Mir fehlt der richtige Fachmann

Mein Sohn ist fast 16. Er leidet unter der sogenannten LRS - früher hieß es Legasthenie. Nun, die Legasthenie ist ja offiziell abgeschafft… Scheinbar hat er aber ein weiteres Lernproblem - er erfasst Dinge anders als andere und sieht dann oft den Wald vor Bäumen nicht.
Er ist im Gymnasium - also kein wirkliches Problemkind. Als ich ihn vor etwa 1 Jahr zu einem Jugendpsychologen schleppte, damit der vielleicht helfen könnte und uns sagen könnte, wie unser Dominik leichter Dinge lernen und erfassen kann, erlebte ich eine enttäuschende Überraschung. Die ersten Intelligenztests waren gut, sein IQ liegt über dem Durchschnitt (Seine Schulnoten liegen in der Regel aber nur zwischen 3 und 4, gelegentlich schlechter). Weitere Tests und Gespräche wurden dann seitens des Instituts regelrecht abgeblockt. Mir wurde recht unverblümt deutlich gemacht, daß dieser Junge kein Problemfall sei - er werde nicht als dauerhafter Patient eingestuft, der regelmäßig die Kassen fülle.
Er war also zu uninteressant, obwohl ich bis dahin schon eine Menge Geld bezahlt hatte. Bedauerlich, aber unter solchen Voraussetzungen erwarte ich keine wirkliche Hilfe. Das stinkt mir zu sehr nach Profitgier.
Mittlerweile hat Dominik massive Probleme vor allem im Fach Deutsch und leidet sehr darunter. Sein Lehrer sagt, daß seine Arbeiten ungewöhnlich bzw. auffällig sind, aber er weiß keinen Rat. Dazu müsste ich Fachleute befragen. Aber wer kann mir jetzt mal wirklich helfen? Wo finde ich den sogenannten Fachmann? Ich habe schon etliche Male vergeblich versucht, mit professioneller Hilfe die Ursache für seine Probleme zu ergründen. Wie kann ich meinem Kind denn noch helfen?

Wie kann ich meinem Kind denn noch helfen?

Lass ihn einfach in Ruhe!

Gruß, Nemo.

Wer braucht Hilfe?
…du solltest dich ernsthaft fragen wer die Hilfe braucht!

nashorn

Hallo
Man findet hier und da scheinbar geeigneten Nachhilfeunterricht.
Kannst ja mal fragen, ob der Junge das möchte.
Die kennen sich gut aus mit Sachen wie Lernfreude und Motivation usw…
(Sollte so sein)
Bloß nicht zum Mediziner schleppen, wenn es nichts ernstes ist.
MfG

Hallo!

Die ersten
Intelligenztests waren gut, sein IQ liegt über dem
Durchschnitt (Seine Schulnoten liegen in der Regel aber nur
zwischen 3 und 4, gelegentlich schlechter).

Dann werde ich mal etwas enttäuschend sein:

Die Intelligenz im klassischen Test ist nach einer Normalverteilungsannahme eingeteilt, d.h. rund 68% liegen im Normalbereich, jeils ca. 16% liegen drüber und 16% drunter.

Jetzt ist es wahrscheinlich nicht so, dass unser Schulsystem die oberen 16% bedienen möchte - es ist eher geeignet für die breiten 68%. Unter der Prämisse, dass ein Pädagoge höchstselbst einen hohen Level an Intelligenz haben muss um z.B. die Qualität eines überdurchschnittlichen Beitrags erkennen zu können ist es wahrscheinlich eher so, dass dies nicht möglich scheint.

I.d.R. gibt es zwischen Schulnote und Abiturnote keinerlei Zusammenhang, d.h. was die Schulnote misst ist sicherlich was, aber nichts was mit dem Konstrukt „Intelligenz“ zu tun hat. Der „Bochumer-Matrizen-Test Advanced“ (für Intelligenzmessung in einem besonders hohen Bereich geeignet) korreliert sogar negativ mit der Abiturnote (r= -0,38; Quelle: Hegrefe; http://www.testzentrale.de/?mod=detail&id=677).

