Nachtwache

Hallo ihr alle,

mein Großvater wird nun sehr schwer krank und pflegebedürftig aus dem Krankenhaus entlassen.
Er hat einen Gehirntumor, seine Schilddrüsenwerte sind eine absolute Katastrophe (heißer Knoten), er hat linksseitig Lähmungserscheinungen und ist zu allem Überfluß depressiv (schon seit Jahren). Das Antidepressivum hat der schlaue Chefarzt im KH abgesetzt und vorgestern hat mein Großvater versucht, sich das Leben zu nehmen…Anlass für uns, ihn endlich nach Hause zu holen.
Nun bekommt er zig verschiedene Medikamente, die irrsinnige Nebenwirkungen haben. Mein Opi fängt an zu fantasieren, ist nachts trotz Haldol und Diazepam sehr unruhig…dann hat er wieder sehr klare Momente und ist einfach nur verzweifelt und unglücklich.
Er weiß, dass das jetzt sein Ende ist, eine in Aussicht gestellte OP wurde wegen einer Angina Pectoris und aufgrund der nicht durchführbaren Angiographie abgelehnt.
Nun möchten wir eben, dass mein Opi seine letzte Zeit in Würde verbringt…zu Hause bei seiner Frau, im Kreise seiner Lieben.

Des Nachts ist er teilweise furchtbar unruhig…er ist schon oft gestürzt…und wir machen uns eben große Sorgen, dass er wohlmöglich einen nächsten Suizidversuch unternimmt.

Wir brauchen dringend eine Nachtwache !

Ich habe sämtliche Sozialstationen/Pflegestationen durchtelefoniert, mit dem Ergebnis, dass sie entweder keine Kapazitäten haben oder aber der Meinung sind, mein Opi gehöre in ein Heim. Das wollen wir auf gar keinen Fall !

In den nächsten Nächten werden meine Mutter und ich abwechselnd bei meinen Großeltern bleiben. Nur ist das auf Dauer kein Zustand.

Hat von euch jemand eine Idee, wie man eine Nachtwache organisieren kann ??
Gibt es vielleicht noch eine Anlaufstelle, die ich übersehen haben könnte ?

Die Nachtwache soll meinen Opi nicht pflegen, dafür haben wir einen Pflegedienst, der mehrmals täglich kommt.
Es muß also keine ausgebildete Pflegekraft sein…dafür aber jemand, der anpacken kann und starke nerven hat :wink:

Tja…meine große Frage ist : Woher nehmen wenn nicht entführen ???

Ich wäre euch für Tips wirklich super dankbar !
Die Zeit läuft uns davon und ich finde keine Ruhe, bevor die Betreuung nicht zu 100% geregelt ist.

Liebe Grüße,
Vanessa

Arbeitsamt? o.w.T.

Hospiz
Schon mal beim nächsten Hospizverein angerufen? Die sind doch die Fachleute für Euer Problem.
Beste Wünsche und meinen Respekt,

c++

oder
je nachdem, wie Ihr eingestellt seid, könntet Ihr evtl. auch mal Euer Problem div. Pflegedienstleitungen der nächsten Uni-Klinik schildern. Die rücken dann vielleicht mit Telefonnummern von (fortgeschrittenen!) Medizinstudenten raus, die schon länger Nachtwache in der Klinik machen (Evtl. Psychiatrie oder Herzchirurgie/Intensiv, wegen Durchgangssyndromerfahrung).
Hat evtl. ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, wenn man in diesem Zusammenhang davon sprechen kann (aber die finanzielle Seite spielt ja leider oft auch eine Rolle).

Nach meiner Erfahrung sind die älteren Menschen, wenn sie wieder in gewohnter Umgebung sind, weniger verwirrt.

