Machtprobe

Moin Eli,

Irgendwie muss ich mich unklar ausgedrückt haben. Ich bezog
mich dabei auch auf das Tragen von Kleidung aufgrund
religiöser Motive, aufgrund der Liebe zu G’tt. Dieser Anspruch
scheint Sorgen zu bereiten, da er nicht im Mittelalter
verschwunden ist, sondern von modernen, selbstbewussten
Menschen vertreten wird.

Ob Frau Ludin ein moderner und selbstbewusster Mensch ist, kannst du genau so wenig beurteilen wie irgend jemand anders hier. Vielleicht ist sie auch nur ein besauernswerter Mensch, der für einen Stellvertreterkrieg mißbraucht wird und sich dagegen nicht wehren kann.

Fakt ist aber soweit ich das bislang verstanden haben, dass das Kopftuch eine Bekleidungsvorschrift ist, die dazu dienst, etwas zu verhüllen. Jetzt frag ich mich nachdem, was du geschrieben hat, aus welchem Grund irgend jemand findet, dass etwas verhüllt gehört ? Ist es peinlich ? abstoßend ? Kann der Anblick der Umgebung nicht zugemutet werden ?

Oder wird über den Sinn gar nicht nachgedacht ? Entstammt Frau Ludin einer Geisteshaltung, die sich widerspruchslos ein Kopftuch umbindet, nur weil das irgende ein religiöser Führer so von ihr verlangt ? Und wenn sie sich ohne Hinterfragung ein Kopftuch umbindet, was macht sie dann noch ohne Hiterfragung, wenn es ein religiöser Führer von ihr verlangt ? Und ist eine solche Einstellung für eine Person, die Kindern die Ziele und Werte unserer Gesellschaft nahebringen soll und allein durch ihre Position als Lehrerin sicher auch Vorbildcharaktier aht, wirklich wünschenswert ?

Grade über iher Motivation, das Kopftuch tragen zu wollen, schweigt Frau Ludin sich aus. Kein Wunder. Entweder würde sie sich damit selbst in einer eher religiös fundamentalistische Ecke stellen, deren Vertreter man als Lehrkräft an deutschen Schulen sicher nicht sehen möchte, oder sie müsste den Gang zu einem Therapeuten in Erwägung ziehen.

Gruss
Marion

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Stop
Moin Eli,

Wieso ist es egal? Ich denke die eigentliche Frage dahinter
ist, wie wir zukünftig dieses Land gestallten und hierbei mit
Muslimen umgehen und wo die Grenze gezogen wird. Wenn gläubgie
Christen aber gläubige Muslime nicht im Schuldienst arbeiten
dürfen, dann halte ich das nicht für sinnvoll.

Findest du nicht, dass du hier weit über das Ziel hinaus schießt ? Deine Äußerung sehe ich als Beleidigung für alle tief gläubigen und religiösen Christen und Muslime, die ohne äußere Symbole ihres Glaubens auskommen. Das tragen eines Kopftuchs kann etwas mit der Tiefe der Religiösität zutun haben, mehr nicht. Und ganz sicher läßt es nicht den Umkehrschluss zu, dass jede gläube Muslima zwangsläufig ein Kopftuch tragen muss und somit vom Schuldienst ausgeschlossen wäre.

Gruss
Marion

Vorbildcharakter
Moin Grilla

Und Frau Ludin kommt eben mit

Kopftuch in den Unterricht - aus welchen Gründen auch immer.

Grade diese Gründe sind aber von Interesse denn…

Kinder würden sich nicht daran stören, egal wie religiös sie
erzogen werden.

…stören würden sie sich vermutlich nicht, aber fragen würden sie ganz sicher. Und ganz sicher werden sie sich mit Antworten wie: „Das schreibt mein Glauben mir so vor“ nicht zufrieden geben.

Ich kenn nun die religiöse Begründung für das Tragen eines Kopftuches nicht (weiss die hier zufällig jemand ?). Wenn aber dann Antworten kommen wie: „Ich möchte mich den Blicken von Männern nicht preisgeben“ oder „Der Anblick einer Frau ohne Kopftuch kann einem Mann nicht zugemutet werden“ oder „Eine Frau hat sich zu verhüllen…weil…“

dann bin ich mir ziemlich sicher, das ich dies als Vorbildcharakter (auch hinsichtlich des Umgangs der Geschlechter miteinander) für Tochter an einer Schule nicht haben möchte. Da wäre mir ein buddhistischer Mönsch, der Verzicht auf materielle Gelüste lehrt, schon lieber *lach*.

lieben Gruss
Marion

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Hallo Marion.

Ob Frau Ludin ein moderner und selbstbewusster Mensch ist,
kannst du genau so wenig beurteilen wie irgend jemand anders
hier.

Habe ich auch nicht sagen wollen, aber diese, so habe ich Fr. Schwarzer verstanden, sie ihr absprechen.

Fakt ist aber soweit ich das bislang verstanden haben, dass
das Kopftuch eine Bekleidungsvorschrift ist, die dazu dienst,
etwas zu verhüllen. Jetzt frag ich mich nachdem, was du
geschrieben hat, aus welchem Grund irgend jemand findet, dass
etwas verhüllt gehört ? Ist es peinlich ? abstoßend ? Kann der
Anblick der Umgebung nicht zugemutet werden ?

Warum fragst Du dich das aufgrund meiner Beiträge? Wie dem auch sei, ist die Frage dabei wirklich wichtig? Ich frage mich ja auch nicht, warum andere dies oder das anhaben oder nicht anhaben. Ich kann nur sagen, dass es auch bei uns diese Vorschrift gibt. Sie ist zuerst einmal eine Vorschrift, welche zu halten ist, alleine weil G’tt es so will. Ich denke das dieser Aspekt hier auch auf Muslime zutrifft. Darüber hinaus kann man dann noch darüber nachdenken, warum G’tt dieses fordert, aber ich denke diese Fragen sind dann dem Gläubigen überlassen. Oder warum nicht?

