Nach Corona - was muss passieren in unserem Gesundsheitssystem?

Hallo,
wir stehen zwar erst am Anfang der Krise und es sicher momentan auch interessanter über Zahlen und Statistikbalken zu diskutieren und zu streiten und wann wir wieder auf die Straße dürfen, aber es hat sich doch jetzt schon gezeigt, dass es in unserem Gesundheitssystem nach Corona nicht so weitergehen kann wie vor der Krise - Schlagworte : Bürgerversicherung, Krankenhäuser, ambulante Behandlungen, Pflegeversicherung, Medikamentenversorgung, angemessene Bezahlung der Beschäftigen, Präventsion-Massnahmen, um nur einige zu nennen.
Können wir es uns leisten, angesichts der Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben und in den nächsten Wochen und Monaten noch machen werden, einfach so weiterzumachen.
Eine Bitte noch - bitte keine Parteipolitische Diskussion in den Vordergrund rücken, nach dem Motto (Beispiel) wir, die CDU, möchte schon, aber die SPD will nicht oder umgekehrt.
Ich weiß, es geht auch nicht ganz ohne, aber trotzdem, bitte immer an der Eingangsfrage orientieren - Danke.
Gruss
Czauderna

#coronavirus

[Überschrift editiert, verschlagwortet vom www Team]

hi,

könntest du das sehr viel genauer ausführen, was sich gezeigt hat?
Wie eine Pflegeversicherung hier überhaupt betroffen ist, erschließt sich mir gerade nicht so ganz.

grüße
lipi

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Hallo,
fehlende Pflegekräfte, sowohl im ambulanten Bereich als auch in den Pflegeheimen.
Entlohnung der Pflegekräfte beispielsweise. Meine Frage zielt nicht allein darauf ab, was ausschließlich wegen Corona sich ändern muss, sondern generell, z.B. spielt das Thema „Bürgerversicherung“ im Zusammenhang mit Corona auch keine tragende Rolle.
Gruss
Czauderna

das hatte ich falsch verstanden. Vermutlich auch wegen der Überschrift und dem direkten Bezug auf Corona im Text.

Wie man sich irren kann :wink:

grüße
lipi

Hallo,

manchmal überkommt mich eine starke misanthropische Grundstimmung.

So auch bei diesem Thema:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen nicht dauerhaft aus ihren Fehlern lernen. Sie neigen dazu, den selben Unsinn (eigentlich wollte ich ein Fäkalwort verwenden) immer und immer wieder zu machen. Einzig die Dauer zwischen den Wiederholungen von Fehlern variiert je nach schwere des Fehlers.

Und so bin ich mir sicher, dass Medien und Politiker nach der Krise maximal für ein paar Monate die erkannten Probleme aufzeigen und Besserung fordern. Aber dann werden wieder die Privatisierung-Befürworter die Oberhand gewinnen. Hat doch alles gut funktioniert.

Man sieht es doch jetzt schon. An vielen Ecken wird bemängelt, dass es zu viele eigentlich unnötige Operationen gibt. Dass bei manchen Kliniken die Zahl bestimmter gut bezahlter OPs nach der Privatisierung deutlich angestiegen ist. Jetzt sagen die Kliniken die OPs ab, um Betten frei zu halten, das Finanzierungskonzept versagt, die Gesellschaft stützt die Betreiber mit (derzeit geplanten) 3,3 Milliarden Euro. Zumindest in der Öffentlichkeit hörte ich noch nicht die Forderung: kauft mit diesem Geld die Kliniken zurück.

Das Parlament bedankte sich mit stehenden Innovationen gestern bei den Arbeitern im Gesundheits- und Pflegewesen für ihren Einsatz. Was kann sich eine Schwester, ein Pfleger von dem Applaus kaufen? Das Parlament hätte lieber beschließen sollen, dass der Mindestlohn für Pflegekräfte angehoben wird. Oder wenigstens eine Zulage von steuerfreien 500 € pro Pflegekraft und Monat durch die Gesellschaft für erst mal 6 Monate.

(Über beide Beispiele können wir gern jeweils auch in einem anderen Threat separat diskutieren. Ich bin mir bewusst, dass ich damit eine kontroverse Diskussion auslöse.)

Mit anderen Worten: ich habe wenig Hoffnung, dass die Spirale der Profitorientierung des gesamten Gesundheitssystems wieder zurück gedreht werden wird. Es wird ein paar Nebelkerzen geben, die als die große Erkenntnis aus der Krise gefeiert werden. Aber im Großen und Ganzen wird der Gesellschaft die Kraft fehlen, den Profiteuren etwas von ihrem Profit abspenstig zu machen.

