Martin Luther---> Bauernkriege?

Hallo an alle hab da mal ne Frage und zwar, was hat Luthers neue Lehre mit den Bauernkriegen zu tun?

DAnke
Ryo

Hallo, Ryo,

Luther hatte vor allem in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ => http://gutenberg.spiegel.de/luther/misc/vdfec.htm
und „An den christlichen Adel deutscher Nation“ => http://gutenberg.spiegel.de/luther/misc/andenadl.htm
eben diese Freiheit und die Gleichheit vor Gott gefordert.

Die Bauern nahmen das wörtlich und politisch und wollten demnach frei sein von ungerechtfertigten Steuern, von Frondienst, sie wollten die Privilegien des Adels abschaffen, keine Leibeigenen mehr sein und forderten dies auch.

Und da man ihnen kein Gehör schenkte, griffen sie zu den Waffen, also Sensen, Dreschflegel, Hacke und Beil und Spaten und wollten sich diese Rechte mit Gewalt holen.

Und weil sie sich auf Luther beriefen, kriegte das Wittenberger Mönchlein Hosensausen und rief zur blutigen Niederwerfung der Aufständischen auf - nachzulesen etwa hier: http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martin_Lu….

Das viel besser bewaffnete und ausgebildete Ritteraufgebot machte den Aufständen ein rasches und brutales Ende.

So war Luther zum einen der „Verursacher“, zum anderen auch der Vernichter der Aufstände der Bauern.

Wirklich ein bewundernswerter Mann!

Gruß Fritz

Zu Luthers Lehre gehört die Auffassung, dass jeder sein eigner priester sein kann. es gibt in der eveangelischen lehre kein Priestersakrament, also keinee beosndere Stellung des Pastors. Er ist nicht besser oder schlechter als das kirchliche Fußvolk. Auch hat Luther die Rolle oder Position des Papstes nicht anerkannt.

Damit hat er die wesentliche Grundlage des „2. Standes“ und deren Privilegien in Zweifel gezogen. Die herausgehobene Stellung der kirchlichen Würdeträger löste sich auf. Dies hatte unmittelbare politische Auswirkungen weil Kirche und Staat nicht getrennt waren und damit die Legalität von Trägern politischer macht in Zweifel gzeogen wurde. Was lag näher als auch zu fragen, wo denn die Privilegien des Adels in der Bibel begründet wären? „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“

Dieser Angriff auf einen teil der gesellschaftlichen Ordnung wurde von den Bauern aufgegriffen und ausgeweitet…was Luther wiederum nicht gefiel und von ihm auch nicht so gemettn war.

Meines Wissens fiel die Reformation auch zusammen mit einer ökonomischen Krise und bekam dadurch zusätzliche Sprengkraft. Jedenfalls aber stieg dauernd ide Abgabenlast nicht zuletzt auch durch kirchliche Forderungen. Der Ablaßhandel war auch dadaurch motiviert. Geld aufzutreiben, weil die Steuern allein nicht reichten.

Guten Tag Ryo,

die Situation der Bauern, vor allem in Süddeutschland, war fürchterlich: bedrängt von den Grundherren, denen sie den großen Zehnten zu zahlen hatte, von der Geistlichkeit, die den kleinen Zehnten verlangte, mußten sie auch immer aufpassen, daß sie nicht in die Leibeigenschaft absanken: die Grundherren versuchten alles, diese freien Bauern zu Leibeigenen zu machen, die dann den Grund und Boden zwar bearbeiten mußten, aber nicht mehr verlassen durften. Wenn der Bauer nach schlechten Jahren die Schulden nicht zurückzahlen konnte, verfiel er der Leibeigenschaft. Wollte ein freier Bauer eine Leibeigene heiraten - auch da kam Liebe vor -, bekam er vom Herrn der Leibeigenen die Erlaubnis dazu nur, wnn er sich selber auch in die Leibeigenschaft begab.
Günther Franz beschreibt das in seinen beiden Bänden über den Bauernkrieg (Wisenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt) sehr eindrucksvoll.

Luther hat diese furchtbare soziale Situation der Bauern gesehen und den Adel und die Grundherren scharf kritisiert.