Oder wird über den Sinn gar nicht nachgedacht ? Entstammt Frau
Ludin einer Geisteshaltung, die sich widerspruchslos ein
Kopftuch umbindet, nur weil das irgende ein religiöser Führer
so von ihr verlangt ? Und wenn sie sich ohne Hinterfragung ein
Kopftuch umbindet, was macht sie dann noch ohne Hiterfragung,
wenn es ein religiöser Führer von ihr verlangt ? Und ist eine
solche Einstellung für eine Person, die Kindern die Ziele und
Werte unserer Gesellschaft nahebringen soll und allein durch
ihre Position als Lehrerin sicher auch Vorbildcharaktier aht,
wirklich wünschenswert ?

Warum diese hohen Massstäbe ausgerechnet in dieser Frage an eine Muslima anwenden? Fragst Du dich auch, ob eine andere Lehrerin sich einfach ihre Hose anzieht, weil es ihr Mann von ihr fordert - weil sie ihm so gefällt oder warum auch immer. Ist diese Frau dann als Lehrerin auch disqualifiziert? Oder ist es alleine das religiöse Moment?

Grade über iher Motivation, das Kopftuch tragen zu wollen,
schweigt Frau Ludin sich aus. Kein Wunder. Entweder würde sie
sich damit selbst in einer eher religiös fundamentalistische
Ecke stellen, deren Vertreter man als Lehrkräft an deutschen
Schulen sicher nicht sehen möchte, oder sie müsste den Gang zu
einem Therapeuten in Erwägung ziehen.

Soweit ich weiss, hat sie sich dazu sehr klar und deutlich geäussert. Halt nicht gegenüber Fr. Schwarzer :wink:

Schalom,
Eli

Hallo Marion.

Findest du nicht, dass du hier weit über das Ziel hinaus
schießt ? Deine Äußerung sehe ich als Beleidigung für alle
tief gläubigen und religiösen Christen und Muslime, die ohne
äußere Symbole ihres Glaubens auskommen.

Das wollte ich damit sagen, sondern ich bezog mich alleine auf Gläubige, welche diese Ansicht vertreten. Das es auch andere gibt, will ich damit nicht thematisiert haben.

Und ganz sicher läßt es nicht den
Umkehrschluss zu, dass jede gläube Muslima zwangsläufig
ein Kopftuch tragen muss und somit vom Schuldienst
ausgeschlossen wäre.

Entschuldigung, das kann man da rauslesen. Ich habe leider den Nebensach vergessen, das diese das Kopftuch für verpflichtend hält. Dachte wohl dieses wäre aufgrund des Diskussionsgegenstandes klar. Werde darauf aber in Zukunft achten.

Schalom,
Eli

Und Frau Ludin kommt eben mit
Kopftuch in den Unterricht - aus welchen Gründen auch immer.

grade gelesen: bauchfrei soll jetzt an den schulen verboten werden.

dazu ein weiterer reaktionärer vorschlag von mir zum kopftuchthema: schuluniformen! und zwar für lehrer und schüler gleichermaßen. pappt sie alle ins selbe t-shirt und schirmmütze, am besten mit dem namen der schule drauf, und alle diskussionen über kopftücher sind beendet. mit demselben schlag wird auch die lästige protzerei mit modegütern verhindert, durch die sozial schwächere diskriminiert werden.

gruß datafox

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Hallo Marion,

…stören würden sie sich vermutlich nicht, aber fragen würden
sie ganz sicher. Und ganz sicher werden sie sich mit Antworten
wie: „Das schreibt mein Glauben mir so vor“ nicht zufrieden
geben.

Mir ist schon klar, worum es dir geht: wehret den Anfängen tendenzieller Einflüsse von Lehrern. Und gerade damit ist bei Frau Ludin zu rechnen. Aber ist diese Befürchtung bei allen kopftuchtragenden Lehrerinnen zu rechtfertigen?

Ich kenn nun die religiöse Begründung für das Tragen eines
Kopftuches nicht (weiss die hier zufällig jemand ?). Wenn aber
dann Antworten kommen wie: „Ich möchte mich den Blicken von
Männern nicht preisgeben“ oder „Der Anblick einer Frau ohne
Kopftuch kann einem Mann nicht zugemutet werden“ oder „Eine
Frau hat sich zu verhüllen…weil…“

Eine Muslimin könnte auch wie eine Nonne, die Unterricht gibt, antworten, sie gehört einer Glaubensrichtung an, zu der diese Kleidung gehört, und es dann bei dieser Aussage belassen. Also ihre Aufmachung nicht als Anlaß für missionarische Absichten nutzt.
Ich hatte übrigens auch eine Englischlehrerin, die ab und zu einen Sari trug, weil sie mit einem Inder verheiratet ist. Klar haben wir sie gefragt, warum sie nicht Hose oder Rock wie ihre Kolleginnen trägt. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie bei ihren Erklärungen tief Luft holend uns einen Vortrag über Sitten und Gebräuche in Inden hielt - wohl wissend, dass seitens der Schulleitung bei einem Zuviel an Erklärungen eingegriffen würde - immerhin das war in einer katholischen Klosterschule.

dann bin ich mir ziemlich sicher, das ich dies als
Vorbildcharakter (auch hinsichtlich des Umgangs der
Geschlechter miteinander) für Tochter an einer Schule nicht
haben möchte. Da wäre mir ein buddhistischer Mönsch, der
Verzicht auf materielle Gelüste lehrt, schon lieber *lach*.

schtümmt, täte den Kleinen manchmal ganz gut *g*.
Wobei, ist es nicht so, dass buddhistische Mönche solchen Zinober wie die Ludin nie veranstalten würden? Religiösität zum Selbstzweck und nicht als Machtmittel.
In meiner ungebremsten Phantasie träume ich davon, dass Kinder lernen niemals gegen irgendjemanden Vorbehalte aufgrund seines Erscheinungsbildes zu haben. Leider sind wir Erwachsene darin keine guten Vorbilder.
Aber ich bin mir der Probleme durch zur Schau getragene „Fan-Artikel“ schon auch bewußt.

viele Grüße
Claudia

Hi datafox,

dazu ein weiterer reaktionärer vorschlag von mir zum
kopftuchthema: schuluniformen!

mit demselben
schlag wird auch die lästige protzerei mit modegütern
verhindert, durch die sozial schwächere diskriminiert werden.

das ist leider wohl Wunschdenken, es sei denn es würde nur ein Lieferant zugelassen, ansonsten gäb es halt Schuluniformen von pfuipfui-Firmen oder binichnichtsupi-Firmen und die Diskriminiererei ist fast genauso wieder da.
Aber selbst wenn es nur einen Lieferanten gäbe, würden sich sicher einige vom Schneider ‚Spezialuniformen‘ auf Maß machen lassen. Also wären günstigstenfalls grobe Äußerlichkeiten kaschiert - leider

Gandalf

Hi!

