Neuer Hund

Hallo,

weiß jetzt nicht so genau, ob ich im Tierforum oder im Psychologieforum schreiben soll.

Fall:
Eine 13 jährige bekommt einen 8 Wochen alten Welpen.
Dieser Welpe wird mit der Zeit ihr ein und alles, ihr bester Freund.
Die Jahre vergehen, sie wird mit diesem Hund erwachsen und dieser Hund ist immer und überall dabei.
16 Jahre später wird dieser Hund eingeschläfert. Eine Welt bricht zusammen. Sie ist sich sicher: Nie wieder ein Hund, da sie nie wieder einen Hund beerdigen möchte und da sie sich nicht vorstellen kann, daß irgendein anderer Hund jemals das für sie wird, wie es ihr erster Hund war.

2 Jahre später spürt sie aber doch so langsam den Wunsch nach einem neuen Hund. Dies wird von Woche zu Woche stärker. Sie war der Meinung, daß sie nund wieder für einen neuen Hund bereit ist.

Nach langer Überlegung ist es soweit. Ein neuer Welpe zieht ein.
Aber seit dem dieser Welpe da ist, denkt sie wieder ständig an den alten Hund. Jede Bewegung, alles was dieser neue Hund macht, vergleicht sie mit dem alten Hund, wie der das so damals gemacht hat.
Es ist wieder wie in der schlimmsten Trauerzeit.
Sie mag diesen Hund sehr, aber sie kann sich trotzdem nicht so richtig freuen, daß er jetzt da ist.

Frage: Hat das auch schonmal ein Tierbesitzer so empfunden? Vergeht das?

Vielen Dank

Prognose düster…??
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Liebe Nathalie,

hört sich nicht gut an. Es handelt sich un ein narzißtisches Phänomen: Der neue Hund ist ein Platzhalter, die idealisierte Gestalt des alten Hundes erstickt ihn und Frauchen.

Es ist eine sinnvolle mögliche nicht ungesunde Reaktion, wenn der neue Welpe die süß-schmerzliche Erinnerungen auffrischt, „weckt“. Nicht aber, wenn das Alte das Neue entleert.

Im günstigsten Fall wird demnächst der „Neue“ so richtig _ „entdeckt“ _, es gibt ihn dann.

Im ungünstigsten…

abifiz

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Hallo Nathalie,

du leidest wirklich sehr unter dem Verlust deines Hundes, denn du schreibst immer wieder davon. Daher denke ich - als Laie ! - dass du mit der eigentlichen Trauerarbeit noch nicht fertig bist. Das holt dich jetzt wohl leider ein.

Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass mein jetziger Hund trotz aller Liebe zu ihm NIE so ein guter Freund für mich sein wird wie mein erster Hund. Den bekam ich damals mit 12 Jahren, er hat mich durch die Pubertät begleitet, das gibt es eben nie wieder.

Nüchtern betrachtet denke ich, es hängt mit dem Alter zusammen. Ein „Kindheitshund“ wird immer anders sein als die Hunde, die einen durch das Erwachsenenleben begleiten - denke ich jedenfalls.

Man sollte das gar nicht vergleichen, jeder Hund ist anders, jede Freundschaft ist anders, jedes Tier, das mit einem zusammengelebt hat, hat seinen Platz im Herzen. Es muss also gar nicht „vergehen“, es wird immer ein bißchen bleiben, aber in erträglicher Form.

Viele Grüße
Insel

Hi Nathalie,

hast Du Dich von Deinem verstorbenen Hund in ausreichender Weise verabschieden können? Wie war das als er eingeschläfert wurde, was geschah mit dem Tierleichnam? Vielleicht wäre es eine Idee nochmal sich in einem Ritual zu verabschieden?

Klingt als wärst Du hier sehr sensibel. Manche Menschen sehen ein Tier eher als Ding und als Gebrauchsgegenstand denn als ein Mitgeschöpf.

Gibt es Bilder von dem verstorbenen und dem jetzigen Hund? Vielleicht setzt Du Dich mal in Ruhe hin und vergleichst, doch stellst auch die Unterschiede klar heraus, z.B. Rasse, Farbe, Blick, Fell, Ohren… Und wenn Du wieder die Gemeinsamkeiten siehst, tröste Dich oder lasse Dich trösten.

