Marla est malade

Hallo!

Viele von Euch haben es kommen sehen… nun hat es mich auch erwischt.
Scheint doch irgendwie ansteckend zu sein. Der Arzt hat’s bestätigt, ich habe Depressionen.

Es lief ja die ganze Zeit über schon immer mehr darauf hinaus und als mein Freund dann letzten Dienstag am Telefon noch meinte, so ginge es nicht weiter, er könne und wolle keine Beziehung mehr führen, bin ich dann völlig zusammengebrochen… Mein Exfreund, von dem ich lange nichts gehört hatte, rief ausgerechnet kurz darauf auch noch an und machte mir Vorwürfe… über allem schwebte zusätzlich die verfahrene Situation bei der Arbeit, die ich ausgerechnet jetzt, wo es um die Verlängerung meiner befristeten Stelle geht, ganz besonders schlecht gebrauchen kann…

Da ich völlig neben mir stand, die ganze Nacht durch Angstzustände, Beklemmungen, Heulkrämpfe… ging ich letzten Mittwoch zum Arzt. Der Allgemeinmediziner verschrieb mir Insidon und erwirkte unter erheblicher Dringlichkeitsstufe für den selben Tag einen Termin bei einer Neurologin. Dort sollte ich erzählen, was los ist. Abgesehen davon, dass ich - immer noch unter Tränen - kaum ein Wort rausbrachte, meinte sie dann noch zu mir: und wo liegt nun ihr Problem? Das sei doch alles ganz normal.
Also ich halte es für alles andere als normal, wenn ich seit Wochen schlecht schlafe, mich bei der Arbeit nicht mehr konzentrieren kann und dann akut einfach nicht mehr aufhören konnte zu heulen. Auch die anderen Depressionserscheinungen finde ich nicht gerade „normal“.
Jedenfalls verschrieb sie mir dann noch Amioxid-neuraxpharm. Eine Gesprächstherapie sei wohl begleitend gut, aber das würden wir dann besser beim nächsten Termin besprechen.
Der Allgemeinmediziner hatte mich vom 4.-11.2. krank geschrieben. Dienstag war ich nun noch mal bei der Neurologin, die mich eigentlich noch länger hätte krank schreiben wollen, aber dann auch meinte, angesichts meiner Arbeitssituation würden sich meine Ängste sicher nur verschlimmern, wenn ich nun noch länger fehlen würde.

Gestern Abend war ich dann mit meiner Freundin in der Disco - raus aus den vier Wänden, unter Leute, Ablenkung…
Ich hatte gerade ein halbes Glas Krefelder geleert, da ging dann vor mir der Schleier runter. Mir wurde schwarz vor Augen, das weiss ich noch und den Rest kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Freundin. Ich soll etwa eine bis zwei Minuten völlig weg gewesen sein.
Die Neurologin habe ich bisher noch nicht erreicht.
Ich frage mich nun, ob es an der Kombination der Medikamente lag, oder an dem Schluck Alkohol… es hat sich vorher nicht angekündigt durch Schwindel oder so, das ging so plötzlich. Nun habe ich Angst, es könne erneut auftreten…

Mein Freund hat sich übrigens am darauf folgenden Tag per sms gemeldet, es täte ihm alles schrecklich Leid und er habe sich am selben Abend noch mit seiner Mutter und seinem Bruder heftig gezofft, er sei derzeit völlig unberechenbar. Ich weiss nicht, ob er es auch bereut, schluss gemacht zu haben, dazu hat er sich nicht konkret geäußert und ich versuche mich mit dem Gedanken abzufinden, dass wir erst mal wirklich nur noch Freunde sind. Wobei er selbst mal sagte, eine Freundschaft sei nach einer Trennung nicht möglich. Hatte schon fest damit gerechnet, dass der Kontakt komplett abbricht, aber er schrieb weiter sms.
Dienstag Abend erhielt ich die Nachricht, er läge im Krankenhaus und gab mir seine Telefonnummer, woraufhin ich dort anrief. Wir sprachen beinahe so, als hätte es dieses Telefonat eine Woche zuvor nicht gegeben. Von meinem Zusammenbruch habe ich ihm nichts erzählt. Ich möchte nicht, dass er sich noch schuldiger fühlt als ohnhin schon. Keine Ahnung wie es nun mit uns weitergeht. Aber zweifellos ist unsere „Beziehung“ zueinander einer der wichtigsten Faktoren bei der gesamten Geschichte.