Erste Aufstände hatte es schon vor der Reformatuion gegeben, z.B. den „Armen Konrad“ in Württemberg. Die waren vom Adel blutig niedergeschlagen worden.

Die Situation hatte sich 1525 durch Mißernten noch verschärft. In Württemberg verminderte Herzog Ulrich den Silberanteil in den Münzen, zugleich wurde das Brot teurer. Hinzu kam, daß sich das römische Recht immer mehr durchsetzte und das alte germanische Recht immer mehr ablöste. Das mußte den Bauern als ein Anschlag auf ihre Freiheit und das „alte Recht“ erscheinen.

Nun hatte Luther etwas Neues gebracht: die „Freiheit eines Christenmenschen“ (so der Titel seiner Schrift von 1523). Die Bauern fragten nun mit Recht: wenn wir vor Gott frei sind, warum dann nicht auch in der Welt? Sie meinten, in Luther einen natürlichen Bundesgenossen gefunden zu haben.
Und ursprünglich scheint Luther mit den Bauern durchaus sympathisiert zu haben, doch sobald sie ihre ersten Grausamkeiten und Greueltaten begingen, wandte er sich von ihnen ab. Luthers Tragik war, daß der Aufstand - und später die Reaktion des Adels - sich mit einer derartigen Geschwindigkeit ausbreiteten, daß seine Schriften, in denen er kritisierte und zur Mäßigung rief, immer zu spät kamen.

Natürlich hatte Luther auch die Befürchtung, daß die neue Lehre mit dem Ungehorsam gegen die Obrigkeit identifiziert werden könnte, mit Aufruhr und Revolution. Er hat sowohl den Adel an seine sozialen Verpflichtungen eerinnert wie die Bauern an die Pflicht zum Gehorsam gegen die Obrigkeit.

Eine weitaus „konsequentere“ Rolle hat Thomas Müntzer gespielt, der in Thüringen der Anführer der Bauern wurde und 1526 nach der Schlacht bei Frankenhausen (Der „Schlacht unter dem Regenbogen“, wie ein Buch dazu heißt)gefangen, gefoltert und geköpft wurde.

Dies in aller Kürze; die Literatur über den Bauernkrieg ist unüberschaubar.

Gruß - Rolf

Wirklich ein bewundernswerter Mann!

Ja das schon!
aber: man sollte trotzdem nicht vergessen dass Luther schon sehr bald nach Beginn der Aufstände sich gegen die Bauern gestellt hat und öffentlich Position zu den Rittern u. niederem Adel bezog…
Also gar nicht der Volksheld wie man so denkt.

Es ging sogar soweit dass er sich öffentlich gegen diese Aufstände aussprach alles weitere müsst ich nachlesen, aber dafür bin ich zu müd… *gg*

man kann aber sagen: Luther wird mit den Bauernkriegen in Verbindung gebracht aber von der Ideologie und Absicht her hatte er nichts damit zu tun. Ihm ging es um andere Dinge als die Aufhebung des Feudalsystems.

hallo oleinka,

Wirklich ein bewundernswerter Mann!

Ja das schon!
aber: man sollte trotzdem nicht vergessen dass Luther schon
sehr bald nach Beginn der Aufstände sich gegen die Bauern
gestellt hat und öffentlich Position zu den Rittern u.
niederem Adel bezog…
Also gar nicht der Volksheld wie man so denkt.

ich glaub der fritz hat das auch ironisch gemeint.

man kann aber sagen: Luther wird mit den Bauernkriegen in
Verbindung gebracht aber von der Ideologie und Absicht her
hatte er nichts damit zu tun. Ihm ging es um andere Dinge als
die Aufhebung des Feudalsystems.

natürlich hatte er damit zu tun. denn die bauern nahmen seine ideologie und haben sie umgesetzt. bestimmt ist die bäuerliche interpretation etwas anders ausgefallen, als luther sich das vorgestellt hat, er hat sich dann ja auch beeilt klar zu stellen, das der von gott eingesetzten obrigkeit folge zu leisten sei. … zum widerstandsrecht, sagte er glaub ich man darf sich zwar weigern etwas zu tun das nicht dem göttlichen willen entspricht, aber wenn man dafür geohrfeigt wird, darf man nicht zurück hauen.
meines wissens, könnte falsch liegen, in dem fall bitte ich um korrektur, hat er dass aber erst so klar gesagt, als man ihm die schuld an den aufständen gab.
also hat er was damit zu tun, hat sie los getreten, auch wenn er’s vielleicht nicht wollte.

gruß von kati

Hallo,

Luther war absolut nicht der, für den ihn viele halten. Er war eigentlich ein reiner Theoretiker und politisch ein absuluter Blindgänger.

