in Konflikt miteinander und es ist nicht immer leicht, dann abzuwägen, welches schwerer wiegt.“

Der Punkt bleibt, dass hier bestimmte Grundrechte, Prinzipien unseres modernen States in einem Konflikt stehen:

  1. Trennung von Staat und Religion
  2. Religionsfreiheit

aber zu deinem Posting an Marion:

Wenn die Schule

sich aber dem Kopftuch verweigert, verdrängt sie damit auch
diese Diskussion, bzw. verhindert dass sich dieser Frage
emanzipiert genähert werden kann.

Dem ist ja nicht so! Schülerinnen dürfen durchaus - im Gegensatz zu Frankreich - Kopftuch tragen. Sogar an privaten Schulen, wo jetzt Frau Ludin unterrichtet, ist das für Lehrerinnen erlaubt. Für Staatsdiener als Repräsentanten des säkularen Staates sollten aber andere Grundsätze gelten. Ich denke, dass ist es, was Marion schon mehrmals betont hat.

Sicherlich sollte man sich darüber Gedanken machen und aus
diesem Grund bin ich u.a. auch dafür, dass es in öffentlichen
Schulen möglich sein muss, dass Frauen sich religiös begründet
kleiden.

?? Für mich ist es ein Unterschied, ob diese Diskussion frei geführt werden kann in einer konkreten Situation in der Klasse, oder ob eine Autoritätsperson da etwas vorlebt, was z.B. von einigen der Schülerinnen als Zwang erlebt wird.

Mh, entschuldige aber dieser Vergleich ist schon etwas absurd.
Es geht doch nicht um das Auffallen, sondern darum, ob es
gewissen Grenzen zwischen den Geschlechtern gibt und ob und
wie diese kenntlich gemacht werden.

Welche Grenzen meinst du da? Was soll da kenntlich gemacht werden?

Und ich zumindest bin mir

sicher, dass die Blicke der Männer (und Frauen) auf eine
solche Muslima anders sind, als auf die entsprechend
18-Jährige. Willst Du das leugnen? Aber letztlich geht es
garnicht darum.

sondern?..

Da ich mich auch religiös kleide, kenne ich diese Probleme.
Nur verstehe ich nicht, was nun genau das mit der
Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung zu tun hat? Wäre hier
nicht die Frage sinnvoller, wie oft ich dann dumm angemacht
werde?

Was das damit zu tun hat? Nochmal ein Zitat darauf: „Der Tschador war in den letzten Jahrzehnten *auch* ein Symbol der islamisch-fundamentalistischen Reaktion, sei es in der Türkei, im Iran oder Afghanistan. In all diesen Ländern wurde er entsprechend instrumentalisiert. Und deshalb ist er nicht nur für mich mit einem ganz bestimmten Bild des Islams verbunden.“

Ok, und da kann ich ganz definitiv Antworten, dass es keine
Freiheit der Kleiderwahl für Lehrer geben sollte. Im übrigen
gibt es diese Freiheit in kaum einem Beruf.

Warum denn das? Oder wie genau soll dann die Kleidung aussehen
und wer will das festlegen? Ich bin jetzt schon etwas
erstaunt.

Allerdings gibt es diese Vorschriften: Als ich z.B. eine Lehre zur Bankkauffrau gemacht habe, haben wir sehr klar gesagt bekommen, wie wir gekleidet zu sein haben - und das wurde auch sanktioniert. Kleidung sind eben ein äußeres Zeichen, dass eine Firma/ eine Institution/ den Staat auf besondere Art repräsentiert. wenn ich keine Uniform targe will, darf ich eben nicht Streife bei der Polizei werden.

Nur weil hier die Kleidung genauso Ausdruck einer
Lebenseinstellung ist, wie bei jedem anderen Menschen? Weil
hier sogar die Kleiderwahl wahrscheinlich wesentlich
rationaler erfolgt?

Wieso rationaler? Davon abgesehen ist die Frage, welche Symbole was bedeuten oder in einer bestimmten Art und Weise interpretiert werden. Das Kopftuch - wie gesagt - ist oft genug ein Kampfzeichen des funamentalistischen Islam gewesen. Und wird auch von vielen heute noch so verstanden.