Nochmal alles Gute,

c

Super Idee…Danke !
Hallo Chris

je nachdem, wie Ihr eingestellt seid, könntet Ihr evtl. auch
mal Euer Problem div. Pflegedienstleitungen der nächsten
Uni-Klinik schildern. Die rücken dann vielleicht mit
Telefonnummern von (fortgeschrittenen!) Medizinstudenten raus,
die schon länger Nachtwache in der Klinik machen (Evtl.
Psychiatrie oder Herzchirurgie/Intensiv, wegen
Durchgangssyndromerfahrung).

Deine Idee ist Gold wert, Chris…wir kommen einfach nicht auf das naheliegendste, denn meine Mutter als Psychiaterin müßte das ja eigentlich auch wissen…aber irgendwie sind wir alle total neben der Spur…unsere Nerven liegen so ziemlich blank.

Ich werde sofort meine Mutter bitten, in der Medizinischen Hochschule Hannover mit den zuständigen Leuten zu sprechen.

Hat evtl. ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, wenn man in
diesem Zusammenhang davon sprechen kann (aber die finanzielle
Seite spielt ja leider oft auch eine Rolle).

Die spielt leider wirklich eine Rolle…es ist uns kaum möglich, auf Dauer 8000 DM im Monat für die Betreuung auszugeben.
Nachtwachen scheinen nicht unbedingt wenig Geld zu verdienen…hast du eine Ahnung, wie die Studenten das so regeln ? Finanziell meine ich ?

Nach meiner Erfahrung sind die älteren Menschen, wenn sie
wieder in gewohnter Umgebung sind, weniger verwirrt.

Bis jetzt scheint es mir auch so…mein Opi war gestern so unglaublich glücklich, wieder zu Hause zu sein.
Er hatte wieder Glanz in den Augen (nein nein, nicht den des Verwirrten :wink:…er strahlte und war ganz ruhig.
Allerdings wollen bzw. haben wir das Haldol abgesetzt…das ist echt ein Sch***zeug.
Durch sein Bechterew ist er eh schon sehr eingeschränkt…Haldol tut das Überige hinzu.
Er bekommt Tavor und zur Nacht Oxazepam, erst einmal nur 5 mg, im KH bekam er 20 mg…das erscheint mir für so einen alten schwachen Körper sehr viel, es macht in noch schwächer.
Wir müssen es ausprobieren und es dauert wohl ein paar Tage, bis er richtig eingestellt ist.

Auf jeden Fall waren wir uns gestern Abend alle einig, dass es das Beste war, was wir tun konnten…meinen Opi nach Hause zu holen. Wir waren zwar alle total geschafft und müde, aber wir wissen, warum…es wird ja nicht immer so hektisch bleiben, alles muß sich langsam einspielen. Das Wichtigste erscheint mir, dass wir es schaffen, gut miteinander umzugehen.

Er war ganz ruhig und friedlich gestern Abend und auch in der Nacht. Er schlief erst nicht ein und war innerlich unruhig…auf der anderen Seite war er erschöpft und zufrieden…so gegen 23 h schlief er dann…und er schläft immer noch, ist nur ein einziges Mal zum Wasserlassen aufgewacht.
Nun allerdings kann es vorkommen, dass er sehr plötzlich unberechenbar wird durch die Schilddrüsenüberfunktion…es muß manchmal alles sofort gehen…am besten noch vor sofort. Und dann bekommt er eben mal einen Aussetzer und wird sehr ungehalten.
Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir für die Nacht jemandem haben, der das eben versteht und weiß, was diese Krankheitsbilder bedeuten.
Hirnorgangeschädigt und eine Schilddrüseüberfunktion …das ist schon harter Tobak.

Danke dir noch einmal ganz doll für deinen Tip und deine Wünsche !!

Liebe Grüße und ein schönes Weekend,
Vanessa

Die spielt leider wirklich eine Rolle…es ist uns kaum
möglich, auf Dauer 8000 DM im Monat für die Betreuung
auszugeben.
Nachtwachen scheinen nicht unbedingt wenig Geld zu
verdienen…hast du eine Ahnung, wie die Studenten das so
regeln ? Finanziell meine ich ?

