Hallo,
Es betraf die außerchristlichen religionshistorischen
und mythentheoretischen Kenntnisse. Und hier bzgl. unseres
Themas speziell die von öffentlich an diversen
Maria-Problematiken beteiligten Personen. Frag mal irgendeinen
deiner Kolleg/inn/en, warum mancherorts eine schwarze Maria
verehrt wird, dann weißt du was ich meine.
Also es war eine kritische Bemerkung zu einem allgemeinen
zustand der christlichen Theologie und nicht Kritik an
einzelnen Personen. Es ist etwas blöde, es zu erwähnen, aber
ich war lange genug selbst als Dozent in der Theologie tätig,
um dahinter zu stehen, was ich sagte. Auf die Herkunft (resp.
Beziehung) so mancher christlicher und jüdischer Mytheme aus
babylonischen, persischen (Zarathuschtra), griechischen und
italischen Quellen habe ich hier schon sehr oft hingewiesen.
Und daß viele Mytheme eben eine Art universeller
mythologischer Standard sind, das ist für manche Frage
eigentlich recht erhellend 
Nun gut, ich muß wohl zugeben, hier eine gewisse Epfindlichkeit einzubringen, die ihren Ort woanders hat. So weiß ich auch Deine Beiträge als äußerst differenziert stets zu schätzen, wenn auch mein wissenschaftlicher Ansatz ein wenig anders aussieht. Mein „Forschungsgebiet“ ist das antike, griechische Christentum als Teil der jeweiligen hellenistisch geprägten Gesellschaft (es geht dabei auch nicht um das Ausblenden anderer Gruppen/Religionen, sondern um sinnvolle Eingrenzung angesichts zeitlicher Begrenzungen sowie darum, daß man sich wohl um das bemühen sollte, wofür man gewisse Kompetenzen besitzt). Motivgeschichtliche Abhängigkeiten versuche ich durch literarische Untersuchungen zu beweisen. Auch dies muß keine Ignoranz Religionshistorischer Zusammenhänge bedeuten, sondern hat etwas damit zu tun, daß meine Arbeit religionssoziologisch ausgerichtet ist.
Was mich stört an Deinen Ausführungen, ist, daß Du vom „allgmeinen Zustand der christlichen Theologie“ sprichst. Sicherlich, Buddhismus z.B. habe ich eher in Religionswissenschaftlichen Seminaren kennengelernt, was aber nicht heißt, daß einen Parallelen nicht auffallen, die ich wiederum jedoch selbst eher bei religionsanthropologischen Fragestellungen mit einbeziehe. Dies jedoch nicht, weil ich nun unbedingt die Exklusivität chr. Religion retten möchte (ich weiß, daß es solche Theologen gibt), sondern weil meine wissenschaftliche Methode (die nur neben anderen gültig ist) eben in erster Linie literarkritisch ist. Kurz: Es gibt keinen allgemeinen Zustand der christlichen Theologie. Es gibt nicht nur diverse Theologien und vor allem Fakultäten und Schulen, schon zwischen der déutschen und angloamerikanischer sehe ich allein vom Ansatz her Unterschiede.
Budda in allen Ehren
Genau soetwas meinte ich: Sehr auffallende Ähnlichkeiten zu
außerchristlichen Bildern werden als nebensächlich abgetan 
Ok, Kritik und Polemik angekommen…
hm - wie die Apotheose der Maria mit der von Philo
Alexandrinus initiierten theios-aner-Idee
zusammenhängen soll würde mich sehr interessieren. Weißt du da
Näheres zu? Und in der Vita Apollonii des Philostratos,
der einzigen historischen Quelle zu Apollonius, sehe ich
ebenfalls keinen Hinweis zum Marien-Kult.
Die theios-aner-Idee ist älter als Philo, hat ihre Wurzeln mE im hellenistischen Heroenglaube. Als Quelle wäre hier ebenfalls Philostrat zu nennen, „Heroicus“, eine Art Geschichtensammlung, in der alte Motive zusammengetragen wird.