Warum wehren sich hier viele so massiv und zum Teil mit völlig
unsachlichen Argumenten? Wie dem auch sei, wenn jemand anfängt
einfach die Grundrecht von jemanden einzuschränken, dann kann
ich mich nur noch wundern.

Es ist ja ok, dass du ein bestimmtes Grundrecht besonders geschützt sehen willst. Aber ist es so schwer zu verstehen, dass es sehr gute Gründe für das Neutralitätsgebot gibt, die *nicht* auf Intoleranz beruhen, sondern im Gegenteil auf dem Grundgedanken der Freiheit?

beste Grüße,

barbara

Hallo Eli

Du selbst hast es auch schon angedeutet: Es geht um das, wofür
angeblich diese Kleidung steht und um das Prinzip. Wobei auch
hier die Frage sicherlich sich eben nicht auf die Kleidung
beschränkt, sondern auf Dinge welcher ausserhalb der solchen
liegen.

Ja, da hast du natürlich recht, es geht mir nicht um Kleidung sondern um jede Form von religiösen Symbolen, dass kann Kleidung sein, muss aber nicht (siehe Beispiel Kruzifix an der Wand).

Gruss
Marion

Moin Eli,

Ja, aber dann muss wir in der Diskussion differenzieren und
verschiedene neue Probleme diskutieren.

Ja ich denke auch, dass wir hier eigentlich mehr als ein Thema diskutieren.

Gerade durch eine

Offenheit in dieser Frage würden aber diese Diskussion erst in
der Öffentlichkeit und in der Schule möglich. Wenn die Schule
sich aber dem Kopftuch verweigert, verdrängt sie damit auch
diese Diskussion, bzw. verhindert dass sich dieser Frage
emanzipiert genähert werden kann.

Die Kopftuchdiskussion dürfte es in den Schulen geben, seit die ersten Schülerinnen mit Kopftuch dort aufgetaucht sind.

Sicherlich sollte man sich darüber Gedanken machen und aus
diesem Grund bin ich u.a. auch dafür, dass es in öffentlichen
Schulen möglich sein muss, dass Frauen sich religiös begründet
kleiden.

Ich versteh nicht ganz, warum man unbedingt religiös bekleidete Frauen an Schulen geben muss, um sich über religiöse Kleidungsvorschriften Gedanken zu machen. Falls diese Thema mal auf dem Lehrplan stehen sollte, kann man ja entsprechende Leute einladen.

Außerdem finde ich, dass du hier teilweise selbst widersprichst. An anderer Stelle weist du ausdrücklich darauf hin, dass das Tragen religiöser Kleidung in erster Linie Privatsache sei und nicht thematisiert werden sollte. (Zum Beispiel bei meinen Fragen, warum denn die Frau Ludin meint, unbedingt ein Kopftuch tragen zu müssen).

[…] Die Realität sieht
doch wohl eher so aus, dass verschleierte Muslima auffallen
wie bunde Hunde und von vielen Leute angestarrt werden. Wer
nicht auffallen will sollte sich im Alter von 18 Jahren ein
bauchfreies T-Shirt, enge Jeans und Buffaloes anziehen *g*.

Mh, entschuldige aber dieser Vergleich ist schon etwas absurd.
Es geht doch nicht um das Auffallen, sondern darum, ob es
gewissen Grenzen zwischen den Geschlechtern gibt und ob und
wie diese kenntlich gemacht werden.

Da schließe sich mich Barbras Nachfrage weiter unten nahtlos an: „Welche Grenzen meinst du da? Was soll da kenntlich gemacht werden?“

Und ich zumindest bin mir

sicher, dass die Blicke der Männer (und Frauen) auf eine
solche Muslima anders sind, als auf die entsprechend
18-Jährige. Willst Du das leugnen?

