Hallo!
Viele von Euch haben es kommen sehen… nun hat es mich auch erwischt.
Scheint doch irgendwie ansteckend zu sein. Der Arzt hat’s bestätigt, ich habe Depressionen.
Es lief ja die ganze Zeit über schon immer mehr darauf hinaus und als mein Freund dann letzten Dienstag am Telefon noch meinte, so ginge es nicht weiter, er könne und wolle keine Beziehung mehr führen, bin ich dann völlig zusammengebrochen… Mein Exfreund, von dem ich lange nichts gehört hatte, rief ausgerechnet kurz darauf auch noch an und machte mir Vorwürfe… über allem schwebte zusätzlich die verfahrene Situation bei der Arbeit, die ich ausgerechnet jetzt, wo es um die Verlängerung meiner befristeten Stelle geht, ganz besonders schlecht gebrauchen kann…
Da ich völlig neben mir stand, die ganze Nacht durch Angstzustände, Beklemmungen, Heulkrämpfe… ging ich letzten Mittwoch zum Arzt. Der Allgemeinmediziner verschrieb mir Insidon und erwirkte unter erheblicher Dringlichkeitsstufe für den selben Tag einen Termin bei einer Neurologin. Dort sollte ich erzählen, was los ist. Abgesehen davon, dass ich - immer noch unter Tränen - kaum ein Wort rausbrachte, meinte sie dann noch zu mir: und wo liegt nun ihr Problem? Das sei doch alles ganz normal.
Also ich halte es für alles andere als normal, wenn ich seit Wochen schlecht schlafe, mich bei der Arbeit nicht mehr konzentrieren kann und dann akut einfach nicht mehr aufhören konnte zu heulen. Auch die anderen Depressionserscheinungen finde ich nicht gerade „normal“.
Jedenfalls verschrieb sie mir dann noch Amioxid-neuraxpharm. Eine Gesprächstherapie sei wohl begleitend gut, aber das würden wir dann besser beim nächsten Termin besprechen.
Der Allgemeinmediziner hatte mich vom 4.-11.2. krank geschrieben. Dienstag war ich nun noch mal bei der Neurologin, die mich eigentlich noch länger hätte krank schreiben wollen, aber dann auch meinte, angesichts meiner Arbeitssituation würden sich meine Ängste sicher nur verschlimmern, wenn ich nun noch länger fehlen würde.
Gestern Abend war ich dann mit meiner Freundin in der Disco - raus aus den vier Wänden, unter Leute, Ablenkung…
Ich hatte gerade ein halbes Glas Krefelder geleert, da ging dann vor mir der Schleier runter. Mir wurde schwarz vor Augen, das weiss ich noch und den Rest kenne ich nur aus den Erzählungen meiner Freundin. Ich soll etwa eine bis zwei Minuten völlig weg gewesen sein.
Die Neurologin habe ich bisher noch nicht erreicht.
Ich frage mich nun, ob es an der Kombination der Medikamente lag, oder an dem Schluck Alkohol… es hat sich vorher nicht angekündigt durch Schwindel oder so, das ging so plötzlich. Nun habe ich Angst, es könne erneut auftreten…
Mein Freund hat sich übrigens am darauf folgenden Tag per sms gemeldet, es täte ihm alles schrecklich Leid und er habe sich am selben Abend noch mit seiner Mutter und seinem Bruder heftig gezofft, er sei derzeit völlig unberechenbar. Ich weiss nicht, ob er es auch bereut, schluss gemacht zu haben, dazu hat er sich nicht konkret geäußert und ich versuche mich mit dem Gedanken abzufinden, dass wir erst mal wirklich nur noch Freunde sind. Wobei er selbst mal sagte, eine Freundschaft sei nach einer Trennung nicht möglich. Hatte schon fest damit gerechnet, dass der Kontakt komplett abbricht, aber er schrieb weiter sms.
Dienstag Abend erhielt ich die Nachricht, er läge im Krankenhaus und gab mir seine Telefonnummer, woraufhin ich dort anrief. Wir sprachen beinahe so, als hätte es dieses Telefonat eine Woche zuvor nicht gegeben. Von meinem Zusammenbruch habe ich ihm nichts erzählt. Ich möchte nicht, dass er sich noch schuldiger fühlt als ohnhin schon. Keine Ahnung wie es nun mit uns weitergeht. Aber zweifellos ist unsere „Beziehung“ zueinander einer der wichtigsten Faktoren bei der gesamten Geschichte.
Als ich nun krank geschrieben war, habe ich das Buch „Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist“ gelesen und endlich verstanden, wie es überhaupt zu dieser ganzen Situation hat kommen können.
Manch ein Rat von Euch hat mich schon vorher immer mal wieder darauf hingewiesen, aber ich habe die Zusammenhänge nicht so realisiert. Beim Lesen des Buches kam es mir dann beinahe so vor, als würde ich Tagebuch lesen.
Trotzdem fühle ich mich mit der Situation derzeit noch stark überfordert.
Ich weiss nicht, ob die Einnahme der Medikamente richtig ist.
Ich weiss nicht, ob die Behandlung durch die Neurologin Sinn macht (in anderen Postings steht, Neurologen seinen dafür nicht geeignet?), an wen ich mich nun weiterhin wenden soll. Ich habe 2 Namen genannt bekommen, beides Diplom-Psychologen, bei denen ich „versuchen“ solle, einen Termin für eone Gesprächstherapie zu bekommen, aber die Aussichten seien schlecht…
Ich weiss nicht, ob ich meinen Freund damit konfrontieren soll, wie schlecht es mir geht.
Vielleicht könnte Ihr mir ja die ein- oder andere Frage beantworten.
Greetings,
Marla