Mir ist schon klar, worum es dir geht: wehret den Anfängen
tendenzieller Einflüsse von Lehrern.

Du glaubst also, daß die Personen die wesentlich mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen, keinen Einfluss auf das Kind haben sollen?

Wie stellst du dir das genau vor?

Grübel
Dusan

Moin Claudia

Mir ist schon klar, worum es dir geht: wehret den Anfängen
tendenzieller Einflüsse von Lehrern. Und gerade damit ist bei
Frau Ludin zu rechnen. Aber ist diese Befürchtung bei allen
kopftuchtragenden Lehrerinnen zu rechtfertigen?

Das trifft es nicht ganz. Mir geht es darum, dass die Schule ein Raum sein soll, der prinzipiell religiöse Neutralität wahrt. Darunter fallen für mich jegliche religiösen Symbole, seien es Kopftücher oder Kruzifixe an der Wand. Nur mal zur Verdeutlichung: Das religiöse Neutralitätsgebot dient dem Schutz religiöser Minderheiten.

Eine Muslimin könnte auch wie eine Nonne, die Unterricht gibt,
antworten, sie gehört einer Glaubensrichtung an, zu der diese
Kleidung gehört, und es dann bei dieser Aussage belassen. Also
ihre Aufmachung nicht als Anlaß für missionarische Absichten
nutzt.

Es geht mir nicht um missionarische Absichten, sondern um das Prinzip der religiösen Neutralität an staatlichen Schulen.

Ich hatte übrigens auch eine Englischlehrerin, die ab und zu
einen Sari trug, weil sie mit einem Inder verheiratet ist.
Klar haben wir sie gefragt, warum sie nicht Hose oder Rock wie
ihre Kolleginnen trägt. Aber ich kann mich nicht erinnern,
dass sie bei ihren Erklärungen tief Luft holend uns einen
Vortrag über Sitten und Gebräuche in Inden hielt - wohl
wissend, dass seitens der Schulleitung bei einem Zuviel an
Erklärungen eingegriffen würde - immerhin das war in einer
katholischen Klosterschule.

Ein Sari hat meines Wissens keinerlei religiöse Bedeutung. Ob nun ein Lehrer also im Sari oder in kurzer Trachtenlederhose erscheint wär mir ziemlich egal :smile:

dann bin ich mir ziemlich sicher, das ich dies als
Vorbildcharakter (auch hinsichtlich des Umgangs der
Geschlechter miteinander) für Tochter an einer Schule nicht
haben möchte. Da wäre mir ein buddhistischer Mönsch, der
Verzicht auf materielle Gelüste lehrt, schon lieber *lach*.

schtümmt, täte den Kleinen manchmal ganz gut *g*.
Wobei, ist es nicht so, dass buddhistische Mönche solchen
Zinober wie die Ludin nie veranstalten würden? Religiösität
zum Selbstzweck und nicht als Machtmittel.

Naja, meine Hand würde ich dafür auch nichts ins Feuer legen. Buddhistische Mönche sind auch nur Menschen und da gibts sicher auch ein paar Spinner darunter.

In meiner ungebremsten Phantasie träume ich davon, dass Kinder
lernen niemals gegen irgendjemanden Vorbehalte aufgrund seines
Erscheinungsbildes zu haben. Leider sind wir Erwachsene darin
keine guten Vorbilder.

In meiner ungebremsten Phantasie träume ich davon, dass Kindern die Ethik und Prinzipien an den Schulen vermittelt werden, die unserem Staat und unserer Gesetzgebung zugrunde liegen. Wenn das ordentlich vermittelt würde, dann würde sich auch keiner Sogen machen müssen, dass er mal wegen seines Kopftuchs oder anderer religiöser in der Öffentlichkeit blöd angemacht würde (oder schlimmeres).

lieben Gruss
Marion

Moin Eli,

Fakt ist aber soweit ich das bislang verstanden haben, dass
das Kopftuch eine Bekleidungsvorschrift ist, die dazu dienst,
etwas zu verhüllen. Jetzt frag ich mich nachdem, was du
geschrieben hat, aus welchem Grund irgend jemand findet, dass
etwas verhüllt gehört ? Ist es peinlich ? abstoßend ? Kann der
Anblick der Umgebung nicht zugemutet werden ?

Warum fragst Du dich das aufgrund meiner Beiträge?

Wegen diesem Satz hier von dir
" Ich bezog mich dabei auch auf das Tragen von Kleidung aufgrund religiöser Motive, aufgrund der Liebe zu G’tt. "

habe ich mich gefragt, was G’tt wohl daran gefallen mag, wenn Frau Ludin ein Kopftuch trägt und wieso sollte grade Frau Ludin ein Kopftuch tragen und nicht auch/oder Herr Ludin :smile:

Wie dem

auch sei, ist die Frage dabei wirklich wichtig? Ich frage mich
ja auch nicht, warum andere dies oder das anhaben oder nicht
anhaben.

Nun, im Allgemeinen finde ich diese Frage auch nicht wichtig. Aber wenn einer wegen seiner Kleidungspräferenzen schon das Verfassungsgericht anruft, dann scheint es ja wohl doch etwas ungemein wichtiges zu sein (zumindest für Frau Ludin).

Um diesen Fall wirklich sinnvoll zu bedenken, möchte ich wenigstens wissen, welchem Ansinnen ich das Neutralitätsgebot der Schulen opfern soll.

