Mit Schmerz und Scham

Hallo Son-ja,

ich denke, viel zu viele Eltern suchen die Fehler bei sich, was eigentlich nicht gerechtfertigt ist (wenn man jetzt mal grobe Erziehungsfehler wie Misshandlungen etc. ausklammert) Jeder macht Fehler in der Erziehung. Eine perfekte Erziehung gibt es einfach nicht. Und wer denkt, er sei perfekt gewesen, hört sicherlich den Vorwurf des Nachwuchses, dass die Perfektion das Fatale war.

Wenn ein Kind nun zum Leistungsverweigerer wird, führt das eine an zu behütet gewesen zu sein, Materielles statt Liebe bekommen zu haben und das führt dazu. Das andere benennt genau das Gegenteil.

Eltern haben es wirklich nicht leicht. Die meisten Eltern wollen ja wirklich nur das Beste für den Nachwuchs und handeln so. Und manchmal kommt einfach nix dabei raus. Klar, dann sind immer die Eltern schuld. Diese Schuld lässt sich dann auch immer fest machen.

Ich habe ein Eltern-Paar mit 2 Kindern im Umfeld. Das eine Kind ist „wohlgeraten“ das andere eher ein „leistungsverweigerer“. Beides in einer Familie, mit gleichen Erziehungshintergrund und gleichem Verwöhngrad.

Ein Trost… je nach dem, wie alt der Jugendliche nun ist… manchmal ist es einfach eine Phase, die zum Erwachsenwerden gehört.

Es ist erstaunlich, wie vorsichtig sie sich öffnen

Das stimmt. Entweder halten sich die Eltern bedeckt, oder sie sagen erst was, wenn es unvermeidbare, offensichtliche Skandale gibt. Tja, und dann heißt es gerne… „bei der Erziehung konnte es ja nicht anders kommen“. Manchmal stimmt es halt auch.

… ich weiß, das betrifft nicht jeden … z.B.
Sozialpädagogen einreden, ihr
Kind habe eine schreckliche Kindheit gehabt. Diese Eltern
wissen, dass das so
nicht stimmt, sie quälen sich schweigend ohne Ende.

Ja, solche Fälle kenne ich auch. Im Prinzip weiß ich, die Eltern haben sich immer um ihre Kinder gesorgt (in einem normalen, üblichen Rahmen) Man kann einfach nicht immer verhindern, dass „schlechter“ Einfluss von außen kommt.

Wie viele von diesen Eltern mag es geben, in diesem, unserem
Lande?

Viele, verdammt viele. Ich kenne selber ja erschreckend viele. Aber es ist nicht immer die Schuld der Eltern. Man muss auch mal sagen können, „ich habe mein möglichstes getan. Ich habe alles, was ich in der Situation leisten konnte, geleistet, und ich bin nicht Schuld“ Eltern sind nicht an allem schuld. Aber ich kenne auch Eltern, deren Kinder sich abgewandt haben, weil sie an allem Schuld sind, und man kann es nicht verstehen.

Du darfst dich nicht mit falschen Schuldgefühlen belasten.

Grüße

Sarah

Familienhandbuch
Hallo Sonja

immer wieder bin ich bestürzt darüber, wie sich viele
Jugendliche weigern ein
eigenständiges Leben zu beginnen. Und kann den Schmerz und die
Scham der Eltern
verstehen, da auch wir betroffen sind.

Ich habe (da ich im Jugendamt arbeite) häufig mit Jugendlichen und
Eltern die Du beschreibst zu tun. Bei den Fällen die bei uns landen
ist es ungefähr so: Bei einem Drittel liegt eindeutig das Problem bei
den Eltern, bei einem weiteren Drittel zumindest zu einem Anteil und
bei einem weiteren Drittel bin ich auch ratlos wie sich das Kind so
entwickeln konnte (wobei von diesem Drittel wahrscheinlich nicht so
viele Fälle beim Jugendamt landen, weil diese Eltern mehr Kompetenzen
und Geld haben sich auch anderswo Hilfe zu holen)

Wenn ich in meine Kindheit schaue, so lassen sich dort garantiert
Dinge finden, die anzuführen wären, wenn ich auf Abwege geraten wäre.
Andererseits habe ich insgesamt gesehen eine sehr schöne Kindheit
gehabt und bin meinen Eltern sehr dankbar dafür.

