Hallo Christel,
der Versuch einer Antwort auf Deinen Eintrag im Forum
500 kcal Energieaufnahme pro Tag und trotzdem Übergewicht?
Das kann durchaus sein, das hat auch die Ernährungsmedizin und Ernährungswissenschaft in den vergangenen 20 Jahren gelernt:
Der Energieumsatz des Menschen ist auch in Ruhe nicht unveränderlich konstant, sondern:
Wird wenig Energie aufgenommen, senkt der Körper über komplizierte Mechanismen seinen Verbrauch. Evolutionstheoretisch scheint das auch plausible: Denn wenn die Menschen in der Frühzeit in einer Periode nichts zu essen hatten, wäre es fatal gewesen, wenn die in Form von Fett gespeicherte Energie wie üblich freizügig verbraucht worden wäre.
Wahrscheinlich ist es so, daß solche geschickten Stoffwechselanpassungen überhaupt mit eine wesentliche Voraussetzung dafür sind, daß der Mensch die Zeiten vor 100 000 - 50 000 Jahren überhaupt überleben konnte.
Und solche Stoffwechselmechanismen haben wir natürlich von unseren Vorfahren übernommen: zuviel aufgenommene Energie in Fettzellen speichern und in Zeiten der Not Energieverbrauch drosseln. Das waren die Überlebensvoraussetzungen damals in grauer, eigentlich ziemlich bitterer Vorzeit, verglichen mit heute.
Wir in der modernen Gesellschaft haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten mit diesen nicht mehr zeitgemäßen Steuermechanismen umzugehen:
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Warten, bis unser Stoffwechsel sich einkalkuliert, daß wir keine Mammuts mehr jagen müssen und (in der westlichen Zivilisation) auch im Allgemeinen keine Hungerzeiten haben (Dauer voraussichtlich: ~1 Millionen Jahre, gemessen an den evolutionären Zeiten der Erdgeschichte sicher kurz.)
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Energie analog unserer Vorfahren zu verbrauchen, statt durch Mammutjagd durch Sport. Auch das geht nicht von heute auf Morgen, aber es ist machbar. Und: die sportliche Betätigung muß natürlich an der eigenen Konstitution angepaßt sein, und manchmal benötigt man gerade auch für den Anfang vielleicht ärztliche/physiotherapeutische Hilfe. Nicht um jeden Preis die 6000 Meter pro Tag sind gefordert, sondern die gesundheitsfördernde Aktivität: Schwimmen ist in diesem Zusammenhang sicher eine überaus geeignete Sportart. (glücklicherweise brauchen wir inzwischen ja wirklich keine Mammuts mehr zu jagen, sondern können unsere Aktivität an unsere körperlichen Möglichkeiten anpassen!)
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Noch zu den Gewürzen:
Auch schon in der Geschichte ist der Wert für das Wohlbefinden der Menschen erkannt worden: Gewürze sind (sehr verkürzt skizziert) eine wesentliche Motivation für Handelsbeziehungen zwischen den Ländern der Erde gewesen und sind teilweise parallel zu Gold als Währung akzeptiert worden.
An der Wirkung auf das Befinden hat sich noch immer nichts geändert, auch wenn Gewürze einfach ohne Eroberungszüge im nächsten Supermarkt oder Feinkostladen erworben werden können.
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zu den Diäten:
-empfehlenswerte Diäten (entsprechen wissenschaftlichen/medizinischen Konzepten)
Brigitte
Mischkost, ausgewogene Nährstoffe, und: Essen als Bestandteil gesellschaftlichen Lebens (gemeinsam etc.), „Nachteil“: einiges an Kochaufwand erforderlich (man braucht ein bißchen Feeling dafür und natürlich auch die Zeit für Vorbereitungen.