Ich kann nur sagen, dass es auch bei uns diese

Vorschrift gibt. Sie ist zuerst einmal eine Vorschrift, welche
zu halten ist, alleine weil G’tt es so will. Ich denke das
dieser Aspekt hier auch auf Muslime zutrifft.

hm…Da es Muslime gibt, die auch ohne Kopftuch auskommen und sich dennoch als gläubig bezeichnen, scheint mir das Kopftuch doch eher eine ziemlich menschliche Interpretation zu sein, was Gott vielleicht wohl wollen könnte. Aber selbst wenn Frau Ludin glaubt, dass tatsächlich Gott will, dass sie ein Kopftuch trägt, dann sollte sie vielleicht die Konsequenz aus ihrem Glauben ziehen und einen Beruf ergreifen, der mit ihrem Glauben auch vereinbar ist (schließlich sollte sie schon während des Studiums mitbekommen haben, dass an deutschen Schulen ein religiöses Neutralitätsgebot herrscht).

Darüber hinaus

kann man dann noch darüber nachdenken, warum G’tt dieses
fordert, aber ich denke diese Fragen sind dann dem Gläubigen
überlassen. Oder warum nicht?

Siehe oben. Solange jemand seine Religion privat praktiziert, ist das seine Privatangelegenheit und geht erstmal überhaupt niemanden etwas an. Wenn aber in so einer Angelegenheit das Verfassungsgericht angerufen wird, handelt es sich um ein Politikum und je nachdem, wie das Verfassungsgericht entscheidet, wird das Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft haben (ich seh schon die christlichen Fundis heimlich die Hände reiben und wieder in jedes Klassenzimmer ein Kruzifix hängen, falls das Verfassungsgericht zugunsten von Frau Ludin entscheidet.)

Oder wird über den Sinn gar nicht nachgedacht ? Entstammt Frau
Ludin einer Geisteshaltung, die sich widerspruchslos ein
Kopftuch umbindet, nur weil das irgende ein religiöser Führer
so von ihr verlangt ? Und wenn sie sich ohne Hinterfragung ein
Kopftuch umbindet, was macht sie dann noch ohne Hiterfragung,
wenn es ein religiöser Führer von ihr verlangt ? Und ist eine
solche Einstellung für eine Person, die Kindern die Ziele und
Werte unserer Gesellschaft nahebringen soll und allein durch
ihre Position als Lehrerin sicher auch Vorbildcharaktier aht,
wirklich wünschenswert ?

Warum diese hohen Massstäbe ausgerechnet in dieser Frage an
eine Muslima anwenden? Fragst Du dich auch, ob eine andere
Lehrerin sich einfach ihre Hose anzieht, weil es ihr Mann von
ihr fordert - weil sie ihm so gefällt oder warum auch immer.
Ist diese Frau dann als Lehrerin auch disqualifiziert? Oder
ist es alleine das religiöse Moment?

Nun ja, wenn sie das Verfassungsgericht anrufen würde, weil sie nur in bestimmter Kleidung unterrichten kann, weil ihr Mann ihr das so vorschreibt, ja, dann würde ich mir (bzw. dieser Frau) die gleichen Fragen stellen.

Grade über iher Motivation, das Kopftuch tragen zu wollen,
schweigt Frau Ludin sich aus. Kein Wunder. Entweder würde sie
sich damit selbst in einer eher religiös fundamentalistische
Ecke stellen, deren Vertreter man als Lehrkräft an deutschen
Schulen sicher nicht sehen möchte, oder sie müsste den Gang zu
einem Therapeuten in Erwägung ziehen.

Soweit ich weiss, hat sie sich dazu sehr klar und deutlich
geäussert. Halt nicht gegenüber Fr. Schwarzer :wink:

Ja und wie hat sie sich geäußert ?
Gruss
Marion

Moin Eli,

Entschuldigung, das kann man da rauslesen. Ich habe leider den
Nebensach vergessen, das diese das Kopftuch für verpflichtend
hält. Dachte wohl dieses wäre aufgrund des
Diskussionsgegenstandes klar. Werde darauf aber in Zukunft
achten.

Halb so wild. Ich denke auch, uns ist beiden klar, warum wir in diesem Fall so unterschiedliche Standpunkte vertreten. Ich nehme mal an, aufgrund dieser Sachverhalte wären auch orthodoxe Juden wegen ihrer Kleidungsvorschrift theoretisch vom Schuldienst ausgeschlossen, oder ?

Gruss
Marion

Hi Eli,

Habe ich jemals behauptet ich bin Islam- oder Koranexperte?
Liest man das aus meinem Posting?

Wenn jemand in einer strittigen Fragen kurz und knapp eine
allgemeine Behauptung aufstellt ohne dieses einzuschränken,
dann hebt er sich für mich schon auf den Stand eines Experten.

das mag deine Auffassung sein. Da du meine Aussage bestätigt hast, nehme ich an das ich, auch ohne Experte zu sein, Recht hatte.

Ich weiss das es auf die Interpretationen ankommt und ich
weiss auch das es mit diesen Interpretationen auch einige
Koran-Schriftgelehrte gibt, die eine völlige Beschneidung der
weibl. Geschlechtsorgane herausdeuten. Das respektiere ich
z.B. absolut nicht!

Warum wird das Kopftuch immer mit solchen Extremen verglichen?
Muss man auch dafür sein, nur weil man nichts gegen das
Kopftuch hat? Wie dem auch sei, ich würde das jetzt etwas
unsachlich nennen.

Ich vergleiche nicht!
Ich kenne den Koran, die ganzen verschiedenen Richtungen und Auslegungen nicht gut genug. Ich weiss aber das eine der „Interpretationsrichtungen“, dies ebenso „empfiehlt“ wie Kopftuch oder völlige Verschleierung. Prinzipiell ist das für mich das Gleiche. Es geht um Frauen, es ist ein Eingriff in ihr Dasein, es ist eine „angebliche“ Verhütung vor Schlimmeren (sagte nicht Mohamed etwas im Sinne von, das Frauen irgenwelche gefährlichen Energien besitzen, die von Männern gezähmt werden müssen?) und wird immer auf die Auslegungen, die sich aus den Suren ableiten, bezogen.

Muss ich das in meiner Antwort alles verarbeiten damit du
meine Aussage ernst nimmst?

