Moin Eli,
Im Islam wie auch im Judentum ist es so, dass dort Gebote
bindenden Charakter haben und es darum geht, dass der Gläubige
hier erst einmal tut was G’tt fordert. Dieses allein wird als
Ausdruck der Liebe verstanden. Warum nun G’tt genau dieses
oder jenes fordert, erschliesst sich unserer Beschränktheit
wegen nicht immer. Es geht also nicht darum, dass G’tt
Kopftücher liebt 
Schon klar, aber würdest vielleicht auch nur ein klein wenig in Betracht ziehen, dass des eventuell auch mit dem Ansehen der Frau in den betreffenden Gesellschaften zusammenhängt ? 
Ich finde zumindest, dass Gebote, welche nur ein Geschlecht betreffen, vermutlich in diesem Geschlecht und seiner Stellung begründet liegen, ansonsten würden diese Gebote ja beide gleichermaßen betreffen (und es gibt ja auch eine Menge, die beide betreffen).
Insondern finde ich es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass z.B. bestimmte Bekleidungevorschriften auch etwas über die Stellung der Frau in einer Gesellschaft aussagen, oder falls dies ursprünglich nicht so beabsichtigt war, sollte man sich doch schon mal Gedanken machen, welche Implikationen eine solche Bekleidungsvorschrift in unserer heutigen Gesellschaft mit sich bringt. Ich muss z.B. immer Lachen, wenn ich höre, dass moslemische Frauen sich in Kopftuch und lange Kleider hüllen sollen, um ihre „Reize“ zu verdecken und nicht die Blicke von Männern auf sich zu ziehen. Die Realität sieht doch wohl eher so aus, dass verschleierte Muslima auffallen wie bunde Hunde und von vielen Leute angestarrt werden. Wer nicht auffallen will sollte sich im Alter von 18 Jahren ein bauchfreies T-Shirt, enge Jeans und Buffaloes anziehen *g*.
Auch sollte klar sein, dass das Bild und Ansehen der Frau in einer Gesellschaft durch vielerlei Dinge entsteht. Ich bin nun der ganz persöhlichen Auffassung (und da stehe ich vermutlich auf der Seite von Frau Schwarzer), dass man Einflussnahmen, die auf eine (von meiner Sicht aus gesehen) Schlechterstellung der Frau in der Gesellschaft hinweisen, zumindest in Bereichen, die kaum „privat“ zu nennen sind, wie eine öffentliche Schule, zurückdrängen sollte. Und ja, für mich ist das Tragen von Kopftüchern eindeutig eine Benachteiligung von Frauen. Falls du das nicht glauben magst, bind dir doch mal so ein Ding bei dieser Hitze um und geh draußen spazieren. Außer der Tatsache, dass dich jeder anstarrt, deine Haare fettig werden und dein Kopf anfängt zu jucken, wird es dir vermutlich ziemlich warm werden 
Um diesen Fall wirklich sinnvoll zu bedenken, möchte ich
wenigstens wissen, welchem Ansinnen ich das Neutralitätsgebot
der Schulen opfern soll.
Das Neutralitätsgebot ist davon gar nicht betroffen
Das seh ich anders. Religiöse Symbole in Schulen betreffen IMHO das Neutralitätsgebot sehr wohl, und da ist es mir ziemlich gleich, ob dieses Sympbol nun in Form eines Kruzifixes an der Wand hängt oder in Form eines Kopftuchs um den Kopf der Frau Ludin.
und hier
scheint wohl das grosse Missverständnis zu liegen, welches
auch von der Schulbehörde befördert wurde, dass Lehre
maschinengleich in allem neutral zu sein haben. Pädagogisch
gesehen wäre dieses auch völliger unsinn, weil es Neutralität
in der Erziehung nicht geben kann, es sei denn man will
Beliebigkeit.
Sicher wird es das nie in letzter Konsequenz geben. Nur sehe ich es eben als Wert an, diese Neutralität so weit wie möglich zu verteidigen. Das beginnt für mich bei der Religion und endet für mich bei Stickern für politische Parteien am Revers von Lehrerjackets und Produktwerbung wenn z.B. der Sportlehrer ausschließlich von Nike gesponserte Sportkleidung trägt und auch nur diese empfielt. All das will ich in Schulen nicht sehen.
Man kann es auch sehen, dass die Freiheit es so oder so zu
halten menschlich ist und weniger das Gebot. Ich kenn mich im
Islam diesbezüglich nicht aus, aber im Judentum scheint es
vergleichbar zu sein. Auch hier gibt es Strömungen, welche das
Gebot, dass eine verheiratete jüdische Frau ihre Haare
bedecken muss, nicht mehr gelt. Dennoch bleibt es besetehen
und andere Strömungen achten es als bindend. Dieses sollte man
respektieren und nun nicht einer Strömung, weil es einem
selber gerade gefällt dieses absprechen.
Warum denkst du, das ich das nur einer Strömung absprechen will ? Ich würde mich auch gegen das Tragen von rosa Pappnasen von Verehrern des heiligen Pink wehren, wenn diese so unterrichten wollten. Ich dachte eigentlich, hätte deutlich gemacht, dass es sich bei mir um ein Prinzip handelt, und nicht um ein Kopftuchdebakel 
Aber selbst wenn Frau
Ludin glaubt, dass tatsächlich Gott will, dass sie ein
Kopftuch trägt, dann sollte sie vielleicht die Konsequenz aus
ihrem Glauben ziehen und einen Beruf ergreifen, der mit ihrem
Glauben auch vereinbar ist (schließlich sollte sie schon
während des Studiums mitbekommen haben, dass an deutschen
Schulen ein religiöses Neutralitätsgebot herrscht).
