Servus Regina,
so gefällt mir die Diskussion schon besser 
was Du sagst, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Aber das
Beispiel mit den Restaurantbesuchen ist ein bisserl
unglücklich gewählt. Das muß ja nun nicht unbedingt sein …
nicht, daß ich mich selbst allzu wichtig nehme oder als
Beispiel herausstellen will: Aber in den ersten Jahren meiner
Berufstätigkeit konnte ich mir grundsätzlich von meinem
geringen Einkommen überhaupt keinen Restaurantbesuch leisten,
auch keinen Kinobesuch oder ähnliches. Trotzdem habe ich ganz
gut existiert - und damit sich jetzt keiner um mich Sorgen
machen muß: Beides könnte ich mir schon lange leisten - aber
es liegt mir nicht viel daran.
Das freut mich. Aber den eine Million Österreichern (und hochgerechnet wahrscheinlich ein ähnlicher Prozentsatz in Deutschland) geht es wahrscheinlich schlechter als es Dir anfangs gegangen ist.
Etwas zu den Sozialhilfeempfängern allgemein (weil jemand
gemeint hat, ich schere alle über einen Kamm oder so ähnlich):
Das sollte man natürlich nie tun, so etwas verallgemeinern
genau, und das ist mir ganz wichtig
(auch nicht mit anderen Gruppen), ABER: Man muß auch
differenzieren dürfen.
stimmt…
Wenn ich da in unserer Nachbarschaft sehe, wie eine Familie
mit sechs Kindern (jedes Jahr kommt eins dazu) in genau einem
solchen Haus lebt wie wir, und alles wird von der Sozialhilfe
finanziert, dann kommt man schon ins Nachdenken.
Oder ein anderer Fall, mir sehr genau bekannt: Eine
fünfköpfige Familie lebt von Sozialhilfe, aber die Wohnung ist
für die Finanzierung durch das Sozialhilfe ein wenig zu groß.
Damit man dem Umzug entgehen kann, bekommt man noch schnell
ein Kind - und schon paßt die Wohnungsgröße. Die Eltern sind
zwei junge, gesunde, arbeitsfähige Leute. Aber es ist halt
nicht notwendig, daß einer von denen arbeitet, weil die
staatliche Unterstützung einschließlich Kindergeld
mittlerweile genauso hoch ist, wie sie bei den vorliegenden
Verhältnissen mit Arbeitseinkommen wäre - und übrigens ganz
gut reicht.
Ich kann natürlich nur für Österreich schreiben, und hier kommt man mit der Sozialhilfe gerade so über die Runden.
Eine liebe Freundin von mir, 4 Kinder. Sie ist mit der Sozialhilfe nicht ausgekommen. Jetzt arbeitet sie sicher 50 Stunden am Tag. Wie sie die Belastung, gut 2 Kinder wohnen jetzt beim Vater, schafft ist mir ein Rätsel. Arbeiten - Kinder versorgen, Wohnung in Ordnung halten, und das Geld reicht gerade mal so…
Bei beiden Beispielen handelt es sich zufällig nur um
Deutsche, aber bei Ausländern lassen sich auch genug Beispiele
finden. Und da finde ich es noch ein bißchen schlimmer. Bitte
jetzt keine künstliche Empörung …
Ist mir ein bissi egal ob In- oder Ausländer. Wir wohnen beide in Ländern, die zu den reichsten der Welt gehören. Da sollte niemand unverschuldet in wirkliche Armmut reinrutschen. Natürlich sollten arbeitsfähige Menschen auch arbeiten - arbeiten können. Man kann ja schlecht von einem z. B. 50-jährigen verlangen, daß er arbeiten muß, wenn er sich redlich um Arbeit bemüht, und ihn dann keiner nimmt, was dann? -Armmut, vielleicht sogar Obdachlosigkeit…
Du hast natürlich recht, das Ausnützen des Staates (also uns) sollte man verhindern, aber wie ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten?
Eines ist klar. In unseren heutigen Industrienationen geraten immer mehr Menschen in unverschuldete Not, und das obwohl wir weiterhin (durchschnittlich) im Reichtum leben.
Ich glaube da sind alle Politiker aller Parteien gefragt. Man sollte sich auch fragen ob sogenannte Prestigeobjekte unbedingt nötich sind; bei uns in Österreich z. B. Semmering- und Wildschweintunnel, Militärhubschrauber usw.usf. (kein Anspruch auf Vollzähligkeit) in Deutschland gibt es sicher auch Beispiele…
Servus
Herbert
Gruß, Regina