Motorische Bewegungsmuster & Alter

Hallo. Ich hab schon oft die (angeblich bewiesene) Theorie gehört, dass man als Erwachsener neue Bewegungsmuster (lange) nicht mehr so effektiv lernen kann wie Kinder und Jugendliche. (Allerdings hatte ich auch schon mal gelesen, dass es inzwischen neue Erkenntnisse geben soll)

Jetzt frage ich mich, aber wie es sein kann, dass ähm ich glaub der Herr heißt Metzger(?) oder so ähnlich erst mit 21 angefangen haben soll Volleyball zu spielen und mit seinem Partner eins der besten Beachvolleyball-Teams der Welt stellt. Außerdem hat Donovan Bailey erst mit 22 das Sprinten angefangen und das Ganze erst mit 24 ernsthaft betrieben (ok Sprinten sind vielleicht keine komplizierten Bewegungsmuster aber dabei müssen ja auch die Nervenwege sozusagen trainiert und die Motorik verbessert werden). Von Basketballern gibts auch ne ganze Reihe die mit zu der Creme de la Creme gehören, die zumindest erst mit 15-16 angefangen haben zu spielen.

Weiß irgendjemand Bescheid wie der wissenschaftliche Stand der Dinge ist? Ist es vielleicht so, dass diese Sportler vorher wahrscheinlich andere Sportarten betrieben haben und so schon „sportlich“ waren, aber wenn sie in dem jeweiligen Alter zum ersten mal irgendeinen Sport angefangen hätten kaum eine Chance gehabt hätten die jeweilige Sportart noch so gut zu erlernen?

Grüße

Hallo!

Dass es Phasen gibt in denen man bestimmte Dinge erleben muss da man
sie später nicht mehr verarbeiten kann ist eindeutig belegt. Wenn man
z.B. einer Katze in einem bestimmten Zeitraum die Augenlider zunäht
so bleibt sie später blind obwohl alle notwendigen Dinge zum sehen
vorhanden sind.
Auf den Menschen übertragen sind das Fertigkeiten wie einen Ball
fangen, Gleichgewicht halten, etc. - wurde dass in der Kindheit
versäumt ist es fast unmöglich die Defizite auszugleichen.

Hallo. Ich hab schon oft die (angeblich bewiesene) Theorie
gehört, dass man als Erwachsener neue Bewegungsmuster (lange)
nicht mehr so effektiv lernen kann wie Kinder und Jugendliche.
(Allerdings hatte ich auch schon mal gelesen, dass es

Das ist ein bisschen vage formuliert.
Man braucht als Erwachsener für manche Sachen länger - also mehr
Versuche - andere Sachen dagegen kann ein Erwachsener wesentlich
schneller (weil mehr Erfahrung vorhanden ist).

Jetzt frage ich mich, aber wie es sein kann, dass ähm ich
glaub der Herr heißt Metzger(?) oder so ähnlich erst mit 21
angefangen haben soll Volleyball zu spielen und mit seinem
Partner eins der besten Beachvolleyball-Teams der Welt stellt.

Stichwort Team!
Das erfordert mehr als nur motorisch gut sein. Kooperation, etc. ist
oft gerade keine Stärke der jüngeren Jahrgänge.
Taktik, das „lesen“ der Körpersprache der Gegner, Auge-Hand-
Koordination, etc. - dafür braucht man viele Jahre Erfahrung (die man
sich z.B. auch in anderen Sportarten aneignen kann).

Weiß irgendjemand Bescheid wie der wissenschaftliche Stand der
Dinge ist? Ist es vielleicht so, dass diese Sportler vorher
wahrscheinlich andere Sportarten betrieben haben und so schon
„sportlich“ waren, aber wenn sie in dem jeweiligen Alter zum
ersten mal irgendeinen Sport angefangen hätten kaum eine
Chance gehabt hätten die jeweilige Sportart noch so gut zu
erlernen?

Direkt auf einzelne Sportler bezogen kenne ich keine Studien.
Wichtig ist auf jeden Fall dass man in seiner Jugend (bis ca. 16)
viele verschiedenen Reizen ausgesetzt ist damit man ein gutes
Körpergefühl entwickelt welches sozusagen die Basis für alles spätere
bildet.
Die Spezialisierung kommt dann erst später.

