Neue Überlegungen zum Ziegen- und Henkersproblem

Für alle Interessierten: Dieser Beitrag ist unheimlich lang, es lohnt sich aber trotzdem, ihn bis zum Ende zu lesen und mal darüber nachzudenken!

Zuerst dachte ich es sei alles sonnenklar: das Lexikon der populären Irrtümer hat recht, die Gewinnwahrscheinlichkeit bei einem Wechsel der Entscheidung verdoppelt sich also. Die Argumente der Befürworter dieser Lösung waren einfach zwingend. Doch dann kamen mir in einer schlaflosen Nacht plötzlich wieder Zweifel. Ausschlaggebend war eine Variante des Ziegenproblems, das „Henkersproblem“, daß Barbara Haeberlin in die Diskussion brachte. Für diejenigen, die das nicht mitverfolgt haben, hier noch einmal eine kurze Darstellung:

Drei Gefangene, sitzen in ihrer Zelle. Der Wärter teilt ihnen mit, daß zwei von ihnen am nächsten Tag hingerichtet werden sollen, während der dritte freigelassen werden soll. Allerdings darf er keinem der Gefangenen mitteilen, welches Schicksal ihn erwartet. Der Gefangene A, bittet den Wärter, ihm doch wenigstens den Namen eines Mitgefangenen, der sterben muß, mitzuteilen, und erfährt, daß der Gefangene B zum Tode verurteilt ist. A, der offenbar kein besonders guter Mathematiker ist, denkt sich, daß sich nun, da er weiß, daß von den Gefangenen A und C genau einer sterben wird, seine Überlebenschancen von 1/3 auf 1/2 erhöht haben.
In Wahrheit ist die Überlebenschance für C von 1/3 auf 2/3 gestiegen.

Hier die absolut logische und nachvollziehbare Begründung:
Zwei der drei Gefangenen müssen sterben. Die Wahrscheinlichkeit für jeden, zu überleben, ist also 1/3.
A liegt mit seiner Ansicht, seine Überlebenschancen lägen nun bei 50%, da er ja einer der beiden Kandidaten sei, von denen einer am Leben bleibt, falsch, denn für ihn war die Information nutzlos. Es ist in jedem Fall klar, daß mindestens einer seiner Mitgefangenen sterben muß (oder auch beide), egal, ob er dessen Namen kennt, oder nicht. Seine Überlebenschance liegt also weiter bei einem Drittel.
Für B liegt nun aber die Überlebenschance bei Null, da der Wärter seinen Namen genannt hat.
Die Gesamtwahrscheinlichkeit, daß zwei Gefangenen sterben müssen, ist 100%, also Eins.
Wenn A = 1/3 und B = 0, dann muß C = 2/3 sein!

Wem das nicht einleuchtet: Hier noch eine andere Lösungsvariante:
Möglichkeiten vor Information des Wärters
A überlebt B stirbt C stirbt
A stirbt B stirbt C überlebt
A stirbt B überlebt C stirbt
Überlebenschance für C: 1/3
Nach Information durch Wärter:
A überlebt B stirbt C stirbt
A stirbt B stirbt C überlebt
Überlebenschance scheinbar 50% , jedoch bezieht sich das auf eine neue Ausgangssituation mit nur 2 Gefangenen, von denen einer sterben muß. Gegenüber der Anfangssituation (3 Gefangene, 2 müssen sterben) haben sich die Überlebenschancen von C jedoch deutlich verbessert: Vorher standen die Möglichkeiten mit Todesfolge 2:1 zum Fall des Überlebens. Jetzt steht es 1:1, die Überlebenswahrscheinlichkeit hat sich also verdoppelt! War sie vorher 1/3, so muß sie jetzt 2/3 sein.