Als ich nun krank geschrieben war, habe ich das Buch „Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist“ gelesen und endlich verstanden, wie es überhaupt zu dieser ganzen Situation hat kommen können.
Manch ein Rat von Euch hat mich schon vorher immer mal wieder darauf hingewiesen, aber ich habe die Zusammenhänge nicht so realisiert. Beim Lesen des Buches kam es mir dann beinahe so vor, als würde ich Tagebuch lesen.
Trotzdem fühle ich mich mit der Situation derzeit noch stark überfordert.

Ich weiss nicht, ob die Einnahme der Medikamente richtig ist.
Ich weiss nicht, ob die Behandlung durch die Neurologin Sinn macht (in anderen Postings steht, Neurologen seinen dafür nicht geeignet?), an wen ich mich nun weiterhin wenden soll. Ich habe 2 Namen genannt bekommen, beides Diplom-Psychologen, bei denen ich „versuchen“ solle, einen Termin für eone Gesprächstherapie zu bekommen, aber die Aussichten seien schlecht…
Ich weiss nicht, ob ich meinen Freund damit konfrontieren soll, wie schlecht es mir geht.

Vielleicht könnte Ihr mir ja die ein- oder andere Frage beantworten.

Greetings,
Marla

PS:
für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben…

mein Freund leidet ebenfalls an Depressionen - länger und stärker als ich selbst - lässt diese aber bislang leider nicht behandeln.

Hallo!

Viele von Euch haben es kommen sehen… nun hat es mich auch
erwischt.
Scheint doch irgendwie ansteckend zu sein. Der Arzt hat’s
bestätigt, ich habe Depressionen.

Es lief ja die ganze Zeit über schon immer mehr darauf hinaus
und als mein Freund dann letzten Dienstag am Telefon noch
meinte, so ginge es nicht weiter, er könne und wolle keine
Beziehung mehr führen, bin ich dann völlig
zusammengebrochen…

Hat er Schluss gemacht, weil er selbst mit seinen eigenen Depressionen nicht klarkam, weil er allein sein wollte oder weil er dir auch nicht soviel zumuten will??? Vielleicht hat er genau das versucht zu vermeiden, nämlich dass es dir schlecht geht… man merkt ja sleber auch, dass man dem anderen damit schadet, der sich immer mehr Sorgen macht! Sprich mit ihm über seine gründe und über deinen Zustand! Es wird gerade ihn sehr treffen, aber ich denke, dass er dann auch erkennt, dass ihr beide jetzt einander braucht!

Da ich völlig neben mir stand, die ganze Nacht durch
Angstzustände, Beklemmungen, Heulkrämpfe… ging ich letzten
Mittwoch zum Arzt. Der Allgemeinmediziner verschrieb mir
Insidon und erwirkte unter erheblicher Dringlichkeitsstufe für
den selben Tag einen Termin bei einer Neurologin. Dort sollte
ich erzählen, was los ist. Abgesehen davon, dass ich - immer
noch unter Tränen - kaum ein Wort rausbrachte, meinte sie dann
noch zu mir: und wo liegt nun ihr Problem? Das sei doch alles
ganz normal.

Also ich war zwar heute zum ersten Mal bei einem neurologen/Psychiater, aber meine schon beurteilen zu können, dass diese Ärztin nicht gut für dich sein kann.

Ich soll etwa eine bis zwei
Minuten völlig weg gewesen sein.
Die Neurologin habe ich bisher noch nicht erreicht.
Ich frage mich nun, ob es an der Kombination der Medikamente
lag, oder an dem Schluck Alkohol… es hat sich vorher nicht
angekündigt durch Schwindel oder so, das ging so plötzlich.
Nun habe ich Angst, es könne erneut auftreten…

NICHT GUT!!! Die Angst davor erneut nen Blackout zu haben, bringt dich fast wieder in dieselbe Situation! Ich kenne dein Medikament nicht, aber vorsichtshalber solltest du vielleicht von zuviel Aufregung und Alkohol die Finger lassen! Das allein kann deinen Kreislauf ja schon erheblich durcheinander bringen!

Ich weiss nicht, ob die Behandlung durch die Neurologin Sinn
macht (in anderen Postings steht, Neurologen seinen dafür
nicht geeignet?), an wen ich mich nun weiterhin wenden soll.

Wenn deine Ärztin nicht nur Neurologin, sondern auch Fachärztin für Psychiatrie ist, dann sollte das auch das richtige sein.

Wenig Erfahrung, hoffe, ich hab dir trotzdem ein bisschen weitergeholfen!

Liebe Grüße,
Veil

Hallo Veil!

