Hallo Alex,
die recht schwere Neurodermitis meines Sohnes beschäftigt meine Familie schon seit über 10 Jahren.
Es gibt soviele supergute Profis und oberwissenschaftliche oder auch zauberwunderhafte Therapien und Mittel gegen diese Krankheit, daß (wenn sie nicht ohnehin von alleine verschwindet) Du zum gleichwertigen Neurodermitis-Experten werden mußt.
Man braucht keinem Arzt zu trauen, weil der eine so sagt, der andere anders, und dann womöglich die Krankheit nach dem Besuch beim Schamanen heilt (oder auch nicht).
Kortisoncreme bessert rasch, das ist sicher, und das sollte man auch ab und zu konsequent durchführen, damit die Haut zwischendurch wieder richtig heilen kann. Die Neurodermitis kann nämlich noch weitere Hautkrankheiten verursachen.
Was den Auslöser der Krankheit anbelangt, so kann man bei der Suche nach Umwelteinflüssen durchaus Erfolg haben, aber meistens nur teilweise. Bei einem Zweijährigen würde ich nicht als erstes die Ernährung nach irgendeinem Ratgeber umstellen. Meistens ist die Neurodermitis nämlich besser – als nichts ordentliches zum Essen zu bekommen.
Lieber bei den weniger invasiven Sachen anfangen: keine Synthetiksachen mehr anziehen, wurde hier gesagt, richtig (genausogut: nur noch Synthetiksachen, das kann helfen, wenn Milbenkot ein Problem ist). Unterwäsche ohne modernes Waschmittel mit Kernseife kochen, nur noch alte, x-mal gewaschene Sachen anziehen, das kann helfen. Haustiere sind auch so Kandidaten. Täglich baden und gründlich mit Kernseife waschen kann bessern, aber Herumschmuddeln mit Grobreinigung alle zwei Wochen auch. Manche schwören auf Meersalz oder irgendwelche anderen magischen Badezusätze, für andere ist das Öl irgendeiner Heilpflanze der Schlüssel zur makellosen Haut (mein Sohn z.B. verträgt Öl auf der Haut gar nicht). Man kann dies und das ausprobieren.
Geh aber nicht gleich zum Allergologen, laß keine quälenden Pricktests oder Blutuntersuchungen machen, das könnt Ihr in drei Jahren immer noch machen.
Laß die Krankheit nicht zum Lebensmittelpunkt werden. Wenn der Erfolg ausbleibt, dann muß das Kind damit leben. Und das geht ja auch. Hat man diese Krankheit kann man trotzdem spielen wie jedes andere Kind und mit jedem anderen Kind. Und die Berufswahl wird durch diese Krankheit weniger eingeschränkt als durch Kurzsichtigkeit.
Tu mal trotzdem Spaßhaben mit Töchterlein
W. Berger