Ob sich schon in den Evangelien eine theios-aner-Christologie findet, ist durchaus umstritten, ich selbst denke aber ja. Für MAria ist Matthäus wichtig (was ihre Jungfräulichkeit angeht), der Jesus als Erfüller der alttestamentlichen Prophezeiungen beweisen möchte (Reflexionszitate). Für den Marienkult jedoch, also die besondere BEdeutung Marias, Mittlerstellung etc. sehe ich jedoch spätere christliche Schriften als bedeutend an. Apologetische Motive sind dabei nicht außer Acht zu lassen: Die ungeklärte Herkunft Jesu war ja durchaus ein Angriffspunkt, vor allem von griechischer Seite. Sieht man die Vita Apollonii als „Gegenentwurf“ zur christlichen „Jesuspropaganda“ an (und wenn sie nicht als solche entstanden ist, so ist sie zumindest später so benutzt worden, vgl. Julian), so geht es letztlich um die Frage, wer denn nun der bessere theios-aner ist. Die Wunderbare Geburt und Kindheit gehört immer zum theios-aner. Nun hatte man ja nicht viel zu bieten, was die Kindheit anging…
Kurz: Die Rolle Marias ist auf verschiedenen Ebenen sehr wichtig gewesen, sie wurde, so denke ich, aus apologetischen Motiven immer stärker gemacht, so daß man sich wiederum auf diese Quellen berufen konnte zur Begründung einer Marienverehrung.
Da ist irgendwas ironisch gemeint, aber ich krieg nicht ganz
mit, was du meinst. Meinst du, daß Historiker kein Griechisch
können? Oder daß Theologen ihnen vorhalten, kein Griechisch zu
können?
Tja, und hier fällt meine Kritik an Dir, christliche Theologie nicht über einen Kamm zu scheren zurück: Also vorweg: es gibt sicherlich Historiker, die ihre Wissenschaft ernst nehmen und betreiben, und es sind sicherlich auch die meisten.
Grüße,
Taju
off-topic: Ich arbeite hier in einem interdisziplinären Forschungsbereich zu antiken Religionen. Die meisten meiner Kollegen sind Historiker. Einige davon beschäftigen sich ebenfalls mit christlichen und jüdischen Gruppen im 2.-4. Jh.
Nun wurde man schon damit begrüßt, daß Theologie ja keine Wissenschaft sei (worüber ich zu streiten bereit bin, aber ich bin nun, sozusagen von Beruf, Kirchenhistorikerin, und ich bin nicht in der Lage, dies anders zu betreiben als im wissenschaftlichen Diskurs).
Um es kurz zu machen: Jeglicher Widerspruch, den man als Theologe hier äußert, wird mit dem Vorwurf religiös motivierter Unwissenschaftlichkeit quittiert. Dies wird absurd, wenn es z.B. um die Originalquellen geht. Das Studium der Originalquellen ist mE eine Voraussetzung für den wissenschaftlichen Umgang mit antiken Texten. Als Theologin habe ich gewisse Vorteile, denn ich schweige zwar sofort bei jedem Philologen, aber da Graecum, Latinum und Hebraicum Studienvoraussetzungen waren, hat man bis zu Examen, wenn man möchte, doch einen gewisse TExterfahrung, vor allem aber Vokabelkenntnisse. Ein Hinweis auf die Originalsprache wird jedoch ständig abgelehnt, da Theologie ja keine Wissenschaft sei und man deswegen als Theologe prinzipiell nicht kompetent ist. Die Wahrheit liegt aber woanders: Meine Kollegen promovieren in Alter Geschichte und sind höchstens momentan dabei, Griechisch zu lernen. Den NAchweis des Graecums müssen sie erst dann erbringen, wenn sie sich ihren Titel holen wollen. Warum man also nicht an Originalquellen arbeiten kann, ist ziemlich klar. Da eigene Unfähigkeiten durch Angriff versucht werden zu überdecken, ist es einfach nur frustrierend und unwissenschaftlich.