Hat er Schluss gemacht, weil er selbst mit seinen eigenen
Depressionen nicht klarkam, weil er allein sein wollte oder
weil er dir auch nicht soviel zumuten will???

Von allem etwas. Er hat mich gewarnt, als wir uns wieder begegnet sind - nachdem wir uns nun 13 Jahre nicht gesehen hatten - er sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt und könne sich nicht auf jemanden einlassen. Er hat es wenig später dann doch versucht (halb zog sie ihn, halb sank er hin) und die ersten Wochen waren soweit auch sehr schön, aber dann wurden seine Stimmungen immer heftiger.

Er steckt in einer sehr schwierigen Gesamtsituation und wollte mich dort nicht mithineinziehen. Ich hatte immer das Gefühl, sofern wir nur zusammenhalten, schaffen wir das, aber genau das war ihm nicht möglich. Ich bin immer von mir ausgegangen, dass ich das schaffe, aber er hat den Druck nicht ausgehalten.
Er hat durch mich das Gefühl gehabt, seine Eigenständigkeit/Unabhängigkeit noch weniger behaupten zu können, als es so schon der Fall ist. Ich wollte ihm zwischendurch mal mit einem kleinen Geschenk, mal mit einer Einladung im Café, mal mit einem Einkauf oder Hilfsangeboten einen Gefallen tun und habe viel zu spät gemerkt, dass es das gegenteil bewirkt hat, dass es ihn nur noch weiter runter gezogen hat, weil er sich noch kleiner und hilfloser vorkam.

Wir haben uns in den letzten Wochen auch häufig gestritten, weil er sich immer mehr distanziert hat und ich den Grund dafür bei mir selbst gesucht habe. Er sagte immer, es habe nichts mit mir zu tun… Dass es mit seinen Depressionenen zusammen hängen könnte, war mir nicht klar.
Ich habe unterbewusst immer befürchtet, es sei die Ablehnung meiner Person, auch wenn er das abstritt.
Ich dachte immer, gut, er hat einen riesigen Berg Probleme, aber gerade dann müsste er doch die Nähe zu mir als Erleichterung empfinden, zu wissen, er steht nicht alleine vor dem Berg, er hat jemanden an seiner Seite, der bereit ist, den Kampf zusammen mit ihm aufzunehmen. Aber meine Nähe (Mitgefühl, Besorgnis, Hilfsangebote…) war für ihn keine Erleichterung sondern hat alles nur noch schlimmer gemacht (Pflicht- und Schuldgefühle, Versagensängste…).

Wir befanden uns in einem Teufelskreis oder wie es in dem Buch ausgedrückt wird: wir haben den depressiven Tanz getanzt.

Er sieht derzeit alles negativ, egal welche Bemerkung ich mache, er deutet sie als Vorwurf. Als ich z.B. im Krankenhaus anrief und sagte: na endlich erwische ich dich, du bist anscheinend die ganze Zeit unterwegs… war es keineswegs böse gemeint, ich wollte damit vielmehr zum Ausdruck bringen, dass ich es schon mehrfach versucht hatte, damit er nicht glaubt, ich hätte ihn vergessen. Immerhin konnte ich diese Erklärung bei dem Gespräch dann noch ergänzen, aber bei früheren Gesprächen ist das nicht passiert, weil mir erst gar nicht aufgefallen war, dass er so vieles missverstanden hat. Das kam dann erst viel später und da war es dann im Grunde bereits zu spät die negativen Empfindungen in andere Bahnen zu lenken.

Er hatte immer die Befürchtung, mir nicht so viel Gefühl entgegen bringen zu können, wie ich es selbst empfand und wie mir zustehen würde. Er hat sich selbst unter Druck gesetzt, sich Vorwürfe gemacht, Schuldgefühle gehabt… oft hat er mich dann aus Pflichtgefühl heraus getroffen, obwohl seine Stimmung ihm davon abgeraten hatte, das allerdings habe ich dann natürlich auch gespürt und mich nicht wirklich wohl in seiner Nähe gefühlt, was er wiederum gemerkt hat…

Vielleicht hat
er genau das versucht zu vermeiden, nämlich dass es dir
schlecht geht… man merkt ja sleber auch, dass man dem
anderen damit schadet, der sich immer mehr Sorgen macht!

Ja genau. Wir haben uns gegenseitig runter gezogen.

Sprich mit ihm über seine gründe und über deinen Zustand! Es
wird gerade ihn sehr treffen, aber ich denke, dass er dann
auch erkennt, dass ihr beide jetzt einander braucht!