Soweit zu der Argumentation. Jetzt zu meinen Gedanken, die ich in der schlaflosen Nacht wälzte:
Nehmen wir an, der Insasse von Zelle A sei ein guter Mathematiker und sei zu der Erkenntnis gelangt, daß seine Chancen sich verdoppeln würden, wenn er mit dem Insassen von Zelle C die Identität tauschen könnte. Nehmen wir weiterhin an, der Henker kennt seine Opfer nicht. Ihm wurde nur gesagt, in welchen Zellen sie sich befinden. Dann wäre es für A sehr vorteilhaft, wenn er mit C die Zelle tauschen könnte. Er besticht also den Wächter. Der Wächter sagt, das ließe sich machen, vorausgesetzt, der Gefangene C sei einverstanden. Um sein Bestechungsgeld zu bekommen (und eventuell zu verdoppeln) ersinnt der Wärter (der ebenfalls etwas von Wahrscheinlichkeitsrechung vertsteht) eine List. Er geht zu C und fragt ihn nicht direkt, ob er mit dem Zellenaustausch einverstanden ist, sondern sagt ihm beiläufig, daß Gefangener B einer der beiden sein wird, die morgen sterben. C ist nun auch nicht dumm. Er berechnet, daß sich die Wahrscheinlichkeit zu überleben, bei einem Wechsel verdoppelt, und besticht ebenfalls den Wärter, der den Tausch arrangiert.
Doch was haben die beiden Gefangenen davon - außer ein bißchen mehr Hoffnung? Der einzige, der dabei gewinnt, ist der Wärter, der die Kohle einstreicht.

Mir scheint, man muß bei diesem Problem zwei grundlegende Dinge unterscheiden:

  1. Die Überlebenswahrscheinlichkeit aus der Sicht eines Betroffenen. Sie erhöht sich bei einem Wechsel der Zellen, aber ich vermute: nicht durch den Wechsel selbst, sondern durch die zusätzliche Wahlmöglichkeit, die der Gefangene vorher nicht hatte. Er könnte genauso gut wählen, in seiner alten Zelle zu bleiben. Aus seiner Sicht ist das Problem „unsymmetrisch“. Dies scheint mir aber eher eine subjektive Ansicht zu sein.

  2. Die Überlebenswahrscheinlichkeit aus der Sicht eines außenstehenden Beobachters: Hier sind die Chancen beider Gefangenen absolut gleich. Einer von beiden muß sterben, das Problem ist also symmetrisch.

Für den Gefangenen A würde es symmetrisiert, wenn er wüßte, daß sein Mitgefangener C über dieselbe Information verfügt und sich ausgerechnet hat, daß er in der Zelle von A sicherer wäre und ebenfalls tauschen wollte. Frage: Glauben Sie, die Gefangenen würden den Tausch noch vollziehen wollen, wenn Sie die Überlegungen des anderen kennen würden?

Da es meiner Meinung nach nicht zwei unterschiedliche Lösungen des Problems geben kann, muß eine Überlegung falsch sein. Doch ich komme nicht dahinter. Deshalb stoße ich die Diskussion wieder an. Vielleicht widerlegt einer meine Symmetrie-Theorie? Das würde mich beruhigen und ich könnte nachts wieder schlafen. Ich weiß, meine Überlegung ist wohl falsch, denn die empirische Erfahrung von einigen, die das Spiel offenbar einige hundert Mal durchgeführt haben, scheinen es zu belegen. doch w o steckt der Denkfehler???

Ich möchte aber gleich eine mögliche Gegenargumentation entkräften, die beim identischen (nur anders formulierten) Ziegenproblem bereits aufgetaucht ist, nämlich die Erweiterung der Türen von drei auf tausend.
Hinter einer der tausend Türen befindet sich ein Auto, hinter den anderen Ziegen. Der Kandidat wählt eine Tür aus. Dann öffnet der Moderator von den restlichen 999 Türen 998 - also alle bis auf eine - und hinter allen Türen sind Ziegen.
Die Wahrscheinlichkeit, gleich am Anfang das Auto zu erwischen, ist winzig. Aber wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich nach der Super-Türöffnungsaktion durch den Moderator hinter der letzten noch verschlossenen Tür das Auto befindet? Hier nimmt die Wahrscheinlichkeit, das Auto hinter der letzten, vom Moderator nicht geöffneten Tür zu finden, von 1/1000 auf 999/1000 zu.