Es ist erstaunlich, wie vorsichtig sie sich öffnen und dann
glücklich über ein
offenes Gespräch sind, bei dem sie sehen können, sie sind
nicht die Einzigen. Und
ohne Angst sagen können, wie sie sich fühlen.

Dabei kann es ja gerade hilfreich sein es allen Verwandten, Bekannten
und Freunden zu sagen und das Problem öffentlich zu machen. Dies
erhöht wirksam den Druck auf den eigenen Sohn bzw. die Tochter sich
zuändern

Ich habe mal irgendwo von einer Studie gelesen, wonach es statistisch
gesehen das Beste ist in das richtige Stadtviertel zu ziehen um so
etwas zu verhindern…Tja die Gesellschaft hat eben auch noch einen
riesigen Einfluss

Zu dem Thema „Verwöhnen“ gibt es übrigens einen interessanten Artikel
im Familienhandbuch
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_E…

Ich habe selbst zwei, noch sehr kleine Kinder, und leider werde ich
diese aufgrund meiner Berufserfahrung wohl in ihrer Teeniezeit nicht
ganz so sorglos erziehen können wie meine Eltern. Wenn ich mir
überlege, was ich damals alles durfte und was hätte schiefgehen
können…

Ein Trost: Statistisch gesehen kommen die meisten dieser Jugendlichen
wenn sie älter werden dann doch noch früher oder später auf einen
guten Weg. Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe, dass es Dir mit
deinem Kind so ergeht.

Antje

symbiotische Beziehung im Sumpf
Hallo Sonja,

vermutlich haben die Eltern wirklich versagt. Doch möchte ich das auch ganz schnell relativieren, weil mir diese mittlerweile liebgewonnene pauschale Schuldzuweisung gegen „die“ Eltern, wenn ihre Ableger sich nicht vorhersehbar verhalten, sehr zuwider ist.
Wenn Kinder nicht ausziehen wollen, dann steckt nicht selten eine symbiotische Beziehung zwischen Kind und Eltern dahinter. Ich glaube nämlich, dass nicht alle Eltern von Nesthockern sich wirklich den Auszug ihres Sprößlings wünschen, so dass ich bei „Scham der Eltern“ Skepsis empfinde.
Und wenn dann auch noch Jugendliche Drogen und Alkohol konsumieren, nach den Kicks in ihrem Leben suchen, und ihre alten Herrschaften drangsalieren und nerven, dann entsteht in mir das Bild von einem körperwarmen Sumpf aus elterlicher Zuwendung, in dem die Kinder mit viel Verzweiflung und Selbstzweifel stecken. Da hat es wahrscheinlich niemals einen Zeitpunkt gegeben, an dem das Kind immer mehr Eigenverantwortung übernommen hat (keinen eigenen Boden unter den Füßen). Es gab also keinen Abnabelungsprozess seitens der Eltern. Und solange es ein Bett gibt, in dem man seinen Rausch ausschlafen kann, nach dem Aufstehen steht der warm gehaltene Tee bereit mit dem Taschengeld unter der Untertasse und dem Entschuldigungsschreiben für die Lehrstelle oder Schule daneben, dann macht die zur Schau gestellte Enttäuschung ausgesprochen wenig Sinn.

Es geht mir nicht darum meine Kinder loszuwerden, sondern ich wünsche mir, dass meine Kinder ihr Leben zu ihrer Zufriedenheit selbst in ihrem eigenen Reich gestalten können. Ich weiß sehr wohl, wie schwer der Anfang sein kann mit Jobsuche, Berufsmoloch, mit wenig Geld auskommen und sich trotzdem vergnügen können…
Wenn Kinder ausziehen, verändert sich auch das Leben der Eltern. Als Mutter könnte ich das als beunruhigend oder als eine neue Herausforderung für mich sehen.

Mir tun die Jugendlichen leid, wenn sie den Absprung von Zuhause nicht schaffen. Da ist etwas auf ihrem bisherigen Lebensweg von den Eltern vergessen worden zu tun - bewußt oder unbewußt.
Aber irgendwann kann niemand mehr seinen Eltern Vorwürfe machen, denn irgendwann gilt es Eigenverantwortung mit all den Konsequenzen zu übernehmen.

Mit Grüßen
Reni

Hallo,
natürlich haben Eltern immer einen bestimmten Anteil.
Aber nicht alle Fälle sind gleich. Kinder, ihre Gene, ihre Charaktere sind so unterschiedlich, und genauso unterschiedlich müssten dann Erziehungsmethoden und prägende Einflüsse der Umgebung sein.