Ich habe die Befürchtung, dass er - da er im Gegensatz zu mir seine Emotionen so gut es eben geht unterdrückt bzw. die Depression seine Emotionen unterdrückt (nicht nur die negativen sondern auch die positiven) - sich selbst und vor allem sich allein die Schuld an meinem Zustand geben wird und dann seinen Rückzug ehr noch manifestiert.

Also ich war zwar heute zum ersten Mal bei einem
neurologen/Psychiater, aber meine schon beurteilen zu können,
dass diese Ärztin nicht gut für dich sein kann.

Den Eindruck hatte ich leider auch.

NICHT GUT!!! Die Angst davor erneut nen Blackout zu haben,
bringt dich fast wieder in dieselbe Situation! Ich kenne dein
Medikament nicht, aber vorsichtshalber solltest du vielleicht
von zuviel Aufregung und Alkohol die Finger lassen! Das allein
kann deinen Kreislauf ja schon erheblich durcheinander
bringen!

Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass ein halbes Glas Krefelder schon zu viel Alkohol sein könnte.

Wenn deine Ärztin nicht nur Neurologin, sondern auch
Fachärztin für Psychiatrie ist, dann sollte das auch das
richtige sein.

Sie ist reine Neurologin.

Wenig Erfahrung, hoffe, ich hab dir trotzdem ein bisschen
weitergeholfen!

Ja danke, jede Auseinandersetzung mit dem Thema hilft!

Greetings,
Marla

Hi Marla!

Gut dass du zum Doc gegangen bist.

Ich denke man sollte NIE Medikamente und Alkohol mischen.
Es werden sich aber sicherlich noch ein paar Experten dazu äußern.

Auch wenns hart klingt denke an DICH und DEINE Bedürfnisse- deinen Ex etc die haben im Moment keine Priorität sondern nur DU!

Ganz liebe Grüße
Siân

Hi Siân!

Gut dass du zum Doc gegangen bist.

Wobei ich mch dort noch nicht wirklich aufgehoben gefühlt habe. Fürchte ich war dort quasi an der falschen Adresse. Ich würde gerne ien Therapie machen, ahbe aber auch da die Befürchtung an den falschen Therapeuten zu geraten… es ist ja wohl schon schwer genug, überhaupt einen Therapieplatz zu bekommen und wenn man dann noch abbrechen würde…

Ich denke man sollte NIE Medikamente und Alkohol mischen.
Es werden sich aber sicherlich noch ein paar Experten dazu
äußern.

In dem Buch stand, dass es bei Antidepressiva und dem Genuss von Alkohol in Maßen keine Probleme gäbe. Und ein halbes Glas Krefelder ist ja nun wirklich nicht viel. ???

Auch wenns hart klingt denke an DICH und DEINE Bedürfnisse-
deinen Ex etc die haben im Moment keine Priorität sondern nur
DU!

Ja ich weiss, wobei ich ihn eben nicht verlieren möchte, denn ich fürchte, dann würde alles nur noch schlimmer. Er ist für mich eine der wichtigsten Bezugspersonen meines Lebens - nicht zuletzt weil er vor 14 Jahren meine erste große Lebenskrise nach dem Tod meiner Mutter begleitet hat.

Liebe Grüße,
Marla

Beipackzettel lesen?
Hallo Marla,
mal ganz davon abgesehen, dass ich persönlich von Psychopharmaka überhaupt nichts halte (nur das Symptom wird damit bekämpft…), würde ich mir an deiner Stelle vorher den Waschzettel durchlesen…

http://www.gelbe-liste.de/dbabfrage/WWCGI.DLL?GLWIN~…

Ich würde mir eine Beratung bei einem Psychologen holen, wie du die Depris in den Griff bekommst - ohne Pillen wenn möglich. Lass dich gut über die verschiedenen psychologischen Therapieformen auflären und überleg dann, ob das nicht das sinnvollere ist.

Grüße
Gerry

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Rehi Marla!

Ich kann es nicht beurteilen ob du da richtig bist.
Gehe einfach zu einem anderen Arzt/Therapeuten/Psychiater wenn du dich bei ihr unwohl fühlst.

Ich würde nie Medikamente mit Alkohol mischen - du bist ja sowieso sehr traurig und hast viel „Druck“ von außen…

Ich bin aber nach wie vor der Meinung ( ich bin Laie „beton sehr“ ) Du weichst ständig DIR aus und schiebst deinen Partner vor.
Ich weiß du willst ihn nicht verlieren :frowning:

Aber wo bleibst DU dabei? Ich habe den Eindruck du verlierst DICH.
Machr ER sich soviele Gedanken um DICH?