Meiner Meinung nach entbehrt die Idee: „Das Kind ist überdurchschnittlich intelligent, also muss es gute Schulnoten haben“ einer soliden Grundlage.

Lieben Gruß
Patrick

hi,

du hast schon gute leute beauftragt und ich finde es richtig, LRS-kinder nicht dauerhaft als patienten zu sehen und nach einer ausführlichen testung und beratung irgendwann das lernen und leben so weiterlaufen zu lassen.

LRS ist weder heilbar noch durch therapie ganz zu beseitigen, man muss durch eine ernorme disziplin- und fleissleistung das kompensieren, was einem sehr schwer fällt, OBWOHL der intelligenzquotient gut oder gar etwas besser als gut ist.

in einer familie kommt es im schulalltag darauf an, das kind intensiv in der fleissleistung zu unterstützen und zu loben und zu belohnen. auch kompensatorische fähigkeiten (individuelle stärken) sollten vorrangig möglich gemacht werden. in einem gespräch mit dem lehrer (schade, dass der nix von LRS versteht, sollte er aber, wenn nicht dann nachlesen, tja…) muss klar gemacht werden, dass eher die fleissleistung, also das bemühen, als die ergebnisleistung benotet werden muss. dazu legt man die testergebnisse und die diagnose vor.

wenn das (und das kann aus vielen gründen passieren) die schule nicht ausreichend berücksichtigt, dann solltest du in deutsch und/ oder allen anderen schwierigen fächern, die auf LRS zurückgehen, alle leistungen oberhalb von mangelhaft intensiv loben und belohnen.

es kommt allein darauf, an, irgendein abitur zu schaffen, egal was für eins. mit einem 4,3er durchschnitt würde er hervorragende startbedingungen im berufsleben haben, solange ein selbstwertknick nicht durch enttäuschte eltern mitbedingt ist, die einen immer besser-therapieren wollten und nie zufrieden waren.

schwäche akzeptieren, mit ihr leben, offen damit umgehen und damit wege suchen.

ist völlig aus der mode gekommen.

Hallo,

ob die „Legasthenie“ abgeschafft ist oder nicht, spielt vielleicht für Deinen Sohn keine Rolle (mehr)? Er ist 16 Jahre alt, d.h. er müsste sich bereits in einer fortgeschrittenen Klassenstufe befinden.
Das hat er - trotz Legasthenie - erreicht, was für seine Intelligenz spricht.

Wie wichtig ist es Deinem Sohn, ein „Überflieger“ zu sein?
Leidet er darunter, ein durchschnittlicher Schüler des Gymnasiums zu sein? Findet er es erniedrigend, keine sehr guten oder guten Noten zu erhalten? Schränkt es sein Selbstwertgefühl sein?
Was sagt er dazu?

Was genau meinst du damit, er erfasse Dinge anders als andere?
Was ist genau das Ungewöhnliche an den Arbeiten Deines Sohnes?
Und was veranlasst Dich, dieses Anderssein in seiner Wahrnehmung als ein Lernproblem zu bezeichnen?
Denkt Dein Sohn auch, das er eine Wahrnehmungsstörung hat, durch die er im Lernen beeinträchtigt wird???
Wir sprechen hier über Gymnasialniveau!!! Und Du meinst, er habe eine Lernbeeinträchtigung, er sei wahrnehmungsgestört… wie findet Dein Sohn es, dass Du ihn möglicherweise pathologisierst? Dass Du von ihm meinst, er müsse zu einem Spazialisten?

Vielleicht muss er auch nur zur Realschule gehen, sich den ganzen Krampf ersparen, locker zu guten Noten gelangen, sich seines Lebens erfreuen und später - wenn ER will - sein Abi machen?

Was denkt und was will Dein - nahezu erwachsener - Sohn?

