Hallo,
ich unterstelle einfach mal dass sich derartige Manager nicht allein durch eine gute Leistung an die Spitze von Unternehmen gearbeitet haben, sondern ihre Posten haben sie durch eine Mischung aus Ellbogenmentalität, Vitamin B und Glück bekommen.
Fähige Leute mit bester Ausbildung und Top-Noten gibt zahlreich, aber nur wenige schaffen es in Spitzenpositionen von Konzernen - weil es eben auch nicht so sehr viele Jobs dieser Art gibt. Würden diese Leute dann aber zumindest in anderweitig anspruchsvollen Positionen arbeiten wäre das ja OK, es kann eben nicht jeder Häuptling sein, die Mehrheit muß Indianer bleiben. Blöderweise treiben sich aber zahlreiche dieser Top-Leute als „Generation Praktikum“ in unbezahlten Beschäftigungen herum, für die sie keinen einzigen Cent sehen, obwohl sie eine normalerweise gut bezahlte volle Stelle ausfüllen.
Das Problem sehe ich nicht darin ob ein Vorstandsvorsitzender X oder Y Millionen bekommt und es wäre auch falsch und hahnebüchen die Gehälter gesetzlich beschränken zu wollen. Das läuft sämtlichen marktwirtschaftlichen und demokratischen Spielregeln zuwider. Die Spitzenleute sollen ruhig sehr gut verdienen.
Nur was nicht sein kann ist dass deren Gehalt nach der angeblichen Verantwortung - die sie oft nicht tragen wenn es in die Hose geht - beurteilt wird, die Verantwortung der Arbeitnehmer in ihrem jeweiligen Bereich aber nicht bewertet wird. Trägt ein Lokführer im Gegensatz zu Herrn Mehdorn so keine Verantwortung dass es ein Argument ist warum da solche eine Differenz in den Gehältern ist?
Unternehmenserfolg - auch den erwirtschaftet kein Manager persönlich, sondern es sind entweder reine Spekulations- und Börsengewinne, oder es wurde von den Mitarbeitern erwirtschaftet. Auch hier erkenne ich kein Argument für die extremen Größenunterschiede.
Und an den Arbeitszeiten kann es auch nicht liegen. Ein Spitzenmanager mag einige Stunden mehr arbeiten als gemeine Vollzeit-Angestellte, aber auch da ist der Sprung nicht nachvollziehbar.
Was gefragt wäre wäre einfach nur eine gewisse Bodenhaftung, soziale Verantwortung und ein Blick für Verhältnismäßigkeiten. Blöderweise sind das Tugenden, die genau das Gegenteil dessen darstellen, was man sein und denken muß wenn man es in Spitzenpositionen der Wirtschaft weit bringen will.
Diese Leute haben einfach keinen Bezug mehr zur Realität normaler Menschen und keinen Bezug zu Geld, das sind für die einfach nur Zahlen auf dem Papier. Ich glaube dass die einfach nicht mehr in der Lage sind Grenzen, die jedem Normalbürger durch die Finanzen gesetzt sind, zu begreifen.
Die Schere zwischen arm und reich wird dadurch immer größer und entweder wird das irgendwann auch in den Chefetagen verstanden, oder es rappelt irgendwann in diesem Land. Ich glaube eher an Variante 2, irgendwann gibt’s eine Neuauflage der 68er, der APO und der RAF, wenn wir Pech haben.
Wenn die Menschen nicht mehr das Gefühl haben mit normaler Arbeit und als durchschnittliche Bürger in der Gesellschaft mithalten zu können wird es hier irgendwann unruhig. Wenn man sich anschaut dass eine Protestpartei wie „Die Linke“ drittstärkste Kraft im Land ist, dass der Aufschwung bei den kleinen Bürgern überhaupt gar nicht ankommt, die Angst vor dem Abstieg Normalität geworden ist, dass man über Selbstverständlichkeiten wie den Mindestlohn, also dass jemand, der Vollzeit arbeitet, dann auch ein Gehalt bekommt, von dem er leben kann, diskutiert - dann verstehen viele zu Recht die Welt nicht mehr.
Gruß,
MecFleih