Keine weichgespülte Antwort!
Liebe Barbara,
Aber ich finde die
christliche Kunst hat das Problem dass sie eben nur brav und
lieb und nett und geistlich weichgespült sein darf, und da ist
mir zu wenig Leben drin. Also muss ich wohl oder übel auf die
weltliche Musik ausweichen.
Das sehe ich nicht so und ich denke, behaupten zu dürfen, daß dem auch wirklich nicht so ist. Gerade christliche Kunst (welche das auch immer für Dich ist)erhebt den Anspruch, eben auch das Märtyrium darzustellen. Explizit das Mysterium von Golgatha, aber auch andere Versuchungen, die teilweise auf grausame Art und Weise dargestellt werden.
Ich führe ein Beispiel an, welches für mich „das“ Altarbild schlechthin ist: Der ISENHEIMER ALTAR in Colmar (Elsaß, F.).
Dieser wurde zwischen 1480 und 1528 von Mathias Grünewald gemalt für das Antoniter Kloster in Isenheim, an welches damals ein Hospital für Haut- und Pestkranke angeschlossen war.(Dort wurde Hilfe gegen die furchtbare Blutkrankheit, das sog. „Antoniterfeuer“, welches wahrsch. durch das giftige Mutterkorn ausgelöst wurde, angeboten).Dieser Klappaltar ist gewaltig und zeigt in außerordentlicher Grausamkeit nicht nur die Kreuzigung Christi, sondern auch die Versuchung des hl. Antonius mit den furchtbarsten Dämonen. Und nie zeigte ein Altar das physische Leiden Christi furchtbarer, als auf diesem Karfreitagsbild.
Auf der anderen Seite malt er die verklärteste Auferstehung, die ich je so dargestellt erlebt habe (ich kenne aber auch noch nicht alles, zugegeben!!)
Fakt ist jedoch, daß eben diese „grausamen“ Darstellungen einen echten therapeutischen Effekt haben. Der Kranke, der damals von den Mönchen immer wieder vor diese Bilder geführt wurde und dessen Leib mit Geschwüren bedeckt war, mußte wohl eine ungeheure innere Erschüterung erleben beim Anblick des zerschundenen Christusleibes, der „um der Menscheitssünde“ willen aus tausend Wunden blutete. Und so konnte in dem Kranken eine Katharsis (Läuterung) eintreten, ein neuer Keim konnte sich bilden und eine Art innere Neugeburt sich vorbereiten, die dann Bild wurde in der Seele des Kranken und in den darauffolgenden
„Lichtbildern“ dieses Altars.
Jeder, der sich mit Leid, Tod und unheilbaren Kranken beschäftigt kennt die Wandlung der „kranken, verbitterten“ Seele, wenn sie größeres Leid als ihr eigenes bei anderen kennenlernt und selber ein Mitgefühl für andere empfinden lernt. Dieses schafft inneren Frieden und dieser wiederum lindert zunächst und heilt manchmal die Verbitterung, das Harte und schaft nach der „Katharsis“ manchmal sogar wieder Gesundheit.
Und diesen Prozeß finde ich super lebendig! (Für alle, die es Wissen möchten: ich fühle mich keiner Sekte oder Religion zugehörig)
Darf man solche Musik hoeren wenn sie KEINE expliziten
negativen Botschaften enthalten?
Warum nicht? Wenn ich mir nur Sachen von Künstlern anhöre
(lese, ansehe) die christlicherseits als hygienisch
einwandfrei gelten wäre das ziemlich trüb. Ich hab mir in
Irland eine Menge Platten mit den Liedern der IRA gekauft und
die liebe ich heiß, obwohl mir die Problematik manchmal zu
Bewusstsein kommt. Nur, problematisch ist das Meiste auf der
Welt.
Ja, genau! Problematisierende Kunst impliziert doch noch lange nicht Gottlosigkeit.
Ich halte das wie gesagt für Blödsinn. Und selbst wenn, was
soll mir schon passieren wenn mir einer ins Ohr murmelt: „Bete
den Satan an!“ außerdem, welcher Trottel spielt seine Platten
schon rückwärts? Das allein entlarvt doch die Geschichte als
absurd.
Übrigens gibts da den lieben Witz: Was hört man, wenn man die
Platten von Slayer rückwärts abspielt? „Bete fleißig und lies
täglich in der Bibel!“
In diesem Sinne: „God is a DJ“.Rinn in die Rinne!(Bitte, dies als Metapher zu verstehen)
Herzliche Grüße einer „Faithless“ liebenden, Geige spielenden und zu Housemusic tanzenden
Bettina