Fühle mich angesprochen
Tach Felix,
eigentlich wollte ich mich hier ja raushalten, gerade weil diese Diskussion schon so oft geführt wurde und noch unproduktiver und sinnleerer als die meisten anderen Diskussionen in diesem Brett ist.
Aber mit den folgenden Sätzen fühle ich mich doch angesprochen, daher werde ich auch antworten:
Bei aller Liebe und Toleranz kann ein Atheist oder auch nur
ein Nichtchrist biblische Fragen und insb. die Frage nach dem
Sinn des Todes Jesus nicht im Sinne der Bibel beantworten. Die
Bibel lässt sich nur mit der Bibel selbst und dem Heiligen
Geist erklären und nicht mit unserem Verstand.
Was willst du uns genau hiermit sagen? Man kann die bibel zwar interpretieren, erfährt dadurch aber keinerlei Erhellung, es sei denn der Heilige Geist fährt in dich? Überhaupt ist es paradox, irgendetwas ohne den verstand erklären zu wollen. Das ist nämlich - im Gegensatz vielleicht zu einer Erklärung mit formaler Logik - nicht möglich!
Jeder
bibelgläubige Christ besitzt [im Sinne von innewohnen] den
Heiligen Geist (eine Person der Gottheit) und eben mit Hilfe
dieses Geistes kann ich in die göttlichen Themen der Bibel
‚einsteigen‘.
Moment mal - der heilige Geist sitzt nur in bibelgläubigen Christen (wie diskreminierend) und die verstehen dann die Bibel. D.h. der Fairness halber muß der Heilige geist von Anfang an in jedem Christen sitzen, folglich jeder Christ die Bibel „verstehen“ [wie du] und dann natürlich an sie glauben. Oder kommt der Heilige Geist erst in die Leute, wenn sie schon bibelgläubig sind? Wenn ja, warum? Und vor allem - wie konnten diese Leute ohne den Heiligen Geist die Bibel überhaupt verstehen?
Die Bibel kann eben nicht interpretiert werden
wie der „Faust“!
Was bitte haben dann ungefähr sämtliche „Philosophen“, Scholastiker, Theologen, Religionswissenschaftler, Priester… in den letzten 2000 Jahren getrieben?
Bitte lasst mich leben, aber das ist die christliche Lehre.
EINE christliche Lehre.
Der Papst ist übrigens auch besonders gut im Bibelinterpretieren. Und katholische Lehre ist, daß seine Interpretation die rictige ist und wenn dir der inhärente Heilige Geist dreimal was anderes erzählt.
Verzeiht mir, wenn ich Bibelverse anführe:
Te absolvo.
Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er
euch in alle [biblische] Wahrheit leiten Johannes 16:3
Das „biblische“ ist ja wohl von dir. Als „Johannes“ sein Zeug zusammengeschrieben hat, gab es doch die Bibel im heutigen Sinne noch gar nicht.
Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche
Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt,
und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen.
Demnach gehört das Buch der Weisheit (oder waren es mehrere) zumindest gestrichen (und die Sprüche Salomons erst).
Der
natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es
ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es
muß geistlich beurteilt werden. 1Korinther 2:13.14
Unter der Annahme, daß der Brief tatsächlich von Paulus ist:
- Jesus ist tot, Petrus irgendwo weit weg, folglich ist Paulus so etwas wie der Oberguru der noch kleinen Sekte. Und was machen Obergurus, um ihre Position zu festigen. Sie behaupten, daß sie - und nur sie - spirituelle Fähigkeiten vermitteln können (sei es durch Jesus oder Meditieren oder…), die allen anderen nicht offenstehen.
Und diese geistigen Fähigkeiten müssen natürlich vom Guru und seinen Gehilfen langwierig vermittelt werden (selber oder nächster Absatz). Der heilige Geist kommt nämlich nur ungerne einfach so.
@ Atheisten: Glaubt Ihr nicht einmal an eine Schöpfergottheit?
Ich halte es für äußerst wahrscheinlich, daß das Universum in einem „Urknall“ entstanden ist. Dies wäre physikalisch eine Singularität, es ist also unmöglich (und somit müßig) zu sagen, was vorher gewesen ist (genaugenommen gibt es im üblichen Sinne ja wohl auch kein „Vorher“ zumindest bezüglich unserem Konstrukt von Zeit).
Wenn du das unbestimmte „davor“ Gott nennen willst, bereitet mir das keine Probleme, für die jetzige Welt hätte ein solcher Gott aber nicht die geringste Bedeutung. Wenn du aber einen Schöpfergott im biblischen Sinne (nicht unbedingt die Sieben-Tage-Geschichte, die ist sicherlich Unfug)meinst, der ohne Singularität auskommt, dann ist natürlich das Problem unausweichlich, daß Gott ja auch irgendwoher gekommen sein muß. Wenn du dafür dann doch eine Singularität bemühst, dann hast du das atheistische Weltbild mit einer seltsamen Zwischeninstanz angereichert und damit zum theistischen aber nicht vollständigeren, nur komplizierten Weltbild umgemünzt.
So, ich hoffe du siehst diese Posting als Diskussionsgrundlage an, da ich auch jeden Zynismus unterdrückt habe.
Gruß
L.