Das beginnt damit, daß rd nachweislich den berühmten Thesensnschlag an der Kirchentür zu Wittenberg nie gegeben hat - der ist unhistorisch. Das Schriftstück sollte eine theologische Diskussion anregen undkeine neue Kirche begründen. Es lag Luther gar nichts an einem Bruch mit Rom - er wollte nur die Kirche reformieren und einige Auswüchse beseitigen, die nichts mit dem eigentlichen Christentum zu tun hatten.
Schon das zeigt eigentlich seine politische Blindheit. Denn die Logik hätte ihm sagen müssen, das der katholische Klerus und Rom sowieso ganz betimmt nicht das zurücknehmen werden, was sie selber eingeführt haben - schon um nicht ihr Gesicht zu verlieren.
Und deshalb lies er sich ja auch auf die Diskussion auf dem Reichtsag ein - die war ja nicht ungefährlich für ihn. Er glaubte ernsthaft, dort überzeugen zu können und begriff gar nicht, daß es darum gar nicht ging daß das Ding inzwischen ein Ausmaß angenommen hatte, an dem die katholische Kirche gar nicht mehr zurück konnte.
Es wäre ja auch fast schiefgegangen - aber zum Glück war der Kurfürst von Sachsen mit dem Kaiser etwas über Kreuz (obwohl er immer Katholik blieb), dem kam der Querulant luther ganz recht, einfach weil der den Kaiser ärgerte. Und die leute des Kurfürsten waren schneller als die des Kaisers und fingen das politische Unschuldslamm Luther (der hat tatsächlich an das freie Geleit des Kaisers gelauvt) unterwegs ab und brachten ihn erst mal auf der Wartburg in Sicherheit.

Eigentlich wäre Luther der Isealtyp eines Revolutionärs gewesen. Aufrecht, vom Kaiser verfolgt… was will man mehr? Und besonders seine Schriften über die Freiheit des Christenmenschen fielen bei den leibeigenen Bauern auf fruchtbaren Boden. Denen ging es wirklich dreckig - Luthers Gerede über die Freiheit und sein Wettern gegen die Habgier der Kirche fiel da auf sehr sehr fruchtbaren Boden. Die nahmen das einfach wörtlich.
Nur hatte es Luther ja gar nicht für diese Leute geschrieben - er wollte einen schönen theoretischen Disput im Glashaus. Der hatte ein selbsttätig handelndes Volk nicht mit auf der Rechnung - für ihn galt imnmer noch, daß die Obrigkeit zu sagen und zu klären hat, was fürs gemeine Volk gut und richtig ist.
Und daß die einfach selber ihre Dreschflegel nahmen und dran gingen Porzellan zu zerdeppern - das ging Luther entschieden zu weit. Da at er sich dann doch auf die Seite der Fürsten geschlagen.

Eigentlich war es echt fies von ihm. Erst liefert er die Schriften, die das Volk aufhetzen und dann wundert er sich, wenn die sich aufhetzen lassen und hilft der gegenseite. Wie gesagt - eine absolute politische Null…#

Gernot Geyer

Danke, Gernot!

Endlich mal jemand, der mir den Luther erklärt.

Da habe ich mich nun Jahre mit der „Freiheit eines Christenmenschen“ herumgeschlagen, den „freien Willen“ des Erasmus bedacht und am „unfreien Willen“ von Luther geknabbert und genagt, habe mich sogar - in ganz dunklen Stunden - gefragt: wie kriege ich einen gnädigen Gott?

Dabei ist die Antwort so einfach: Luther hat seine Thesen nie an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg genagelt.

Ach, wenn mir der Herr doch auch eine so einfache Sicht der Dinge geschenkt hätte, dann wäre in meinem Leben vieles einfacher gewesen.