Man kann nicht alles kontrollieren und 100% richtig machen. Man kann nur versuchen, den eigenen Anteil so gut und richtig wie möglich zu gestalten.

Beatrix

Hallo an Euch Eltern,

Ich danke Euch für die vielen Antworten, manche kann ich nicht unterstützen,
andere zeigen mir ein tiefes Verstehen in die vielfältigen Unterschiede der
Problematik.

Wer versucht hat, seinen Nachwuchs mit bestem Wissen und Gewissen auf das
eigenständige Leben vorzubereiten, der steht vielen Dingen fassungslos gegenüber.

Wer auf Eigenständigkeit hin „erzogen“ (so ein blödes Wort, finde nur leider kein
Besseres) hat, darf zusehen, wie seinem verweigernden Nachwuchs Geld, eine eigene
Wohnung, ewiges Verständnis durch Jugendrichter (erstaunlich, wie lange man da
beim Jugendrichter landet, und denen vergeht dabei auch jeder Enthusiasmus)
zufliegt, sowie stets einen Sozialpädagogen, der alles auf eine furchtbare
Kindheit schiebt und sämtliche entstandenen finanziellen Schäden durch ein paar
„Arbeitstunden“ wieder ausbügeln kann.

Da wird dann alles wieder niedergewalzt, was Eltern vorher in jahrelanger
Aufbauarbeit versucht haben. Sie sitzen da, hören sich von einem völlig fremden
Menschen, mit dem sie zuvor meistens nie ein Wort geredet haben an, wie schlimm
das Leben ihres Kindes bisher war.
Denn diese „Aussagen“ haben sie von den Kids, das reicht. Auch da kommt Schmerz
und Scham bei den Eltern auf … nicht so bei den Kids.

Ich finde, dass diese Eltern allein gelassen werden.
Und es trifft Eltern aus allen sozialen Schichten. Das sollten wir wissen.

Vielen Dank noch einmal für Eure Meinungen, Son-ja

)

Moin,

Wer versucht hat, seinen Nachwuchs mit bestem Wissen und
Gewissen auf das
eigenständige Leben vorzubereiten, der steht vielen Dingen
fassungslos gegenüber.

Ich meine, wir wissen aus vielen Angelgenheiten des Lebens, dass guter Wille und Begeisterung allein nicht immer ausreichend ist, um zu einem positiven Ergebnis zu gelangen.

Da wird dann alles wieder niedergewalzt, was Eltern vorher in
jahrelanger
Aufbauarbeit versucht haben. Sie sitzen da, hören sich von
einem völlig fremden
Menschen, mit dem sie zuvor meistens nie ein Wort geredet
haben an, wie schlimm
das Leben ihres Kindes bisher war.
Denn diese „Aussagen“ haben sie von den Kids, das reicht. Auch
da kommt Schmerz
und Scham bei den Eltern auf … nicht so bei den Kids.

Sowas kommt doch nicht von einem Tag auf den anderen. Da muss man sich doch fragen, wieso die Kinder ihre eigene Kindheit so ganz anders wahrnehmen und bewerten, als es offenbar die Eltern machen, und die Eltern davon anscheinend über all die Jahre hinweg gar keine Ahnung hatten, sondern offenbar davon ausgingen, auch aus Sicht der Kinder sei alles in Ordnung. Für mich sieht das nach einer jahrelang extrem gestörten Kommunikation zwischen Eltern und Kindern aus.

Ich finde, dass diese Eltern allein gelassen werden.

Ich denke, wenn die Eltern einsehen, dass in der Vergangenheit vermutlich einiges schief gelaufen ist, und sie auf Basis dieser Einsicht ernsthaft versuchen, ein von Grund auf neues und anderes Verhältnis zu ihren Kindern aufzubauen, dann werden sie aus diesem Prozess auch nicht ausgeschlossen und „allein gelassen“. Wenn sich Eltern hingen hinter der Position verschanzen, sie hätten „nach bestem Wissen und Gewissen alles richtig gemacht“, was willst du denn mit solchen Eltern in einer dermaßen schwierigen Situation anfangen?

Du titulierst dein Posting mit „Schmerz und Scham“. Es ist aber doch keine Schande sich einzugestehen, dass man vielleicht Fehler gemacht hat. Wie heißt es so schön sinngemäß in einem Spruch: Es gibt nur eine Sorte von Menschen, die keine Fehler machen, nämlich die, die auch nichts tun.

