Hallo,
wenn man sich so durch die Literatur zum Thema Nachwuchs
wühlt, stellt man fest, dass die Schreiber davon ausgehen,
dass alle Welt sich nichts sehnlicher wünscht als ein Kind zu
bekommen und man sich jetzt super freuen muss und für Frauen
ja eh das Schwanger sein eines der Highlights in ihrem Leben
ist.
Machen wir uns doch nichts vor: Wer kauft sich solche Bücher, und welche Erwartungshaltung hat er von solchen Büchern? Also wird diese Erwartungshaltung erfüllt. Eine Frau die eine Schwangerschaft als Katastrophe ansieht wird mit einer Abtreibung emotional und ethisch nicht so unbedingt ein Problem haben, und ganz sicher keine Schwangerschaftsratgeber kaufen gehen. Gleiches dürfte auch für den verhinderten Vater gelten.
Nun ja, nachdem ich mich in meinem Umfeld so umgehört habe,
scheint das bei vielen nicht so klar zu sein ob man Kinder
denn nun unbedingt braucht um glücklich zu sein oder nicht…
Was heißt hier brauchen, was heißt Glück? Sicher kann man auch ohne Sportwagen glücklich sein, allein, die meißten Menschen werden diese Frage aus der Perspektive der Nichtsportwagenfahrer beantworten. Das hat dann immer so etwas vom Blinden, der die Farben erklärt. Die Wenigsten kaufen siche einen Porsche und stellen nach einem Jahr fest, dass er sie nicht glücklich macht, verkaufen ihn wieder, und können dann eine begründete Antwort geben. Fakt ist aber, dass ich keine echten Eltern (zur Abgrenzung zu Leuten die Kinder aus Langeweile, wg. höherer Sozialhilfe, weil sie nicht wissen, wie man es verhindert, … auf die Welt setzen) kenne, die Kinder nicht als einen ganz gewaltigen Lebenseinschnitt ansehen, den sie als unter dem Strich als Glück erleben.
die Frage will ich hier auch gar nicht geklärt haben. Viel
mehr würde mich mal interessieren, ob ihr Männer Euch
überhaupt mit dem Thema auseinander gesetzt habt? Was für
Emotionen und Gedanken kommen da im Vorfeld auf - welche
Ängste? oder haben Euch die Frauen einfach vor vollendete
Tatsachen gestellt?
Natürlich habe ich mich als verantwortungsvoller potentieller Vater damit auseinander gesetzt. Es war klar und abgesprochen, ab wann damit zu rechnen wäre, und davor standen neben den emotionalen Dingen auch ganz praktische Fragen. Allerdings nicht mit der Maßgabe, ob diese einem Kinderwunsch im Wege stehen könnten, sondern klar mit der Maßgabe wie man bestimmte Dinge dann gestalten/regeln muss, damit alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen.
Wenn Ihr denn Nachwuchs habt, haben sich Eure Ängste,
Befürchtungen etc. erfüllt oder ist es noch schlimmer
gekommen?
Was heißt hier Befürchtungen? Das ist so eine Formulierung, die in unsere leider allgegenwärtige Volksdepression hineinpasst. Dinge können offenbar nicht mehr neutral zur Kenntnis genommen werden, sondern werden gleich als Bedrohung wahrgenommen, die es zu verhindern gilt. Natürlich weiß man, wenn man vorab so ein klein wenig seinen gesunden Menschenverstand eingeschaltet hat, dass Kinder schreien, Nachts nicht schlafen wollen, Krankheiten bekommen, in der Schule Ärger machen, … Wir waren schließlich doch auch alle mal Kinder. Aber das hat doch nichts mit „Befürchtungen“ zu tun. Wer sich vorher ein wenig Gedanken macht, wird davon nicht (negativ) überrascht werden können.
Welchen Einschnitt hat es in Eurem Leben dadurch gegeben?
Sicher einen der größtmöglich denkbaren. Das gehört in die Preisklasse feste Beziehung, eigene Wohnung, Tod der Eltern, … Also schon die wirklich entscheidenden Dinge.
Könntet Ihr Eure Kinder ab und an auch am liebsten an die Wand
tackern oder an der Raststätte einfach stehen lassen?
Klar, und im nächsten Moment will man den Kleinen wieder in den Arm nehmen und weitermachen. Kinder machen da gegenüber den anderen einem wirklich nahe stehenden Menschen keine Ausnahme, und es ist sicher gut, auch diese Gefühle zuzulassen. Aber wie meine Frau immer so schön sagt: „Manchmal braucht man einfach eine Pause“, und wenn der Kleine dann endlich im Bett ist und zwei Stunden geschlafen hat, kommt die Frage: „Wollen wir das Baby zum Spielen wecken?“ Keine Bange, der Kleine darf dann natürlich weiter schlafen, aber genau dieser Gegensatz macht das Leben mit Kindern aus. Es macht dich wahnsinnig glücklich, Du wirst süchtig danach, mit so einem kleinen Fratz zusammen zu sein, und dann ist man plötzlich ausgepowert, am Ende mit den Nerven, … Aber wie der Säufer, der nach dem übelsten Kater wieder zur Flasche greift, kannst Du einfach nicht genug davon bekommen.
…vielleicht sogar auch noch die Frau daneben stellen, weil
sie euch das eingebrockt hat?
Ach nö, über so ein Geschlecherbild ist unsere Familie schon seit Jahren hinweg. „Eingebrockt“ haben wir uns das Ganze gemeinsam, und auch wenn es natürlich auch in jeder Partnerschaft mal kracht, und Kinder eine ganz ausgezeichnete Möglichkeit sind, in Streit zu geraten, würden uns solche Schuldzuweisungen ganz sicher nicht einfallen.
Bin gespannt auf Eure Antworten - und bitte nicht die
Diskussion, über den hohen emotionalen Wert eines Kindes
anfangen.
Da gibt es nichts zu diskutieren, der ist für echte Eltern einfach da 
Gruß vom Wiz