Neurotische Depression

Hallo zusammen,

habe ein paar spezielle Fragen zu o. g. Thema.

Einem Lehrbuch habe ich entnommen, dass der neurotisch Depressive Selbstbestätigung immer außerhalb von sich selbst sucht und von der Zustimmung und dem Wohlwollen anderer abhängig macht, weil er sich selbst keine Selbstbestätigung geben kann.

Fragen:

  1. Warum kann er sich selbst keine Selbstbestätigung geben?
  2. Wie funktioniert ein neurotisch Depressiver in dieser Hinsicht und aus welchen Gründen?
  3. Wie wird man neurotisch depressiv und wie funktioniert der Weg zurück? (gem. der Theorie von Ursache und Wirkung)

Vielen Dank für Eure Unterstützung!!!

LG Rolo

Eine der Hauptursachen jeder Form von neurotischer Erkrankung, liegt in der triebfeindlichen Erziehung --> das eigentliche Selbst (von Freud das „ES“ genannt) wird ins Unbewusste verdrängt, zugleich der naturgemäße Sinn des Daseins, so kann sich kein Betroffener, depressiv oder nicht, echte Selbstbestätigung geben. Ein sensibler Mensch mag eher als andere die Hohlheit der gängigen Scheinwerts- und -glücksvorstellungen/ Streben nach Konsum, Prestige und Macht) spüren und darauf dann mit einer Depression reagieren… Der Weg zurück besteht aus der leider nicht kurzfristig machbaren Aufdeckung der Kindheitserfahrungen und der Wiederfreilegung des verdrängten „ES“, am besten funktioniert es anhand Freuds Traumanalyse.

text von mir, aber branden, sag mal was
hi,

das erlebnis, wertvoll und schützenswert zu sein, gibt uns früh unsere mutter, wenn sie uns mit wärme und nahrung und sicherheit versorgt.

das erlebnis, selbst erfolgreich und autonom sein zu können, geben uns unsere eltern, wenn sie uns in der kindheitsphase dauerhaft unterstützen und versorgen, auch, weil sie DAS erfolgreich tun.

in der behandlung der dpression ist es sehr günstig, die erlebnisse von unversorgt sein, alleine gelassen werden, mißbraucht werden etc. in einer biographie zu erinnern, erneut zu durchleben, um festzustellen, wie klein und hilflos man damals war, wie schlimm diese erfahrung war und dass es genau die ist, die einem ein schema von

„du kannst dich auf die menschen und die welt nicht verlassen“

oder

„ich kann nichts tun“

einprägt.

folglich ensteht auch eher kein (oder ein zu schwaches) schema von

„ich bin mächtig, fähig, kann erfolgreich sein“.

so herrscht ein schema vor, das vom tun, vom verhalten anderer (wie damals!) abhängig ist.

depression ist eben die grundhaltung von ohnmacht, von aussichtslosigkeit und die kann man therapeutisch wieder in die vergangenheit legen, da, wo sie auch verständlich richtig wahrgenommen wurde, um das heute zu entdecken, die macht, die man heute hat, das leben zu beeinflussen.

das ist neurosentherapie.

ich bitte freundlich branden um ergänzung, der ist ausgebildedeter tiefenpsychologe, ich bin tiefenpsychologisch interessierter verhaltenstherapeut.

Hallo!

Fragen:

  1. Warum kann er sich selbst keine Selbstbestätigung geben?

Pauschal gesagt, weil bei einer Depression das Selbst weitgehend entwertet ist, und angeklagt oder sogar aggressiv bedroht wird (vgl. die für die neurotische Depression typischen Gedanken der Selbstvernichtung usw.).

Ein solches Selbst kann keine Quelle der Bestätigung mehr sein, was es noch weiter entwertet … es ensteht eine Abwärtsspirale, die für die Neurotische Depression ebenfalls typisch ist, genauso wie das Gefühl/Tatsache, sich selbst da nicht „rausziehen“ zu können.

  1. Wie funktioniert ein neurotisch Depressiver in dieser
    Hinsicht und aus welchen Gründen?

Das hat Alpha bereits schön beschrieben. Man muss die neurotische Depression als Reaktivierung der Ohnmachtsgefühle der Kindheit bzw. auch die Abhängigkeitsgefühle von den liebenden/schützenden/versorgenden ‚Objekten‘ der Kindheit (Eltern) verstehen (zumindest aus analytischer Sicht).