Gruß - iceage

Hallo Petra,

es gibt den Landesverband für Legasthenie für Nordrhein-Westfalen, und ich glaube auch in Deiner Stadt gibt es dazu eine Ansprechpartnerin. Schau dir mal die Website an, da müßte eine Adresse bzw. Telefonnummer für Dich dabei sein. Dort würde ich nach einem Fachmann/-frau fragen:
http://www.lvl-nrw.org/content/ansprechpartner/ortsv…
Einige Ergotherapeutische Praxen befassen sich auch mit dem konkreten Problem wie Legasthenie. Eventuell kann der Hausarzt oder Jugendpsychiater für Deinen Sohn eine Überweisung ausstellen, wenn Du die geeignete Praxis gefunden hast.
Ich finde es gut, dass Du bei Deinem Sohn so aufmerksam reagierst, und es nicht mit einem „das wächst sich schon aus“ abtust. Wer mit solchen schulischen Einschränkungen zu kämpfen hat, leidet irgendwann auch noch an einem beträchtlichen Mangel an Selbstwertgefühl, und ist sich oft auch dann noch in jener Leistungsfähigkeit unsicher, die er eigentlich mit Links schaffen müßte. Es muss ja bei Deinem Sohn keine vieljährige Therapie sein, eventuell reichen ihm die 10 Stunden Unterweisung samt paar Tricks, und er schafft es selbst in der Prüfungssituation sein Bestmöglichstes heraus zu holen.

Euch alles Gute
und viele Grüße
Maelle

Sein Lehrer sagt, daß seine
Arbeiten ungewöhnlich bzw. auffällig sind, aber er weiß keinen
Rat. Dazu müsste ich Fachleute befragen.

Was genau ist an seinen Arbeiten ungewöhnlich bzw. auffällig? Was für einen Fachmann meint der Lehrer?

Es kann sinnvoll sein, eine Klasse zu wiederholen oder in die Realschule zu gehen. Vielleicht aber auch was ganz anderes … Lass mal mehr lesen. Dann schreibe ich auch mehr.
LG
Stefan

Warum soweit springen
Moin,

auch mit normaler Intelligenz ist glaube ich nachvollziehbar, dass ein Besuch eines Gymnasiums die hohe Wahrscheinlichkeit einer überdurchschnittlichen Intelligenz mit sich bringt. Und zwar für alle, die dort sind.

Durchschnitt = 100, d.h. ~50% eines Jahrgangs darüber, 50% darunter. Da aber nur ca. 30%-40% eines Jahrgangs das Gymnasium besuchen …

Da muss ich also keinen dubiosen 260€ BOMAT irgendwas-Test als „Beweis“ anführen, dass jemand trotz überduchschnittlichem IQ bestenfalls mittelmäßig im Gymnasium sein kann, Korrelation hin oder her.

Grüße
Jürgen

PS: Damit es nicht völlig ot ist: Ich war grottenschlecht in deutsch und habe trotzdem mein Abitur weit überdurchschnittlich gemacht. Ich sehe da ebenfalls nichts beunruhigendes.

Guten Tag,

Mein Sohn ist fast 16. Er leidet unter der sogenannten
LRS -
Scheinbar hat er aber ein weiteres
Lernproblem - er erfasst Dinge anders als andere und sieht
dann oft den Wald vor Bäumen nicht.

Ich kenne diese Problem leider aus dem Bekanntenkreis, aber mittlerweile bekomme derjenige eine Ergotherapie die gut anschlägt. Ich empfehle dir einen Hawlik Test machen zu lassen ,in dem auch die Verarbeitungsgeschwidigkeit gecheckt wird. Der Hawlik Test unterscheidet zwischen verschiedenen Intelligenzen. Frag am besten den Kinderarzt.

Die ersten
Intelligenztests waren gut, sein IQ liegt über dem
Durchschnitt (Seine Schulnoten liegen in der Regel aber nur
zwischen 3 und 4, gelegentlich schlechter).