Gruß - Rolf

hallo rolf,

da hat der gernot aber recht. die thesen wurden lediglich veröffentlicht, aber nie an die kirchturmtür gepinnt. das ist schlicht ein märchen.
wenn du recherchierst, bekommst du auch einblick in den judenhass von luther. wenn dich der mensch in seiner widersprüchlichkeit interessierst.

strubbel
L:open_mouth:)

Hallo,

er hat sie aber echt nicht an die Tür genagelt.
Was hätten sie auch dort gesollt - er hat sie schließlich geschrieben, um einen tehologischen Disput anzuregen. Da wären sie als Aushang an der Kirchenthüre eher fehl am Platz gewesen.

Gernot Geyer

Natürlich hat er recht, Strubbel,

aber das habe ich vorher auch alles schon gewußt.
Kennst Du „Luther und die Juden“ von Peter von der Osten-Sacken?
Da stellt er Luthers Verhältnis zu den Juden dar: in jeder, theologischer, menschlicher, historischer etc. Hinsicht. Manchmal, wenn man Luther liebt, erschreckend zu lesen, aber immer erhellend und hilfreich.

Gruß - Rolf

Hallo,
grundsätzlich: Die Bauernkriege haben eine längere und komplexere Vorgeschichte. Mit Hilfe Luthers Schriften, die sich rasch ausbreiteten, hatten die Bauern aber für Ihre Forderung noch ein zusätzliches „theologisches“ Argument, wodurch ein Disziplinierungsmoment verloren gegangen war.

Luther war absolut nicht der, für den ihn viele halten. Er war
eigentlich ein reiner Theoretiker und politisch ein absuluter
Blindgänger.

Nun ja, spätestens beim hessischen Kurfürsten zeigte sich, dass er durchaus politisch handelte (was immer das heißt). Aber ja, Luther ging es im Eigentlichen nur um den Glauben - daher auch seine Zwei-Reiche-Lehre (die ja die Pradoxa der Freiheit eines Christenmenschen erklären).

Das beginnt damit, daß rd nachweislich den berühmten
Thesensnschlag an der Kirchentür zu Wittenberg nie gegeben hat

  • der ist unhistorisch.

Der ist (wenn wir festhalten, dass alles historische Urteilen ein Urteilen nach Wahrscheinlichkeiten ist) historisch - nachweislich! Die Wittenberger Schloßkirche war der Universität nach deren Gründung angegliedert, es war die Universitätskirche. Wir wissen, dass die Mitteltür dieser Kirche von Anfang an (wie in anderen Universitätsstädten auch) als „schwarzes Brett“ der Universität galt, d.h. hier wurde zu Disputationen eingeladen (also sicherlich nicht nach Wohnungen gesucht). Disputationen waren das normale tägliche Geschäft eines Universitätsgelehrten, wollte er zu einer einladen, pinnte er es an diese Kirche. Damit war die Universität informiert, worüber der Gelehrte disputieren wollte und es konnte sich melden, wer nun darüber streiten wollte.
Gerade also, wenn wir die Thesen nehmen, als was sie sind, nämlich (lateinisch verfasste) Disputationsthesen, dann gibt es eigentlich keine andere historisch wahrscheinliche Annahme, als dass sie an dieser Tür gehangen haben.
Was nicht stimmt: Ein einsamer Luther vor einer einsamen Tür, der in heroischer Geste seine Thesen anschlägt. Das ist eine romantisierende Darstellung des 19.Jh, in der Luther insbesondere während des Kulturkampfes und in Abwehr des Katholizismus zum deutschen Nationalhelden erklärt wurde.

Das Schriftstück sollte eine
theologische Diskussion anregen undkeine neue Kirche
begründen. Es lag Luther gar nichts an einem Bruch mit Rom -
er wollte nur die Kirche reformieren und einige Auswüchse
beseitigen, die nichts mit dem eigentlichen Christentum zu tun
hatten.
Schon das zeigt eigentlich seine politische Blindheit. Denn
die Logik hätte ihm sagen müssen, das der katholische Klerus
und Rom sowieso ganz betimmt nicht das zurücknehmen werden,
was sie selber eingeführt haben - schon um nicht ihr Gesicht
zu verlieren.