Nein, aber ich befürchte, die Träger religiöser Kleidung geben sich hier fielfach Wunschdenken hin bezüglich ihrer Wirkung auf die Umwelt. Aber gut, solange keiner dieser Träger offen sagt, was das ganze denn nun eigentlich soll, werden wir auf diese Frage wohl keine befriedigende Antwort finden. Allerdings weist mir deine rhetorische Frage genau in die Richtung, in der andere auch schon vermuten, dass nämlich Frauen mit Kopftuch und muslimische Männer vielfach Mädchen mit engen Jeans und bauchfreiem T-Shirt als Schlampe ansehen könnten. Im übrigen kenne ich diese Einstellung von muslimischen Männern aus eigener Erfahrung, die meinen, ein deutsches Mädchen dann auch entsprechend behandeln zu können. Und ganz ehrlich, solche Leute betrachte ich nicht unbedingt als Bereicherung für unsere Gesellschaft (wie viele andere übrigens auch). Aber wenn sie schon Bestandteil unserer Gesellschaft sind, dann möchte ich ihren Einfluss nicht auch noch unbedingt ausgeweitet wissen.

Aber letztlich geht es

garnicht darum.

Mir schon, oder zumindest auch.

Dann sollte man darüber aber auch offen diskutieren können und
nicht durch einseitige Verbote Meinungen ausschliessen. So bin
ich mir sicher, dass auch die betreffende Muslima hierzu
interessant Beiträge leisten kann und es in diesen Fragen auch
ganz andere Ansichten gibt.

Nun, diese Gelegenheit hätte die betreffende Muslima ja ausreichend gehabt, nur grade zu dem Punkt schweigt sie sich ja beharrlich seit Beginn der ersten Prozesse aus. Hier kommt dann von religiösen eben häufig duch nur der Rückzug und der Verweis auf das Einhalten irgendwelcher Gebote, wie bei dir in einem anderen Posting ja auch angeklungen ist. Was willst du denn an dem Punkt noch offen diskutieren ?

Da ich mich auch religiös kleide, kenne ich diese Probleme.
Nur verstehe ich nicht, was nun genau das mit der
Gleichberechtigung bzw. Gleichbehandlung zu tun hat?

Ganz einfach, Frauen wird hier offensichtlich eine Kleidungsvorschrift auferlegt, die eindeutig zu ihrem Nachteil ist. Falls muslemische Männer ebenfalls ein Kopftuch tragen müssten, gäbe ich dir recht. Müssen sie aber nicht. Wieso eigentlich nicht ?

Wäre hier

nicht die Frage sinnvoller, wie oft ich dann dumm angemacht
werde?

Warum erachtest du das an dieser Stelle als sinnvoller ? Die Tatsache, dass jeder, der sich jenseits der Vorstellungen der großen Masse kleidet, dumm angemacht wird, sollte eigentlich klar sein. Manchmal reicht es schon, mit den falschen Klamotten auf der falschen Party zu sein, um ein blaues Auge zu riskieren.

Neutralität bedeutet hier nur, dass alle Inhalte wertneutral
vermittelt werden, was ansich schon ein Paradox ist. Warum
dieses aber durch Tragen von Kopftüchern betroffen sein soll,
ist mir bislang nicht klar geworden.

Es geht nicht um das Vermitteln von Inhalten sondern um den Verzicht auf religiöse Symbole.

Sicher wird es das nie in letzter Konsequenz geben. Nur sehe
ich es eben als Wert an, diese Neutralität so weit wie möglich
zu verteidigen. Das beginnt für mich bei der Religion und
endet für mich bei Stickern für politische Parteien am Revers
von Lehrerjackets und Produktwerbung wenn z.B. der Sportlehrer
ausschließlich von Nike gesponserte Sportkleidung trägt und
auch nur diese empfielt. All das will ich in Schulen nicht
sehen.

Wenn das die Probleme unserer Schulen wären, dann könnten wir
uns glücklich schätzen. Mir wäre es wichtiger, dass bestimmte
Werte vermittelt werden

Ich finde obiges hängt sehr eng mit bestimmten Werten zusammen.

und hier sehe ich einfach, dass wir

dazu auch offene muslimische Lehrer brauchen, welche ihre
Religion offen und ohne äussere Zwänge ausleben. Genauso wie
wir solche Lehrer in anderen Bereichen brauchen, wo
entsprechender Bedarf ist.