Probleme in Deutsch hatte derjenige auch ,obwohl der Hawlik Test andere Sachen zu Tage förderte. Aber da spielt die Verarbeitungsgeschwindigkeit eine Rolle…

Mittlerweile hat Dominik massive Probleme vor allem im Fach
Deutsch und leidet sehr darunter. Sein Lehrer sagt, daß
seine
Arbeiten ungewöhnlich bzw. auffällig sind, aber er weiß
keinen
Rat. Dazu müsste ich Fachleute befragen. Aber wer kann mir
jetzt mal wirklich helfen? Wo finde ich den sogenannten
Fachmann?

Dr. Bleck
Kölner Str. 23
41363 Jüchen

Ich hoffe ,ich konnte dir ein wenig helfen.

Schon mal an soziale Probleme gedacht? Und des weiteren: Ein Mensch (was Dein Kind ja wohl auch ist) ist nicht immer in allen Sachen der Obertyp! Jeder hat Schwächen. Nimm Dir Zeit, rede mit Deinem Sohn? und frag ihn mal was denn so los ist in der Deutsch-Stunde, mit welchen Typen er da im Klassenzimmer sitzt, vielleicht nerven ihn da einige in der D-Stunde…„dizzen“ ihn, REDE mit deinem Nachwuchs. Und mach aus ihm nicht das was DU eigentlich sein willst. Tut mir leid, es sind harte Worte - so wie Du über ihn geschrieben hast, könnte man meinen Du berichtest über eine Leistungsmilchkuh…Vielleicht schätze ich es (Dich) auch falsch ein. Aber Menschen haben immer ihr Metier. Versage es ihnen nicht. Sonst werden sie nur schlecht. Wenn sie alles machen müssen. Wenn er das macht was er kann, und will, wird er unantastbar…überleg Dir das. Jeder hat eine Gabe.
Mit Gruß.

Moin Moin,

auch mit normaler Intelligenz ist glaube ich nachvollziehbar,
dass ein Besuch eines Gymnasiums die hohe Wahrscheinlichkeit
einer überdurchschnittlichen Intelligenz mit sich bringt. Und
zwar für alle, die dort sind.

Tut mir leid, aber das ist falsch.

Durchschnitt = 100, d.h. ~50% eines Jahrgangs darüber, 50%
darunter. Da aber nur ca. 30%-40% eines Jahrgangs das
Gymnasium besuchen …

Überdurchschnittlich intelligent sind per Definition nur ca. 16% der Menschen, nicht 50%.

Da muss ich also keinen dubiosen 260€ BOMAT irgendwas-Test als
„Beweis“ anführen, dass jemand trotz überduchschnittlichem IQ
bestenfalls mittelmäßig im Gymnasium sein kann, Korrelation
hin oder her.

Das ist realtiv lachhaft. Dubios ist der Test nicht, er ist nach wissenschaftlichen Kriterien von studierten Fachleuten entwickelt. Das dazu mehr gehört als gesunder Menschenverstand zeigt die Annahme, dass in diesem Zusammenhang mehr als 50% überdurchschnittlich ist…

PS: Damit es nicht völlig ot ist: Ich war grottenschlecht in
deutsch und habe trotzdem mein Abitur weit
überdurchschnittlich gemacht. Ich sehe da ebenfalls nichts
beunruhigendes.

Es ist auch so nicht o.t. - nur weil Du den Zusammenhang nicht siehst. Ich wollte mitteilen (weil das Ausgangsposting das nahelegt), dass Intelligenz i.d.R. nicht zu einer erhöhten Schulnote führt. Für die Ausgangsposterin schien hier ein Widerspruch zu bestehen.

In Deinem Fall (die überdurchschnittliche Note im Abi) bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit, in einem „dubiosen“ Test gut abzuschneiden, leider gesunken ist.

Lieben Gruß
Patrick

Deine Hilfen in Ehren, jedoch geht es hier nicht um ein Grundschulkind. In Gymnasialklausuren des Faches Deutsch werden nicht mehr (allein) die Rechtschreibleistungen bewertet!

