Hallo Paul,
ich verstehe Deine Antwort so: Das ist
keine Angelegenheit der Moral(dann hat
die christliche Religionsgemeinschaft die
Sache aber gründlich missverstanden)und
kein Ausdruck von Gottes Vorlieben (ich
soll nicht monogam sein, um Gott zu
gefallen). Sondern: Gott gibt uns einen
Tipp, wie man ein glückliches Leben
führt. War das so gemeint?
Grob vereinfacht kann man es so sehen.
Wenn Gottes
Empfehlungen *diesen* Charakter hat, ist
aber schwer einzusehen, wieso jemand, der
sie nicht beherzigt, nicht für die Kirche
arbeiten sollte.
Weil die Kirche eigene Statuten hat. Wer für die Kirche arbeitet, muß sich an ihre Regeln halten, wie es ja bei jedem anderen Betrieb auch ist.
Z.B. gilt in unserer Firma generelles Alkoholverbot auf dem ganzen Firmengelände. Ist auch nicht unbedingt nachzuvollziehen, muß ich aber akzeptieren.
Anyway, then he is a real strange guy.
*Wenn* er schon in den Weltenlauf
eingreift, um uns eine ‚Anleitung zum
Glücklichsein‘ zukommen zu lassen, warum
beschränkt er sich dann auf reichlich
triviale und wenig effektive Rezepte.
Wenn ihm unser Wohlergehen so am Herzen
liegt, wieso kommt er dann nicht mit den
interesannten Sachen rüber: Wie
organisiert man den Staatenbund? Wie
bekommt man den Hungersnöte in den Griff?
Dafür hat ER natürlich auch Rezepte gegeben. Will aber keiner der Regierenden ausführen.
Na ja, und wer nicht will, …
Das ist natürlich wieder das
Theodizeeproblem in grün, das hier auch
immer wieder kommt: Warum hat er die Welt
nicht gleich etwas netter eingerichtet?
Hatten wir das nicht schon mal irgendwo in diesem Brett diskutiert?
Liegt immer am Wollen der Menschen.
Man kann es aber noch etwas schärfer
formulieren: Moralische Forderungen, so
sie richtig sind, wenden sich nicht nur
an Dumme, Schwache oder eine bestimmte
Spezies. Sondern sie gelten für jedes
Wesen, das in der Lage ist, sie
einzusehen. (Kant hat richtig gesagt, sie
würden auch für Engel gelten).
Ist grundsätzlich falsch. Engel sind ganz anders beschaffene Wesen.
Der Vergleich erscheint mir so, als würde jemand sagen, dass artgerechte Tierhaltung für Katzen und Pferde gleich sein muß.
Wenn es für mich falsch ist, Leiden nicht
zu mindern, wenn es in meiner Macht
steht, dann gilt das genauso für Gott.
(Die Idee eines schlechten ‚Gottes‘ ist
eine m.E. sehr zu Unrecht vernachlässigte
Möglichkeit – die Dinge würden sich viel
zwangloser zusammenfügen).
Warum muß eigentlich immer Gott alles alleine verantworten? Kann man nicht auch einmal dem Teufel die Schuld an unserem Elend anlasten? Könnte vielleicht auch sein Einfluß berücksichtigt werden?
Wenn umgekehrt, das ganze Elend einem
fernen (für uns nicht erkennbaren) Zweck
dient, dann gilt auch für uns, dass wir
besser nichts tun, um es zu mindern.
Also Zweck sehe ich keinen darin. Aber was uns nicht umbringt, macht uns nur härter.
So alt das Problem ist, ich kenne keine
Antwort, die nicht völlig ad hoc ist
(also keine Antwort ist): Dass es gerade
so richtig ist, dass wir alles in unserer
Macht stehende tun sollten, Gott aber gar
nichts – außer mit ein paar lauen
Ratschlägen rüberzukommen.
Also mir geben diese Ratschläge sehr viel. Da könnten sicher noch mehr Menschen davon profitieren. Guter Rat: ausprobieren.
Gruß Harald