Gruß
Marion

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Moin Samira,

ich bin jetzt mal etwas ketzerisch und frage dich „Was ist
deiner Meinung nach der Grund für diese Misere?“

Ich könnte mir vorstellen, dass ein Grund dafür ist, dass Kinder heutzutage immer eindimensionaler aufwachsen und erzogen werden. Zu anderen Zeiten, als Kinder noch in eine tägliche Gemeinschaft mit vielen Mitgliedern eingebetten waren, gab es automatisch viele Menschen, die Kinder „mit-erzogen“, da waren Großeltern, Geschwister, Kindermädchen, andere im Haushalt lebende Personen, viele Verwandte, die unmittelbaren Nachbarn etc.

Diese Vielfalt der intensiven sozialen Kontakte bereits von Geburt an dürfte dafür gesorgt haben, dass viele Kinder mit einer Vielfalt von „Erziehungsstilen“ konfrontiert wurden (angefangen von der vielleicht überfürsorglich verwöhnenden Großmutter bis hin zum älteren Geschwister, das vielleicht auch mal recht ruppig und abweisend mit dem Kleineren umgeht). Durch diese Vielfalt an sozialen Kontakten dürfte sich auch eine entsprechende soziale Kompetenz herausentwickeln, die sonst nur schwer zu erreichn ist, aber auch eine Befriedigung der Bedürfnisse des Kindes nach sozialen Kontakten ganz unterschiedlicher Art.

Wenn man die Kindheit vieler Kinder heute anschaut, dann ist diese im Vergleich dazu doch recht arm an sozialen Kontakten. Viele Kinder wachsen als Einzelkinder auf, die Kontakte zu Großeltern oder Verwandten (falls vorhanden) sind eher sporadisch, da kein gemeinsamer Haushalt, die Nachbarn sind manchmal relativ unbekannt und so manches Kleinkind bestretet sein soziales Leben mit kaum anderen intensiven sozialen Kontakten, als dem zur Mutter, und das über Jahre hinweg, bis das Kind dann mal in den Kindergarten oder gar erst zur Schule kommt. Somit lastet dann aber auch die ganze Verantwortung für die Erziehung auf der Mutter, die, selbst bei gutem Willen, aber eben nur eindimensional handeln kann. Vielleicht reicht das einfach nicht aus.

Gruß
Marion

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Moin moin,

Du titulierst dein Posting mit „Schmerz und Scham“. Es ist
aber doch keine Schande sich einzugestehen, dass man
vielleicht Fehler gemacht hat. Wie heißt es so schön sinngemäß
in einem Spruch: Es gibt nur eine Sorte von Menschen, die
keine Fehler machen, nämlich die, die auch nichts tun.

Guter Punkt! „Schmerz und Scham“ ist es nämlich (imho) aus
der Sicht der Eltern bezüglich jenem, was ihnen wirklich wichtig
ist. Eben bezüglich des von ihnen wahrgenommenen (sozialen)
„Fremdbildes“ (welches sie vermeintlich abgeben).

Und genau *das* wird nicht „über Nacht“ zugeflogen sein, nein
die Erziehung der Kinder steht im Lichte des möglichst ange-
nehmen „Fremdbildes“, welches sie (die anständigen Kinder) für
die Außenstehenden abgeben (sollen).

Grüße

CMb

Gruß
Marion

Du Marion?
Darf ich Dich fragen, ob Du Kinder hast?
Und wenn ja, wie alt sie sind?

Liebe Grüße, Son-ja

)

Guter Punkt! „Schmerz und Scham“ ist es nämlich (imho) aus
der Sicht der Eltern bezüglich jenem, was ihnen wirklich
wichtig
ist. Eben bezüglich des von ihnen wahrgenommenen (sozialen)
„Fremdbildes“ (welches sie vermeintlich abgeben).

Und genau *das* wird nicht „über Nacht“ zugeflogen sein, nein
die Erziehung der Kinder steht im Lichte des möglichst ange-
nehmen „Fremdbildes“, welches sie (die anständigen Kinder) für
die Außenstehenden abgeben (sollen).

Grüße

CMb

Und ich würde gerne verstehen, was Du meinst!
Ähm, ist das okay, wenn Du mir das mit etwas anderen Worten sagst?
Viele Grüße, Son-ja

)

Du Marion?

Ja Son-ja?

Darf ich Dich fragen, ob Du Kinder hast?
Und wenn ja, wie alt sie sind?