Du brauchst möglicherweise eine längere Trauperphase und vielleicht magst Du hi und da nur bestätigt werden, dass Du auch lange Zeit trauern darf. Doch mache Dir auch immer wieder bewußt, dass jedes Lebewesen ein Individium ist, jeder Hund ist anders, auch mit unterschiedlichem Charakter. Stülpe ihm nicht den verstorbenen Hund über sondern lass’ ihn ihn selbst sein. Sonst muss er noch zum Tierpsychologen. :smile:

Möglicherweise geht es hier nicht nur um ein lieb gehabtes Tier sondern das Tier war Dir Wegbegleiter durch die Pubertät und Deine Jugendzeit. Und vielleicht trauert ein Teil (muss nicht so sein) auch um die Jugend bzw. die Verbindug die Du durch dieses Tier mit der Jugend hasttest. Vielleicht hast Du ihm Gedanken und Gefühle anvertraurt, und dieser Teil des Vertrauten, ist dann auch weg(gestorben).

Was vermisst Du am meisten an Deinem verstorbenen Hund? Vielleicht brauchst Du einfach nur etwas mehr Zeit. Doch schaue Deinen neuen jungen Hund immer wieder genau an, siehe die Unterschiede und dass er Dich auch braucht, jemanden der ihn nicht nur füttert, mit ihm Gassi geht, ihn badet, mit ihm spielt und ihn mag und lieb hat so wie er ist.

Ciao,
Romana

Hallo Nathalie

Frage: Hat das auch schonmal ein Tierbesitzer so empfunden?

Ob „Tierbesitzer“ oder „Menschenbesitzer“ ist in diesem Fall sekundär - insofern ist es schon richtig, dass Du im Psychologie-Brett angefragt hast statt im Tier-Brett. Die „Tierbesitzer“ hätten Dir nur weiter die Ohren vollgeheult mit Sachen wie „Wer die Menschen kennt, liebt die Tiere“ usw usf.
Dein Posting könnte also genauso gut den Tod eines Lebensgefährten, ich meine jetzt: Menschen, betreffen.
Der „Schatten des Objektes“ wirkt eben nach, insbesondere bei depressiv akzentuierten Persönlichkeiten.

Vergeht das?

Bei oben beschriebenen „depressiv akzentuierten Persönlichkeiten“ dauert es halt in der Regel etwas länger, aber es vergeht schon irgendwann.
Gruß und gute Besserung,
Branden

Hallo!

Frage: Hat das auch schonmal ein Tierbesitzer so empfunden?
Vergeht das?

Ja, ich kenne das was du beschreibst.
Mein Hund mit dem ich aufgewachsen bin ist seit fast drei Jahren tot. Aber trotzdem denke ich noch sehr oft an ihn.
Ein paar Wochen nach seinem Tod bekamen wir einen neuen Hund. Der ist ganz anders (soll er auch sein, ich will ja keinen Ersatz für den letzten Hund, sondern einen „ganz Neuen“).
Leider muss ich dir auch sagen, dass dieses Vergleichen und Vermissen bei mir noch nicht aufgehört hat.
Versuche den neuen Hund zu akzepieren. Gib ihm eine Chance. Er hat es verdient. Sehe ihn nicht als „billigen“ Ersatz, sondern als Chance und einen Neuanfang. Ich habs auch versucht und bin noch „mittendrin“. Ich liebe meinen neuen Hund sehr, genauso wie meinen letzten Hund. Ein schlechtes Gewissen habe ich deshalb nicht, eben weil ich ihn nicht als Ersatz sehe. An den toten Hund zurück zu denken und zwischendurch auch mal wieder richtig um ihn trauern ist ja auch völlig in Ordnung. Wenn du nie an ihn denken würdest, wäre es ja eher ein schlechtes Zeichen (er soll ja nicht vergessen werden).
Was mich sehr beschäftigt ist, dass mich die Augen von meinem neuen Hund an den Blick von meinem letzten Hund erinnern, als er tot war und ich in seine Augen geschaut habe. Ziemlich oft wenn ich meinem Hund in die Augen sehe, kommen wieder die Bilder und Gefühle in mir hoch, als ich ihn tot aufgefunden habe und ihn noch umarmt und gestreichelt habe. Das war alles so schrecklich.
Wir haben unseren letzten Hund begraben. Ich habs aber bis jetzt noch nicht geschafft sein Grab zu besuchen. Auch die Stelle an der er gestorben ist, da kann ich auch noch nicht hin. Irgendwann, wenn ich mich bereit dazu fühle, werde ich mal hin gehen. Aber jetzt ist es für mich noch zu früh. Für mich ist es auch besonders schwer mit seinem Tod klar zu kommen, weil die Todesursache nie richtig geklärt wurde (er ist nicht an einem „natürlichen“ Tod gestorben).
Ich wünsche dir viel Kraft und lass dir Zeit, versuche nichts zu erzwingen! Und lass die Trauer zu; verdränge deine Gefühle nicht!
Wenn du jemanden zum reden brauchst der dich versteht, kannst du mich ruhig per mail anschreiben. Mir würde es bestimmt auch gut tun, ab und zu darüber zu sprechen.
Viele liebe Grüße, Anna