Hallo!
Der Befund, dass es mit abnehmenden Alter immer weniger
Deutsche gibt, die ihre Sprache richtig (ob nun alt, neu oder
reformiert neu) schreiben können, dürfte allgemein akzeptiert
sein. (Ich selbst könnte seitenweise Beispiele aus
Bewerbungsschreiben zitieren.)
Diesem Befund würde ich ohne genauere Untersuchungen nicht zustimmen wollen.
Die erste Frage ist: Was heißt „richtig“? Ist „richtig“ das, was in den 70er Jahren gültig war, was die Duden-Redaktion herausgibt (was sogar unter Linguistikprofessoren sehr umstritten ist) oder was du als richtig empfindest?
Ich kann momentan seitenweise Beispiele von Menschen zwischen 20 und 70 zitieren, die nach meinem Empfinden (und sehr häufig nach den Standards meiner Ausbildung) falsch sind. Bei älteren Menschen genauso wie bei jüngeren. Nach alter (die nicht mehr gültig, also falsch ist) und nach neuer RS. Schlichtweg falsch.
Deshalb sind das ja aber keine schlechten Texte. Deshalb haben diese Menschen ja keine schlechte Ausbildung. Sie haben damit teilweise viele jahrzehnte lang gute Jobs gemacht.
Eine häufige Diskussion unter uns jungen Leute sind z.Zt. die Kommaregeln, die Höflichkeitsformeln und ein paar Zweifelsfälle bei Groß-/Kleinschreibung, Getrennt-/Zusammenschreibung. Wir gehen dabei nach Regeln, aber auch nach Gefühl. Immerhin werden wir von alten und von jungen Leuten gelesen.
Ich finde die sog. „alte RS“ seltsam, empfinde sie an vielen Stellen als falsch und unlogisch. Ich bin mit der alten RS aufgewachsen, durfte mein Abi noch darin schreiben, musste aber in neuer RS studieren, wobei einige Linguistikprofs auf die alte oder sogar auf ihre eigene (!) RS bestanden. Habe da also ein bißchen was durch
Mittlerweile schreibe ich fast nur noch neu, wobei ich oft staune, dass etwas „neu“ ist (also für ältere Leute „falsch“), was ich nie anders gemacht hätte (z.B. das leidige „ß“).
Ich denke, ob etwas richtig oder falsch ist, was mit Sprache zu tun hat, hängt auch viel vom eigenen Empfinden ab. Natürlich gibt es Regeln, die die Kommunikation erleichtern sollen, und auch viele dieser Regeln sind logisch und hilfreich. Natürlich sollten junge Menschen eine gute Rechtschreibung haben (und einen differenzierten Ausdruck, das finde ich ja fast noch wichtiger), und natürlich muss das Bestandteil der Schulbildung sein. Über Qualität und Quantität kann ich nichts sagen, aber es ist Bestandteil in jeder Altersstufe!
Ich denke aber, dass ein „durchschnittlicher Schüler X im Jahr 2008“ (wenn es den denn gibt) nicht zwangsläufig schlechter in Rechtschreibung ist als ein „durchschnittlicher Schüler Y im Jahr 1970“. Meine kühne These wäre: Du überschätzt die früheren Zeiten 
LG
Sonne