Hi,
Ironman-Gewinner Normann Stadler hatte sich nach der Wahl zum Sportler des Jahres 2004 in einem Interview enttäuscht geäußert, da er nur den neunten Platz belegte. Der behinderte Wojtek Czyz belegte den fünften Rang.
Stadlers Worte: „Ein echtes Problem habe ich damit, dass mit Czyz ein Behinderter vor mir steht."
Ist das Neid oder ist Stadler nur blöd.
nicki
Hi!
…zur weiteren Meinungsbildung evt interessant:
http://focus.msn.de/hps/fol/newsausgabe/newsausgabe…
Gruss,
Martin
aus seiner homepage
02.01.2005 Stellungnahme zu Berichten in der FAZ, Bild und dem Spiegel zur ZDF Sportlerwahl des Jahres
Mannheim - „Ich bin sehr enttäuscht, dass von mir getätigte Aussagen während eines Gesprächs am 14. Dezember derartig einseitig und aus dem Zusammenhang gerissen durch die Medien aufbereitet werden. Die eigentliche Absicht meiner Aussage ist in der Darstellung völlig vernachlässigt worden. Zudem haben die Redakteure der FAZ entgegen der mündlichen Absprache das Interview nicht zur Kenntnis und Freigabe an mich gesendet. Mein Bestreben in dem Gespräch galt einer objektiveren Beurteilung und einer fairen Vergleichsmöglichkeit der sportlichen Leistungen. Sie sind durch die Medien sehr starken Möglichkeiten der Beeinflussung ausgesetzt. Exemplarisch habe ich dies an den genannten Sportlern aufgezeigt.
Es ist richtig, dass ich im Gespräch mit Redakteuren der FAZ wertfrei eine gesonderte Wahl für Sportler mit Behinderungen angeregt habe, um faire Vergleiche zu ermöglichen.
Sportlerwahlen sind auch immer emotionale Entscheidungen. Aber darf das emotionale Moment bei der Wahl durch Sportjournalisten über der erreichten Leistung liegen? Dies ist die Frage, die ich in diesem Zusammenhang gestellt habe. Wenn dem so ist sehe ich die Sache einfach anders und habe die emotionale Wertigkeit schlecht eingeschätzt und bin von einem anderen Ideal ausgegangen. Mir ist klar, dass es sehr schwer ist solche Maßstäbe zu finden oder anzulegen, eine offene Diskussion sollte aber durchaus möglich sein.
Ich selbst habe großen Respekt vor behinderten Sportlern und zähle einige auch zu meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Während meiner Trainingsaufenthalte in San Diego befindet sich auch Sarah Reinertsen in der Trainingsgruppe, die den IRONMAN Hawaii beim ersten Start in diesem Jahr direkt im Zeitlimit finishen konnte. Auch mit Marc Herremans verstehe ich mich glänzend. Sarah hat ein verkürztes Bein und eine Prothese, Mark erlitt vor vier Jahren auf Lanzarote einen schlimmen Radunfall. Seitdem ist er querschnittsgelähmt und bestreitet Rollstuhl-Rennen. Mein Verein, die MTG Mannheim zählt in ihren eigenen Reihen einen Goldmedaillengewinner der Paralympics.
Für meine Aussage im Interview der FASZ vom 02.01.2005 möchte ich mich aufrichtig entschuldigen. Ich wollte weder Wojtek Czyz persönlich beleidigen, noch die sportlichen Leistungen Behinderter allgemein abwerten. Meine Aussagen wurden aus dem Zusammenhang gerissen und so verzerrt. Über den Text, der veröffentlicht wurde war und bin ich schockiert. Ich hatte keine Möglichkeit diesen Text gegenzulesen und bin nun traurig darüber wie viele Menschen dadurch verletzt wurden.
Ich hoffe zukünftig die Möglichkeit zu bekommen meine Einstellung gegenüber Behinderten und dem Behinderten-Sport so darzustellen, wie sie wirklich ist. Und ich hoffe, dass meine Entschuldigung von Wojtek Czyz und allen Betroffenen angenommen wird. Es ging mir nicht um Diskreditierung der Sportler oder behinderter Menschen, sondern um die Wahl und ihren Anspruch an sich und die Schwierigkeit der Vergleichbarkeit von Leistung.“ - Normann Stadler
Hi Kuddel,
ich kenne den Mann nicht, aber dieser Homepage-Text
klingt, als sei da jemand mit Hilfe eines Image-Beraters
dabei, Schadeneindaemmung zu taetigen.
Die Aussage: Ich habe sogar behinderte Freunde! erinnnert
mich fatal an diejenigen von Suedafrikanern in den 80er
Jahren, die sofort, wenn das Gespraech auch nur
andeutungsweise in Richtung Apartheid abdriftete, ein oder
zwei schwarze „Freunde“ als Gewaehrsleute hervorholten:
ich bin doch aber gar keine Rassist (*unschuldigaugenauf-
schlag*).