Ergotherapie für einen Jugendlichen, der fast 16 ist? Was soll da denn (noch) therapiert werden?

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Hallo und danke für deine Tipps.
Leider ist es nicht einfach, ein so komplexes Thema in wenige Worte zu fassen - so beschränkt man sich natürlich auf die wesentlichen Dinge. Vermutlich kommt es allein deshalb zu Mißverständnissen. Möglicherweise habe ich manches auch einfach irreführend formuliert. Danke dennoch für jede Antwort und jeden Hinweis. Alles kann ja hilfreich sein.

Schon mal an soziale Probleme gedacht? Ja, natürlich.

Und des weiteren: Ein

Mensch (was Dein Kind ja wohl auch ist) ist nicht immer in
allen Sachen der Obertyp! Jeder hat Schwächen.Richtig, die dürfen meine Kinder auch haben. Keiner bekommt je einen Vorwurf, wenn er mal versagt.

Nimm Dir Zeit,

rede mit Deinem Sohn? Wir reden über Probleme, wenn die Kids es mögen oder danach fragen. Ich habe das nur geschrieben, weil mein Sohn verzweifelt ist über eine 6 in Deutsch, obwohl er ein gutes Gefühl hatte bei der Arbeit. Er hat ja dafür gearbeitet. Hat sicher auch mit dem Lehrer zu tun. Gerade Deutsch ist Interpretationssache. Aber auch bei anderen D-Lehrern hatte er Probleme…

und frag ihn mal was denn so los ist in

der Deutsch-Stunde, mit welchen Typen er da im Klassenzimmer
sitzt, vielleicht nerven ihn da einige in der
D-Stunde…„dizzen“ ihn, REDE mit deinem Nachwuchs. Tue ich!

Und mach

aus ihm nicht das was DU eigentlich sein willst. Ganz sicher nicht. Ich kenne das Problem zu gut aus anderen Familien und von meinen eigenen Eltern. Habe mir geschworen, daß ich meinen Kids nie reinreden würde und tue es auch nicht.

Tut mir leid,

es sind harte Worte - so wie Du über ihn geschrieben hast,
könnte man meinen Du berichtest über eine
Leistungsmilchkuh… Deine Gedanken sind ja durchaus berechtigt, aber gottseidank ist das nicht so. Ich bin einfach etwas überrascht, daß ein Kind mit einem recht guten IQ „nur“ diese Noten hat. Bin mir aber auch der Problematik unseres Schlsystems (Keine Ahnung im Umgang mit außergewöhnlich veranlagten Kindern) durch aus bewußt. Leider können wir das nicht revolutionieren.

Vielleicht schätze ich es (Dich) auch

falsch ein. Aber Menschen haben immer ihr Metier. Versage es
ihnen nicht. Tue ich nicht. Ich möchte ihm aber helfen, daß er mit seiner Eigenleistung in der Lage ist, in diesem Schulsystem zu bestehen, denn der Wunsch nach schulischer Anerkennung im Sinne von akzeptablen Noten kommt von ihm.

Sonst werden sie nur schlecht. Wenn sie alles

machen müssen. Wenn er das macht was er kann, und will, wird
er unantastbar…überleg Dir das. Jeder hat eine Gabe.
Mit Gruß.

Danke für deine Antwort.

In welcher Weise ‚anders als andere‘?
Hallo Petra,

… Scheinbar hat er aber ein weiteres Lernproblem - er erfasst Dinge anders als andere und sieht dann oft den Wald vor Bäumen nicht. […]
Sein Lehrer sagt, daß seine Arbeiten ungewöhnlich bzw. auffällig sind, aber er weiß keinen Rat.

kannst Du das genauer erläutern / beschreiben? Wie erfasst er Dinge anders, was bedeutet „anders“ in diesem Zusammenhang? Und was meint der Deutschlehrer mit „ungewöhnlich“? Die Art der Beschreibung? Die Wahl der verwendeten Begriffe? Oder etwas anderes?

