Benzinpreis, Ostern 2001
Er ist in aller Munde: Der Benzinpreis. Und die Klagen überhäufen sich. Am
21.04.2001 titelte die Bild-Zeitungen:
Herr Minister, haben Sie einen Knall?
Er hatte doch tatsächlich etwas zu sagen, was unangenehm und auch noch teilweise
richtig ist. Man kann geteilter Meinung sein, ob es politisch clever war, dies zu tun.
Auch die Motive können dem Minister unterstellt werden. Aber eines kann man
ihm nicht unterstellen: Dass diese Aussagen gänzlich falsch sind.
Hier eine Betrachtung:
Wie setzt sich der Ölpreis zusammen?
- Der Preis, den die Ölkonzerne bestimmen
Hierzu ist zu sagen, dass die Ölkonzerne zu Unrecht über die Preise klagen. In der
Vergangenheit muss man von Vertretern von Shell und BP und anderen immer
wieder hören, dass sie an dem Benzin nichts verdienen. Das stimmt. Oberflächlich
betrachtet. Denn die Aufsplittung der Konzerne in Tochtergesellschaften verdecken
einen Aspekt: Geld wird mit der Föderung des Öls verdient. Diese Firmen
verkaufen dann intern das Öl and die Tochtergesellschaft weiter und das zu einem
horrenden, überteuerten Preis. Oder wie kommt es das BP 30 Milliarden Gewinn in
2000 machte und Exxon in nur einem Quartal letztes Jahr über 12 Milliarden Mark
Gewinn (cih weiss die genaue Zahl nicht mehr, 13,2 oder so).
- Der Staat
Pro Liter Benzin, das 2,10 DM kostet, verdient der Staat an Steuer 1,16 DM. Dann
kommt noch die Ökosteuer und dann, und das ist ja der Knaller, die
Mehrwertsteuer. D.h. die Mehrwehrtsteuer wird auf einen Preis berechnet, der
hauptsächlich aus einer anderen Steuer besteht. Korrekt wäre es, die
Mehrwertsteuer auf das Produkt ohne andere Steuern zu berechnen. Das ganze ist
Doppelbesteuerung und mich wundert, dass dies legal ist.
Ich bin absolut für eine Ökosteuer, nur nicht die Ökosteuer. Nur nicht so, wie die
Regierung sie einsetzt. Wenn ich weniger Auto fahre, bekommne die Älteren
weniger Rente oder der Beitrag steigt. Diese Kausalität will mir nicht aufgehen. Die
Steuer sollte für die Regeneration von Umweltresourcen und für die Erforschung
umweltfreundlicher Technologien eingesetzt werden. Für die, die es nicht wissen:
Erdöl ist keine erneuerbare Energie. Sie geht zu Ende. Und wenn wir so weiter
machen, dann schneller als uns lieb ist. Sie fahren gerne Auto? Sie haben Kinder?
Wollen Sie den Kindern den Spass am Autofahren und die Mobilität wirklich nicht
gönnen?
Nun stellt sich die Frage, die Herr Müller gestellt hat: Mussten alle am Karfreitag
tanken? Warum nicht Mittwochs oder Donnerstags? Ich denke das fragt er zu recht,
denn in den letzten Jahren steht an Ostern immer wieder dasselbe in den Zeitungen,
die Benzinpreise. Alle wissen es. Aber anstelle sein Verhalten zu ändern meckert der
Deutsche lieber und folgt der Bild-Zeitung.
Die zweite berechtigte Frage, die Minister Müller aufwirft ist genauso berechtigt:
Es zwingt einen niemand zu tanken!
Warum kann man an Ostern nicht eine Radtour machen oder mit dem Zug fahren?
Man verbraucht das meiste Benzin doch sowieso in einem Stau. jedes Jahr wieder
wundere ich mich,w arum die Leute zu Ostern in den Urlaub fahren, wenn bekannt
ist, dass es dort jedes Jahr Staus gibt, manchmal 30 Kilometer. Wo Herr Müller
Recht hat hat er Recht.
Der Benzinpreis in Deutschland ist immer noch viel zu niedrig. In England oder
Holland ist er wesentlich höher. Außerdem kann man den Benzinpreis nicht nehmen
wie er ist. Wie meine ich das? Ich denke an einen umweltbewussten Preis. Wir reden
alle von Nachhaltigkeit und schutz der Umwelt. Wir trennen Müll meiden
BSE-Fleisch. Alle natürlichen Resourcen, die wir einsetzen, müssten für ein
umweltbewusstes und nachhaltiges Verwenden so verkauft werden, dass mit diesem
Geld die Resource wieder aufgebaut werden kann. Dazu kann ich nur das Buch
„Faktor 4“ von Weizsäcker und Lovins empfehlen. Halbierung der Resourcen,
Verdoppelung des Wohlstandes. Dann wäre ein Liter Benzin noch teurer. Und das
zu recht. Oder wir müssen uns eben eingestehen, dass wir nicht nachhaltig leben
wollen.