Nein, wundere mich aber, dass du nun hier deiner Antwort etwas
widersprichst und aufzeigst, dass es eben doch nicht so
eindeutig ist. Warum also sollen wir als Aussenstehende diese
Entscheidung fällen? Ich denke wir können die Frage
offenlassen und es jeder einzelnen Muslima überlassen, wie sie
es handhaben will.

Sicher! Und ich sehe nun keinen Widerspruch. Anyway - ich als Deutsche die nicht mal einen Glauben hat, kann die Diskussion nur schwer nachvollziehen. Respektiere aber jeden Menschen, der sich nach seinen religiösen Einstellungen richtet. Nur - das ist Privatsache. Ich finde im öffentlichen Leben haben bestimmte „religiöse Vorschriften und Symbole“ nichts zu suchen. (Ausnahme sind Immobilien / Kulturschätze) Das Kopftuch IST für viele ein Symbol der Unfreiheit der Frauen im Orient. Daher hat sich auch Frau Schwarzer so erregt geäussert. Hier will eine Muslima ihrer (für uns Europäerinnen) Unfreiheit öffentlich huldigen. Und das auch noch in ihrer Rolle als Lehrein.

oder nicht. Davon abgesehen, warum soll eine Muslima nicht von
sich erzählen?

Es wäre schön irgendwann mal was von ihr selbst zu lesen/hören.

Wieso ist es egal? Ich denke die eigentliche Frage dahinter
ist, wie wir zukünftig dieses Land gestallten und hierbei mit
Muslimen umgehen und wo die Grenze gezogen wird. Wenn gläubgie
Christen aber gläubige Muslime nicht im Schuldienst arbeiten
dürfen, dann halte ich das nicht für sinnvoll. Hier findet
dann eine Ausgrenzung statt, welche völlig unnötig ist und den
Muslimen hierzulande sicherlich nicht gerade die Toleranz und
Offenheit dieses Landes zeigt. Ich denke wir können die Grenze
auch wo anderes ziehen, nämlich genau dort wo unsere
Grundordnung wirklich in Gefahr ist und Kopftücher reichen mir
dazu nicht.

Muslime können im Schuldienst arbeiten! Das sind Beamte und die müssen immerhin einen Eid ablegen. Wenn sie sich an diese Verpflichtung halten - wo ist das Problem?

Du wirst mir aber zustimmen das ein so vehementes Eintreten FÜR ein Kopftuch, Fragen aufwirft. Wenn sie sowas recht lächerliches so vehement verteidigt, was ist denn da noch, an dem sie festhält? Bisher hört man ja nichts von ihr. Kann nur spekulieren. Und so sehe ich auch den Artikel. Alice spekuliert, ist natürlich auch nicht neutral.

Mein Gott, die Dame wurde in den 70er verfolgt wie ne Hexe, nur weil sie die ganz „normale“ Ungleichbehandlung von Mann und Frau aufzeigte. Das gerade sie, beim Thema Kopftuch (= Symbol f. Frauenunterdrückung und Ungleichbehandlung) mitreden wird, ist logisch und die Art wie sie es macht auch. Wobei ich ihren Standpunkt verstehe und z.T. auch teile.

Ich wollte damit nur sagen das ein anderes Land, welches
bestimmte Kleidungsvorschriften hat, die Klage einer deutschen
Frau das sie unverschleiert (wie in der Heimat) herumlaufen
und arbeiten kann, niemals ernst nehmen würde. Da käme es zu
dieser Klage überhaupt nicht. Dieses Land ist mit Sicherheit
so „tolerant“, dieses Verfahren, diese Diskussion, erst gar
nicht anzufangen. Nach dem Motto - dann geh eben nicht auf die
Straße, dann kündige deinen Job. Dann kannst du auch
unverschleiert herumlaufen.

Mir ist immer noch unklar, was du damit sagen willst. Ich gehe
ja nicht aus, dass wir uns nun deiner Meinung nach genau daran
orientieren sollen. Somit müssen solche Klagen hierzulande
zulässig sein. Was darüber hinaus wolltest Du damit sagen?

Ich will damit sagen, das ich finde das gerade europ. Ländern eine Menge mehr Toleranz abverlangt wird, als viele arabische Länder überhaupt bereit sind selbst für sich wahrzunehmen.

Ich fand z.B. die Fragen von Alice, wieso einige andere
Muslima, die unverschleiert arbeiten und leben, nicht gefragt
wurden. Nicht um sich „bestätigt“ zu fühlen - um mehrere
Sichtweisen und andere „persönliche Einstellungen“ zu hören.
Vielleicht ergeben sich daraus auch neue Erkenntnisse?
Möglichkeiten einer Lösung?

Sicherlich in der Sache gibt es noch viel Potential. Es gibt
nicht immer nur einen Weg.

Sehe ich genauso.

Grüsse
Helena

Hi Juss!

leichte bervorzugung der minderheiten? das wuerde
funktionieren?

Ich schrieb „eventuell“. Nicht in jedem Fall mag das zuträglich sein. Aber große Gruppen gleichartiger Leute können sich allein durch ihre Masse Rechte herausnehmen, die die kleinere Gruppe nicht bekommt. Dem könnte entgegengesteuert werden durch festgelegte Regeln, die die Minderheit diesbezüglich bevorzugen.

Gruß
Igel

Hallo Marion.

habe ich mich gefragt, was G’tt wohl daran gefallen mag, wenn
Frau Ludin ein Kopftuch trägt und wieso sollte grade Frau
Ludin ein Kopftuch tragen und nicht auch/oder Herr Ludin :smile:

Im Islam wie auch im Judentum ist es so, dass dort Gebote bindenden Charakter haben und es darum geht, dass der Gläubige hier erst einmal tut was G’tt fordert. Dieses allein wird als Ausdruck der Liebe verstanden. Warum nun G’tt genau dieses oder jenes fordert, erschliesst sich unserer Beschränktheit wegen nicht immer. Es geht also nicht darum, dass G’tt Kopftücher liebt :wink:

Um diesen Fall wirklich sinnvoll zu bedenken, möchte ich
wenigstens wissen, welchem Ansinnen ich das Neutralitätsgebot
der Schulen opfern soll.