Du hast aber den ersten wichtigsten Schritt getan: DIR Hilfe geholt. Klasse!
Mehr möchte ich nicht schreiben---- weil ich dich nicht verletzen will oder dir falsche Informationen geben möchte und außerdem völlig fachfremd bin.

Ganz Liebe Grüße
Siân

Hallo Gerry!

Ich halte auch nicht viel davon, Symptome statt die Ursachen zu bekämpfen, aber wenn es eben nur langfristig möglich ist, einen Therapieplatz zu bekommen, was soll ich da machen? Ich kann nicht ewig bei der Arbeit fehlen und zu Hause ins Kissen heulen, denn dann wird die Aussicht eine Stellenverlängerung zu bekommen nur noch aussichtsloser und die Verzweiflung immer noch größer.
Den Waschzettel hab ich gelesen, da steht: kann unter Alkoholeinfluss zu Benommenheit führen… kann Alkohol alleine auch. Ich hab jedenfalls absolut nicht damit gerechnet, dass ich einen sofortigen Knock-out habe, schon gar nicht bei den Mengen und da ich beide Medikamente nur gering dosiert einnehme.
Inzwischen hab ich meine Ärztin erreicht, sie sagt, es hätte wohl ehr damit zu tun, dass wahrscheinlich mein Blutdruck zu niedrig gewesen sei, aufgrund der Stresssituation. Da ich das von mir normal nicht kenne, war ich da nicht vorgewarnt. Sie bringt es nicht so sehr mit dem Medikament zusammen. Aber Alkohol werde ich auf jeden Fall jetzt strikt meiden und natürlich auch versuchen, sobald ich in Therapie bin ohne Medikamente auszukommen.

Greetings,
Marla

Hi,

ich möchte auf das entschiedenste Widersprechen.

Die Behandlung psychischer Krankheiten ohne Psychopharmaka - wie stellst du dir das vor?

Sollen wir Psychotiker wieder untherapiert ihren Symptomen ausliefern? Wir bräuchten dann natürlich auch wieder Zwangsjacke und Gummizelle, auf die wir heutzutage dank des Fortschritts der Pharmazie verzichten können. Vielleicht könnte man Neuroleptika wieder durch Elektroschocktherapie und Lobotomie ersetzen.

Und die Depressionen? Es gibt ohnehin eine hohe Suizidalität unter den an Depression erkrankten, etwa 12000 Todesfälle jährlich. Ohne adäquate Behandlung, die auch die Verordnung von Psychopharmaka umfaßt, wären diese Zahlen wesentlich höher.

Ich könnte Fortsetzen entlang des Kataloges der psychischen Erkrankungen.

Der größte Teil der Depressionen geht einher mit einer Veränderung des Serotoninspiegels, dies ist organisch. Hier kann die moderne Medizin eingreifen mit verschiedenen Medikamenten, z.B. Fluoxetin. Dies ist übrigens inzwischen gut erforscht und wird von fachlich qualifizierten Ärzten sehr gut beherrscht.

Leider sind die meisten Psychopharmaka nicht nebenwirkungsfrei, doch der verantwortungsvoll behandelnde Arzt wägt immer ab zwischen der Wirkung und der Nebenwirkung. Natürlich klärt der verantwortungsvoll handelnde Arzt den Patienten auch angemessen auf, wenn es möglich ist (in der Psycxhiatrie gibt es natürlich Fälle, in denen die Entscheidungsfähigkeit der Patienten zumindest vorübergehend stark eingeschränkt ist).

Natürlich gebe ich dir Recht, daß es in vielen Fällen sinnvoll ist, neben der Medikamentengabe auch eine Psychotherapie zu verordnen, am bewährtesten bei Depressionen eine kognitive Verhaltenstherapie.

Im übrigen möchte ich aber noch einmal darauf hinweisen, daß die Behandlung von Depressionen eher bei Ärzten als bei Psychologen angesiedelt sein sollte, weil Ärzte eben auch medikamentös behandeln können. Der Arst, in dessen Fachgebiet es fällt, ist der Psychiater, aber wie schon mehrfach diskutiert, natürlich behandeln auch Allgemeinmediziner und Neurologen Depressionen. Wenn ein Psychiater am Ort ist, würde ich empfehlen, sich an diesen zu wenden.

