Männer bei der Geburt

Hallo,

habe am letzten Wochenende in der Tageszeitung ein Interview mit einer erfahrenen Hebamme gelesen. Auf die Frage nach den Vätern, die bei der Geburt dabei sind, sagte sie, dass einige Männer den Anblick nicht verarbeiten können und sich dann nur noch schwer Sex mit ihrer Partnerin vorstellen können. Leider hat der Redakteur da nicht weiter nachgefragt, wie dieses Problem dann gelöst wird. Da ich ähnliches schon öfter gehört habe, würde mich das nämlich sehr interessieren. Hat jemand Erfahrungen damit und kann da etwas (bitte sinnvolles) zu sagen?

Grüße
Ad

Moin,

Da ich ähnliches schon öfter gehört
habe, würde mich das nämlich sehr interessieren. Hat jemand
Erfahrungen damit und kann da etwas (bitte sinnvolles) zu
sagen?

ich war bei den Geburten meiner beiden Söhne dabei und es waren die beeindruckensten Erlebnisse, die ich bisher hatte.
Da ich zwei Kinder gezeugt habe, und der zweite ziemlich sicher auch von mir ist, muß nach der ersten Geburt noch was gelaufen sein :wink:

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist es ähnlich. Die überwiedgende Zahl der Väter war bei den Geburten dabei und die meisten haben mehrere Kinder gezeugt.

Klingt eher wie ein ‚Verpisserargument‘ der Männer, die nicht bei Geburten dabei sein möchten.
Dann sollten sie so offen sein und es direkt formulieren.

Gandalf

Hallo Ad,

es gibt tatsächlich einen ‚Geburtsschock‘ beim Mann:

http://de.wikipedia.org/wiki/Geburtsschock

http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/gebur…

Der Mann einer Bekannten hat das vor ca. 22 Jahren bei der Geburt seiner Tochter erlebt; die Ehe hat es nicht überlebt. So etwas kann, leider, auch vorkommen.

Gruß
Kieckie

Ich kann
Gandalf nicht mehr zustimmen. Ich habe bereits (mindestens) 5 Kinder gezeugt. Davon ist eines mit seiner Mutter gestorben, 1 abgegangen, eines im 8. Monat gestorben und zwei gesund und munter auf die Welt gekommen. Ich war bei den letzten drei immer dabei und hätte keine schlechte Lust es noch mehrfach zu tun (die Geburt des toten Kindes brauche ich allerings nicht noch einmal), obwohl das letzte mal aufgrund schlechter Kindslage und nicht gegebener PDA ganz schön hart für meine Frau war. Ich habe natürlich mitgelitten und versucht mir nichts anmerken zu lassen.

Was daran soll mich traumatisieren? Natürlich habe ich die Nabelschnur nicht durchgebissen und die Plazenta habe ich mir auch nicht in die Doggy bag gepackt und nein, ich saß auch während der Geburt nicht zwischen den Beinen meiner Frau. Das alles hätte mich evt traumatisieren können. Wer so ewtas macht muss mit den Konsequenzen leben, tough luck oder auch pure Dummheit. Da fehlt mir dann jedes Mitleid.

Wer sich selber so schlecht kennt, hat tatsächlich im Kreissaal nichts verloren.

So long
C.

Hallo,

natürlich war ich dabei. Ich war ja auch bei allem anderen dabei (Machen, Untersuchungen, Schwangerschaftsgymnastik). Es ist ja nicht so, dass man nur dumm dabei rumsteht. Es war schon Unterstützung meinerseits angesagt. Moralische Unterstützung, Atmen, Halten…

Und der Moment, wo dann der Nachwuchs da ist, ist einfach nur großartig. Das will man doch auch geniessen und nicht erst nach 5 Minuten als unbeteiligter Dritter sich das Ergebnis angucken. Vor allem die ersten Sekunden sind es.

Unsere Hebamme sagte aber auch, ich solle mich nicht frontal vor meine Frau stellen; das wolle ich nicht sehen.
Rat befolgt, richtig gestanden, tolles Erlebnis. Ich würde mich seeeehr ärgern, wäre ich nicht dabei gewesen.