Ich weiß, du kannst ja nichts dafür. Aber da diese Frage in schöner Regelmäßigkeit kommt und ich beschlossen habe, dies statistisch auszuwerten, kann ich darüber leider keine Auskünfte geben, sonst fragt in Zukunft ja niemand mehr. (Wer die Antwort kennt, bitte „pssssst“).

Gruß
Marion

Moin,

Und genau *das* wird nicht „über Nacht“ zugeflogen sein, nein
die Erziehung der Kinder steht im Lichte des möglichst ange-
nehmen „Fremdbildes“, welches sie (die anständigen Kinder) für
die Außenstehenden abgeben (sollen).

ok, daran hab ich jetzt bei dem Begriff „Scham“ gar nicht gedacht. Welch eine gruselige Vorstellung.

Gruß
Marion

Muss ich nicht verstehen

Ich weiß, du kannst ja nichts dafür. Aber da diese Frage in
schöner Regelmäßigkeit kommt und ich beschlossen habe, dies
statistisch auszuwerten, kann ich darüber leider keine
Auskünfte geben, sonst fragt in Zukunft ja niemand mehr. (Wer
die Antwort kennt, bitte „pssssst“).

Ja, mh, wirst schon wissen, was Du damit meinst.
Ich persönlich höre kaum auf Menschen, die von etwas reden, wovon sie nicht
wirlich persönlich betroffen sind.

Machen wir hier irgendwelche Spielchen?
FragezeichenGrüße, Son-ja

1 „Gefällt mir“

Hallo

Und genau *das* wird nicht „über Nacht“ zugeflogen sein, nein
die Erziehung der Kinder steht im Lichte des möglichst ange-
nehmen „Fremdbildes“, welches sie (die anständigen Kinder) für
die Außenstehenden abgeben (sollen).

Und ich würde gerne verstehen, was Du meinst!
Ähm, ist das okay, wenn Du mir das mit etwas anderen Worten
sagst?

Was als „Mangel“ empfunden wird, ist die nicht-Angepaßtheit
der Kinder an eine „Welt“, die von den Eltern als

  • klasse, „gegeben und richtig“, also „anpassungswert“,

von den Kindern dagegen als

  • häßlich, unattraktiv und feindselig

empfunden wird. Meiner Ansicht nach hätten die Kinder in
vielen Fällen damit recht. Alles, was sie machen *sollen*
(um die „Anpassungsleistung“ zu vollbringen), erscheint
in den allermeisten Fällen vollkommen sinnlos (Job! wofür?),
häßlich und unverständlich (hinsichtlich der heilen Welt,
die ihnen Medien, Eltern und Schule vorgegaukelt haben).

Grüße

CMb

Moin,

Ich persönlich höre kaum auf Menschen, die von etwas reden,
wovon sie nicht
wirlich persönlich betroffen sind.

Hast du so einen Spruch auch schon mal von deinen Kindern gehört oder diese Einstellung gar an sie weitergegeben?

Gruß
Marion

Jetzt hab ich es verstanden

Was als „Mangel“ empfunden wird, ist die nicht-Angepaßtheit
der Kinder an eine „Welt“, die von den Eltern als

  • klasse, „gegeben und richtig“, also „anpassungswert“,

von den Kindern dagegen als

  • häßlich, unattraktiv und feindselig

empfunden wird. Meiner Ansicht nach hätten die Kinder in
vielen Fällen damit recht. Alles, was sie machen *sollen*
(um die „Anpassungsleistung“ zu vollbringen), erscheint
in den allermeisten Fällen vollkommen sinnlos (Job! wofür?),
häßlich und unverständlich (hinsichtlich der heilen Welt,
die ihnen Medien, Eltern und Schule vorgegaukelt haben).

Grüße

CMb

Danke Dir, nun habe ich verstanden, was Du meinst!
Wir „Erwachsenen“ finden ja auch nicht unbedingt „prickelnd klasse“, was uns so
im Job und Leben erwartet.

Liebe Grüße, Son-ja

)

Hallo

Ich persönlich höre kaum auf Menschen, die von etwas reden,
wovon sie nicht
wirklich persönlich betroffen sind. …

… sagte der vom Herzinfarkt bedrohte Kettenraucher zu seinem gesunden, nichtrauchenden Arzt …

Machen wir hier irgendwelche Spielchen?

Das Wort „wir“ ist hier wohl sehr zutreffend.