Soweit ist das auch nachvollziehbar, doch wer sagt denn, daß die Bedingungen für ein Experiment mit 1000 Türen so wie hier beschrieben sein müssen?

Bleiben wir noch mal bei den drei Türen:
Der Kandidat wählt eine Tür, der Moderator öffnet dann eine Ziegentür. Letzteres kann man allerdings auf drei unterschiedliche Arten beschreiben, die zu völlig verschiedenen Bedingungen für das Experiment mit tausend Türen führen:

  1. Der Moderator öffnet von den (zwei) verbliebenen Türen alle bis auf eine. Bei Erweiterung auf tausend Türen entspricht das dem oben beschriebenen Fall von 998 Türen, mit den daraus berechneten Wahrscheinlichkeiten.
  2. Der Moderator öffnet die Hälfte der (zwei) übriggeblieben Türen. Im Fall von 1000 Türen würde er dann aber die Hälfte von 999 (also entweder 499 abgerundet oder 500 aufgerundet) öffnen. Die Gewinnwahrscheinlichkeit würde sich nun verdoppeln, da die Hälfte der Türen als Gewinnchance ausscheidet.
  3. Der Moderator öffnet genau eine der (zwei übriggebliebenen Türen). Das täte er dann auch bei tausend Türen. In diesem Fall würde sich das Wechsel überhaupt nicht lohnen, denn es sind nahezu so viel Nieten übrig wie vorher.

Die Argumentation zieht also nur, wenn man die Drei-Türen-Lotterie auf die unter Punkt 1 beschriebene Weise auf tausend Türen verallgemeinert.
Wo liegt der Haken???

Ein ratloser

Roland

Du wirfst 2 Sachen durcheinander: Standardwahrscheinlichkeit (LaPlacescher Versuch, es werden geichzeitg 2 zufaellig ausgewaehlt (oder 2 Kugeln gezogen)): 1/3 ueberlebt, 2/3 sterben.

2 verkettete Versuche (mit Entnahme !, das aendert den subjektiven Sachverhalt) - bedingte Wahrscheinlichkeit:

Wenn hintereinander gezogen wird, ist die Wahrscheinlichkeit im 1. Pick nicht genommen zu werden 2/3, im zweiten 1/2 -> gesamt 2/6 = 1/3.

In beiden Fällen bleibts bei einem Drittel.
Wenn tatsaechlich B zuerst rausgeholt würde, hat er danach noch 50% Überlebenschance, denn der 1. Versuch ist abgeschlossen und von zweien muss nur noch einer sterben)

Zusammengefasst bleibt seine Wahrscheinlichkeit 1/3, er weiss jetzt nur mindestens einen der genau anderen, denn durch das Wissen aendert sich nix ueber den von ihm nicht beeinflussbaren (!) Versuch. Wenn er jetzt die Zelle wechseln duerfte,
sollte er es natuerlich tun, dann waeren wir beim Moderator.

Gruss
Dirk

Einige Punkte deiner Logik stimmen nicht.

In Wahrheit ist die Überlebenschance für
C von 1/3 auf 2/3 gestiegen.

Quatsch, wo soll denn 2/3 herkommen ?

Zwei der drei Gefangenen müssen sterben.
Die Wahrscheinlichkeit für jeden, zu
überleben, ist also 1/3.

richtig, und die ändert sich auch nicht

Vorher standen die
Möglichkeiten mit Todesfolge 2:1 zum Fall
des Überlebens. Jetzt steht es 1:1, die
Überlebenswahrscheinlichkeit hat sich
also verdoppelt! War sie vorher 1/3, so
muß sie jetzt 2/3 sein.

Quatsch (1:1 bedeutet 1/2, 2/1 bedeutet 2/3, da hat sich nix verdoppelt).

zum Henker

In Wahrheit ist die Überlebenschance für
C von 1/3 auf 2/3 gestiegen.

Quatsch, wo soll denn 2/3 herkommen ?