Das sehe ich eben anders. Es gibt sicher auch bei den Lehrern Anhänger aller möglichen Art von Occultismus, Germanischen Kulten, Schwarzen Messen und ich weiss nicht was alles, die ihre Überzeugung offen und ohne äussere Zwänge ausleben wollen. Wenn du religiöse Einflüsse einer Richtung zuläßt, musst du alle anderen ebenfalls zulassen. Willst du das wirklich? Oder hast du eh nicht vor, deine Kinder an eine öffentliche Schule zu schicken ?

Weil ich das für unmöglich halte. Auch deine
18-jährig-Geleidete vertritt hierdruch bestimmte Werte. Warum
dürfen diese ungefragt in der Schule vermittelt werden, andere
aber nicht? Warum keine Vielfalt in der Schule?

Wir reden hier über Lehrer, nicht über Schüler. Ansonsten sind selbst bauchfreie T-Shirts bei Schülerinnen an Schulen umstritten, wie du vielleicht mitbekommen hast. Auch für diese Diskussion habe ich Verständnis.

Wenn du einen Obststand auf dem Markt hast, und lässt es
augenzwinkernd zu, dass sich Obdachlose immer mal wieder ein
paar Krischen moppsen heisst das doch noch lange nicht, dass
Diebstahl deshalb ein D erlaubt sei und der Gemüsehändler, der
das nicht zulässt, es erst zum Problem macht!

Und dann ist es für mich halt auch normal, dass genau gegen
diesen Gemüsehändler vor Gericht gezogen wird, weil nun einmal
Mundraub in Deutschland kein Straftatbestand ist.

??

Im übrigen betreffen solche Entscheidungen nicht nur Frau
Ludin mit ihrem Kopftuch.

Was denn noch?

ähm…vieleicht um religiöse Symbole aller Art ?
Siehe oben, das Verfassungsgericht kann nur ein Grundsatzurteil fällen. Entweder sind religiöse Symbole aller Art gestattet, oder gar keine. Alles andere würde zu Recht als Diskriminierung angesehen. Kopftücher wären dann nur ein religiöses Symbol unter vielen.

Wo ist denn das Problem, dass Frau Ludin einen Weg
eingeschlagen hat, welcher jedem Bundesbürger offen ist? Ich
verstehe nicht, warum du alleine das schon ihr absprechen
willst oder dahinter Fundamentalismus erkennst.

Nirgends, das Problem entsteht erst, wenn Frau Ludin diesen Weg eingeschlagen hat und trotzdem noch einen Beruf ergreifen will, der eine gewisse Kleidervorschrift vorsieht. Sorry, aber eine katholische Nonne kann nun mal auch nicht an irgend einer X-beliebigen öffentlichen Schule unterrichten. Wenn sie das hätte wollen, hätte sie eben nicht Nonne werden dürfen. Manche Dinge schließen sich in diesem Leben nunmal aus. Allerdings frage ich mich, warum noch keine Scharen von Nonnen zum Verfassungsgericht gestiefelt sind. Vieleicht, weil diesen Frauen die Konsequenz ihrer Entscheidung bewusst war ?

Ok, und da kann ich ganz definitiv Antworten, dass es keine
Freiheit der Kleiderwahl für Lehrer geben sollte. Im übrigen
gibt es diese Freiheit in kaum einem Beruf.

Warum denn das? Oder wie genau soll dann die Kleidung aussehen
und wer will das festlegen? Ich bin jetzt schon etwas
erstaunt.

Ach Eli, nun tu doch nicht so. Wir reden hier seit Tage über das Neutralitätsgebot der Schulen. Würde es diesbezügliche keine Vorschriften und Gesetze geben, müsste und könnte wohl kaum einer klagen, gell ?

In vielen anderen Berufe sollte das ebenfalls auf der Hand liegen, oder hast du bei McDoof schon mal jemanden in BurgerKing Montur gesehen ? Punker hinterm Bankschalter dürften auch eher selten sein, etcetc. Ehrlich gesagt kenn ich kaum einen Beruf, der auch mit Öffentlichkeit zutun hat, indem es dem Arbeitgeber völlig egal ist, wie die Angestellten rumlaufen.