Grüße
Pierre

P.S.: ein drittes Thema, was wir in einem separaten Threat diskutieren könnten: muss man die Produktion von Medikamenten und/oder deren Grundstoffe nach China und Indien verschieben? Muss man das auf wenige einzelne Firmen weltweit konzentrieren? Wie Viel teurer werden Ibuprofen-Tabletten, wenn die Grundstoffe wieder zuverlässig an mehreren Standorten in der EU produziert werden würden. (Ibu ist eines der Mittel, an denen in den vergangenen Monaten Mangel herrschte.)

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Hallo Pierre,
vielen Dank, volle Zustimmung bis auf eine Sache. Ich bin schon der Meinung, dass die von dir angesprochenen Probleme durchaus hier diskutieren können, so hatte ich mir das auch vorgestellt.
Gruss
Czauderna

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Hallo!

Wir stehen im internationalen Vergleich absolut super da. Unser Gesundheitssystem ist, verglichen mit anderen entwickelten Industrieländern (z.B. GB, USA, Italien, Spanien), absolut gut aufgestellt. Anzahl Intensivbetten, Anzahl Beatmungsgeräte, Anzahl Ärzte, Anzahl Pfleger, Anteil der Versicherten, das ist (auf die Bevölkerung gerechnet) alles irgendwo zwischen „ordentlich“ und „sehr gut“ zu verorten.

Insofern kann man (und sollte man) natürlich am Ende der Krise noch einmal schauen, ob man an einzelnen Stellschrauben nachjustiert, aber grundsätzlich bewährt sich unser Gesundheitssystem.

Schöne Grüße!

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Hallo,
vielen Dank - ja, das kann man wirklich so unterschreiben - dass wir im Vergleich mit anderen Ländern eine gutes Gesundheitssystem haben, das Problem ist aber, dass dieses System für unsere Bedürfnisse offenbar doch sehr viele Mängel hat - richtig, im Vergleich mit man anderen Ländern, müssten wir gar nix machen.
Gruss
Czauderna

Nicht nur das, sondern wenn’s dumm läuft nur noch einem einzigen Hersteller überlassen.

Schrub ich ja im nächsten Satz. Es soll wohl tatsächlich Produkte geben, die nur noch in einer einzigen Fabrik produziert werden. Wenn die auf Grund eines Unfalls ausfallen sollte …

Absolut richtig.
Bewährt hat es sich allerdings für den Normalfall.
Ich denke schon, dass es eine Diskussion darüber geben muss, das Gesundheitssystem Krisenfall-fitter zu machen.
So basale Dinge wie Schutzmasken/-anzüge, Beatmungsgeräte usw.

Ansonsten brauchen wir sicherlich eine Diskussion darüber, wie wir künftige Epidemien früher und gezielter bekämpfen können statt -wie jetzt- mit der Gießkanne.
Da wirds um „demokratiegerechte“ Überwachungsmaßnahmen und Datenschutz gehen.

Und drittens werden wir sicher die Digitalisierung anschieben müssen, um mit geringeren „Kosten“ (im umfassenden Sinn gemeint) bei Bedarf wieder eine Kontakteinschränkung durchziehen zu können: Home Office, Schulsystem, evtl. auch im Bereich der Medizin

Das sind aus meiner Sicht die drei Hauptbereiche.

Gruß
F.

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Hallo,
ich denke, dass nach der Krise vor der Krise als Allgemeinlage angesehen wird, darüber dürfte es keine zwei Meinungen geben. Die Krise hat aber auch gezeigt, dass Deutschland mit dem relativ guten bis sehr guten Gesundheitssystem generell überlegen muss, ob es wirklich sinnvoll ist, aufgrund der Quantität auf die Qualität oder umgekehrt ( je nach Sichtweise) zu verzichten. Ist es im Sinne der Gesellschaft, dass Krankenhäuser nur dann betrieben werden, wenn sie Gewinne abwerfen, die dann an Gesellschafter oder Aktionäre verteilt werden. Ist es sinnvoll, wenn Krankenhäuser, die nicht rentabel arbeiten, wobei rentabel meist zulasten der Patienten und deren Versorgung geht; geschlossen werden. Vor einigen Jahren gab es mal eine Studie zur Rentabilität eines Krankenhauses, bei dem zum Schluss u.a. herauskam, dass die Notfallaufnahme geschlossen werden müsste weil sie eben nicht rentabel. Ist es sinnvoll, dass vor der Krise der größte Teil des Pflegepersonals in Deutschland aus ausländischen Mitbürgern bestand, was doch auch an der entsprechend niedrigen, für deutsche Verhältnisse, Bezahlung lag ?
Sicher, man wird nach der Krise alles Mögliche unternehmen, dass man bei einer, hoffentlich nicht kommenden, neuen Krise besser gewappnet sein wird, wobei ich jetzt den ordnungspolitischen Aspekt mal hinten anstelle, aber müssen dann nicht auch einige grundsätzliche Dinge im Gesundheitssystem selbst geändert werden ?.
Gruss
Czauderna