Argumentation 1:
Die Überlebenschance für A bleibt 1/3, die von B ist Null, damit bleibt für C: 1 - 1/3 = 2/3.

Argumentation 2:
Vor der Befragung des Wärters sind die Überlebenschancen für A, B und C je 1/3. Bis hierher sind wir uns sicher einig.

Wenn A überlebt, wird der Wärter mit einer Wahrscheinlichkeit von je 1/2 B oder C als Todeskandidaten nennen.
Wenn B überlebt, muss der Wärter C als Todeskandidaten nennen (er darf ja nicht A sagen).
Wenn C überlebt, dann wird der Wärter aus dem gleichen Grund B als Todeskandidaten nennen.

Wir kriegen damit die folgenden vier Fälle:

  1. A überlebt, B wird genannt. Wahrscheinlichkeit: 1/3 * 1/2 = 1/6
  2. A überlebt, C wird genannt. Wahrscheinlichkeit: 1/3 * 1/2 = 1/6
  3. B überlebt, C wird genannt Wahrscheinlichkeit: 1/3 * 1 = 1/3
  4. C überlebt, B wird genannt. Wahrscheinlichkeit: 1/3 * 1 = 1/3

Nachdem der Wärter gesagt hat, dass B sterben wird, bleiben nur noch Fall 1 und Fall 4. Fall 4 ist doppelt so wahrscheinlich, wie Fall 1, das heißt, die Überlebenschancen von C sind doppelt so hoch, wie die von A. Also A: 1/3 und C: 2/3.

Bei dieser Variante empfehle ich nicht, es experimentell nachzuprüfen.

Nehmen wir an, der Insasse von Zelle A
sei ein guter Mathematiker und sei zu der
Erkenntnis gelangt, daß seine Chancen
sich verdoppeln würden, wenn er mit dem
Insassen von Zelle C die Identität
tauschen könnte. Nehmen wir weiterhin an,
der Henker kennt seine Opfer nicht. Ihm
wurde nur gesagt, in welchen Zellen sie
sich befinden. Dann wäre es für A sehr
vorteilhaft, wenn er mit C die Zelle
tauschen könnte. Er besticht also den
Wächter. Der Wächter sagt, das ließe sich
machen, vorausgesetzt, der Gefangene C
sei einverstanden. Um sein
Bestechungsgeld zu bekommen (und
eventuell zu verdoppeln) ersinnt der
Wärter (der ebenfalls etwas von
Wahrscheinlichkeitsrechung vertsteht)
eine List. Er geht zu C und fragt ihn
nicht direkt, ob er mit dem
Zellenaustausch einverstanden ist,
sondern sagt ihm beiläufig, daß
Gefangener B einer der beiden sein wird,
die morgen sterben. C ist nun auch nicht
dumm. Er berechnet, daß sich die
Wahrscheinlichkeit zu überleben, bei
einem Wechsel verdoppelt, und besticht
ebenfalls den Wärter, der den Tausch
arrangiert.
Doch was haben die beiden Gefangenen
davon - außer ein bißchen mehr Hoffnung?
Der einzige, der dabei gewinnt, ist der
Wärter, der die Kohle einstreicht.

Uuups. Damit hast Du mich jetzt auch eine Weile zum Nachdenken gebracht.
Hier mein Gegenargument:
Die Situation ist NICHT symmetrisch.
Nachdem der Wärter zu A gesprochen hat, ist die Überlebenswahrscheinlichkeit von A 1/3 (A überlebt, B wird genannt) und von C 2/3 (C überlebt, B wird genannt).
Auf dieser Basis geht der Wärter nun zu C und nennt ihm B als Todeskandidaten. Er darf ihm nicht C nennen, denn das wäre gegen die Spielregeln, und er darf ihm nicht A nennen, denn er will ihn ja in Zelle A locken. Das heißt, der Wärter hat keine andere Möglichkeit, als B zu sagen (Wahrscheinlichkeit 1), diese Information ändert also an Cs Situation garnichts.
C, der nicht weiß, unter welchen Bedingungen diese Information zustande gekommen ist, wird also getäuscht.