Das Neutralitätsgebot ist davon gar nicht betroffen und hier scheint wohl das grosse Missverständnis zu liegen, welches auch von der Schulbehörde befördert wurde, dass Lehre maschinengleich in allem neutral zu sein haben. Pädagogisch gesehen wäre dieses auch völliger unsinn, weil es Neutralität in der Erziehung nicht geben kann, es sei denn man will Beliebigkeit.

hm…Da es Muslime gibt, die auch ohne Kopftuch auskommen und
sich dennoch als gläubig bezeichnen, scheint mir das Kopftuch
doch eher eine ziemlich menschliche Interpretation zu sein,
was Gott vielleicht wohl wollen könnte.

Man kann es auch sehen, dass die Freiheit es so oder so zu halten menschlich ist und weniger das Gebot. Ich kenn mich im Islam diesbezüglich nicht aus, aber im Judentum scheint es vergleichbar zu sein. Auch hier gibt es Strömungen, welche das Gebot, dass eine verheiratete jüdische Frau ihre Haare bedecken muss, nicht mehr gelt. Dennoch bleibt es besetehen und andere Strömungen achten es als bindend. Dieses sollte man respektieren und nun nicht einer Strömung, weil es einem selber gerade gefällt dieses absprechen.

Aber selbst wenn Frau
Ludin glaubt, dass tatsächlich Gott will, dass sie ein
Kopftuch trägt, dann sollte sie vielleicht die Konsequenz aus
ihrem Glauben ziehen und einen Beruf ergreifen, der mit ihrem
Glauben auch vereinbar ist (schließlich sollte sie schon
während des Studiums mitbekommen haben, dass an deutschen
Schulen ein religiöses Neutralitätsgebot herrscht).

Wenn sie selber dieses Problem nicht hat und damit steht sie nicht einmal alleine und auch wöhrend des Studiums und Refrendariats dort keiner ein Problem sah, warum? Das Problem trat einzig dadurch auf, dass die Schulbehörde dieses anders sieht.

Siehe oben. Solange jemand seine Religion privat praktiziert,
ist das seine Privatangelegenheit und geht erstmal überhaupt
niemanden etwas an. Wenn aber in so einer Angelegenheit das
Verfassungsgericht angerufen wird, handelt es sich um ein
Politikum und je nachdem, wie das Verfassungsgericht
entscheidet, wird das Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft
haben (ich seh schon die christlichen Fundis heimlich die
Hände reiben und wieder in jedes Klassenzimmer ein Kruzifix
hängen, falls das Verfassungsgericht zugunsten von Frau Ludin
entscheidet.)

Das Kruzfixurteil hat damit nichts zu tun und das Verfassungsgericht hat dieses auch schon in aller Deutlichkeit gesagt. Und auch wenn es ein Politik wurde, bleibt für mich die Frage nach der subjektiven Motivation für mich unbedeutend. Es geht alleine darum, ob die Freiheit der Kleiderwahl bei einem Lehrer vorhanden ist oder nicht, wenn dahinter religiöse Motive stehen. So geht es auch noch nicht einmal um das Kopftuch, da andere Lehrerinnen auch Kopftücher tragen (aus ganz anderen Gründen) und nie jemand sich daran stört.

Nun ja, wenn sie das Verfassungsgericht anrufen würde, weil
sie nur in bestimmter Kleidung unterrichten kann, weil ihr
Mann ihr das so vorschreibt, ja, dann würde ich mir (bzw.
dieser Frau) die gleichen Fragen stellen.

Die Frage ist genauso gültig, wenn es nicht vor das Gericht geht. Es wird ja dauernd Fr. Ludin etwas unterstellt. Warum ist dieses kein Problem wenn ich das auch anderen unterstellen? Liegt es vielleicht doch alleine am Islam? Dann soll man das aber auch offen und selbstbewusst so sagen.

Ja und wie hat sie sich geäußert ?

Warum ist das jetzt wieder wichtig? Wie dem auch sei, sie hat jeder Muslima eingestanden, das Recht darauf zu haben dieses zu wählen und sie hat sich nach ihrem Glauben dazu entschlossen, das Kopftuch zu tragen und das für sich als bindend anzusehen. Ich konnte damals dahinter keinerlei Fundamentalismus noch die Gefahr der Beeinflussung sehen.

Schalom,
Eli

Hallo Marion.

Halb so wild. Ich denke auch, uns ist beiden klar, warum wir
in diesem Fall so unterschiedliche Standpunkte vertreten. Ich
nehme mal an, aufgrund dieser Sachverhalte wären auch
orthodoxe Juden wegen ihrer Kleidungsvorschrift theoretisch
vom Schuldienst ausgeschlossen, oder ?

Gute Frage. Da es den Fall noch nicht gab, wäre es reine Spekulation und ich sehe hinter dem Fall ja andere Motive als die Frage nach Kleidung. So befüruchte ich, das dieses sogar hier weniger ein Problem wäre.

Schalom,
Eli

Hi dusan,

Du glaubst also, daß die Personen die wesentlich mehr Zeit mit
deinen Kindern verbringen, keinen Einfluss auf das Kind haben
sollen?

Eine rhetorische Frage mit einem leichten Touch Polemik?
Lehrer ohne Einfluß sind nicht einen Euro wert. Wer sonst, wenn nicht Erzieher müssen auf unsere Kinder Einfluß nehmen können. Und wie weit ihr Einfluß gehen soll, bestimmen Staat und Eltern.

Wie stellst du dir das genau vor?

Ich glaube , dass eine genaue Beschreibung, wie ich mir den Einfluß von Lehrern auf meine Kinder vorstelle, ins offtopic rutschen würde.
Was ich auf keinen Fall möchte, ist eine muslimische Lehrerin, die meinen Kindern verdeckt oder offen verquaste Glaubensdogmen unterjubelt, weil ich schon Probleme damit habe, mit den manchmal märchenhaften Vorträgen weltfremder Religionslehrer aus der christlichen Sparte klarzukommen.