Das Gehirn ist plastisch veranlagt und bleibt dies auch bis wir
sterben. Man kann also theoretisch immer neue Dinge lernen und diese
perfektionieren.

Quellen zu dem Thema findet man u.a. bei der Zeitschrift NeuroImage,
der Yahoo Group Supertraining, …

Tschüss

Matthias

Hi.

Stichwort „Hand-Augen-Koordination“. Den Begriff hast du wahrscheinlich auch aus dem Englischen von Hand-Eye-Coordination übersetzt und auf deutsch ist damit wahrscheinlich in etwa dasselbe wie „Ballgefühl“ beschrieben oder? (dabei kommts ja hauptsächlich auf die Koordination zwischen Hand und Auge an richtig?)

Also kann jemand, der seine ganze Jugend lang, Fußball, Tennis, Volleyball, Tischtennis, Baseball (oder was anderes) gespielt hat (wobei es ja auch überall sehr stark auf die Hand-Augen-Koordination ankommt) so viel Ballgefühl erworben haben und dann im Erwachsenenalter noch (annähernd) sein volles Potential z.B. beim Basketball ausschöpfen auch wenn Basketball oder Fußball z.B. oberflächlich betrachtet kaum etwas mit Tischtennis oder Tennis zu tun haben…?

Wohingegen jemand der in seiner Jugend wenig Sport getrieben hat als Erwachsener etwas tolpatschiger wirken würde, wenn er eine neue Sportart lernen will?

(Das Argument mit dem Teamverhalten find ich allerdings nicht so wichtig, da es bei solchen Sportarten natürlich oft stark darauf ankommt, aber die jungen Spieler werden ja auch älter und hören nicht mit 20 auf zu spielen. Jedenfalls nicht alle :wink:)

Gruß

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Hallo!

Stichwort „Hand-Augen-Koordination“. Den Begriff hast du
wahrscheinlich auch aus dem Englischen von
Hand-Eye-Coordination übersetzt und auf deutsch ist damit
wahrscheinlich in etwa dasselbe wie „Ballgefühl“ beschrieben
oder? (dabei kommts ja hauptsächlich auf die Koordination
zwischen Hand und Auge an richtig?)

Kann man grob so sagen.
Wer da tiefer einsteigen möchte dem empfehle ich mal Studien bzw.
Bücher von Alain Berthoz zu lesen; der hat u.a. mit Astronauten
Versuche gemacht und sie vor/während und nach einem
Weltraumaufenthalt Bälle fangen lassen (und dabei gefilmt).
Ergebnis: das Schwerkraftempfinden ändert sich nach einem Flug, d.h.
die fangende Hand (eigentlich das Gehirn) schliesst sich zu spät und
der Ball fliegt daneben.
Da die meisten Bälle zu schnell sind (egal welche Sportart) muss das
Gehirn vorausberechnen wo der Ball sein wird um ihn fangen zu können.
Je mehr Erfahrung desto besser.

Also kann jemand, der seine ganze Jugend lang, Fußball,
Tennis, Volleyball, Tischtennis, Baseball (oder was anderes)
gespielt hat (wobei es ja auch überall sehr stark auf die
Hand-Augen-Koordination ankommt) so viel Ballgefühl erworben
haben und dann im Erwachsenenalter noch (annähernd) sein
volles Potential z.B. beim Basketball ausschöpfen auch wenn
Basketball oder Fußball z.B. oberflächlich betrachtet kaum
etwas mit Tischtennis oder Tennis zu tun haben…?

Ja. Ausser die gewählte Sportart hat eine andere Komponente die er
vorher nicht trainiert hat.

Wohingegen jemand der in seiner Jugend wenig Sport getrieben
hat als Erwachsener etwas tolpatschiger wirken würde, wenn er
eine neue Sportart lernen will?

Ja. Man merkt dass das Körpergefühl fehlt. Das sehe ich bei meinen
Patienten jeden Tag. „Ehemalige“ Sportler können sich in Bewegungen
wesentlich leichter eindenken/einarbeiten als Schreibtischtäter.

Tschüss

Matthias