Nochmal mit anderen Worten:

  1. A bekommt einen Todeskandidaten genannt, unter der Bedingung, dass ihm nicht A genannt wird.
  2. C bekommt ebenfalls einen Todeskandidaten genannt, unter der Bedingung, dass ihm nicht A genannt wird.
    Da ist die Asymmetrie.

Wenn C weiß, dass der Wärter vor ihm an A dieselbe Information gegeben hat, kann er sich auch ausrechnen, dass seine Überlebenschance größer ist, wenn er in seiner Zelle bleibt.

Anders ist es, wenn der Wärter sich zuerst einen Todeskandidaten erwählt (in unserem Fall B) und danach den beiden anderen Gefangenen mitteilt, dass B sterben wird. Hier ist Situation in der Tat symmetrisch, beide haben eine Chance von 1/2, und für beide ist es egal, ob sie die Zellen tauschen oder nicht.

Wieso kapiere ich den Sch… nicht?
Jetzt habe ich das alles verfolgt und die Argumente waren ja auch schlüssig, aber laß uns mal ganz simpel nachdenken:

Gefangene (A,B,C) -> 1 überlebt, 2 werden getötet -> A erfährt, daß B sterben muß -> A oder C muß sterben, der andere wird entlassen -> Überlebenschance von A = 50%

ODER?

Der Henker und sein Zwillingsbruder
der eine hat rote Handschuhe der andere blaue Handschuhe
welcher der echte ist weiß man nicht.
doch beide wissen wer sterben muß.

roter ist gerade bei A
blauer ist gerade bei C

da beginnen beide zugleich zu fragen
und beide antworten : B

jetzt siehts erstmal symetrisch aus,
doch in wirklichkeit hätte der rote auch sagen können C
damit wirds unsymetrisch
doch ich möcht nicht der A sein, der daraufhin wechselt.

hier siehts wieder asymetrisch aus.

oder könnt nicht genausogut der blaue A sagen, dann möcht ich wieder nicht der C sein der zu B wechselt.

im übrigen hab ich trotzdem ichs bei den Ziegen verstanden hab den link mit dem Zufallsgenerator probiert.

Misserfolgsergebnis bei 4 versuchen mit 50 spielen war immer bei 1/2 bis ca 2/3 aber, und das ist erstaunlich bei wechseln.
mag aber am zufallsgenerator liegen,
oder weil man die wahrscheinlichkeit in serie erkennt und entsprechend die erste wahl trifft.

Frust!
Eigentlich dachte ich, ich hätte es kapiert, aber mit diesem Beispiel hänge ich schon wieder - trotz der Antworten, die mir zwar z.T. einleuchten, die ich aber noch nicht selbst geben könnte.

Wieder eine schlaflose Nacht vor mir - vielen Dank :wink:

Meine Konsequenz aus all dem ist eigentlich primär eine:

Die Wahrscheinlichkeit ist ohnehin ein Sch…; entweder man stirbt oder nicht, und sogar mit der Wahrscheinlichkeit 1/3 zu sterben kann man trotzdem Pech haben - und diesen Versuch KANN man nicht wiederholen :wink:

Gute Nacht Euch allen - ich bin ja selbst schuld, warum hab’ ich bloß nochmal hier reingeschaut, nachdem ich’s verstanden hatte! :wink:

Karin

Ihr werft bedingte Wahrscheinlichkeiten, direkte Wahrscheinlichkeit und subjektive Sichten (durch „Wissen“) durcheinander - das Wissen hat nix mit den objektiven Wahrscheinlichkeiten zu tun, solange kein Eingreefen moeglich ist - erzeugt aber fast ein Paradoxon.

Sieh es mal andersrum: der Waerter sagt A, dass er ueberlebt - damit ist subjektiv fur A alles klar:100 zu 0 zu 0. Fuer alle anderen bleibt die Wahrscheinlichkeit 1/3, daher …

Argumentation 1:
Die Überlebenschance für A bleibt 1/3,
die von B ist Null, damit bleibt für C: 1

  • 1/3 = 2/3.