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Ich bin der Meinung, dass Grundversorgung nichts in privater Hand zu suchen hat. Das klappt nicht in Pflegeheimen, das klappt nicht in der Telekommunikation, das klappt nicht im Paketdienst, das klappt auch nicht im Krankenhaus. Solange Gewinn über der Dienstleistung steht, wird notwendigerweise auf Kante genäht und nichts angeschafft, was sich nicht aktuell rentiert. Bis die Katastrophe da ist - und der Gewinn ins unermessliche steigt. Jeweils zu Lasten der Kunden und Mitarbeiter.

Und weil sowas dann für alle gleich sein sollte und das ganze nun mal Geld kostet, sollten auch alle dafür zahlen. Nicht nur diejenigen, die arbeiten, sondern auch alle, die von Geld und/oder Vermögen leben.

Ich befürchte nur, dass die Politik in dieser Hinsicht wieder genauso versagt wie sie das aktuell bei nahezu jedem Thema schafft.

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Wobei Länder, die eine rein staatliche Grundversorgung anbieten, deutlich schlechter abschneiden als Deutschland. Schau dir den NHS in Großbrittanien an, ein reines Trauerspiel.

Das andere Extrem, die rein private Versorgung, ist auch nicht optmal, da kann man z.B. nach den USA schauen.

Das gemischte System aus öffentlicher Grundfinanzierung des Krankenhauswesens, (überwiegend) gesetzlicher (solidarischer) Krankenversicherung, (überwiegend) privaten Anbietern und einem mittleren Maß an Regulierung klappt ziemlich gut.

Never change a winning system!

@nurmitlesen, ich zitiere Dich zwar, aber Du musst Dich nicht gezwungen sehen, zu antworten. Meine Frage greift nur Deine Argumente auf und richtet sich an die Allgmeinheit.

Immer wieder in Berichten wird das schwedische Gesundheitssystem hervor gehoben. Da sollen Ärzte, Schwestern und anderes Personal kaum Überstunden machen, mit der Bezahlung zufrieden sein und von Verwaltungsaufgaben nahezu völlig entlastet sein. Wie steht es eigentlich bei denen um die Pandemie und die sichere Versorgung in der Krise?

Grüße
Pierre

Ja. Das kommt davon, wenn die einen Reich sind und die anderen Arm und die einen bestimmen und die anderen nutzen müssen.

Wirf mal einen Blick auf die Britische Bahn. die wurde privatisiert. Und wie lief das?

In den USA ist die Versorgung nicht privat, sondern freiwillig. Das ist was ganz anderes.

In D gewinnt aber nur der Besitzer, nicht die Patienten. Und das System wurde bereits geändert, indem haufenweise Krankenhäuser und Pflegeheime und Post und Telekommunikation privatisiert wurden. Zu Lasten der Nutzer, wie du sehr wohl weißt.

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Hallo,
man koennte Forschungen machen oder optimieren, warum bleiben einige Leute gesund. Was machen die besser als die Krank-Werdenden. Forschung um damit den Gewinn des Medizinbetriebes zu reduzieren. Bei der jaehrlichen Erkaeltungswelle laeuft sie durch das Grossraumbuero, doch Einzelne erkranken nicht, naechstes Jahr auch nicht. Was machen diese Leute besser? Solche Forschung zur GewinnMINDERUNG muesste der Staat bezahlen.
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Oder gar die voellige Umkehrung. Wer gesund haelt, bekommt fortlaufend Geld. Wenn Krankheit auftaucht, wird die Bezahlung reduziert.

Hallo,
Stichwort : Forschung - Es ist doch so, dass sich Forschung für die Pharma-Industrie nicht mehr lohnt, also kein Geld damit verdient werden kann. Das ist nicht im Sinne der Menschen, nicht nur in Deutschland, das gilt für die ganze Welt. Es muss doch möglich sein die Forschung wieder zu stärken damit es auch künftig möglich ist Krankheiten zu bekämpfen, die es jetzt schon gibt, aber auch gerüstet zu sein für künftige Krankheiten. Als Beispiel nenne ich nur mal die Firma, die von D. Hopp mitfinanziert wird.
Ich kann mich auch noch erinnern, dass neue Medikamente, die auf den Markt kamen und zugelassen waren bei der Einführung extrem teuer waren , weil eben die Forschungskosten damit
gegenfinanziert werden konnten.
Gruss
Czauderna