Weitere Aspekte: Neurotisch Depressive haben oft

  • ein durch Kränkungen fragil gewordenes Ich
  • hohe und rigorose Ansprüche an sich selbst, denen sie nicht gerecht werden können
  • eine hohe Empfindlichkeit und Verletzbarkeit bei Trennungserfahrungen
  • schon früh die Tendenz, erlebte Erfolge der Umwelt zuzuschreiben, Misserfolge aber sich selbst zuzuschreiben, so dass sich solche negativen Denkschemata dann immer mehr verfestigen
  1. Wie wird man neurotisch depressiv und wie funktioniert der
    Weg zurück? (gem. der Theorie von Ursache und Wirkung)

Das Werden ist bei den Aspekt 2+3 ja schon angesprochen.

Ansonsten funktioniert der „Weg zurück“ (das ist sicher kein „Zurück“ im eigentlich Sinn, so ein Ungeschehen-Machen ist eine Illusion, es ist, wenn dann, ein „Weg heraus“, jedenfalls einer nach vorne, nicht zurück) bei der Neurotischen Depression nicht anders als in der Allgemeinen Neurosentherapie, und müsste als solche separat erfragt und beantwortet werden.

Ganz grob (und mit Freuds bekannten Worten) gesagt durch:
Erinnern (an die Ohnmachts-, Abhängigkeits-, Kränkungssituationen und -muster der Kindheit)
Wiederholen (indem diese Kindheitsszenen auf die analytische Situation bzw. auf den Analytiker übertragen werden, „an ihm“ nochmal erfahren werden)
und
Durcharbeiten (diese Kindheitserfahrungen mit Hilfe des Analytikers nach und nach ‚verdauen‘, die eingefahrenen Konfliktmuster verändern)

Soweit aus analytische Sicht, der (Kognitiven) Verhaltenstherapie gehts wohl eher um das Akzentuieren ungünstiger Schemata des Denkens und Verhaltens, ungüstiger Attributionsstile usw., sowie das Erlernen adäquaterer Muster mithilfe des Therapeuten.

So, jetzt muss aber wirklich noch der vanBranden ran, wenn er bisher schon nicht auf den Alpha gehört hat :wink:

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

Hallo,

dann hat Depression wohl auch mit dem Phänomen der Generalisierung zu tun. Schlimme Erfahrungen der Kindheit werden später einfach verallgemeinert, obwohl sich die externe Realität längst gewandelt hat und Vieles, was damlas in der Kindheit Gültigkeit hatte, heute im Erwachsenenalter eigentlich (objektiv) gar nicht mehr gültig ist, aber subjektiv immer noch so empfunden wird.

Nachdem was Du weiter schreibst, lassen sich Depressionen offenbar nicht auf intellektuellem Wege aus der Welt schaffen, sondern nur über die emotionale Schiene.

Das sollte man eigentlich nicht meinen, weil die Ursachen von Depressionen ja vor allem auch in einer Fehleinschätzung der eigenen Person (ich bin nix wert, niemand mag mich, etc) liegen und diese Fehleinschätzungen sind ja die Ergebnisse von Denkprozessen, also von intellektuellen Prozessen, oder?

Gruß und vielen Dank,

Rolo

So, jetzt muss aber wirklich noch der vanBranden ran, wenn er
bisher schon nicht auf den Alpha gehört hat :wink:

Es ist alles gesagt.
Ich beschränke mich diesmal aufs Sternchengeben.

ich bitte freundlich branden um ergänzung

Nicht nötig, Alpha. Es bleibt mir nur, zuzustimmen und Dir und Candide Sternchen zu geben.

Dann sag ich doch noch was (bißchen)
Hi
Jetzt sag ich doch was dazu. Wenn auch nichts Besonderes. :wink:

Nachdem was Du weiter schreibst, lassen sich Depressionen
offenbar nicht auf intellektuellem Wege aus der Welt schaffen,
sondern nur über die emotionale Schiene.

So ist es. Weshalb Therapien ja auch nicht in intellektuellem Gespräch stattfinden.

Das sollte man eigentlich nicht meinen, weil die Ursachen von
Depressionen ja vor allem auch in einer Fehleinschätzung der
eigenen Person (ich bin nix wert, niemand mag mich, etc)
liegen und diese Fehleinschätzungen sind ja die Ergebnisse von
Denkprozessen, also von intellektuellen Prozessen, oder?