Hier könnte der Schlüssel zum Problem liegen, damit wird vielleicht auch die Benennung des richtigen Fachmanns einfacher. Deshalb meine Bitte um eingehendere Beschreibung der genannten Problematik.

Danke + Grüße
Diana

Hallo Stefan,
ich will versuchen, die Auffälligkeit kurz zu erklären. Wenn Wissen abgefragt wird (z.B. Multiple-Choice), kommt es vor, daß bei verschiedenen Fragen die gleiche Antwort stehen muss. Im konkreten Fall ging es um Gedichte bzw. Gedichtsausschnitte, in denen verschiedene Reimschemen, Versformen etc. erkannt werden sollten. Im ersten Fall ist die Antwort richtig und richtig eingetragen. Wenige Absätze später handelt es sich um die gleiche Versform. Er hat gezeigt, daß er die richtige Antwort weiß, beantwortet aber trotzdem nur einen Teil der Fragen. Die fehlende Antwort ist eine große sichtbare Lücke - es kann kein Unwissen sein. Wie kommt es, daß er diese Lücke läßt? (Punkteverlust in der Arbeit)
Anapher und Alliteration werden richtig definiert und mit richtigen Beispielen versehen. Weiter unten aber sucht er zur Alliteration eine Anapher und eine Alliteration heraus? Falsche Antwort (Punkteverlust…)
Neben den üblichen Rechtschreibfehlern gibt es in einer Klassenarbeit (Thema: Analyse) ein typisches Problem: die einfachen Dinge werden nicht erwähnt - nicht erkannt? Statt dessen winden sich komplizierteste Gedankengänge um ein nicht allzu bedeutendes Detail, das zwar eine Rolle spielt, aber nicht Kern der Arbeit ist. (Zitat Lehrer: Man hat den Eindruck, hier steht der Schüler vor einem riesigen Baum und ist nicht mehr in der Lage den Wald zu erkennen - also das tatsächliche Problem im Text aufzuspüren und zu definieren).
Dies sind nur wenige Beispiele, die dir vielleicht einen Eindruck geben. Der Lehrer sagt, daß er so etwas (so ausgeprägt) noch bei keinem Schüler erlebt hat.
Eins noch: die Beiträge im Unterricht sind manchmal ähnlich gelagert. Wird aber dann über das Detail gesprochen und der Unterricht fortgeführt, läßt unser Junge seinen Gedanken trotzdem nicht los und beißt sich derart daran fest, daß ihn nichts und niemand von seiner Idee abbringen kann. Er blockiert sich sozusagen selbst und nimmt auch keine Anregung oder Alternativen an. Ich denke, es kann schon Sturheit sein, aber vielleicht auch einfach eine echte Unfähigkeit, Dinge so wahrzunehmen, wie die anderen. So kamen wir darauf, daß er anders wahrnimmt als wir und auch anders lernt.

Übrigens war unser Sohn ursprünglich auch für die Realschule angemeldet. Er selbst wollte aufs Gymnasium, musste sich dort einem Gespräch mit dem Direktor unterziehen und war fest entschlossen, diesen Weg zu gehen. In den ersten Jahren war er sogar besser als in der Grundschule und fühlte sich sehr wohl auf dem G. Das lag zum einen an seiner Motivation, zum anderen an dem angenehmen Umfeld. Er hatte in der Grundschule etwas Pech mit einer Lehrerin, die schon zwei Jahre beurlaubt war wegen einer psychologischen Behandlung! Viele fanden es unfassbar, daß diese Frau wieder auf Kinder losgelassen wurde. Sie hatte die Klasse auch nie richtig „im Griff“ - keinen echten Überblick.
Auch heute noch fühlt Dominik sich (eigentlich) wohl auf dem Gymnasium.
Meine Idee war es aber, mit Hilfe eines „Fachmannes“ heraus zu finden, wie er lernt bzw. wahrnimmt. Wenn wir das wissen, können wir seine Stärken besser nutzen und ihm eben das Lernen deutlich erleichtern. Er könnte individuelle Lernhilfen nutzen, die auf ihn zugeschnitten sind…
Vielen Dank, daß du dir die Zeit nimmst. Bin gespannt auf deine Antwort.
Lieben Gruß
Petra