Dann hätte es das Tridentinum nie geben dürfen:wink: Was dort möglich war, hätte Luther zu Anfang bestimmt gereicht.

Eigentlich wäre Luther der Isealtyp eines Revolutionärs
gewesen. Aufrecht, vom Kaiser verfolgt… was will man mehr?
Und besonders seine Schriften über die Freiheit des
Christenmenschen fielen bei den leibeigenen Bauern auf
fruchtbaren Boden. Denen ging es wirklich dreckig - Luthers
Gerede über die Freiheit und sein Wettern gegen die Habgier
der Kirche fiel da auf sehr sehr fruchtbaren Boden. Die nahmen
das einfach wörtlich.
Nur hatte es Luther ja gar nicht für diese Leute geschrieben -
er wollte einen schönen theoretischen Disput im Glashaus. Der
hatte ein selbsttätig handelndes Volk nicht mit auf der
Rechnung - für ihn galt imnmer noch, daß die Obrigkeit zu
sagen und zu klären hat, was fürs gemeine Volk gut und richtig
ist.

„Die Freiheit eines Christenmenschen“ hat Luther selbst gleichzeitig sowohl auf LAtein als auch auf Deutsch verfasst. Jede Schrift, die Luther auf Deutsch verfasst hatte, zielte auf „den Menschen auf dem Markt“, also auf den „Normalo“. Tatsächlich ist ja auch hier ein entscheidendes Reformanliegen Luthers mit dem „Priestertum aller Gläubigen“, woraus ja auch die Motivation zu einer verständlichen Bibelübersetzung erwachsen ist.

Und daß die einfach selber ihre Dreschflegel nahmen und dran
gingen Porzellan zu zerdeppern - das ging Luther entschieden
zu weit. Da hat er sich dann doch auf die Seite der Fürsten
geschlagen.

Richtig, Luther hat in der (mit Röm 13 begründet) Obrigkeit den für dieses Reich (im Sinne der 2-Reiche-Lehre) Garanten für Ordnung gesehen und in dem Widerspruch dazu den entscheidenden Fehler der Bauern . daher darf die Obrigkeit Gewalt anwenden zur Wiederherstellung der Ordnung. Hier hast Du wohl auch Recht, Luther gesellschaftliche Naivität vorzuwerfen, denn tatsächlich scheint er in seinen Schriften lediglich erbost zu sein, dass man ihn mißverstanden habe. Interessant z.B., dass wir die nachdrückliche Betonung des Priestertums aller Gläubigen bei Luther nach den Bauernkriegen nicht mehr finden.

Grüße,
Taju

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hi,

Was hätten sie auch dort gesollt - er hat sie schließlich
geschrieben, um einen tehologischen Disput anzuregen. Da wären
sie als Aushang an der Kirchenthüre eher fehl am Platz
gewesen.

ganz sooo schrecklich abwegig ist es nun auch wieder nicht. an kirchentüren wurde allerei offizielles zeug angeheftet, in wittenberg glaub ich traf das auch auf die professoren der universität zu. zeitungen gab es schließlich noch nicht.

er hat sie aber echt nicht an die Tür genagelt.

ist das zwischenzeitlich denn eindeutig bewiesen? dachte, es würde immer noch darüber gestritten. das problem war doch immer, dass melanchthon, der das mit den kirchentüren in die welt gesetzt hat, damit der einzige war und zu dieser zeit noch nicht einmal in wittenberg gewesen ist. es konnte aber auch kein eindeutiger beweis gefunden werden, dass melanchthon sich wirklich geirrt hat.

gruß kati

Hallo,

Gernot Geyer

Hallo,

nun ja - man kann ja keinen mehr fragen, der dabei war.
Aber so weit ich weiß, hält man die Sche mit der Kirchentür für sehr unwahrscheinlich.

Gernot Geyer

Hallo,

zugegeben - ganz klar ist das mit der Kirchentür wohl nicht. Obwohl man es tatsächlich für unwahrscheinlich hält, daß die Thesen da hingen.

