Hi!
Ich war nicht sonderlich überrascht. Aber auf der Geraden
beschleunigen und schnell fahren kann jeder Depp. Kurven
fahren klappt bei vielen nach etwas Übung auch noch relativ
gut. Zumindest, solange nichts unvorhergesehenes passiert.
Ich glaube, du hast mich nicht richtig verstanden. Wir sprachen nicht von der Beschleunigung, sondern vom Fahrwerk.
Deine ER6 hat in etwa die gleichen Fahrwerkskomponenten verbaut wie meine EX-Z750 BJ 2006, ich kann mir also durchaus vorstellen wie das Ding zu fahren ist.
Vorne kannst weder Zug- noch Druckstufe einstellen, hinten dito.
Also hat man eine Durchschnittseinstellung gmacht, die einem 70-80kg Fahrer noch einigermassen Komfort bietet.
Und dann fahr mal flotter durch eine Kurve. Die Rasten werden kratzen, das Federbein wird wahrscheinlich so schon zu pumpen beginnen, bei Bodenwellen wird es durchschlagen.
Machmal vorne auf die Gabelholme einen Kabelbinder und schau mal wo dieser nach ein paar schnelleren Kurven und 2-3 heftigeren Bremsmanövern ist. Wenn er da schon komplett an den Rand gschoben ist, dann weisst du, dass du keinen weiteren Federweg mehr hast, bis auf das, was der Reifen noch abfedern kann. Da brauchts nicht mehr viel und du fliegst ab.
Und dann fahr mal mit einem Supersportler mit der gleichen Geschwindigkeit durch diese Kurve. Du wirst dir nebenbei ein Brot streichen können.
Du bist mit deinem ER6-Fahrwerk sehr viel schneller im Grenzbereich des Motorrades als mit dem Supersportler.
Allerdings meine ich, dass der Grenzbereich der Beherrschung
von Supersportlern wie einer GSX-R 1000 weitaus schneller
erreicht ist.
Natürlich muss man 180PS sensibler steuern als 120, wobei hier der Drehmoment eine entscheidende Rolle spielt.
Die Kilo-Gixxe ist bis 6000 U/min relativ harmlos, dann erst bricht die Hölle los.
Meine Speedy z.B. hat 50 PS weniger, zieht aber von unten raus besser und bei einem unbedachten Gaszug im ersten Gang kommt dir das Vorderrad entgegen.
Das giftigste Ding allerdings, das ich jemals gefahren bin, war eine KTM 250 2-Takt MX, die nur 48 PS hatte.
Wobei mich auch einmal ein kurze Fahrt auf der Triumph Rocket III interessieren würde, die zwar schwer ist, aber bei 2.500 U/Min ein Drehmoment von 200NM hat.
Du siehst, es gibt die verschiedensten Geräte mit denen man sich blitzartig jenseits des Grenzbereiches schiessen kann.
Vor allem wenn es um den normalen Straßenverkehr
mit seinen unkalkulierbaren Gefahrensituationen geht.
Es ist ja so, dass ich dir durchaus Recht gebe.
Ein unerfahrener Anfänger wird in einer Krisensituation wahrscheinlich nur mit der Bremse arbeiten, die auch meist besser als an den anderen Mühlen ist, allerdings wird er eine höhere Geschwindigkeit verzögern müssen. Ein erfahrener Biker kann die Kraft auch in Sicherheit umsetzen.
Du räumst ja selber ein: Ich selber würde nicht mehr mit so
einem Bike anfangen wollen, weil ich die ersten Jahre
permanent überfordert war und deshalb gar nicht so die
richtigen Feinheiten des Bikens erlernen konnte. Zwar
klar kürzer, aber das gleiche habe ich als Anfänger mit der
vergleichsweise schwachen Kawasaki ER-6n erlebt. Und danach
waren immer noch Reserven für persönliche
„Leistungssteigerungen“ vorhanden.
Ja, ist so. Bei deiner Mühle brauchst du keine Sekunde nachdenken wie stark du aufs Gas gehst, du kannst dich vollkommen auf andere Sachen konzentrieren. Das ist für Anfänger ein unschätzbarer Vorteil.
Grüße
Dusan