Die Chance von B ist aber objektiv nicht 0 !
Wenn du B auf 0 setzen willst, ist es das Szenario 2 mal ziehen mit bedingter Wahrscheinlichkeit - der 1. Versuch abgeschlossen, und dann ists 50/50 fuer beide.

Argumentation 2:
Vor der Befragung des Wärters sind die
Überlebenschancen für A, B und C je 1/3.
Bis hierher sind wir uns sicher einig.

Un das bleibt sie auch nach der Befragung, denn Waerter und A haben keinen Einfluss auf die bereits gefaellte Entscheidung

Gruss

wie ich unten bereits mal erklärte muss man nur Wahrscheinlichkeit und „subjektives Wissen“ (und damit geänderte Verhältnisse aus dessen Sicht) auseinanderhalten.

Ausserdem muessen sowieso alle 3 sterben, die einen frueher, der andere spaeter (wenn er sich nicht nachts zu Tode gruebelt…:wink:)

Gruss

Ihr werft bedingte Wahrscheinlichkeiten,
direkte Wahrscheinlichkeit und subjektive
Sichten (durch „Wissen“) durcheinander -

Die Chance von B ist aber objektiv nicht 0 !

'türlich ist die Null. B muss sterben. Objektiv und in echt. Da hilft garnix.

Lass uns mal die Subjektivitäten beiseite lassen, es ist klar, dass die Situation für B anders aussieht als für A, hätte er dieselben Informationen wie A, so würde er auch zu denselben Schlussfolgerungen kommen.

Wenn es Dir schwer fällt, einzusehen, dass sich mit dem Hinzufügen von Information die Wahrscheinlichkeiten ändern, dann stell Dir mal folgendes Spiel vor:
Ich wähle zufällig ein Tier aus Brehms-Tierleben, und Du sollst es durch Ja-Nein-Fragen erraten.
Vor Deiner ersten Frage, ist die Wahrscheinlichkeit für jedes Tier gleich hoch.
Nun fragst Du „Ist es ein Säugetier“, und ich antworte mit „Ja“.
Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Frosch ist gleich Null, und die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Elefant ist, ist entsprechend gestiegen.
Ich glaube nicht, dass Du nach meiner ersten Antwort die Wahrscheinlichkeit für Schlangen und Frösche noch für genauso hoch, wie am Anfang des Spiels halten wirst.

Sauberes Rechnen mit bedingten Wahrscheinlichkeiten hab ich Dir doch im letzten Posting vorgerechnet, und Du kannst mir ruhig glauben, dass ich das kann. Ich bin Mathematiker und hab mein Handwerk gelernt.
Aber das Problem hat schon größere Geister als Dich und mich zum Haareraufen gebracht. In den frühen 90er Jahren waren die Leserbriefspalten vom Sceptical Enquirer, von der Zeit und vom Spiegel voll davon.

Zu guter Letzt noch ein Literaturtip: Gero von Randow: Das Ziegenproblem, Denken in Wahrscheinlichkeiten, rororo, ISBN: 3-499-19337-X Buch anschauen

Da von Anfang an für jeden der 3 Gefangenen klar ist, daß zu 100 % einer der 2 anderen stirbt, ist doch eigentlich für jeden schon gleich die Wahrscheinlichkeit 1/2.
Entweder stirbt er oder eben nicht.
übelgrübel Klaus.

Naja. Mit dem Argument kannst Du auch sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass Du den heutigen Tag überlebst, ist 1/2. Entweder Du stirbst, oder nicht.
Das wollen wir doch nicht hoffen. :wink:

So ist das eben mit der Wahrscheinlichkeit:
Es scheint wahr zu sein, ist es aber nicht.
Ich verstehe eben nur nicht, wieso sich an der Wahrscheinlichkeit daß A stirbt etwas ändert wenn er den Wächter fragt, denn es ist doch von vornherein klar, daß einer der Mitgefangenen sterben soll, egal welcher das ist. A erhält durch die Antwort des Wächters keinerlei Information, die er nicht schon vorher hätte.Abgesehen natürlich von dem Fall, daß er mit C tauschen wollte, aber das war ja garnicht in der ursprünglichen Fragestellung enthalten.
Gruß Klaus

A erhält durch die
Antwort des Wächters keinerlei
Information, die er nicht schon vorher
hätte.