Viele Grüße
Simsy

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Hallo Sonja,

ich möchte dich nur sozusagen moralisch unterstützen, denn ich kann mich sehr gut in das was du beschreibst einfühlen, und ich finde viele Antworten, einschließlich der von pendragon, die offenbar wirklich keine Ahnung hat, echt ein Graus.

Zwar sind meine Kinder noch nicht in dem Alter wo das auftritt, was du beschreibst, aber aus meiner Ursprungsfamilie kenne ich ähnliche Situationen. Und ich WEISS einfach, dass die Person, um die es geht, und die sich zum Egozentriker und Tyrannen entwickelt hat, der sich selbst immer nur als das ärmste Opfer der Eltern sieht, dass diese Person also wahrhaftig ihre scheinbare Misere nicht ihren Eltern verdankte, sondern einzig ihrer eigenen, ich nenne es mal „seelischen Beschränktheit“ und ihrer Unfähigkeit, endlich erwachsen zu werden.

Es gibt Menschen, die werden uralt und sind immer noch nicht erwachsen.

Ach ja, und: Es gibt Menschen, die hatten eine schlimme Kindheit und schreckliche Eltern, hatten aber trotzdem genug Charakterstärke, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Und viele von ihnen können sogar lieben.

Alles Gute,

Julia

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Hallo

Darum schweigen diese
Eltern. Und quälen
sich mit der ständigen Frage: „Was haben wir/habe ich falsch
gemacht?“

Die Wahrheit ist, es stimmt so nicht.

Also, die Eltern haben soweit alles richtig gemacht.

Diese Kinder wurden weder lieblos aufgezogen noch misshandelt.

Das wären ja nicht die einzigsten Fehler, die man machen kann.

Ich glaube, das Schwierigste für Kinder ist, wenn sich die Eltern über irgendwas nicht im Klaren sind, Familiengeheimnisse haben, wenn manche Dinge nicht ausgesprochen werden dürfen, ausgeblendet werden. Daneben kann aber ohne weiteres eine liebevolle und misshandlungsfreie Erziehung ablaufen.

Diese Eltern schweigen aus Scham vor den Reaktionen der
Umwelt, lassen sich von
… ich weiß, das betrifft nicht jeden … z.B.
Sozialpädagogen einreden, ihr
Kind habe eine schreckliche Kindheit gehabt. Diese Eltern
wissen, dass das so
nicht stimmt, sie quälen sich schweigend ohne Ende.

Wieso sagen sie es denn den Sozialpädagogen nicht?
Dass man sich nicht vor den Nachbarn outet, das ist ja schon klar, aber diese Sozialpädagogen sind doch sowieso schon involviert.

Und
Angst haben … vor
dem Weg, den ihr Kind da geht … und vor den Reaktionen ihrer
Umwelt, als hätten
sie als Eltern versagt.

Ist das das Hauptanliegen?

Wird hier ein allgemeiner Freispruch erwartet?


Ich finde, dass die Umwelt schon so einiges miterzieht.

Ansonsten finde ich es auch nicht so richtig, dass die Kinder oft weit bis ins Erwachsenenalter hinein noch als Opfer ihrer Erziehung angesehen werden, aber sobald sie selber Kinder haben, sind sie plötzlich ganz allein für alles verantwortlich.

Wir alle sind doch Opfer unserer Erziehung, auch unsere Eltern und deren Eltern. Wir sollten mal überhaupt aufhören, immerzu einen Schuldigen suchen zu müssen. In den meisten Fällen ist der Schuldige überflüssig, man braucht ihn nicht.

Was wir brauchen ist: Wissen, was wir eigentlich wollen. Und die Erkenntnis, dass wir dafür zuständig sind, unseren Willen durchzusetzen. ‚Zuständig‘ ist nicht das gleiche wie: schuldig, wenn’s nicht klappt. Das heißt einfach nur: Wenn wir’s nicht tun, wird’s niemand tun.

Viele Grüße
Simsy

Danke Dir
… Und ich WEISS einfach, dass

die Person, um die es geht, und die sich zum Egozentriker und
Tyrannen entwickelt hat, der sich selbst immer nur als das
ärmste Opfer der Eltern sieht, dass diese Person also
wahrhaftig ihre scheinbare Misere nicht ihren Eltern
verdankte, sondern einzig ihrer eigenen, ich nenne es mal
„seelischen Beschränktheit“ und ihrer Unfähigkeit, endlich
erwachsen zu werden.

Danke Dir, Julia, diese Geschichten sind es, die ich meine …
Liebe Grüße, Son-ja

)