Je nachdem, was für Vertragsbedingungen bestehen würde ich sagen, so zwischen 15.- und 25.- (daven ist u.a. dann aber auch die Motivation abhängig!). Die Arbeit wäre bestimmt im Durchschnitt gesehen nicht besonders schwer, aber verantwortungsvoll wegen selbständigkeit und der Notwendigkeit evtl. schnell Entscheidungen treffen zu müssen.

Nun allerdings kann es vorkommen, dass er sehr plötzlich
unberechenbar wird durch die Schilddrüsenüberfunktion…es
muß manchmal alles sofort gehen…am besten noch vor sofort.
Und dann bekommt er eben mal einen Aussetzer und wird sehr
ungehalten.

Das ist natürlich bei so einem Nachtwachenjob ganz schön schwer zu sein, aufzupassen wie ein Luchs, wenn stundenlang nix passiert… ich empfehle auf jeden Fall zumindest Bettgitter, (solange er keine lebenswichtigen Schläuche hat, die er sich selbst ziehen kann), die schenken einem doch meist die eine oder andere Sekunde.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir für die Nacht
jemandem haben, der das eben versteht und weiß, was diese
Krankheitsbilder bedeuten.
Hirnorgangeschädigt und eine Schilddrüseüberfunktion …das
ist schon harter Tobak.

Hoffentlich findet Ihr auch genug Studis, die das machen… für 7 Nächte die Woche… ich denke, Ihr braucht da schon fünf, sechs Leute.
…Fragt auf jeden Fall nochmal im Hospiz nach, die kennen sich auch mit Pflegeversicherung ibn diesem Fall aus und sind immer meistens sehr kreativ.

Ciao,
c+

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Wünsche Euch viel Glück :wink: owT.

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Hallo Vanessa,

meine Hochachtung vor Eurem Einsatz für Euren Großvater.

Schau mal unter diesem Link:
http://www.hospize.de/texte/adressenliste/30000-3099…
Dort findest Du viele Einrichtungen, die vielleicht weiterhelfen können (falls das selbständige Suchen nach einer Nachtwache nicht zum Ziel führt).

Euch allen wünsche ich viiel Kraft und Stärke!

Gruß
Martin

Danke…vielen lieben Dank !!!
Hallo Martin, Chris, Thomas, Oliver und alle anderen, die mir per mail und auch hier Tips und Zuspruch haben zukommen lassen !!

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ihr mir geholfen habt !

Eine Nachtwache scheint im Moment nicht nötig…mein Großvater ist, seitdem er das KH verließ und wir das Haldol abgesetzt und dafür wieder Tavor gegeben haben, deutlich besser drauf :smile:

Die ersten Nächte haben meine Mum und ich abwechselnd bei meinen Großeltern geschlafen…das ist eine Extrembelastung (die Tage sind ja auch nicht gerade entspannend), weil schlafen war nicht…wir lagen wach und sind bei jedem Geräusch losgetigert…irgendwie ist so ein Babyfon ja auch nicht unbedingt das, was man sich unter einer beruhigenden Hilfe vorstellt *seufz*.

Auf jeden Fall habe ich bei der deutschen Hospiz Stiftung eine Anlaufstelle gefunden…es besteht für uns die Möglichkeit, dort ziemlich spontan um eine Nachtwache zu bitten.
Und das dann auch noch zu Preisen, die wir ohne Bauchschmerzen aufbringen können.

Parallel habe ich mit einem Prof der Medizinschen Hochschule Hannover gesprochen…er hat einige Studenten angesprochen, die sich gerne unserer annehmen würden…sozusagen auch auf Abruf.

Langsam komme ich also wieder zur Ruhe…es ist so ziemlich alles geregelt, was die häusliche Pflege angeht.
Nun gilt es, den Kampf mit der Pflegeversicherung bezüglich der Einstufung in die Pflegestufe durchzuhalten…und dann werde ich wohl mal die Beziehung zu meinen Großvater aufarbeiten müssen :wink:

Liebe Grüße und einen schönen Tag euch,
Vanessa