Grübel
Dusan

alle klar?
fragt
grilla

hallo,

das ist leider wohl Wunschdenken, es sei denn es würde nur ein
Lieferant zugelassen, ansonsten gäb es halt Schuluniformen von
pfuipfui-Firmen oder binichnichtsupi-Firmen und die
Diskriminiererei ist fast genauso wieder da.

die uniformen (=tshirts) werden von der schule ausgegeben. es gibt nur eine art, sonst wäre es ja keine uniform :wink: die angeberei verschiebt sich dann auf schuhe und schmuck. aber es stimmt schon, soziale unterschiede kommen in den hintergrund.

aber ich warte noch auf die harten einwände: „gleichschaltung wie bei den n… !“ mal abwarten wie lange es dauert *lol*

datafox

Moin Eli,

Im Islam wie auch im Judentum ist es so, dass dort Gebote
bindenden Charakter haben und es darum geht, dass der Gläubige
hier erst einmal tut was G’tt fordert. Dieses allein wird als
Ausdruck der Liebe verstanden. Warum nun G’tt genau dieses
oder jenes fordert, erschliesst sich unserer Beschränktheit
wegen nicht immer. Es geht also nicht darum, dass G’tt
Kopftücher liebt :wink:

Schon klar, aber würdest vielleicht auch nur ein klein wenig in Betracht ziehen, dass des eventuell auch mit dem Ansehen der Frau in den betreffenden Gesellschaften zusammenhängt ? :smile:

Ich finde zumindest, dass Gebote, welche nur ein Geschlecht betreffen, vermutlich in diesem Geschlecht und seiner Stellung begründet liegen, ansonsten würden diese Gebote ja beide gleichermaßen betreffen (und es gibt ja auch eine Menge, die beide betreffen).

Insondern finde ich es nicht ganz von der Hand zu weisen, dass z.B. bestimmte Bekleidungevorschriften auch etwas über die Stellung der Frau in einer Gesellschaft aussagen, oder falls dies ursprünglich nicht so beabsichtigt war, sollte man sich doch schon mal Gedanken machen, welche Implikationen eine solche Bekleidungsvorschrift in unserer heutigen Gesellschaft mit sich bringt. Ich muss z.B. immer Lachen, wenn ich höre, dass moslemische Frauen sich in Kopftuch und lange Kleider hüllen sollen, um ihre „Reize“ zu verdecken und nicht die Blicke von Männern auf sich zu ziehen. Die Realität sieht doch wohl eher so aus, dass verschleierte Muslima auffallen wie bunde Hunde und von vielen Leute angestarrt werden. Wer nicht auffallen will sollte sich im Alter von 18 Jahren ein bauchfreies T-Shirt, enge Jeans und Buffaloes anziehen *g*.

Auch sollte klar sein, dass das Bild und Ansehen der Frau in einer Gesellschaft durch vielerlei Dinge entsteht. Ich bin nun der ganz persöhlichen Auffassung (und da stehe ich vermutlich auf der Seite von Frau Schwarzer), dass man Einflussnahmen, die auf eine (von meiner Sicht aus gesehen) Schlechterstellung der Frau in der Gesellschaft hinweisen, zumindest in Bereichen, die kaum „privat“ zu nennen sind, wie eine öffentliche Schule, zurückdrängen sollte. Und ja, für mich ist das Tragen von Kopftüchern eindeutig eine Benachteiligung von Frauen. Falls du das nicht glauben magst, bind dir doch mal so ein Ding bei dieser Hitze um und geh draußen spazieren. Außer der Tatsache, dass dich jeder anstarrt, deine Haare fettig werden und dein Kopf anfängt zu jucken, wird es dir vermutlich ziemlich warm werden :smile:

Um diesen Fall wirklich sinnvoll zu bedenken, möchte ich
wenigstens wissen, welchem Ansinnen ich das Neutralitätsgebot
der Schulen opfern soll.

Das Neutralitätsgebot ist davon gar nicht betroffen

Das seh ich anders. Religiöse Symbole in Schulen betreffen IMHO das Neutralitätsgebot sehr wohl, und da ist es mir ziemlich gleich, ob dieses Sympbol nun in Form eines Kruzifixes an der Wand hängt oder in Form eines Kopftuchs um den Kopf der Frau Ludin.

und hier

scheint wohl das grosse Missverständnis zu liegen, welches
auch von der Schulbehörde befördert wurde, dass Lehre
maschinengleich in allem neutral zu sein haben. Pädagogisch
gesehen wäre dieses auch völliger unsinn, weil es Neutralität
in der Erziehung nicht geben kann, es sei denn man will
Beliebigkeit.

Sicher wird es das nie in letzter Konsequenz geben. Nur sehe ich es eben als Wert an, diese Neutralität so weit wie möglich zu verteidigen. Das beginnt für mich bei der Religion und endet für mich bei Stickern für politische Parteien am Revers von Lehrerjackets und Produktwerbung wenn z.B. der Sportlehrer ausschließlich von Nike gesponserte Sportkleidung trägt und auch nur diese empfielt. All das will ich in Schulen nicht sehen.

Man kann es auch sehen, dass die Freiheit es so oder so zu
halten menschlich ist und weniger das Gebot. Ich kenn mich im
Islam diesbezüglich nicht aus, aber im Judentum scheint es
vergleichbar zu sein. Auch hier gibt es Strömungen, welche das
Gebot, dass eine verheiratete jüdische Frau ihre Haare
bedecken muss, nicht mehr gelt. Dennoch bleibt es besetehen
und andere Strömungen achten es als bindend. Dieses sollte man
respektieren und nun nicht einer Strömung, weil es einem
selber gerade gefällt dieses absprechen.

Warum denkst du, das ich das nur einer Strömung absprechen will ? Ich würde mich auch gegen das Tragen von rosa Pappnasen von Verehrern des heiligen Pink wehren, wenn diese so unterrichten wollten. Ich dachte eigentlich, hätte deutlich gemacht, dass es sich bei mir um ein Prinzip handelt, und nicht um ein Kopftuchdebakel :smile:

Aber selbst wenn Frau
Ludin glaubt, dass tatsächlich Gott will, dass sie ein
Kopftuch trägt, dann sollte sie vielleicht die Konsequenz aus
ihrem Glauben ziehen und einen Beruf ergreifen, der mit ihrem
Glauben auch vereinbar ist (schließlich sollte sie schon
während des Studiums mitbekommen haben, dass an deutschen
Schulen ein religiöses Neutralitätsgebot herrscht).

