Hallo Hanna,
Mord ist in meinen Augen unmoralisch.
Es wird aber verlangt. Im Grundzustand
der Gesellschaft, also im Krieg, sollst
Du den jeweiligen Feind hinmorden. Tust
Du das nicht, gibt es ein Problem.
Das ist die Grundformel jeglicher bekannter
menschlicher Zivilisation. Aus *diesem* Grunde
war und ist ja die „Abweichung“ eines Jesus
und anderer radikaler Friedensverkünder eine
solche mächtige Vision. Weil diese Vision irreal
ist und damit den Hoffnungen und Ängsten der
Menschen um so mehr entspricht.
Normal ist es, im Falle von Spannung und Konflikt
die eigene Gruppe als wertvoll und wichtig zu sehen,
die man vor der anderen inferioren und bösen Gruppe
schützen muss. Diese „Entmenschung“ ist leicht
hervorzurufen ermöglicht den kaltblütigen Mord,
z.B. aus „Vorbeugung“.
Mord war früher wohl nur dann etwas „schlechtes“,
wenn Du ein Mitglied der eigenen Gemeinschaft
umbringst, welches im Gemeinwesen eine Funktion
besitzt. Das erkennt man schon daran, dass früher
der Ausstoss eines Menschen aus diesem staatlichen
Schutz (Friedloslegung) die Ermordung dessen
folgenlos machte.
Im Deutschen überlädt man das geplante
Morden auch noch mit Begriffen, die die
Wertung des Aktes beinhalten; z.B. „Hinrichten“,
oder „Im Kampf töten“ weisen auf die
Legitimation des Mordens durch eine
übergeordnete Institution hin. Dabei
spielt es dann keine Rolle mehr, ob der
Henker oder Soldat dies (innerlich) aus
„niederen Beweggründen“ tut oder nicht.
Wenn ich nun durch einen Mord viele Leben
retten kann (Beispiel: Hitler rechtzeitig
umbringen) - wie sieht es dann aus?
So etwas kannst Du niemals vorhersagen.
Das ist imho naiv. Was, wenn mit einem schon
1942 toten Hitler der Krieg für Deutschland
in Europa siegreich ausgegangen wäre?
Hitlers Verdienst war eben auch, auf entscheidende
Weise zu den Niederlagen seiner Armeen beigetragen
zu haben. Insofern sind diese Diskussionen müßig.
Mache ich mich nicht mit schuldig an einem Pogrom, wenn ich
diesen nicht mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln
verhindere? Oder heiligt der Zweck doch nicht alle Mittel?
Was ist ein Progrom? Aus der Sicht des bewaffneten
Mobs wird ja gegen eine vermeintliche „Gefahr“ und
„Ungerechtigkeit“ vorgegangen. So, wie die Nazis die
Juden aufgrund ihrer vermeintlichen „Gefährlichkeit“
beseitigen wollten und dies mit ihrer vermeintlichen
„Minderwertigkeit“ begründeten.
Ich denke, jeder wird versuchen, auf seine Weise
aus Gründen von Erziehung und Gewissen gegen massen-
psychotische Exzesse vorzugehen, so er diese im
Ansatz erkennen kann. Ist es einmal im Gange, werden
die Chancen, etwas zu tun, exponentiell kleiner.
Wie sehen Christen, Juden, Humanisten, Moslems etc. diese
Sache?
Also wenn Du im alten Testament schaust, wirst Du
finden, dass sich die Juden ziemlich oft an meine
obige „Beschreibung“ hielten. Über die Christen
brauchen wir nicht zu diskutieren, Kreuz- und
schwertschwingende Barbaren wateten knietief durch
das Blut von Juden und Moslems zu Zeiten der Kreuzzüge
und später.
Und die Moslems als „modernste“ Religionsvertreter
haben im Ernstfall niemals lange gefackelt, meine
obige Hypothese in die Tat umzusetzen. (Als
Nichtfachmann geurteilt, man verzeihe mir 
Das Problem der moralischen Frage bei Mord ist also
im wesentlichen ein Problem der Erziehung des Indi-
viduum und als solches in gewissen Grenzen frei einstell-
bar.
Euer CMБ