Nein, eben nicht. Sondern von frühkindlichen Erfahrungen, zum Teil noch aus der prä-verbalen Zeit, wie dir ja Alpha und Candide schon beschrieben haben.
Gruß,
Branden

Hallo,

im Hinblick auf meine Fragen eine wirklich sehr systematisch aufgebaute Antwort. Vielen Dank dafür!

Nochmal kurz zur Selbstbestätigung: Die Abwertung des eigenen Selbst ist ja kein realer, objektiver Vorgang. Jemand mit einer neurot. Depression ist ja nicht wirklich weniger wert und nicht wirklich unfähiger, als jemand, der von sich total überzeugt ist (vielleicht sogar eher umgekehrt :smile:. Diese Fehlinterpretation bezüglich der Fähigkeiten der eigenen Person, ist doch objektiv sehr leicht widerlegbar.

Warum hält der Betroffene an solchen, für ihn selbst so nachteiligen Mustern so hartnäckig fest? Wo liegen die (empfundenen) Vorteile? Jedes Verhalten oder denken ist doch immer irgendwie motiviert. Einfach unglaublich und ebenso interessant!

LG Rolo

Lieber Rolo!

… leicht widerlegbar.
Warum hält der Betroffene an solchen, für ihn selbst so
nachteiligen Mustern so hartnäckig fest? Wo liegen die
(empfundenen) Vorteile? Jedes Verhalten oder denken ist doch
immer irgendwie motiviert.

Solche ungünstigen Muster der Selbstwahrnehmung sind für Außenstehende nur als ganz offensichtlich unsinnig und grundlos zu verstehen.

Kein Mensch kann aber rational und „intellektuell“ mit seinen Wahrnehmungen, Zuschreibungen und Gefühlen umgehen, ein kranker Mensch schon drei mal nicht.
Insofern würde ich das Festhalten an solchen Mustern v.a durch zwei Faktoren begründet sehen, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken:

  1. eine Art „Wiederholungszwang“ der eingefahrenen Schemata, aus denen man schon deshalb nicht so leicht ausbrechen kann, weil man gar nichts anderes hat als sie. Darum muss man andere Muster in einer Therapie ja erst „erlernen“.

  2. Eine Abwehr von (vermeintlich) Schlimmerem. Z.B. verharrt man (ohne dass das nun eine sehr bewusste, rationale Entscheidung wäre) lieber in seinen vertrauten Ohnmachtsgefühlen anstatt in Beruf, Beziehung etc. die Initiative zu ergreifen, um den dadurch drohenden Kränkungs- und Misserfolgserlebnissen (die der Depressive ohnehin schon überstark antizipiert) zu entgehen.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

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Hallo und besten Dank auch an Dich…

so gesehen könnte man eine Depression dann wohl auch als eine Art von „menschlicher Qualität“ oder als Ausdruck ganz besonderer empathischer Fähigkeiten auffassen.

Das würde dann wieder bedeuten, dass gerade diejenigen, die nicht an Depressionen leiden, eigentlich die „Unfähigen“ sind, weil sie die Absurdität unserer Existenz nicht zu erkennen vermögen.

Das wäre dann wirklich ganz besonders ungerecht, wenn jemand aufgrund besonderer empathischer Fähigkeiten dann auch noch großes Leid erfahren müßte.

LG Rolo

Jjedenfalls ist Unrecht tun schlimmer als es erleiden. Du fragst oben also mit Recht darnach, welche ‚Vorteile‘ ein Depressiver aus diesem Zustand wohl ziehen könnte - die vorläufige Antwort ist ebenso einfach wie allgemein gehalten: Ein depressives ICH ist von seinem das ES - die naturgemäßen Triebe - ins Unbewusste verpresst halten wollenden ÜBER-ICH, in das v.a. die lustfeindliche erziehende Mutter/ Vater, jede frühkindliche Bezugsperson) eingenistet ist, masochistisch abhängig, will also nicht auf die Illusion ihrer Liebe verzichten, narzißtisch infantil bleiben. Sein Leiden gewährt ihm also getarnt sadistische Zuwendung (mindestens innerlich), zugleich die noch viel unlustvolleren Strafängste meidend, die jedesmal aktualisiert würden, da das ICH begänne, sich für die moralisch tabuisierten Bedürfnisse des ES einzusetzen, sei vorerst nur auf dem Wege der Traumanalyse, um die kindheitsschäden zu untersuchen, aufgrund derer es ins Unbewusste verdrängt wurde.