Haelge

Hallo,

Geburt und Geburt können schon mal zwei Paar Schuhe sein, und Mann ist auch nicht gleich Mann. Der eine wäre auch ein guter Arzt geworden, weil er mit Blut, auch in größeren Mengen, kein Problem hat, der andere nicht.

Und wenn ein Mann, der eher nicht so der Metzger-Typ ist auf eine schwierige und blutige Geburt trifft, dann ist das sicher schon sehr belastend, zumal da auch die geliebte Frau leidet, an ihr in den intimsten Bereichen herumgeschnitten wird, die der Mann vielleicht als „sein Heiligtum“ betrachtet, und die wohlmöglich dann auch noch laut schreiend und den „Verursacher allen Übels“ beschimpfend die Geburt durchleidet.

Da ist es im Einzelfall vielleicht wirklich besser, wenn Männer dann herausgeschickt werden. Uns ist es bei einer ziemlich dramatisch verlaufenen Geburt so passiert, aber ich habe die Aufforderung einfach überhört, und da alle merkten, dass ich mit der Situation klar kam, und meine Frau unterstützte, war es dann auch kein Thema mehr. Schön anzusehen und mitzuerleben war das alles nicht, aber als einer der Handvoll Juristen meines Semesters, die sich die Pathologie-Vorlesung angetan hatten, … Ich kann mir aber gut vorstellen, dass so etwas bei anderen Männern Folgen hinterläßt. Das hat auch nichts mit besonderem Heldentum o.ä. zu tun.

BTW: Frau ist auch nicht gleich Frau, aber da gibt es nun mal keine Alternative der Geburt fern zu bleiben (obwohl so mancher Kaiserschnitt vielleicht auch eine Flucht ist).

Gruß vom Wiz

Hallo,

Unsere Hebamme sagte aber auch, ich solle mich nicht frontal
vor meine Frau stellen; das wolle ich nicht sehen.
Rat befolgt, richtig gestanden, tolles Erlebnis. Ich würde
mich seeeehr ärgern, wäre ich nicht dabei gewesen.

Haelge

Oh my. Wenn ich daran denke irgendwann mal ein Kind zu bekommen würde ich auch nicht wollen, dass der Vater frontal vor mir steht. Ich bin mir nichtmal sicher ob ich den Vater dabei haben wollen würde (es sei denn er WILL das eben und weiß worauf er sich einlässt). Aber da ist die unterstützende Wirkung wohl wichtiger.

lg
Kate

Liebe Kate,

Wenn ich daran denke irgendwann mal ein Kind zu
bekommen würde ich auch nicht wollen, dass der Vater frontal
vor mir steht.

Glaube mir: wenn es mal soweit ist, ist es Dir sch…-egal, wo Dein Mann oder sonstwer steht…*g*

Gruß Motorradmieze*

*Gravida 5
Para 3

und alle vom selben Mann der jedes Mal begeistert dabei war.

3 „Gefällt mir“

Hi,

*5*

ich dachte schon, ich bin die einzige, die so denkt. Schon die Vorstellung, dass IRGENDJEMAND da steht und mir sagt wie toll ich das mache und wie brav ich doch bin und dass er / sie mich bewundert… vor allem jemand, der das nicht einschätzen kann, weil er gar nicht in der Lage ist, in die Lage zu kommen und das mal zu versuchen *tiefdurchatmen*
Selbt bei der Hebamme würde ich das nur begrenzt ertragen. Aber bei denen ist das hoffentlich eher Feedback als Trost.

die Franzi

Hallo Franzi,

Schon die Vorstellung, dass IRGENDJEMAND da steht und mir sagt wie toll
ich das mache

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das ein sehr gutes Gefühl ist, weil es Momente gibt, in denen man einfach hören möchte, dass es gut ist, wie man es macht, oder dass es bald geschafft ist z.B.
Natürlich kann sich ein Mann da nicht hineinfühlen, eine Hebamme oder eine andere Frau, die selbst noch kein Kind zur Welt gebracht hat, kann das aber ebenso wenig.

