An jeder kardiologischen Abteilung von Universitäten…
Hallo Rainer,
was die Kardiologen machen, weiß ich nicht.
Wenn ich aber einen Strom durch Gewebe fließen lasse und die sich einstellende Spannung messe oder umgekehrt eine Spannung anlege und den Strom messe, ist eine Aussage über den Körperwiderstand möglich. Ein induktiver oder nennenswerter Kapazitiver Anteil wird nicht dabei sein. So erhalte ich also den ohmschen Körperwiderstand. Dieser besteht aus einer Reihenschaltung von zwei Übergangswiderständen Elektrode-Haut und aus dem dazwischen liegenden ganzen Rest. Allein den Übergangswiderstand definiert zu halten und ihn nicht um ganze Zehnerpotenzen variieren zu lassen, ist schon in der unbelebten Natur ein Unterfangen mit erheblichem Aufwand. Bei der Haut mit ihrer Oberflächenstruktur ist schon der Anpressdruck einer Elektrode entscheidend. Hinzu kommen Einflüsse von Schweiß und Hornhaut etc… Selbst wenn man es schafft, etwa wie beim EEG entweder mit Nadelelektroden oder mit NaCl-Lösung benetzten Elektroden den Übergangswiderstand einigermaßen konstant zu halten, habe ich einen inhomogenen Probanden, wobei jeder Bestandteil eine keineswegs konstante Leitfähigkeit aufweist. So ist reines Wasser ein Nichtleiter. Verunreinigungen, z. B. Salze, können die Leitfähigkeit um viele Potenzen hochtreiben. Nun habe ich aber nicht nur Wasser, sondern alle möglichen anderen Bestandteile, deren Leitfähigkeit auch von vielfältigen Parametern abhängig ist. Hätte man es nur mit einem einzigen Stoff mit veränderlicher Leitfähigkeit zu tun und der Rest wäre konstant, wären Rückschlüsse möglich. Schon bei nur 2 gleichzeitig vorhandenen Stoffen mit veränderlicher Leitfähigkeit ist der Rückschluß unmöglich. Das alles hat absolut nichts mit Medizin zu tun. Es ist elementare E-Technik, wobei die hier anzustellenden grundsätzlichen Überlegungen auch in vielen anderen Gebieten auftauchen.
Man kann sich die Verhältnisse an folgendem Beispiel verdeutlichen: Lege mehrere Stück Schaumgummi unterschiedlicher Härte aufeinander und messe die Höhe des Schaumgummiturms. Jetzt übe senkrecht eine Kraft auf den Schaumgummiturm aus. Die Turmhöhe wird sich verkleinern. Wieder ist die Turmhöhe exakt meßbar. Mit dieser einen einzigen Messung kannst Du aber nicht sagen, um welchen Betrag sich jedes einzelne Schaumgummistück verkleinert hat. Um zu einer Aussage über einzelne Bestandteile dieser Reihenschaltung zu kommen, sind weitere Messungen erforderlich oder man braucht Angaben über die Härte jedes einzelnen Teils.
Genau so verhält es sich auch bei der Körperwiderstandsmessung. Aus verschiedenen, aber gleichzeitig gewonnenen Meßergebnissen, sowie aus Messungen, die andere physikalische Größen erfassen, lassen sich sicher Rückschlüsse ziehen. Insbesondere dann, wenn man über Erfahrungswerte verfügt.
Dieser Sachverhalt erlaubt aber unter keinen Umständen, ein Verfahren bis auf eine einzige Widerstandsmessung abzumagern, um dann daraus irgendeinen Schluß zu ziehen (siehe Schaumgummiturm). Richtig durchgeführt ist also nicht etwa die Körperwiderstandsmessung fragwürdig, sondern nur der Rückschluß aus dieser einzigen Messung ohne gleichzeitige Korrelation mit anderen Meßergebnissen.
Anmerkung: Mit „richtig durchgeführt“ meine ich die Ausschaltung des großen Unsicherheitsfaktors durch den Übergangswiderstand Elektrode/Haut. Der reine Körperwiderstand mit eingestochenen Nadelelektroden liegt im kOhm-Bereich von einer Hand zur anderen. Wenn man die schmerzhafte Prozedur nicht scheut, wird man feststellen, daß sich der Widerstand schon durch Zusammensetzung und Menge von Nahrung und Getränken verändert. Ferner stellt sich erwartungsgemäß heraus, daß die Meßwerte von Körpergröße und Länge der Extremitäten abhängig sind. Der Übergangswiderstand mit Flächenelektroden liegt je nach Hautbeschaffenheit, Größe der Meßfläche und Anpressdruck im Bereich von kOhm bis Größenordnung 100 kOhm - und zwar bei ein und demselben Probanden! Diese gewaltige Schwankungsbreite muß also durch das Meßverfahren ausgeschlossen werden, weil sie schon allein viel größer ist, als der „reine“ Körperwiderstand. Damit scheiden von vornherein alle Methoden aus, wo dem Probanden Elektroden in die Hand gedrückt werden oder wo er sich auf eine bestimmte Meßfläche stellen soll.
Gruß
Wolfgang