Gruß

Yoyi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo noch mal!

http://www.gelbe-liste.de/dbabfrage/WWCGI.DLL?GLWIN~…

In meinem Beipackzettel stehen andere Nebenwirkungen.
Stand der Informationen April 1998

Greetings,
Marla

Hallo Marla wenn du nicht zufrieden bist mit deiner Ärztin kann ich dir nur empfehlen zu wechseln…gibt ja genügend davon…Alkohol kann die Wirkung von Medikamenten verstärken…also am besten vom Alkohol ganz die Finger lassen…sonst kannst du auch deine Leber schrotten…und wirken kann das Medikament auch nicht richtig…eine Psychologin oder Psychologen kannst du dir ja selbst suchen und eine Stunde zahlt ehh die Kasse also brauchst du dich um die Kosten auch keine Sorgen machen…ciao,ciao und gute Besserung:Zitronenfalter

PS: 12000 ist falsch
PS: 12000 Todesfälle ist falsch, hab grade noch mal mein Gedächtnis aktiviert. Etwa 12000 ist die Gesamtzahl der Suizide, und über die Hälfte sind wegen Depressionen. Müßte aber nachlesen, um das genauer zu liefern.

Gruß

Yoyi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Re-Hi,

ich möchte auf das entschiedenste Widersprechen.

du brauchst nicht widersprechen - ich hatte ausdrücklich geschrieben, dass „ich persönlich“ nichts von Psychopharmaka halte. Dafür hab ich durchaus meine Gründe. Auch für meine Meinung, dass ich die Medikamentengabe ohne weitere Betreuung nicht für gut halte. Also: das ist MEINE Meinung, die auf - weniger schönen - Erfahrungen basiert.

Und natürlich bin ich ein Laie.

Grüße zurück
Gerry

Hi,

Auch für meine
Meinung, dass ich die Medikamentengabe ohne weitere Betreuung
nicht für gut halte.

du öffnest schon einen Weg, den ich mit dir gehe: nur Medikamente ist oft unzureichen, aber nur Gespräche eben auch. Sinnvoll ist meist eine Kombination, medikamentöse Behandlung und kognitive Verhaltenstherapie.

Die vielen Berichte von Betroffenen über nicht optimal verlaufene Behandlung ist übrigens ein Indiz, daß Depression zu oft von Ärzten behandelt werden, die damit wenig Erfahrung haben. Deswegen mein schon mehrfach vorgetragener Hinweis, doch möglichst einen Psychiater zu konsultieren.

Gruß

Yoyi

1 „Gefällt mir“

Hallo Marla!

Hoffentlich hat es Dich ein wenig entlastet, dass Du Dir den ganzen Frust mal von der Seele geschrieben hast.
Aber ehrlich: Stress, auf Krawall ausgehen, nervliche Überspannung, Medikamente und dann noch Alkohol?!
Ich habe für Dich etwas, was Dich von innen aufbaut, worin Du Dich wieder erkennst und woraus Du echte Kraft für Dich allein schöpfen kannst.

„Freue Dich nicht lebe“ von Dale Carnegie hat mich nicht nur nachdenklich gemacht, sondern mir auch neue Perspektiven eröffnet.
Das einzigste was mich ab und an störte, war dieses Gottgerede, was aber glücklicherweise nicht zu heftig wird. Ich mag das einfach nicht, deshalb wollte ich Dich „vorwarnen“, aber es gibt ja auch andere Menschen, für die das zusätzlich noch Kraft und Aufbau bedeutet.
Alles Gute! Ines

Hallo Ines,

um es vorwegzunehmen : Mein Vater ist ein enormer Fan von seinen Büchern, und ich war es früher auch. (Es heisst übrigens nicht „Freue Dich nicht, lebe!“, sondern „Sorge Dich nicht, lebe!“)

Wieso war? Ganz einfach : Ich hatte Depressionen, Angstzustände und vieles, wovon Marla berichtet hat. Und Carnegie hat mir nicht geholfen.

Mein Neurologe hat mir auch gesagt, warum. Zwei Methoden, z.B. bei Angst und Sorge, sind bei ihm :

  • die Wahrscheinlichkeit ermitteln, mit der das Ereignis dann wirklich eintreten kann
  • sich überlegen, was selbst im schlimmsten Fall bleibt und wie gut es einem dann noch (im Verhältnis zu anderen) trotzdem geht.

Mein Neurologe sagt nun ganz entwaffnend :

  • Angst ist ein Gefühl. Wahrscheinlichkeitsrechnung ist Verstand. Mit Verstand kann man kein Gefühl der Angst bekämpfen.
  • Das Leid Anderer tröstet nicht, denn es bringt einen nicht weiter.