Ueberhaupt - was ist das fuer ein Sportler, der sich
oeffentlich ueber die geringe Wuerdigung seiner Erfolge
aeussert?
Und aus wieviel Zusammenhang kann man die Aussage ‚es gibt
auch richtigen Sport‘ eigentlich reissen?
Gruesse
Elke
Hi,
Und aus wieviel Zusammenhang kann man die Aussage ‚es gibt
auch richtigen Sport‘ eigentlich reissen?
Zum Beispiel indem man sie schon mal falsch zitiert.
Er hat gesagt es gibt auch normalen Sport.
Liebe Grüße,
Max
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Zerfetzt mich!
Hi!
Ohne, dass ich ihn für seine wirklich derb blöde Äußerung in Schutz nehmen mag:
Kann es sein, dass die Leistungsdichte bei nicht behinderten Sportlern ungleich größer ist (schon allein, weil es sehr viel mehr nicht behinderte als behinderte Sportler gibt)?
Kann es deshalb sein, dass bei den Paralympics recht wenige Sportler/innen jeweils recht viele Medaillen gewannen, während bei den Olympischen Spielen die Verteilung der Medaillen sehr viel breiter verstreut war?
Schau Dir nur mal an, wie viele Nationen welche Anzahl von Sportlern zu den Paralympics geschickt haben und vergleiche das mit den Olympischen Spielen!
Es ist nicht ganz unlogisch, dass die reichen Nationen die meisten Gewinner stellten, da die armen Nationen gar nicht das Geld (und Interesse) haben, ihre behinderten Sportler (sofern es diese überhaupt gibt) dort hin zu senden…
Ich will, wie schon gesagt, niemanden schützen! Ich will auch die Leistung von gehandycapten Sportlern nicht schmälern!
Aber ich mag diese Leistung auch nicht wirklich vergleichen!
Ebenso würde ich es nur ungern wagen, die Leistung einer Faustballmannschaft, die sehr viel gewonnen hat, mit der einer Fußballmannschaft zu vergleichen - eben, weil es ungleich mehr Fußballer gibt!
Liebe Grüße
Guido
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Hi Max,
hast Recht, hab aus dem Kopf zitiert, weshalb ich
’ benutzt habe und nicht ".
Aber ‚normalen‘ Sport macht die Aussage nicht soviel
besser, oder?
Gruesse
Elke
Hallo ELke,
nun ja. Wenn es ‚richtig‘ heißt, ist das zwangläufig ein ABwertung des behindertensports als ‚nicht richtig‘. WÄhrend ‚normal‘ den Behindertensport als ‚nicht normal‘ klassifiziert. Un ddas ist eben nicht zwangsläufig eine ABwertung (kann abwertend gemeint sein, muss aber nicht).
Wohlwollend wie ich bin, scheint mir Stadtler versucht zu haben auszudrücken, daß man sportliche Leistungen relativ zum Umfeld bewerten müsse. Da geht dann die gesamte Trainingsleistung, das Umfeld des Sports, die Konkurrenz, die Leistungsdichte und anderes mit ein.
Und da meint er halt, daß eine Goldmedaille im 100meter Lauf der Behinderten, wo es 14 Klassen von 100m Läufern gibt (und damit 14 GOldmedaillen), keine Vor und Zwischenläufe, sondenr nur Endkämpfe, und wo kaum ein paar 100 Athleten den Sport weltweit Leistungsmäßig betreiben, nicht so hoch zu bewerten ist wie ein SIeg im Triathlon auf Hawai, wo 1000de schon in der Qualifikation scheitern, und wo die besten paar 100 der Welt unter professionellen Bedingnen arbeiten.
Davon ab waren seine Aussagen selbst bei wohlwollender Betrachtung selten d#ämlich und gehören schon deswegen bestraft.
Liebe Grüße,
Max
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Ihr habt ja Recht
Hallo,
ich kenn den Mann ja gar nicht und hab auch durch
dieses Posting zum ersten Mal etwas von diesen Aussagen
gehoert. Mir ist halt bloss dieser Text auf der Homepage
dann aufgefallen, der mir so vorkommt, als wollte jemand
eine bloedsinnige Aussage mediengerecht und entschuldigend
wieder glatt buegeln. Und so Aussagen wie: ‚zwei meiner
besten Freunde sind Neger‘, die klingen halt immer bloed.
Aber was Guido da aufwirft: natuerlich ist ein Unterschied
in der Bewertung - aber wenn ich sowas wie ‚Sportler des
Jahres‘ kreiere, dann muss ich alle Sportler einbeziehen.
Dass es sehr schwierig ist, die alle miteinander zu vergleichen
ist klar. Faengt ja schon damit an, dass ein Sportler
in einem Teamsport immer auch vom Team mitgetragen wird.
Von daher halte ich diese ‚Auszeichnung‘ fuer mediengerechte
Zuckerwatte und fuer den einzelnen Sportler sollte doch
dann eben nur seine Erfolge im direkten Vergleich in seinem
Sport gelten. Aber natuerlich, heutzutage bedeutet so eine
Auszeichnung Geld