Hallo,
ich kann mich Felix’ Ausführungen so nicht anschließen. Leider kann ich auch nicht behaupten, daß mir als bekennende Christin und jemand, der sein Studium (Theologie) immer noch liebt, hier nicht auch mal die Contenance abhanden kommt.
Und ganz ohne Contenance habe ich Dein Posting gelesen:
also dass kann ich nicht so hinnehmen. Ich bin bekennende
Atheistin, was aber nicht heisst, dass ich mich nicht mit den
verschiedenen Glaubensrichtungen auseinander gesetzt hab. Und
ich bin wesentlich bibelfester als so mancher „Christ“. Beim
Studium hab ich mal gelernt, nur wer seinen Feind genau kennt,
kann sich auch sachlich mit ihm auseinandersetzen.
ICh weiß nicht, inwieweit es auf Dich persönlich zutrifft, aber diesen Satz vom bekennenden Atheisten/Christen/Juden/Moslem, der sich mit „verschiedenen Glaubensrichtungen“ auseinander gesetzt hat, hört man hier allzu oft, um dann letztendlich nichts als leere Wortblasen zu erhalten. Ich habe mich in meinem Studium mit Judentum und Islam beschäftigt, aber habe ich wirklich Kompetenz? Teilweise vielleicht, aber dennoch hat mir die Beschäftigung mit dem Christentum deutlich vor Augen geführt, daß Sokrates letztlich recht hat:wink: Aus der Perspektive einer wissenschaftlichen Theologin, als die ich mich verstehe, bin ich schon erstaunt, welche Unwissenheit über das Christentum hier als sicheres Wissen verbreitet wird. Sicher, den meisten hier ist es so nah, daß sie sich nie damit beschäftigt haben. Z.B. habe ich zu meinem großen Erstaunen gelesen, daß es im Christentum aufgrund des Dogmas nur eine gültige Auslegung zu einer Bibelstelle gebe. Der das geschrieben hat, kennt noch nicht mal die rk Kirche geschweige denn die Geschichte ihrer Theologie.
Du schreibst, Du wärst bibelfester als manch bekennender Christ. Was sagt das aus? Bibelfestigkeit ist nun nicht unbedingt ein Kriterium für bekennendes Christentum. D.h. erst einmal, daß jemand sich auf Lebensprinzipien festlegen kann und da es im Christentum eine unendliche Anzahl an Konfessionen gibt, sollte man immer erst mal fragen. Ich bin z.B. kompetent, was das Luthertum und seine Geschichte angeht und die Geschichte der Alten Kirche. Damit weiß ich aber immer noch nichts darüber, ob mein „Mitchrist“ ein anständiger Mensch ist, die Bibel so versteht, wie ich es tue etc. Die Christen, und das scheinen manche Poster hier zu übersehen, sind untereinander genauso verschieden wie die bekennenden Atheisten. Stalin war einer, möchtest Du mit dem in einen Topf geworfen werden?
Warum ich ausgerechnet Dir schreibe, ist der letzte Teil Deiner Antwort. Du schreibst, Du müßtest Deinen „Feind“ kennen. Diese Haltung ist vielleicht das, was Felix so aufgebracht hat und mich zumindest nervt. Wieso „Feind“? Wer ist Dein Feind? Die Kirche, die Christen, das Christentum, Religions an sich? Da Du Christentum mit Bibelfestigkeit in Zusammenhang gebracht hast, sind dann auch die Juden Deine Feinde, denn schließlich haben wir den größeren TEil der SChriften gemeinsam.
Ok, ich lege hier Deine Worte auf die Goldwaage und wahrscheinlich wirst Du zurecht empört sein. Ich will damit aber etwas verdeutlichen, was hier in diesem Brett tatsächlich etwas daneben geht: Das man immer wieder mit einer Feindseligkeit konfrontiert wird. Die Antworten auf die Frage nach Jesu Tod, auf die Felix sich bezieht, wovon sollen die zeugen? Von Sachlichkeit sicherlich nicht, auch nicht von einer Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle anderer. Ich denke, man kann auch sachlich bemerken, warum man denn nun der Meinung ist, daß der Leichnam Jesu verwest ist wie jeder anderer auch. Man kann in aller Ruhe zur Kenntnis nehmen, daß es Menschen gibt, die etwas anderes glauben. Am liebsten sind mir in diesem Brett diejenigen, die ständig Angst vor christlicher Mission haben, selbst jedoch mit einer derartigen Wortgewalt auf alles Christliche einschlagen, daß man sich schon fragt, ob sie nicht tun, was sie ablehnen. In diesem Brett gibt es wahrscheinlich mehr missionierende Atheisten, wenn man sich mal das wenig selbstkritische und absolutsetzende Herausposaunen ihrer Meinungen anschaut, als missionierende Gläubige.
Also, nicht übel nehmen, daß ich Dich hier herausgenommen habe, um mal meine mangelnde Contenance vorzuführen. Es ging mir lediglich darum, etwas zu verdeutlichen,
Grüße,
Taju