Die Hebamme unterstützt dich durch ihre Erfahrung, sie weiß zumindest theoretisch, was jetzt bei dir passiert und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten ist viel wert, finde ich.

Grüße
Miriam

2 „Gefällt mir“

Hi,

ich weiß schon, dass viele diese moralische Unterstützung, emotionalen Beistand und Trost brauchen. Ich nicht, bei mir ist das kontraproduktiv. Wenn ich Schwierigkeiten / Sorgen / Schmerzen habe, möchte ich konkrete Hilfe und Feedback, ob ich es richtig mache. Das kann mein Ehemann / Freund … bei der Geburt nicht, die Hebamme oder der Arzt schon. Diese Trösterei kann mich sogar aggressiv machen, vor allem, wenn ich eh schon unter stress stehe. Bei Kummer hilft mir auch Zuhören, aber bitte ohne „Ach Du Arme, du tust mir ja so leid“ - eher mit „Aha. Warum …? Mach doch…“

Jeder ist halt anders, und ich hab mich nur gefreut, dass es mind einen zweiten Menschen gibt, der ähnlich tickt.

die Franzi

Hi Franzi,

Jeder ist halt anders, und ich hab mich nur gefreut, dass es
mind einen zweiten Menschen gibt, der ähnlich tickt.

Ich wollte es dir ja auch nicht ausreden. Genau genommen hab ich dir gar nicht widersprochen :wink:

Vor etlichen Jahren hab ich mal ein Praktikum in einem Kreißsaal gemacht, die Väter, die ihren Frauen alles abnahmen, Rücken rieben, mithechelten etc. fand ich dann auch etwas zu viel.
Ich fand mich gut begleitet von dem meinen.

Gruß
Miriam

Hallo,

du hast das wohl keine kinder? Oder warst irgendwie schlecht vorbereitet?

Wenn man(n) den kompletten Weg bis zur Geburt gemeinsam geht, das heisst auch Geburtsvorbereitung, Untersuchungen, dann ist auch die Geburt was Gemeinsames. Da geht es nicht um Zugucken, sondern darum richtig zu helfen. Die Hebamme und die Ärztin sitzen ja nicht die ganzen Stunden (und es sind nicht nur 2) dabei und warten.
Als Mann weisst du auch ziemlich gut, was zu tun ist. Als Frau vergisst man das teilweise (verständlicherweise).
Und es gibt Geburtsstellungen, wo auch handfeste Hilfe notwendig ist. Soll das ein Fremder machen?

Haelge

2 „Gefällt mir“

dem Mann aber nicht… :smile:

Hallo,

na, dann warten wir mal ab. :smile: Nach einer richtigen Geburtsvorbereitung denkst du vielleicht anders.
Ich denke mal, jede Hebamme sieht das so, dass der Mann nach Möglichkeit dabei sein sollte.

Haelge

1 „Gefällt mir“

Hi,

ich habe keine Kider, war nie schwanger.

Wenn man(n) den kompletten Weg bis zur Geburt gemeinsam geht, […] dann ist auch die Geburt was Gemeinsames. Da geht es nicht um Zugucken, sondern darum richtig zu helfen.

Ich bin nicht so … anhänglich, ich muss nicht alles gemeinsam machen. Vielleicht die Geburtsvorbereitung, da geht es ja um mehr als die Vorbereitung auf die Geburt selbst.
Aber ich möchte nicht geholfen bekommen bei Dingen, die ich im Endeffekt alleine machen muss. Und mit Trost kann ich schon gar nichts anfangen. Wenn das bei Dir anders ist, dann ist das so, und darf auch so bleiben. Hab ich ja gar ncihts dagegen. Undwenn es Deiner Frau hilft, wenn du nur da bist oder sogar mithechelst und was weiß ich alles, wunderbar. Finde ich toll, dass du das machst.
Aber ich brauch das nicht. wenn ich im Kreißsaal in den Wehen liege, bin ICH diejenige, die das Kind zur welt bringt. Punkt. Die Hebammen und Ärzte, so sie da sind, werden ih vor nichts erschrecken und die Dinge für mich tun, die ihr Job sind. Diee Art von Hilfe ist ok - die machen da sachen, die ich brauche und nicht kann. Moralische Unterstützung brauch ich nicht. Ich brauche auch keine Gesellschaft, also nicht andauernd.

