Gefahr von radikallinks, radikalrechts und oben
Servus Marco
Natürlich finde ich das, und ähnliches in Österreich auch sehr
schlimm.
Doch wenn Du auf diese Weise wie in Deinem Text Relationen
setzt, wird schlussendlich alles schlimm sein. Das ist doch
sicherlich nicht so schwer zu verstehen, wenn es allerdings
…
Wenn es Dir um Demokratie geht, warum trittst Du nicht auch
für die Kommunisten ein?
… bei einem solchen Schwarzweiss-Denken bleibt, das mich an
„Bist du nicht für mich, so bist du gegen mich“ erinnert, wird
es den Regierenden gelingen, die Demokratie mit Zustimmung der
Bevölkerung auszuhöhlen. (Du hast ja hoffentlich die 10 Thesen
von G. Wisnewski gelesen, die ich hier zitierte.) Dazu
brauchen wir keine Nazis, die hier als Mittel zum Zweck
dienen, wofür sie sich auf Grund ihres Gedankenguts natürlich
„hervorragend“ eignen!
Wenn ich überlege, dass trotz der vielen Argumente noch
immer die Gefahr von rechts, nicht jedoch die von oben erkannt
wird, so fällt mir das (unbewusste) Folgen des
Konsequenzprinzips ein. Kurz gesagt: An einer einmal gefällten
Entscheidung wird festgehalten, um konsequent zu wirken, was
im allgemeinen besser angesehen wird, als von jener
Entscheidung abzurücken, aber: „Eine törichte Konsequenz ist
das Schreckgespenst kleiner Geister.“ (R.W. Emerson)
Das ist natürlich auch eine Gefahr. Auf keinem Fall darf es dazu kommen, daß man mißliebige Parteien einfach verbieten kann.
Wenn sich jedoch, ich sage (noch) nicht daß es so ist, die NSDAP unter einem neuen Namen kandidiert, dann muß man sie verbieten können.
Nochmal, wodurch unterscheidet sich die NPD von der NSDAP? Sind die Unterschiede nicht nur Lippenbekenntnisse, ein durchsichtiges demokratisches Mäntelchen, daß sie in dem Moment ablegen würde, wenn sie an die Macht kommt?
Wenn eine Partei die Demokratie benutzt, an die Macht zu kommen, um dann die Demokratie abzuschaffen, da hört sich der Spaß auf.
Natürlich muß man auch die Gefahr von ‚oben‘ ernst nehmen. Da muß der goldene Mittelweg gefunden werden. Im übrigen bin ich sogar froh, daß man sich so schwer tut, die NPD zu verbieten. Man muß alle Gefahren der Demokratie ernst nehmen.
Ja, ich bin für Meinungsfreiheit. Aber ich bin gegen Volksverhetzung, wie sie auch die NPD betreibt. Das hat dazugeführt dazu, daß z. B. ein Herr aus Mosambik ermordet wurde, oder daß Asylantenheime angezündet wurden usw.
Auf Österreich wird das vielleicht ja auch zukommen. Die NPD hat ja angekündigt in Österreich Fuß zu fassen. (Nachdem man die NDP verboten hat)
Wenn ich an Deine anderen Artikel und Deinen
Erlebnissen/Erfahrungen (?) denke, so scheint mir dies sogar
nachvollziehbar, weil Du von einer besonderen Emotionalität
ergriffen bist. Dagegen lässt sich schwer argumentieren, mögen
diese Punkte auch noch so stichhaltig sein.
Das ist klar. Und wenn jemand unter dem Kommunismus zu leiden hatte, dann wird er/sie wahrscheinlich einen lebenslangen Feldzug gegen den Kommunismus führen, und seine/ihre Kinder wohl auch.
Im übrigen ist das, was in Österreich passierte, in meinen
Augen nichts anderes als jene Gefahr, die nicht von rechts,
sondern von oben kommt. Man hat es im Alpenland geschafft,
dass Rechtsdenkende wieder an die Macht kamen.
Ich hab nichts gegen ‚demokratisch-rechts‘, ich bezeichne mich ja selbst unter anderem als wertkonservativ (und sozialliberal). Wogegen ich etwas hatte, waren Aussprüche, die den NS verharmlosen. Ist von Riess Passer, Grasser & Co. nicht passiert, von Haider seit der Regierungsbildung auch nicht. Ganz vorsichtige Einschätzung: Die Partei hat sich gewandelt. Das wird von mir vorsichtig honoriert.
Du wirst es
sicherlich besser wissen als ich, aber das lag nicht daran,
dass man die Rechten ignoriert bzw. toleriert hatte, sondern
weil zuerst in den vergangenen Jahren ein Bewusstsein in der
Bevölkerung geschaffen wurde, das sie rechts resp. FPÖ wählen
liess. Das ist ein kleiner, aber feiner Gedankenunterschied.
Nicht ganz. Die FPÖ war ja vieles. Protestpartei, Partei für die ‚kleinen Leute‘, Partei für Indistruelle, Reformpartei, in vielem der SPÖ näher, als der ÖVP, sie war an einem Tag für mehr Demokratie und am nächsten Tag hat Haider die Beschäftigungspolitik in der NS-Zeit gutgeheißen. Vor jeder Wahl hat man ja versichert, wie demokratisch man ist. Viel demokratischer als die damaligen Regierungsparteien. Teile der Partei kritisieren die EU aufs schärfste, andere geben sich als Muster-EU-Partei. Da liegt der große Unterschied zu Parteien wie die NPD. Diese Partei schillert in allen Farben.
Auch „unsere“ Regierungen taten bisher alles, damit die
Rechten sich halten konnten, sei es durch die Asyl-Diskussion
oder das behäbige Handeln nach diversen rechten Anschlägen.
Rrrichtig
Ich glaube, wir drehen uns im Kreis. Wir können uns ja darauf einigen, daß man alle Gefahren der Demokratie ernst nehmen muß. Die von radikallinks oder –rechts und die von oben. Vielleicht ist für Dich die ‚von oben‘ im Moment gefährlicher, als die ‚von rechts‘.
Für mich ist es umgekehrt.
Wenns so ist, dann sind es nur mehr kleine Unterschiede, die aber zu unterschiedlichen Konsequenzen führen können.
Die Frage zu der wir jetzt kommen, wie können wir der einen Gefahr zuvorkommen, ohne die andere zu begünstigen?
Einfache Problemlösungen sehe ich keine.
Mein Vorschlag, ich denke nach, ab welchem Punkt für mich die Gefahr ‚von oben‘ zu viel wird, und Du denkst nach, ab welchem Punkt für Dich die Gefahr ‚von rechts‘ zu viel wird.
Servus
Herbert