Bist Du betroffen vom Sonderfall „Derpression“, oder nur rein intellektuell dabei, dies Syndrom zu durchleuchten? (Deine Fragen und Stellungnahmen, klingen nicht depressiv).

Dir auch meinen Dank für Deine Anregungen!

J.

Hi, Joshua,

war mein Verdacht also doch richtig, dass jedes Muster seine (vermeintliche) Existenzberechtigung hat.

Bist Du betroffen vom Sonderfall „Derpression“, oder nur rein
intellektuell dabei, dies Syndrom zu durchleuchten? (Deine
Fragen und Stellungnahmen, klingen nicht depressiv).

Mich fasziniert dieses Thema über alle Maßen, weshalb ich mich auch oft damit beschäftige (hobbymäßig). Man kann dabei auch viel über sich selbst erfahren, ohne dass man selbst unter Depressionen leidet.

Alle Gefühle, ob positiv oder negativ, sind virtuell in unserer Psyche erzeugt und unabhängig von der objektiven Welt. Es hängt nur von der Art und Weise unserer Wahrnehmung ab, ob wir gut gelaunt sind oder depressiv verstimmt. Die Realtität können wir nicht ändern, nur die Art und Weise der Wahrnehmung dieser Realität (Perspektive) ist änderbar. Man meint immer, so wie man selbst die Welt erlebt, wäre sie auch. Man wäre aber sehr überrascht, wenn man diese Welt einmal für einen Tag mit den Augen eines Arbeitskollegen oder seines Vaters sehen könnte.

Meiner Meinung nach gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Phänomen Depression und materiellem Wohlstand und zwar einen umgekehrt proportionalen Zusammenhang:

In Afrika oder Lateinamerika, wo es den Menschen objektiv betrachtet, viel schlechter geht, als in den westlichen Industriesaaten (zumindest im Durchschnitt), treten Depressionen viel seltener auf, als bei uns. Das ist ja zunächst einmal eine große Überraschung!

Man sollte eigentlich meinen, dass Menschen, denen es objektiv schlecht geht und die reale Existenznöte haben, viel eher an Depressionen leiden, als Menschen, die wie die Maden im Speck leben und eigentlich sehr glücklich sein müßten/könnten.

Es ist aber interessanter Weise genau umgekehrt!

Die Abwesenheit realer Existenznöte, begünstigt Depressionen. Was könnte das bedeuten? Sind Depressionen evtl. so eine Art „Autoimunerkrankung“ der Psyche? Sucht sich die Psyche bei Abwesenheit realer Probleme möglicherweise Ersatzprobleme, um die Problemlösungs-Modi am Laufen zu halten?

Dir auch meinen Dank für Deine Anregungen!

Ganz meinerseits!

LG Rolo

Mich fasziniert dieses Thema über alle Maßen, weshalb ich mich auch oft damit beschäftige (hobbymäßig). Man kann dabei auch viel über sich selbst erfahren, ohne dass man selbst unter Depressionen leidet.

Forschung - auch zwecks Selbsterkenntnis - ist bestimmt eine sehr effektive Möglichkeit, Triebenergie, die sonst sinnlos verpufft oder gar zur (Auto-/Destruktion hinführt, in befriedigender Weise auszuleben. Gerade im Fachbereich der Psychopathologie dürfte es so sein, nebenher zur Klarheit auch eine Art von Immunschutz zu erwerben…

Alle Gefühle, ob positiv oder negativ, sind virtuell in unserer Psyche erzeugt und unabhängig von der objektiven Welt. Es hängt nur von der Art und Weise unserer Wahrnehmung ab, ob wir gut gelaunt sind oder depressiv verstimmt. Die Realtität können wir nicht ändern, nur die Art und Weise der Wahrnehmung dieser Realität (Perspektive) ist änderbar. Man meint immer, so wie man selbst die Welt erlebt, wäre sie auch. Man wäre aber sehr überrascht, wenn man diese Welt einmal für einen Tag mit den Augen eines Arbeitskollegen oder seines Vaters sehen könnte.

Dazu muß man also nachvollziehen können, wie sie ‚ticken‘, vor allem wenn ihr Verhalten und Empfinden von unnatürlichen Problemen befallen ist, die es einem gesunden Menschen nicht gestatten, sich spontan in seine leidenden Artgenossen hineinzuversetzen… Wie meinst Du das, die Realität können wir nicht ändern? Wenn es so ist, dass eine kranke Realität gesund geborene Kinder verrückt macht und es möglich ist, trotz alledem den Weg heraus zu finden, warum sollte ein gesunder Mensch dann nicht auch der umgebenden Realität positive Impulse setzen können, die eventuell eine gewaltige Kettenreaktion zur Folge haben?