Er hat mir stattdessen Medikamente verschrieben (Seroxat, Jarsin, später auch Insidon) und es geht mir wieder gut. Ich habe in der Zeit auch zu Gott gefunden. Dieser Glaube ist übrigens noch ein wenig anders als das, was Carnegie schreibt, deshalb bin ich da auch ein wenig auf Distanz mittlerweile.

Aber, wenn ich dieses Tief nicht durchgemacht hätte, ich würde noch heute auf ihn schwören. So schnell kann das gehen.

@Marla : Du kannst natürlich in das Buch reinsehen, es ist sehr praxisnah. Sei bloss nicht enttäuscht, wenn es Dir keinen Trost gibt. In diesem Fall ist es m.E. wirklich angezeigt, mal einen anderen Arzt (Neurologe müsste reichen) zu befragen. Kann sein, dass die Medikamentenkombi bei Dir nicht anschlägt. Zum Alkohol ist schon genug gesagt, das wird sicher auch eine Rolle gespielt haben. Viel Glück !

Gruss Hans-Jürgen
***

Hallo Marla!

Wobei ich mch dort noch nicht wirklich aufgehoben gefühlt
habe. Fürchte ich war dort quasi an der falschen Adresse. Ich
würde gerne ien Therapie machen,

Ich denke die medikamentöse Unterstützung bis zur Wirkung der Therapie ist ok (s. auch yogi)

Ja ich weiss, wobei ich ihn eben nicht verlieren möchte, denn
ich fürchte, dann würde alles nur noch schlimmer. Er ist für
mich eine der wichtigsten Bezugspersonen meines Lebens - nicht
zuletzt weil er vor 14 Jahren meine erste große Lebenskrise
nach dem Tod meiner Mutter begleitet hat.

Bist Du Dir sicher das Du davon ausgehend wirklich nichts in eure Beziehung projezierst (s. mein Posting in L&L vor 3-4 Wochen).
Ich glaube Siân hat Recht, wenn er sagt, du weichst irgendetwas aus.
Mich ‚stört‘ v.a. dass dich sein Anruf so mitgenommen/mintnimmt hat, vor dem Hintergrund deines Wissens um seine (wahrscheinlich) vorliegende Krankheit.
Ich hatte nach deinem damaligen Posting den Eindruck, dass Du mit ihm durch dick und dünn gehen willst, auch wenn er Dir danach ev. bei klarem Bewusstsein sagt, dass … (s. damalige L&L-Posting)

Tschuess Marco.
P.S.: Leidest Du ggf. an einem Helfersyndrom ?

Hallo Hans-Jürgen,

natürlich war es der falsche Titel, aber ich weiss, nicht wie man so etwas korrigiert, wenn der Artikel schon im Brett ist.

Selbstverständlich wollte ich Marla aufbauen - ein wenig Fürsprache ist für jeden Menschen, vor allem hier, doch sehr motivierend und natürlich trifft nicht alles zu, was in dem Buch steht. Es kann jedoch eine gute Unterstützung sein, wenn man im Begriff ist sich selbst neu zu ordnen und zu finden.

Außerdem kommt es letztendlich auf jeden Menschen selbst an, wie weit lasse ich mich treiben und wann bin ich bereit wieder selbst die Zügel in die Hand zu nehmen. Dies ist ja hier auch kein medizinisches Fachforum, wie Du weist, sondern ein Ort wo man seine Gedanken, Fragen etc. loslassen kann und es ist ein Ort wo man viele, verschiedene Meinungen und Hinweise erhält. Diese Anonymität ist für manche hilfreicher, als wenn Sie sich bei einem fremden Menschen (z.B. Arzt) outen sollen und ihr ganzes Innenleben auf Knopfdruck preisgeben müssen.
Ich hofe ich habe mich verständlich ausgedrückt.
Übrigens: ich bin irgendwann, wegen meiner chronischen Schmerzen bei einer Neurologin und Psycologin gelandet; die hat mich dann angeschnauzt, weil meine Versicherungskarte nicht mit ihrem Computer harmonierte und sie nun umsonst arbeiten müsste. Daraufhin habe ich ihr gesagt, dass ich sie für unprofessinell halte und sie als Psychologin keine Angst haben bräuchte: zu ihr komme ich bestimmt nicht mehr.

Noch eine Frage an Dich, wenn´s Dir nichts ausmacht: Bei Deiner Medikation interessiert es mich, dass Dir kein Amitriptylin verschrieben wurde. Hat der Arzt überhaupt davon gesprochen?
Gruß Ines

Hallo Marco!