Wenn sie selber dieses Problem nicht hat und damit steht sie
nicht einmal alleine und auch wöhrend des Studiums und
Refrendariats dort keiner ein Problem sah, warum? Das Problem
trat einzig dadurch auf, dass die Schulbehörde dieses anders
sieht.

Nein, das ist so nicht richtig. Es gilt nunmal: Wo kein Kläger, da kein Henker. Wenn in zigtausend deutschen Klassenzimmern Kruzifixe an der Wand hängen, dann nicht, weil dies nach deutschem Recht gestattet ist, sondern weil diese gedultet werden, solange niemand einschreitet. Sollte jemand jedoch auf Entfernung derselben drängen, hat er das Recht auf seiner Seite.

Wenn du einen Obststand auf dem Markt hast, und lässt es augenzwinkernd zu, dass sich Obdachlose immer mal wieder ein paar Krischen moppsen heisst das doch noch lange nicht, dass Diebstahl deshalb ein D erlaubt sei und der Gemüsehändler, der das nicht zulässt, es erst zum Problem macht!

Im übrigen betreffen solche Entscheidungen nicht nur Frau Ludin mit ihrem Kopftuch. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, wo es Opportun war, möglichst NICHT der kommunistischen Partei beizutreten, wenn man in den Schuldienst wollte. Es war auch jedem klar, dass man sich besser einen anderen Beruf sucht, wenn man es als essentiell Ansieht, Mitglied der Partei zu sein. Und das betraf nur die Mitgliedschaft, nicht etwa das Tragen von entsprechenden Sympbolen während des Unterrichts.

Das meine ich mit Mündigkeit eines Bürgers. Man sollte sich einfach darüber im klaren sein, dass bestimmte fundamentelle Entscheidungen auch bestimmte Konsequenzen mit sich bringen. Ist man nicht bereit, diese Konsequenzen zu trage, sollte man die Entscheidung auch nicht entsprechend fällen. Oder anders gesagt: Wenn Frau Ludin meinst, dass Gott will, dass sie immer und überall ein Kopftuch trägt, dann will er vermutlich nicht, dass sie im deutschen Schulsystem unterreichtet.

Das Kruzfixurteil hat damit nichts zu tun und das
Verfassungsgericht hat dieses auch schon in aller Deutlichkeit
gesagt.

Ich wusste gar nicht, dass sich das Verfassungsgericht überhaupt schon im Fall Ludin geäußert hat. Ich fände das bei einem noch anhängigen Verfahren auch eher ungewöhnlich, aber kannst du mir verraten, wo ich das nachlesen kann ?

Es geht alleine darum, ob die Freiheit der

Kleiderwahl bei einem Lehrer vorhanden ist oder nicht, wenn
dahinter religiöse Motive stehen. So geht es auch noch nicht
einmal um das Kopftuch, da andere Lehrerinnen auch Kopftücher
tragen (aus ganz anderen Gründen) und nie jemand sich daran
stört.

Ok, und da kann ich ganz definitiv Antworten, dass es keine Freiheit der Kleiderwahl für Lehrer geben sollte. Im übrigen gibt es diese Freiheit in kaum einem Beruf.

Nun ja, wenn sie das Verfassungsgericht anrufen würde, weil
sie nur in bestimmter Kleidung unterrichten kann, weil ihr
Mann ihr das so vorschreibt, ja, dann würde ich mir (bzw.
dieser Frau) die gleichen Fragen stellen.

Die Frage ist genauso gültig, wenn es nicht vor das Gericht
geht. Es wird ja dauernd Fr. Ludin etwas unterstellt. Warum
ist dieses kein Problem wenn ich das auch anderen
unterstellen?

Da kann ich jetzt nicht folgen. Was unterstellst du jetzt anderen und ist für mich kein Problem ?

Liegt es vielleicht doch alleine am Islam? Dann

soll man das aber auch offen und selbstbewusst so sagen.

Die Leute, die das finden, sagen das ja auch ziemlich offen und selbstbewusst (hab ich zumindest den Eindruck). Und ich denke, ich habe ziemlich offen und selbstbewusst gesagt, dass es mir nicht um den Islam, sondern ums Prinzip geht. Sorry, aber ich würde einen entsprechend gekleideten orthodoxen Juden genau so wenig im Schuldienst sehen wollen, wie einen buddhistischen Mönch in Mönchskutte oder einen Lehrer mit einem unüberssehbaren Kreuz um den Hals.

Ja und wie hat sie sich geäußert ?

Warum ist das jetzt wieder wichtig? Wie dem auch sei, sie hat
jeder Muslima eingestanden, das Recht darauf zu haben dieses
zu wählen und sie hat sich nach ihrem Glauben dazu
entschlossen, das Kopftuch zu tragen und das für sich als
bindend anzusehen. Ich konnte damals dahinter keinerlei
Fundamentalismus noch die Gefahr der Beeinflussung sehen.

Ok, schön und gut, aber wieso sie meint, ihren Fall vors Verfassungsgericht bringen zu müssen ist mir dabei immer noch nicht ganz klar. Was spricht denn nach Meinung von Frau Ludin dagegen, sich einen Job zu suchen, wo sie beides problemlos vereinbaren kann und damit ist es gut ? Offensichtlich hat sie so einen Job ja bereits gefunden. Warum also dieser Gang durch sämtliche Instanzen ?

Du musst zugeben, dass hier der Verdacht zumindest naheliegt, dass hier prinzipiell was entschieden werden soll und es sollte doch klar sein, dass so eine Entscheidung Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die Rechtssprechung haben wird. Und diese Auswirkungen möchte ich nicht haben, weil es mir so gefällt, wie es ist. bzw. allenfalls in die entgegengesetze Richtung verbesserungswürdig wäre.

Gruss
Marion

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artikel über kopftücher im allgemeinen
http://www.wiwo.de/pswiwo/fn/ww2/sfn/buildww/cn/cn_a…

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