Meiner Meinung nach gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Phänomen Depression und materiellem Wohlstand und zwar einen umgekehrt proportionalen Zusammenhang:
In Afrika oder Lateinamerika, wo es den Menschen objektiv betrachtet, viel schlechter geht, als in den westlichen Industriesaaten (zumindest im Durchschnitt), treten Depressionen viel seltener auf, als bei uns. Das ist ja zunächst einmal eine große Überraschung!
Man sollte eigentlich meinen, dass Menschen, denen es objektiv schlecht geht und die reale Existenznöte haben, viel eher an Depressionen leiden, als Menschen, die wie die Maden im Speck leben und eigentlich sehr glücklich sein müßten/könnten.
Es ist aber interessanter Weise genau umgekehrt!
Die Abwesenheit realer Existenznöte, begünstigt Depressionen. Was könnte das bedeuten? Sind Depressionen evtl. so eine Art „Autoimunerkrankung“ der Psyche? Sucht sich die Psyche bei Abwesenheit realer Probleme möglicherweise Ersatzprobleme, um die Problemlösungs-Modi am Laufen zu halten?

Also analog des bei Allergien so gut wie nicht mehr vorhandenen Bombardements mit Bakterien plus gelegentlicher Wurminfektionen. Ja, das ist eine sehr schlüssige Annahme, auch wenn man bedenkt, dass in Afrika und anderen Primitivpatriarchaten die Erziehung in der Regel wesentlich weniger subtil traumatisch verläuft wie in den hyperzivilisierten Nationen mit ihrer auch auf dem Gebiet des Hygieneterrors unendlich verfeinerten Pädagogik. Und abgesehen auch davon, dass die Menschen hierzulande dank des an sich bewundernswerten Fortschritts auf dem Gebiet der Technologien die Flucht nach vorn in die Vereinsamung ergreifen können (- allein in ihrer Wohnung mit Waschmaschine ect. vegetierend), während die Afrikaner für’s alltagliche Überleben noch eher auf das gemeinschaftliche Arbeiten/ Wäschewaschen am Fluß usw.) angewiesen sind. Da sie aber ebenfalls von ihren eigenen Angehörigen traumatisch erzogen werden/ s.u.a. die entsätzlichen Pubertätsrituale), streben auch sie auf dem Holzweg der „Ersatzbedürfnisse“ nach Macht, Prestige und Konsum, und werden, wenn sie unser technlogisches Niveau erreichen, an den gleichen 'Zivilisations’krankheiten leiden. Sei denn, es käme jemand, der zum Initiator des umgekehrten Weges würde, zurück zum naturgemäßen Glück. Das hieße also nicht unbedingt „zurück in die Steinzeit“: Technik gehört zu den geistigen Leistungen, und ist erforderlich, um in klimatisch ungünstigen Umwelten zu überleben…

Neurotische Depression
Hi, Joshua,

erneut besten Dank! Könnte den ganzen Tag lang weiterlesen :smile:

… Wie meinst Du das, die Realität können

wir nicht ändern? Wenn es so ist, dass eine kranke Realität
gesund geborene Kinder verrückt macht und es möglich ist,
trotz alledem den Weg heraus zu finden, warum sollte ein
gesunder Mensch dann nicht auch der umgebenden Realität
positive Impulse setzen können, die eventuell eine gewaltige
Kettenreaktion zur Folge haben?

Ja, ich weiß schon was Du meinst und ich stimme Dir auch zu. Ich habe das anders gemeint, mich aber missverständlich ausgedrückt.

Mit „die Realität können wir nicht ändern, nur die Wahrnehmung dieser Realität“ wollte ich letztlich auf die Geschichte mit dem halb vollen, bzw. halb leeren Glas raus.

Ein und diesselbe Situation (Realität) wird von jedem unterschiedlich bewertet und interpretiert, weil jeder seinen individuellen Wahrnehmungsfilter hat.

Z. B. gibt es Menschen, die an einem verregneten und trüben Novembertag schlecht drauf sind, weil sie dieses Wetter (Realität) mit etwas Traurigem und Trostlosem assoziieren. Anderen Menschen schlägt diese Witterung aber nicht aufs Gemüt, weil diese Kulisse positivere innere Bilder in ihnen auslöst, etc., etc., etc.