Das Problem entsteht ja erst, wenn die Kleidung von Frau Ludin
entsprecht interpretiert wird und so sah bislang auch die
Urteilsbegründung aus. Mit der gleichen Argumentation kann man
auch bei anderen anfangen deren Kleidung als bewussten
Ausdruck von Werten zu interpretieren und zu hinterfragen.

?? Ich denke schon, dass Frau Ludin selbst deutlich gemacht hat, dass es sich hier um ein religiöses Symbol handelt. Was willst du da noch interpretieren ? Für was dieses Symbol nun wieder steht, ist dabei primär gar nicht von Bedeutung.

Nur weil hier die Kleidung genauso Ausdruck einer
Lebenseinstellung ist, wie bei jedem anderen Menschen? Weil
hier sogar die Kleiderwahl wahrscheinlich wesentlich
rationaler erfolgt?

Nein, weil es in Deutschland an staatlichen Schulen ein religiöses Neutralitätsgebot gibt, und das finde ich gut so.

Ok, schön und gut, aber wieso sie meint, ihren Fall vors
Verfassungsgericht bringen zu müssen ist mir dabei immer noch
nicht ganz klar.

Warum wehren sich hier viele so massiv und zum Teil mit völlig
unsachlichen Argumenten? Wie dem auch sei, wenn jemand anfängt
einfach die Grundrecht von jemanden einzuschränken, dann kann
ich mich nur noch wundern.

Das sehe ich anders. Wenn du das Neutralitätsgebot für staatliche Schulen wieder abschaffen möchtest, dann kannst du dich natürlich dafür ins Zeug werfen (und insbesonders die Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen werden dir dabei sicher mit Freuden folgen). Nur ist das nun mal nicht (mehr) gesellschaftlicher Konsens und ich bin froh, das wir diese Zeiten endlich überwunden haben, da dieses Gebot grade dem Schutz religiöser Minderheiten dient. Für mich wäre die Aufgabe dieses Neutralitätsgebots ein Rückschritt.

Was spricht denn nach Meinung von Frau Ludin
dagegen, sich einen Job zu suchen, wo sie beides problemlos
vereinbaren kann und damit ist es gut ? Offensichtlich hat sie
so einen Job ja bereits gefunden. Warum also dieser Gang durch
sämtliche Instanzen ?

Weil sie auf ihre Rechte besteht und wir in einem Rechtsstaat
leben?

Nochmal ganz deutlich: Wenn man das Neutralitätsgebot der Schulen ernst nimmt, hat Frau Ludin genau so wenig Recht, in dieser Aufmachung zu unterrichten, wie eine katholische Nonne. Frau Ludin möchte nicht auf ihrem Recht bestehen, sie möchte die Rechtssprechung diesbezüglich verändern und zwar in eine Richtung, die mir nicht gefällt.

Du musst zugeben, dass hier der Verdacht zumindest naheliegt,
dass hier prinzipiell was entschieden werden soll und es
sollte doch klar sein, dass so eine Entscheidung Auswirkungen
auf unsere Gesellschaft und die Rechtssprechung haben wird.

Ja und?

Siehe oben. Ich bin noch zu einer Zeit aufgewachsen, als in allen Klassenzimmern Kruzifixe hingen. Ich will diese Zeit nicht zurück und vor allem möchte ich das nicht für meine Kinder.

Und diese Auswirkungen möchte ich nicht haben, weil es mir so
gefällt, wie es ist. bzw. allenfalls in die entgegengesetze
Richtung verbesserungswürdig wäre.

Wenn diese Entscheidung mit dem Grundgesetz vereinbar ist,
kann ich damit leben und habe keine Probleme damit, dass auch
eine gläubige Muslima hier alle Rechtsmittel ausschöpft.

Wenn diese Entscheidung mit dem Grundgesetz vereinbar ist, dann werde ich wohl auch damit leben *g*, selbst wenn es ein Anhänger von Alister Crowley ist, der hier alle Rechtsmittel ausschöpft.

Gruss
Marion