Ich denke die medikamentöse Unterstützung bis zur Wirkung der
Therapie ist ok (s. auch yogi)

Ich habe gestern etliche Stunden mit meinem, wie ich ihn gerne bezeichne, väterlichen Freund gesprochen, der seit nun beinahe 10 Jahren mit Depressionen in therapeutischer Behandlung ist. Er meinte, die Medikamente würden zunächst mal für die nötige Stabilität sorgen, um einer Therapie überhaupt gewachsen zu sein, denn bei ihm habe es sich anfangs sogar noch mal stark verschlimmert, als dann quasi das unterste zu oberst gekrempelt wurde. Kann nicht behaupten, dass ich dem nun entspannter entgegen sehe, aber naja, ich werde mir an diesem Wochenende noch etwas Ruhe gönnen, bevor ich diesen Schritt in Angriff nehme, aber dann hoffe ich, dass ich so weit bin, es tatsächlich anzugehen.

Bist Du Dir sicher das Du davon ausgehend wirklich nichts in
eure Beziehung projezierst (s. mein Posting in L&L vor 3-4
Wochen).

Du sprichst des öfteren davon, dass ich etwas in ihn hineinprojiziere. Was soll das denn Deiner Meinung nach sein?
Ich sehe in ihm nicht Superman oder sonst einen Übermenschen, ich sehe ihn so wie er ist, mit all seinen Ecken und Kanten.

Ich glaube Siân hat Recht, wenn er sagt, du weichst
irgendetwas aus.

Was soll das sein?

Mich ‚stört‘ v.a. dass dich sein Anruf so
mitgenommen/mintnimmt hat, vor dem Hintergrund deines Wissens
um seine (wahrscheinlich) vorliegende Krankheit.

Zu dem „wahrscheinlich“ - ich habe die Diagnose zwar nicht aus erster Quelle, sondern mein Freund hat mir erzählt was der Arzt zu ihm gesagt hat, aber warum sollte ich das anzweifeln?
Ausserdem passt alles, was ich inzwischen darüber gelesen habe, genau ins Bild. Weitaus besser als es bei mir selbst der Fall ist.

Nachdem ich in den letzten Tagen (nach dem Anruf) das Buch gelesen hab, sind mir viele Verhaltensmuster und destruktive Kommunikationsformen bewusst geworden, die sich zwischen uns genau so abgespielt haben, wie es dort beschrieben wird. Dort wird auch erklärt, dass es, sofern man die Hintergründe eben nicht kennt und selbst dann, wenn man sie kennt, es leicht dazu kommt, dass man das Verhalten mit einem Charakterzug und nicht mit der Krankheit in Verbindung bringt, da es so etwas unmittelbares aber eben nichts sichtbares ist. Im Gegensatz zu physische Beschwerden, bei denen es sehr viel leichter fällt zwischen Reaktionen die krankheitsbedingt auftreten und der Persönlichkeit zu differenzieren.
Das Wissen allein, baut die Gefühle die bei einer solchen Interaktion entstehen, natürlich noch nicht von alleine ab. Aber wenn man sie sich immer wieder bewusst macht und die Zusammenhänge versteht, dann wird es mit der Zeit leichter, mit ihnen umzugehen. Während unseres Telefonats waren mir viele dieser Zusammenhänge noch nicht bewusst. Aber ich habe bereits jetzt den Eindruck, dass sich während der letzten drei Gespräche etwas in unserer Kommunikation geändert hat. Beispielsweise konnte ich wie beschrieben einer „unglücklichen“ Wortwahl zumindest noch im selben Gespräch eine andere Richtung geben.

Ich hatte nach deinem damaligen Posting den Eindruck, dass Du
mit ihm durch dick und dünn gehen willst, auch wenn er Dir
danach ev. bei klarem Bewusstsein sagt, dass … (s. damalige
L&L-Posting)

…dass es so nicht weiter geht?
Wie klar dieses Bewusstsein war, als er das sagte, weiss ich nicht, ich weiss nur, dass er Recht hat. So wie wir bis dahin miteinander umgegangen sind, konnte es tatsächlich nicht weiter gehen.

P.S.: Leidest Du ggf. an einem Helfersyndrom ?

Nein. Ich habe weder bei meinen vorigen Beziehungen noch gegenüber anderen Menschen eine solche Motivation, helfen zu wollen. Aber wenn man sieht, dass ein Mensch, den man liebt, leidet und sich offenbar nicht selbst zu helfen weiss, ist es wohl nur all zu natürlich, dass man ihm Hilfe anbietet.

Greetings,
Marla