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Maelle,
danke für deinen Hinweis. Vielleicht findet sich auf diesem Weg auch eine echte Hilfe.
Leider muss ich „iceage“ recht geben. Wir haben LRS-hilfen in der Grundschule durchgemacht und der Jugendpsychiater oder Jugendpsychologe, wie ich ihn (fälschlicherweise?) genannt habe, hat ihn ja auch schon angesehen. Fazit war wie gesagt: Der Junge packt das. Dieser Fall ist einfach nicht schlimm genug.
Daß da ein Mensch mit Ehrgeiz, Zielen, Versagensängsten und Gefühlen steht, der ein echtes Lernproblem hat, interessiert leider nicht unbedingt die Fachleute.
Hart formuliert ist es so, daß man eine verkorkste, gestörte Existenz hinnimmt, solange er nicht zum Außenseiter (Verbrecher o.ä.) tendiert und sich irgendwie durchs Leben schlängeln kann. Interessant sind für diese Leute nur solche Kinder, die sowieso höchstens Hilfsarbeiter werden können wegen irgendwelcher Defizite, denn diese armen Menschen können sich auch nicht gegen irgendwelche Therapien oder Behandlungen wehren und lassen alles über sich ergehen.
Das hört sich sehr gemein an, aber tendenziell habe ich diesen Eindruck leider tatsächlich bekommen.

Ich finde es gut, dass Du bei Deinem Sohn so aufmerksam
reagierst, und es nicht mit einem „das wächst sich schon aus“
abtust. Wer mit solchen schulischen Einschränkungen zu kämpfen
hat, leidet irgendwann auch noch an einem beträchtlichen
Mangel an Selbstwertgefühl, und ist sich oft auch dann noch in
jener Leistungsfähigkeit unsicher, die er eigentlich mit Links
schaffen müßte. - Danke, das seh ich genauso!

Es muss ja bei Deinem Sohn keine vieljährige

Therapie sein, eventuell reichen ihm die 10 Stunden
Unterweisung samt paar Tricks, und er schafft es selbst in der
Prüfungssituation sein Bestmöglichstes heraus zu holen.

Danke - deshalb werde ich auch deinen tipp beherzigen und hoffe, daß wir ihm doch noch etwas helfen können.
Lieben Gruß
Petra

Hallo Iceage,
da ich die Mails von oben nach unten gelesen habe, habe ich schon eine ausführlichere Antwort auf deine Fragen gegeben. (An Stefan) - da stehen einige Dinge drin, die du hier auch abfragst.
Ich wäre dir dankbar, wenn du dir das auch mal ansiehst.

Das hat er - trotz Legasthenie - erreicht, was für seine
Intelligenz spricht.

Dominik ist jetzt in der 10 und steht vor der zentralen Prüfung. Ich sehe das wie du - es ist enorm, daß er es trotz seiner Schwierigkeiten so weit gebracht hat.

Wie wichtig ist es Deinem Sohn, ein „Überflieger“ zu sein?
Leidet er darunter, ein durchschnittlicher Schüler des
Gymnasiums zu sein?

Er möchte kein Überflieger sein. Es reicht ihm, einigermaßen zufriedenstellende Ergebnisse zu haben. Trotzdem scheint sein Ehrgeiz enorm zu sein, was aber nicht mit der Schule zu tun hat.

Findet er es erniedrigend, keine sehr

guten oder guten Noten zu erhalten? Schränkt es sein
Selbstwertgefühl sein?
Was sagt er dazu?