Wenn sie selber dieses Problem nicht hat und damit steht sie
nicht einmal alleine und auch wöhrend des Studiums und
Refrendariats dort keiner ein Problem sah, warum? Das Problem
trat einzig dadurch auf, dass die Schulbehörde dieses anders
sieht.
Nein, das ist so nicht richtig. Es gilt nunmal: Wo kein Kläger, da kein Henker. Wenn in zigtausend deutschen Klassenzimmern Kruzifixe an der Wand hängen, dann nicht, weil dies nach deutschem Recht gestattet ist, sondern weil diese gedultet werden, solange niemand einschreitet. Sollte jemand jedoch auf Entfernung derselben drängen, hat er das Recht auf seiner Seite.
Wenn du einen Obststand auf dem Markt hast, und lässt es augenzwinkernd zu, dass sich Obdachlose immer mal wieder ein paar Krischen moppsen heisst das doch noch lange nicht, dass Diebstahl deshalb ein D erlaubt sei und der Gemüsehändler, der das nicht zulässt, es erst zum Problem macht!
Im übrigen betreffen solche Entscheidungen nicht nur Frau Ludin mit ihrem Kopftuch. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, wo es Opportun war, möglichst NICHT der kommunistischen Partei beizutreten, wenn man in den Schuldienst wollte. Es war auch jedem klar, dass man sich besser einen anderen Beruf sucht, wenn man es als essentiell Ansieht, Mitglied der Partei zu sein. Und das betraf nur die Mitgliedschaft, nicht etwa das Tragen von entsprechenden Sympbolen während des Unterrichts.
Das meine ich mit Mündigkeit eines Bürgers. Man sollte sich einfach darüber im klaren sein, dass bestimmte fundamentelle Entscheidungen auch bestimmte Konsequenzen mit sich bringen. Ist man nicht bereit, diese Konsequenzen zu trage, sollte man die Entscheidung auch nicht entsprechend fällen. Oder anders gesagt: Wenn Frau Ludin meinst, dass Gott will, dass sie immer und überall ein Kopftuch trägt, dann will er vermutlich nicht, dass sie im deutschen Schulsystem unterreichtet.
Das Kruzfixurteil hat damit nichts zu tun und das
Verfassungsgericht hat dieses auch schon in aller Deutlichkeit
gesagt.
Ich wusste gar nicht, dass sich das Verfassungsgericht überhaupt schon im Fall Ludin geäußert hat. Ich fände das bei einem noch anhängigen Verfahren auch eher ungewöhnlich, aber kannst du mir verraten, wo ich das nachlesen kann ?
Es geht alleine darum, ob die Freiheit der
Kleiderwahl bei einem Lehrer vorhanden ist oder nicht, wenn
dahinter religiöse Motive stehen. So geht es auch noch nicht
einmal um das Kopftuch, da andere Lehrerinnen auch Kopftücher
tragen (aus ganz anderen Gründen) und nie jemand sich daran
stört.
Ok, und da kann ich ganz definitiv Antworten, dass es keine Freiheit der Kleiderwahl für Lehrer geben sollte. Im übrigen gibt es diese Freiheit in kaum einem Beruf.
Nun ja, wenn sie das Verfassungsgericht anrufen würde, weil
sie nur in bestimmter Kleidung unterrichten kann, weil ihr
Mann ihr das so vorschreibt, ja, dann würde ich mir (bzw.
dieser Frau) die gleichen Fragen stellen.
Die Frage ist genauso gültig, wenn es nicht vor das Gericht
geht. Es wird ja dauernd Fr. Ludin etwas unterstellt. Warum
ist dieses kein Problem wenn ich das auch anderen
unterstellen?
Da kann ich jetzt nicht folgen. Was unterstellst du jetzt anderen und ist für mich kein Problem ?
Liegt es vielleicht doch alleine am Islam? Dann
soll man das aber auch offen und selbstbewusst so sagen.
Die Leute, die das finden, sagen das ja auch ziemlich offen und selbstbewusst (hab ich zumindest den Eindruck). Und ich denke, ich habe ziemlich offen und selbstbewusst gesagt, dass es mir nicht um den Islam, sondern ums Prinzip geht. Sorry, aber ich würde einen entsprechend gekleideten orthodoxen Juden genau so wenig im Schuldienst sehen wollen, wie einen buddhistischen Mönch in Mönchskutte oder einen Lehrer mit einem unüberssehbaren Kreuz um den Hals.
Ja und wie hat sie sich geäußert ?
Warum ist das jetzt wieder wichtig? Wie dem auch sei, sie hat
jeder Muslima eingestanden, das Recht darauf zu haben dieses
zu wählen und sie hat sich nach ihrem Glauben dazu
entschlossen, das Kopftuch zu tragen und das für sich als
bindend anzusehen. Ich konnte damals dahinter keinerlei
Fundamentalismus noch die Gefahr der Beeinflussung sehen.
Ok, schön und gut, aber wieso sie meint, ihren Fall vors Verfassungsgericht bringen zu müssen ist mir dabei immer noch nicht ganz klar. Was spricht denn nach Meinung von Frau Ludin dagegen, sich einen Job zu suchen, wo sie beides problemlos vereinbaren kann und damit ist es gut ? Offensichtlich hat sie so einen Job ja bereits gefunden. Warum also dieser Gang durch sämtliche Instanzen ?
Du musst zugeben, dass hier der Verdacht zumindest naheliegt, dass hier prinzipiell was entschieden werden soll und es sollte doch klar sein, dass so eine Entscheidung Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die Rechtssprechung haben wird. Und diese Auswirkungen möchte ich nicht haben, weil es mir so gefällt, wie es ist. bzw. allenfalls in die entgegengesetze Richtung verbesserungswürdig wäre.
Gruss
Marion