Nur es bleibt, daß Luther politisch doch ein rechter Kindskopf war. Er hat einfach übersehen, daß das Volk (an das er sich ja auch wandte) eigentlich gar kein Interesse an der Klärung irgendwelcher theologischer Spitzfindigkeiten hatte und logischerweise seine Worte auf die eigene Lage bezog und da kein grundlegendes Studium darüber betrieb. Für das Volk war logisch - wenn alle Christen gleich sind, dann kann es eine gottgewollte Herrschaft auf ererbter Basis nicht geben. Dann ist der König auch nix Besseres mehr als der Bauer.
Das war ja selbst für viele Geistliche logisch - auch Thomas Müntzer der Bauernfüherer war ja Prediger. Und durch die ist der Gedanke ja wohl mehr verbreitet worden als durch die Schriften Luthers allein - erstens konnte das Volk kaum lesen und zweitens waren Bücher auch viel zu teuer und Zeitungen noch nicht erfunden - BILD kam erst später…

Gernot Geyer

Hallo,

zugegeben - ganz klar ist das mit der Kirchentür wohl nicht.
Obwohl man es tatsächlich für unwahrscheinlich hält, daß die
Thesen da hingen.

Da wir uns ja einig sind, dass es sich bei den Thesen um akademische gehandelt hat, hängt an der romantischen Vorstellung nichts mehr.
Bei der Bestreitung des Schlosskirchentürenanschlags ging es letztlich um Widerlegung der Vorstellung des herorischen Volkshelden.
Wir wissen aus der Universitätsgeschichte Wittenbergs und den entsprechenden Akten von der Tür als „Schwarzes Brett“. Wenn nun alle Disputationen an dieser Tür aufgehängt worden sind, warum ausgerechnet Luthers nicht???
Ich selbst kenne keinen lebenden Reformationshistoriker, der das Anpinnen an die Tür bezweifelt - da es sich aber hier um eine Marginalie handelt (denn es ist nicht zu bezweifeln, dass die Thesen angepinnt wurden, Platz dafür boten die großen Holztüren, der zentrale Versammlungsort einer Universität war die Universitätskirche - um was streiten man sich letztlich?), wir von Luther als antikatholischen Volkshelden eh abgekommen sind, wird das auch nicht mehr grooß diskutiert.
Das Anliegen, Luther zu entheroisieren war ja mal wichtig, jetzt aber haben wir es mit einer Spinatthese zu tun.

Das war ja selbst für viele Geistliche logisch - auch Thomas
Müntzer der Bauernfüherer war ja Prediger. Und durch die ist
der Gedanke ja wohl mehr verbreitet worden als durch die
Schriften Luthers allein - erstens konnte das Volk kaum lesen
und zweitens waren Bücher auch viel zu teuer und Zeitungen
noch nicht erfunden - BILD kam erst später…

Es ging ja um die Frage, ob Luther sich an das normale Volk gerichtet hat mit der Freiheitsschrift, was er unbestreitbar getan hat. Diese Schriften wurden vorgelesen, exzerpiert und in Predigten vorgetragen.
Eine wesentlich wichtigere Rolle haben bei der Verbreitung - nicht nur - reformatorischer Ideen die Flugschriften gespielt, von denen viele von Luther zumindest „abgenickt“ wurden. Hier sollte man nicht die „Bildlesefähigkeit“ der damaligen Menschen unterschätzen, für die ja, insebsondere in Glaubensfragen, das Lesen von Bildern Alltag war. Will sagen: Wir sehen in so manch einem Cranach-Bild weit weniger als die Menschen damals.
Letztlich wissen wir von einer erstaunlichen Verbreitung der reformatorischen Ideen, so z.B. bis in das heutige Österreich hinein schon 1520/1 nachweisbar.