Falsch! Vor der Befragung wußte er nur, daß jeder von den dreien mit 1/3 Wahrscheinlichkeit überlebt. Durch die Info hat sich diese Wahrscheinlichkeit für B aber auf 0 reduziert. Da die Gesamtwahrscheinlichkeit, daß einer überlebt, sich nicht ändert, ändert diese Information also die Wahrscheinlichkeit des Überlebens von A und C (als Gruppe).

Und ich kann mich der Buchempfehlung von Barbara nur anschließen (hab’s im ursprünglichen Thread selbst empfohlen): Es erklärt das Problem (allerdings mit den Ziegen) sehr gut!

Kubi

Ist mir immer noch nicht klar:
A fragt den Wärter,

  1. Mäglichkeit B stirbt, dann Wahrscheinlichkeit für A auf 1/2 gestiegen.
  2. Möglichkeit: C stirbt, dann Wahrscheinlichkeit für A auch auf 1/2 gestiegen.
    Ob A nun fragt oder nicht fragt, die Wahrscheinlichkeit steigt immer auf 1/2 bezüglich des einen oder des anderen.
    Wenn er nun tauschen kann, sollte er natürlich tauschen, das gleiche wie mit den Ziegen.
    Gruß Klaus.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ob A nun fragt oder nicht fragt, die
Wahrscheinlichkeit steigt immer auf 1/2
bezüglich des einen oder des anderen.
Wenn er nun tauschen kann, sollte er
natürlich tauschen, das gleiche wie mit
den Ziegen.

Immer noch nicht.
1.Ob A nun fragt, oder nicht fragt, seine Wahrscheinlichkeit ändert sich nicht (da hast Du recht).
2. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der genannten Person ist Null.
3. Also muss sich de Überlebenswahrscheinlichkeit der nicht genannten Person entsprechend erhöhen.

1.Ob A nun fragt, oder nicht fragt, seine
Wahrscheinlichkeit ändert sich nicht (da
hast Du recht).
2. Die Überlebenswahrscheinlichkeit der
genannten Person ist Null.
3. Also muss sich die
Überlebenswahrscheinlichkeit der nicht
genannten Person entsprechend erhöhen.

Genau; Die Überlebenswahrscheinlichkeit von A erhöht sich ( da er ja zu den ungenannten Personen gehört ) in jedem Fall!!! auf 1/2.
Das hätte er aber schon vorher wissen können.
Gruß Klaus
PS: Ich frage mich nur wieso er sozusagen gleichzeitig eine Wahrscheinlichkeit von 1/3 und 1/2 haben kann.

Lösung für alle Unentschlossenen!
Also für mich ist der Fall jetzt sonnenklar, was nicht heißt, daß ich die Antwort wüßte :wink:

Also, sollte ich jemals in dieses Quiz kommen, wechsle ich auf jeden Fall die Tür, obwohl ich bisher meist für die 50/50 Lösung war. Mit der einfachen Begründung: schlechter als 50% kanns nicht werden, höchstens besser, falls die anderen recht haben, oder nicht?
Ich geh jetzt ins Bett…
Rüdiger

ok, B stirbt, schade für Ihn, aber er weisses ja noch nicht:wink: Jetzt geh ich mal davon aus, das A es C erzählt, so das beide die gleiche Info haben. Was machen die beiden nun? Tauschen mit Freuden Ihre Zellen???
grübel und tschüß,
Rüdiger

Nö.
Wenn beide die gleichen Informationen haben und beide gleich schlau sind, sehen beide, dass die Chancen für C besser sind als für A. Wenn ich C wäre, würde ich nicht tauschen wollen. Wenn ich A wäre, schon.
Wenn ich B wäre, dann sowieso, aber dann würde keiner der anderen mit mir tauschen wollen.