Je nach dem, durch welche Brille man die Welt oder eine bestimmte Situation sieht, werden die Gefühle positiv, bzw. negativ beeinflusst.

Schönen Tag noch,

Rolo

Mit „die Realität können wir nicht ändern, nur die Wahrnehmung dieser Realität“ wollte ich letztlich auf die Geschichte mit dem halb vollen, bzw. halb leeren Glas raus.

Ach so, das Phänomen der Relativierbarkeit meinst Du. Ja, darin waren die antiken Sophisten ganz groß; sogar beim Unsinn ist es ihnen gelungen, ihn den naiven Zuhörern als Sinn einzureden, natürlich nicht umsonst. Aristoteles wandt gegen diese Machenschaften freilich ein, dass - wenn es so wäre, wie die Sopisten meinten („Der Mensch ist das Maß aller Dinge“) - in dem Fall auch nichts dagegen spräche, sich gleich nach dem Aufstehen in den erstbesten Abgrund zu stürtzen. „Alles ist relativ“ ist lediglich ein Vermögen des rationalen Denkens; beliebig das eine für Gut und das andere für Schlecht anzusehen, setzt also die Ausschaltung der Intuition voraus, die „Weisheit der Natur“, das Göttliche am Menschen…

Guten Morgen, Joshua,

Ach so, das Phänomen der Relativierbarkeit meinst Du.

Tsja, bin mir nicht ganz sicher, ob wir beide da dasselbe meinen. Diese Aussage „Die Realität können wir nicht beeinflussen, nur die Sichtweise dieser Realität, also ob wir das berühmte Glas als halb voll oder als halb leer ansehen, können wir steuern“ hab ich vor ein paar Jahren in einem Motivationstraining für Manager aufgeschnappt. (bin selber aber keiner :smile:

Der einzige Unterschied, zwischen positiven und erfolgreichen Menschen und verzweifelten und depressiven Menschen ist doch die verschiedene Art und Weise ihrer Wahrnehung der Realität, oder etwa nicht? Die Realität (objektiv) ist so, wie man sie sich ausmahlt (subjektiv).

Du schreibst aber weiter:
„Alles ist relativ“ ist lediglich ein Vermögen des rationalen Denkens; beliebig das eine für Gut und das andere für Schlecht
anzusehen, setzt also die Ausschaltung der Intuition voraus,
die „Weisheit der Natur“, das Göttliche am Menschen…

Wenn ich Dich richtig verstehe, ist meine oben aufgestellte These, aus Deiner Sicht dann aber nicht möglich, oder?

Nach Deiner Aussage kann man seine persönliche Sichtweise (subjektiv) der Dinge (objektiv) gerade nicht beeinflussen?

LG Rolo

Doch, das läßt sich machen, etwa indem man die intuitive Weisheit der Natur (- die Sokrates übrigens „Daimonion“ nannte und Kant „gesunder Menschen-Verstand“) für die Meinungsbildung durch die rationale Arbeit der „kritischen Vernunft“ entweder berücksichtigt oder ignoriert. Je nach dem bilden sich zwei Gruppierungen, mit völlig unvereinbaren Auffassungen über das, was die Subjekt- Objekt-Beziehung sei… In der Geistesgeschichte des Abendlandes charakterisiert erste Möglichkeit die Strömung der „Lebensphilosophen“ (von Anaximander über Heraklit, Sokrates… bis hin zu Kant und Freud) und die letztere die „rationalistische Philosophie“ (von der antiken Sophistik bis hin zu Descartes, Hegel und manche „Manager“). Rationalismus, den meist auch eine „mechanistische“, dazu die Vernunft wie Hegel vergöttlichende Denkweise begleitet, kommt auch unter einigen Richtungen der Therapie vor, insofern man depressiven Menschen einzureden versucht, sie bräuchten für die Lösung ihrer Probleme einfach nur ihre bisherige Sichtweise wechseln und sich ein zum Funktionieren auf der Arbeit besser geeignetes Verhalten einprogrammieren, dabei die Intuition ausschaltend und mit ihr die Forschung nach den Ursachen der Erkrankungen des Empfindens. „Ohne Diagnose, keine Therapie“ (Freud), sie bilden es sich aber ein. Mein ganz subjetiver Eindruck…