Es eentschuldigt nicht Luthers inkonsequenten Haltungen und indiskutablen Äußerungen, aber letztlich hängt der „Erfolg“ der Reformation mit einem vorher eben noch nie gekannten Phänomen zusammen: Der Verbreitung von Ideen durch ein erstes Massenmedium, den Flugschriften.
Die gab es, auch klar antipapalistisch, schon vorher, aber erst zur Zeit der REformation finden wir eine Massenverbreitung (d.h. also wohl auch ein derart großes Interese, dass so ein Flugschriftenhersteller davon leben konnte, dazu kommt die weitere Verbreitung und Professionalisierung, damit die Kostensenkung beim Buchdruck). Daher hast Du zwar recht, auch von politischer Naivität zu sprechen, dies aber wortwörtlich: Denn da so etwas vorher noch nie geschehen war, konnten Luther und andere die Folgen nicht abschätzen. Er konnte diesbezüglich gar nicht anders als naiv sein - was wiederum die rückblickend ja ebenso naive Haltung der rk Kirche erklärt, die sicherlich auch anders gehandelt hätte, hätte sie Erfahrung gehabt.

Um damit etwas zum Ausgangsthema zu sagen: Die Bauernkriege im 16.Jh. haben einerseits eine Menge mit der schon länger beklagten Lage der Bauern, den ebenfalls schon länger beklagten Missständen der rk Kirche zu tun, dass sie aber schon als ein europäisches Phänomen auftauchen mit parallelen Begründungen, hängt m.E. eng mit dem aufkommenden Massenmedium Flugschriften zusammen, bei denen die reformatorischen einen klaren Anlass gaben, die Obrigkeit ja nicht nur zu hinterfragen, sondern auch zu dämonisieren - insbesondere, was die Kleriker und ihre Ordnungsfunktion angeht.

Grüße,
Taju

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Verständnisfrage

erstens konnte das Volk kaum lesen
und zweitens waren Bücher auch viel zu teuer und Zeitungen
noch nicht erfunden - BILD kam erst später…

Ich habe mich auch schon öfter gefragt, welche Bedeutung die Veöffentlichung verschiedener Schriften in deutscher Sprache hatte. Nach allem, was ich bisher erfahren habe, haben nur die Gelehrten lesen und schreiben können.
Jetzt wäre es interessant, wie hoch der Anteil der Gelehrten war, die zwar lesen und möglicherweise auch schreiben, aber kein Latein konnten.

Grüße

Ostlandreiter

Hallo,

also Schuipflicht gab es in deutschland zuerst in Preußen unter dem Soldatenkönig - vorher nicht. Und bis dahin war es noch ein langer Weg. Da dürfte die Masse des Volkes (man dasf ja nicht vergessen, daß das damals wirklich die Bauern waren, die Landbevölkerung war entschieden in der Überzahl) auch mit Fluigblättern nicht viel anzufangen gewußt haben.
Bedeutsamer waren nach meinem Dafürhalten die Prediger (das waren zum Teil ja Wanderprediger) und der Buschfunk über reisende Händler und so. Die konnten lesen und hatten irgendwo ein Flugblatt aufgeschnappt oder irgendwo wirklich Luther oder einen seiner Schüler gehört. Das erklärt auch dann die etwas verzerrte Wiedergabe - jeder holte sich aus Luthers Tgesen das raus, was ihm paßte und die Übermittlung über dritte und vierte Stufen machte dann das Ganze wohl auch nicht besser.
Sicher haben diese Leute dann auch Flugblätter besessen und herumgezeigt - allein die Tatsache deren Existenz sptach ja in dieser gutgläubigen Zeit für Wahrhaftigkeit. (Immerhin konnten die Ablaßprediger ja auch jeden Mist als heilige relique ausgeben und das wurde geglaubt.)
Nur lesen konnten die Bauern diese Flugblätter nicht - also hat man sie ihnen erklärt.

Gernot Geyer

Servus, Gernot!

Nur lesen konnten die Bauern diese Flugblätter nicht - also
hat man sie ihnen erklärt.

Unter anderem darum waren die Flugblätter ja auch mit Zeichnungen ausgestattet. Die wurden allerdings meist von den Verlegern/Druckern angefertigt. Viele allerdings stammen auch von einem gewissen Lucas Cranach…
Erfolgreich war diese Masche: In wievielen modernen Büchern zur Reformation findet man heute Karikaturen des Papstes als Esel, die von einem lutherischen Flugblatt stammt?

VG
Christian

hallo rolf,

vielen dank, kannte ich nicht. wusste es nur aus einer publikation über antijüdischer äußerungen der kirchenfürsten.

strubbel
J:open_mouth:)