Und es gibt Geburtsstellungen, wo auch handfeste Hilfe notwendig ist.

Ich weiß jetzt nicht so richtig, wovon du redest - ich vermute, Schaukeln etc. Ich kann mir zwar jetzt nicht vorstellen, dass mir sowas zusagt, aber ich vermute, ich werde intuitiv Sachen nicht haben wollen, bei denen ich auf jemanden angewiesen bin (obwohl es vermeidbar gewesen wäre). Wobei ich mich da erst definitiv entscheide, wenn ich mal vor der Frage stehe.

Vermutlich bin ich tatsächlich so seltsam, wie ich befürchte. Ich tu Sachen alleine, die ich alleine tun kann, auch wenn jemand dabei ist, der es genauso gut kann.

die Franzi

Hallo,

ich saß nach der Geburt unserer Tochter frontal gegenüber, als die Mutter mit gefühlten 300 Stichen wieder „zugenäht“ wurde, nachdem bei der Geburt der Damm gerissen war.

Das war bei der Geburt schon kein schöner Anblick (ich mußte halb auf ihrem Bauch liegen, weil die Kleine nicht so richtig wollte und hatte leider alles im Blickfeld), aber beim Nähen der Ärztin zuschauen war wirklich grauenvoll. Das hing ein völlig verblutetes etwas völlig in Fetzen.

Auch was da so alles mit dem Kind rauskommt und wie das Kind frisch nach der Geburt aussieht… ich bin recht unbedarft und unvorbereitet da rein und war dann doch ganz schön erschrocken.

Die Bilder kamen anfangs natürlich auch beim Sex immer wieder hoch, aber inzwischen hat sich das wieder gelegt und ich denke selten daran.

Ach ja, natürlich hat mich keiner gezwungen dahin zu schauen, aber es war die erste Geburt und ich war auch neugierig.

Soweit zu meinen Erfahrungen. Das da der eine oder andere Mann Probleme bekommt, kann ich mir gut vorstellen. Aber was dagegen tun? Nicht hinschauen.

Grüße
Didi

Aber ich möchte nicht geholfen bekommen bei Dingen, die ich im
Endeffekt alleine machen muss.

Nun, auch wenn natürlich in der Hauptsache die Frau aktiv ist, ist das ganze doch eine Sache beider. Es ist ja beider Kind. (So denke ich das) Ist ja auch schön, wenn frau nicht allein dabei ist (allein unter Fremden).

Ich weiß jetzt nicht so richtig, wovon du redest - ich
vermute, Schaukeln etc.

Es gibt ja noch andere „Stellungen“ als im Bett zu liegen. Man kann stehen oder hocken. Und vor allem bei letzterer Art ist doch Unterstützung notwendig, weil man sonst einfach vor Anstrengung umkippt. Es erleichtert aber die eigentliche Sache ungemein (Stichwort: Erdanziehung).

Vermutlich bin ich tatsächlich so seltsam, wie ich befürchte.
Ich tu Sachen alleine, die ich alleine tun kann, auch wenn
jemand dabei ist, der es genauso gut kann.

Ja, das soll jeder so machen wie er will. Aber was würdest du sagen, wenn der Vater dabei sein will? Gründe hätte er ja genug (s.o.).

Haelge

2 „Gefällt mir“

Und musste dieser Mann dann noch eine Therapie machen?

Und musste dieser Mann dann noch eine Therapie machen?

so weit ich weiß, nein.

Dieser Mann ist seit vielen Jahren wieder verheiratet, diese Ehe allerdings ist kinderlos geblieben. Ob gewollt oder nicht, weiß ich nicht.

Gruß
Kieckie