Ich glaube, daß er leider den meisten Ehrgeiz darauf verwendet, von seinem 11 Monate älteren Bruder anerkannt zu werden. DER ist tatsächlich ein schulischer Überflieger, der schon eine Klasse übersprungen hat und immernoch ohne einen Fingerschnipp zu tun beste Leistungen bringt. Dominik möchte seinem Bruder in nichts nachstehen, obwohl ihn keiner dazu treibt. Die beiden haben von Anfang an im Wettbewerb gestanden - keiner hat dem anderen etwas „gegönnt“. Wollte einer Trompete lernen, wollte der andere das auch. Will einer zum Sport, geht der andere mit…

Was genau meinst du damit, er erfasse Dinge anders als andere?
Was ist genau das Ungewöhnliche an den Arbeiten Deines Sohnes?
Und was veranlasst Dich, dieses Anderssein in seiner
Wahrnehmung als ein Lernproblem zu bezeichnen?

(s. Antwort an Stefan)

Denkt Dein Sohn auch, das er eine Wahrnehmungsstörung hat,
durch die er im Lernen beeinträchtigt wird???

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Allerdings hat er bisher unsere Versuche, ihm bei diesen Problemen zu helfen, gerne angenommen.

Wir sprechen hier über Gymnasialniveau!!! Und Du meinst, er
habe eine Lernbeeinträchtigung, er sei wahrnehmungsgestört…
wie findet Dein Sohn es, dass Du ihn möglicherweise
pathologisierst? Dass Du von ihm meinst, er müsse zu einem
Spazialisten?

Wir sprechen nicht von einer Krankheit. Es geht darum, daß er in manchen Dingen nicht weiter kommt und sich scheinbar auch selbst eingeschränkt fühlt.

Vielleicht muss er auch nur zur Realschule gehen, sich den
ganzen Krampf ersparen, locker zu guten Noten gelangen, sich
seines Lebens erfreuen und später - wenn ER will - sein Abi
machen?

Was denkt und was will Dein - nahezu erwachsener - Sohn?

Danke für die vielen guten Anregungen. Hier handelt es sich aber nicht um eine Übermutter, die ihrem Sohn zu viel abverlangt. Im Gegenteil. ER will - ER wollte aufs Gymnasium. Seine Probleme beschränken sich auf den sprachlichen Bereich (Deutsch in erster Linie, aber auch natürlich in den Fremdsprachen). In Mathe und Informatik hat er keine Probleme.
Bin sehr gespannt auf deine Antwort.
Lieben Gruß
Petra

Hallo Patrick
deine Meinung teile ich durchaus. Dennoch fällt auf, daß es hochintelligente Menschen gibt, die dennoch in der Lage sind, auch die gefragten Dinge in der Schule mit Leichtigkeit zu liefern und den Anforderungen der Lehrer zu entsprechen.
Das trifft nicht immer zu. Oft entspricht die gemessene hohe Intelligenz einer gewissen einseitigen Begabung, die eine Schwäche kompensiert bzw. kompensieren soll.
Diese Rechnung geht meist auf, d.h. die Betroffenen können ein ganz gutes und annehmbares Leben führen.
Ich denke und hoffe, daß es auch in diesem Fall so kommen wird. Wenn man allerdings bestimmte Schwächen erkennt und beobachtet, daß diese Schwächen einem Kind sehr zu schaffen machen, dann möchte man als Eltern halt versuchen zu helfen, ohne dabei Selbständigkeit, gute Eigenschaften oder Fähigkeiten, Kompetenz in anderen Lebensbereichen usw. in Frage zu stellen.

Meiner Meinung nach entbehrt die Idee: „Das Kind ist
überdurchschnittlich intelligent, also muss es gute Schulnoten
haben“ einer soliden Grundlage.

Stimmt. Hier geht es aber auch nicht um gute Noten, sondern um den Schock, den eine 6 auslöst, wenn ein Schüler vorbereitet in eine Klassenarbeit geht und ein gutes Gefühl für seine geschriebene Leistung mit nach Hause bringt. Das ist doch etwas krass, oder?

Lieben Gruß zurück
Petra