Was noch hinzu kommt sind die unglaublichen Vergleiche, die immer wieder
auftauchen, z.B. was Benzin in den 50iger und 60iger Jahren gekostet haben. Nun,
diesen Vergleich nehme ich gerne auf. Wenn die jährliche Inflationsrate nimmt und
den Preis von 1960 auf heute nur anhand der Inflationsrate hochrechtete. wäre
Benzin bei weit über 5 DM. Auch ist es richtiger, den Preis im Verhältnis zu den
damaligen Löhnen zu setzen. Also, wie lange musste jemand mit einem
Durchschnittslohn arbeiten um sich einen Liter Benzin zu verdienen? Damals waren
es (1962) 13 Minuten, heute sind es 4. Da kann man nicht sagen, Benzin wäre teuer
geworden. Nein, es ist verdammt billig geworden.
Eine weitere Aussage von herr Müller war: Es zwingt einen auch keiner, den Sprit
im vollen Masse zu verbrauchen. Er meinte wohl, dass man so fährt, dass man
immer den Maximalverbrauch hat. Wenn ich meinem Auto mit 120 km/h über die
Autobahn fahre werde ich oft überholt, auch von Mittelklassewagen und nicht nur
von Mercedes und Porsche. Wer so fährt, darf nicht meckern, dasser mehr
verbraucht. Da sind wir schon bei dem nächsten Thema: Der Verbrauch! Es gibt die
Technologie für sparsame Autos, siehe Lupo 3L. Aber auch andere Hersteller bieten
Autos an, die sparsam sind. Aber werden sie gekauft? Nein! Die Käufer achten auf
Polsterfarbe und Alufelgen, auch eine Klimaanlage muss dabei sein. Dass der
Wagen, ein Mittelklassewagen, dann 8-10 Liter verbraucht ist klar. Und wenn man
dann noch rast, dann sind es eben 12 Liter. Warum? Weil natürlich alle einen
Benziner kaufen und keinen Diesel. Bei meinem alten A6 2.5TDI war es unerheblich
wie schnell ich fuhr, ich habe immer dasselbe verbraucht und immer billig getankt.
Ein Turbo Diesel hat dieselben sportlichen Fahrleistungen und braucht weniger
Benzin, auch bei sportlicher Fahrweise. Und nun zu den Benzinern. Warum muss
schon ein Mitterklassewagen Super Tanken (95 Octan)? Wäre es nicht besser,
Normalbenzin zu tanken, das billiger ist? Oftmals, um mehr Leistung
herauszuholen. Wer mehr Leistung will soll bitte auch zahlen. Noch heute
verbrauchen Mittelklassewagen genauso viel Benzin wie vor 20 Jahren. Der Käufer
hat die Macht. Will er sparsame Autos, dann werden die Hersteller sie produzieren.
Dann hat der gute Herr Müller noch von seinem A8 erzählt, denn er mit 230 km/h
über die Autobahn jagt und dann verbraucht er mal 23 Liter auf 100 Kilometer.
Dümmer kann sich ein Minister eigentlich nicht verhalten, aber: Die Bild reagierte
in der typischen Form a la: Von uns verlangt er das Auto stehen zu lassen und
langsam fahren und er macht es selber nicht. Typisches Neid-Geschüre. Ich will
nicht, dass die, die es sich leisten können, es nicht auch tun. Wer sich das leisten
kann, fein. Wer nicht, sorry. Dieses Neiddenken ist in Deutschland extrem
ausgeprägt. In Amerika wäre der Ansatz nicht meckern sondern: Wie kann ich es
erreichen, auch soweit zu kommen. Es wäre Motivation. Hier ist es Neid. Ich will
nicht das alle Menschen gleich sind. Ich will keinen Kommunismus.
Auch wer sich entschieden hat, auf einem Dorf zu leben, muss mit der Entscheidung
leben und kann nicht den Staat onder jemand anders verantwortlich machen, wenn
er mehr Fahrtkosten bezahlt. Dafür wohnt er in der Regel billiger. Es ist die
Entscheidung, er hätte sich ja auch für eine Stadtwohnung oder aber eine Wohnung
mit S-Bahn-Anschluss entscheiden können.
Zu guter Letzt, bleiben noch die alternativen, wie Gas, Rapsöl-Diesel oder, wie jetzt
zu efahren war, das Fett aus der Fritteuse als Energiegeber für das Auto. Es ist ein
Rechenexempel, ob sich eine Umrüstung rechnet und und ob es Gas in der Nähe
gibt. Aber mal ehrlich: Wer hat sich das bei seinem Autokauf überlegt.
Meckern ist einfach, seine Gewohnheiten schwer.
Kay Schulz