Kartoffeldiät:
Bei dieser Form wird der Nährstoff in den Vordergrund gerückt, die im modernen Eßmanagement in den Vordergrund gerückt ist: Kohlenhydrate. Bei der richtigen Ergänzung durch Frisches (Obst/Gemüse) und Eiweißquellen (Fisch, Sorten mit nur 1 % Fett!) sicher gut. Kartoffeln enthalten zusätzlich zu Nudeln noch den Vorteil, daß es sich um ein Planzenprodukt handelt, in dem noch der Mineral- und Balaststoffgehalt unverändert sind sowie auch der Vitamingehalt (die natürlich beim Kochen zunehmenden zerstört werden). Aber: der fettarme Vorteil wird natürlich durch deftiges Braten etc. wett gemacht.
-Diäten ??
Weight watchers
Erfolg dieser quasi institutionalisierten Abnehmeclubs ist wahrscheinlich die Gruppendynamik: man steht nicht mehr allein mit seinem Problem auf der Waage und fühlt sich schlecht, sondern man unterstützt sich gegenseitig psychisch. Das ist der positive Effekt; meines Wissen wird aber auch bei WW noch sehr auf die Reduktion der Energieaufnahme geachtet, statt auf die Steigerung der eigenen Aktivität.
-abzulehnende Diäten (die wissenschaftliche Wirksamkeit ist nicht bewiesen)
Atkins
nach dem Stand der Ernährungswissenschaft/-medizin abzuraten: genau die Nährstoffe, die Basis des modernen Eßmanagements sind, Kohlenhydrate (Kartoffeln, Nudeln, Reis, Brot, Hülsenfrüchte und Obst [!]) werden bei dieser Diätform ausgenommen; es handelt sich um eine gesundheitsabträgliche MANGELDIÄT
Trennkost
halte ich persönlich auch für einer gesunden Ernährung abträglich; zwar kann man sich die Nährstoffgruppe (Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate) frei wählen, es bleibt aber auch bei einem Mangel, wenn man nicht mit besten Lebensmittelkenntnissen ausgestattet ist und zur richtigen Zeit das richtige an Nährstoffen akribisch einkalkuliert. .
Zitronendiät/Obstsaft (Breuss-Krebskur?)
Fällt beides möglicherweise in die Kategorie der sogenannten ‚Krebsdiäten‘. Mittel- bis langfristig absolut gesundheitsabträglich (übrigens: auch hier fährt die Körper sicher seinen Energieverbrauch zum puren Selbstschutz zunächst runter, bevor später dann ernsthafte Probleme auftreten)
Appetitzügler
Medikamente haben sicher wichtige Wirkungen - vor allem für den Einstieg in ein Gewichtsreduktion, aber: aufgrund ärztlicher Indikationen und intensiver regelmäßiger ärztliche Betreuung. In der selbstkontrollierten Eigentherapie rate ich persönlich davon ab. Denn (abgesehen von selbst schlecht zu beurteilenden Nebenwirkungen) wenn Gewöhnungseffekte auftreten, steht man wieder vor dem ursprünglichen Problem hat seine Eßgewohnheiten nicht geändert und nimmt vielleicht sogar im Endeffekt daraufhin weiter zu; schlechte Bilanz! Das gilt grundsätzlich für alle Medikamente - auch außerhalb der Indikation Ernährungsstörungen (Antiadiposita).
Forumula-Pulver
Formuladiäten sind Ersatzmahlzeiten aus dem Labor , meist teuer und aktiv ändert man selbst nicht seine ungesunden Ernährungsgewohnheiten. Zum Einstieg können Formulapulver sicher unterstützend geeignet sein - auch hier vielleicht durch einen Arzt/Ärztin. Außerdem: Wenn der Energiegehalt der täglichen Portionen niedrig eingestellt ist: … (siehe oben: der Energieverbrauch des Körpers wird runter gefahren). Deshalb gehört zu den Formuladiäten unbedingt auch die Bewegung (die gibt´s noch nicht fertig verpackt). Außerdem ist eine Kriterium natürlich noch der Preis. Da können pro Monat schon mal ein paar hundert Märker zusammen kommen; wenn ich die Epidemiologie der vergangenen 20 Jahre betrachte (fast verdreifachter Anteil derer mit Körperübergewicht in den Industrienationen), oft scheinbar mit fraglichem Erfolg.
Beste Grüße
Heiko