Au weia
Hallo Max,
von dem, was Du schreibst, kann ich nur wenig stehen lassen.
Fast alle Adligen, die aus Berufssoldatenfamilien kamen, waren
begeisterte Soldaten und Mitläufer Hitlers. Auch Staufenberg
war von Hitler anfangs begeistert.
Begeister weiß ich nicht, aber ansonsten d’accord.
Wenn nicht, wäre er sicher
nicht so lange Soldat gewesen und hätte die Feldzüge alle
mitgemacht.
Diesen Schluss kannst Du so nicht ziehen. 1 Million kämpfende Soldaten = 1 Million Gründe zu kämpfen.
Erst, als man das schlimme Ende absehen konnte, wurde man
nicht Widerstandskämpfer, sondern wollte diesen Gefreiten
loswerden. Dieser war nun wohl doch nicht der größte Feldherr
aller Zeiten.
Das ist nun schon ehrenrührig. Deine Aussage mag für die Herren gelten, die ihr Mitmachen für den Fall des Erfolges zusagten (Manstein). Aber gerade für die Menschen des 20. Juli ging es vor allem um den moralischen Aspekt.
Stauffenberg selbst hat schon im Sommer 1942, während des scheinbar unaufhaltsamen Vordrigens der Heeresgruppe Süd, versucht, unter hohem Einsatz die Armeeoberbefehlshaber der Ostfront zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen Hitler zu bewegen.
Man wollte nur Hitler loswerden, das System gar nicht. Wenn
schon vor einem Attentat die Jobs verteilt werden, die man
hinterher bekommen soll, was für Idealisten!
Auch diese Aussage entspricht in keiner Weise dem historischen Forschungsstand. Fast schon dem krassen Gegenteil. Die Attentäter waren sich bewusst, dass sie am Ergebnis des Krieges nichts würden ändern können, man war schließlich Generalstabsoffizier. Es ging ihnen um ein Ende der Morde, um ein Ende des Krieges. Aber dazu musste Hitler beseitigt werden, als Voraussetzung für einem erfolgreichen Putsch gegen das System.
Und dann Deine niederträchtige Aussage mit den „Jobs“: welche Jobs sollten denn z.B. Stauffenberg oder Tresckow bekommen? In der Wehrmacht war ihnen der Weg nach ganz oben (z.B. Generalstabschef) bereitet - die hatten keine alternative Karriereplanung nötig.
Ganz davon zu schweigen, dass diese „Attentäter“ große
Dilettanten waren. Und sich selbst kein Haar dabei krümmen
wollten, sonst hätten sie eine Handgranate genommen.
Oben bemängelst Du, dass es eine Kabinettsliste für eine neue Regierung gab, unten wirfst Du ihnen mangelnde Vorbereitung vor. Von den praktischen Problemen eines Attentats scheinst Du keine Vorstellung zu haben.
Mir ist völlig unverständlich, was Dich dazu treibt, die wenigen in den Schmutz zu ziehen, die mit einer kleinen Aussicht auf Erfolg versucht haben, das Verbrechersystem zu beseitigen. Und warum mit völlig abwegigen, weil falschen Argumenten.
Um das ganze zu unterfüttern, hier eine kleine Literaturliste mit meinem persönlichen Autorenkommentar:
* Der Stilist von Rang, Joachim Fest
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* Der „Papst“ zum Thema 20.Juli, Peter Hoffmann
Das Standardwerk ist leider vergriffen (Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler)
* Aus Sicht der Frauen, Dorothee von Meding
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3886804038/
* Die ganz persönlichste Erinnerung, Marion Dönhoff
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3886805328
Also, Max, ich will Dich nicht persönlich angreifen, aber Deine Aussagen konnte ich unmöglich stehen lassen.
Gruß von
Andreas