Niedergang richtiger Schreibung

Hallo an alle Schüler, Eltern, Lehrer, Bürger!

Der Befund, dass es mit abnehmenden Alter immer weniger Deutsche gibt, die ihre Sprache richtig (ob nun alt, neu oder reformiert neu) schreiben können, dürfte allgemein akzeptiert sein. (Ich selbst könnte seitenweise Beispiele aus Bewerbungsschreiben zitieren.)

Ich frage mich nun, woran das liegt. Konnte ich bis in die 70er Jahre davon ausgehen, dass ein Volksschüler lesen, rechnen, schreiben kann - und zwar richtig -, trifft dies heute nicht einmal mehr auf alle Akademiker zu.

Wird das in der Grundschule nicht mehr gefordert? Steht es nicht mehr im Lehrplan? Ist es den Lehrern egal? Gibt es dazu Erhebungen, Untersuchungen?

Mit Dank für Hinweise,
Andreas

Niedergang der Lektüre
Hallo,

ein Grund dürfte sein, dass einfach weniger gelesen wird.
Als ich Kind war, war das Medienangebot nicht annähernd so ausgebaut wie heute. Da waren ARD und ZDF und das wars auch schon. Spielekonsolen steckten noch in den Kinderschuhen. Für mich war die sonntägliche Fahrt in die Leihbücherei ein liebgewonnenes Ritual.
Beim Lesen gewinnt man ganz nebenbei ein Gefühl für die richtige Schreibweise.
Für viele Kinder und Jugendliche heute ist ein Buch ein mysteriöses Objekt, mit dem man in der Schule in Kontakt gebracht wird, und weil es mit Schule zu tun hat, ist es per se unangenehm, weil aufgezwungen.

Grüsse

Jörg

Hallo Andreas,

Ich frage mich nun, woran das liegt. Konnte ich bis in die
70er Jahre davon ausgehen, dass ein Volksschüler lesen,
rechnen, schreiben kann - und zwar richtig -, trifft dies
heute nicht einmal mehr auf alle Akademiker zu.

Es gab mit Sicherheit auch in den 70ern Akademiker, die nicht perfekt in der geschriebenen Sprache
waren - die findet man sicher häufiger in den Fachrichtungen, wo andere Schwerpunkte herrschen.
Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass ein Politologe oder Germanist grobe Fehler in der
Sprache hinlegen.

Wird das in der Grundschule nicht mehr gefordert?

Gefordert schon, aber nicht gefördert. Was die Kinder nicht selbst an Vorwissen und Motivation
mitbringen werden die Lehrer nicht aufbauen können/wollen. Ist das nicht ein Thema, was sich täglich
durch die Presse zieht?

Steht es nicht mehr im Lehrplan?

Das kann ja nur ironisch gemeint sein, oder?

Ist es den Lehrern egal?

Egal wohl nicht, aber auch den Lehrern fehlt es an Motivation, Kreativität und nicht zuletzt auch an
Qualifikation.

Gibt es dazu Erhebungen, Untersuchungen?

PISA Studie

Viele Grüße

Hallo Chili,

Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass ein Politologe
oder Germanist grobe Fehler in der
Sprache hinlegen.

Grob vielleicht nicht, aber aus anderem Zusammenhang liegt mir ein einseitiger Bericht eines Historikers (M.A.) vor, der auf die komplette Seite genau zwei Kommata gesetzt hat. Nur so als Beispiel.

Steht es nicht mehr im Lehrplan?

Das kann ja nur ironisch gemeint sein, oder?

Keineswegs. Mir kam jüngst ein Gerücht zu Ohren, dass es eine neue Lehrmethode gebe, nach der die Kinder ersteinmal so schreiben können, wie sie wollen. Erst später wird dann Rechtschreibung beigebracht. Wer weiß was?

Gruß,
Andreas

Hi Andreas,

Ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass ein Politologe
oder Germanist grobe Fehler in der
Sprache hinlegen.

Grob vielleicht nicht, aber aus anderem Zusammenhang liegt mir
ein einseitiger Bericht eines Historikers (M.A.) vor, der auf
die komplette Seite genau zwei Kommata gesetzt hat. Nur so als
Beispiel.

Das muss ja aber noch nciht falsch sein. Wenn man nur Hauptsätze aneinanderreiht sieht das zwar blöd aus, ist aber richtig.

Steht es nicht mehr im Lehrplan?

Das kann ja nur ironisch gemeint sein, oder?

Keineswegs. Mir kam jüngst ein Gerücht zu Ohren, dass es eine
neue Lehrmethode gebe, nach der die Kinder ersteinmal so
schreiben können, wie sie wollen. Erst später wird dann
Rechtschreibung beigebracht. Wer weiß was?

Dabei ging es - soweit ich weiß - darum, dass die Kinder ihr Schriftbild frei wählen können. D.h. die Schreibschrift als Schönschriftform ist nicht mehr vorgegeben. Korrekte Rechtschreibung aber schon.

Ich glaube viel mehr, dass die automatsiche Rechtscheibprüfung uns den Garaus macht.

Viele Grüße,

JPL

Nain, nain!
Hallo JP!

Dabei ging es - soweit ich weiß - darum, dass die Kinder ihr
Schriftbild frei wählen können. D.h. die Schreibschrift als
Schönschriftform ist nicht mehr vorgegeben. Korrekte
Rechtschreibung aber schon.

Äs is tahdsechlich gemaind, east ma so zu schraim wi mann höat. Nix Rächdschraibunk! Unt ich glaup, Schöhnschrüft gips schohn lannge nich mea.

Gruß
Lea

Hallo, das sehe ich auch so.
Schreiben durch Lesen - das bringt’s. Und Üben, Üben, Üben.
Leider sind die neuen Lehrmethoden in der Schule auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Da werden massenhaft spielerische Arbeitsblätter benutzt, wo mal ein einzelnes Wort hier und ein einzelnes Wort da ausgefüllt werden müssen. Von kontinuierlicher Übung kann da keine Rede sein. Und die Fibel der 1.Klasse enthält viele Bilder für die Phantasie, aber wenige längere Texte.

Beatrix

Hallo

Keineswegs. Mir kam jüngst ein Gerücht zu Ohren, dass es eine
neue Lehrmethode gebe, nach der die Kinder ersteinmal so
schreiben können, wie sie wollen. Erst später wird dann
Rechtschreibung beigebracht. Wer weiß was?

das nennt sich Lesen durch Schreiben oder Schreibwerkstatt.
Es wird davon ausgegangen, dass die „Angst vor Fehlermachen“ die Kinder dazu bringt, nicht gerne zu schreiben. Deshalb lässt man die Kinder anfangs schreiben, wie sie wollen und lobt sie dafür, dass sie überhaupt schreiben :wink: Man soll dann auch anfangs nicht die Fehler hervorheben und berichtigen - da die Kinder ja dadurch frustiert werden und die Lust zum Schreiben massiv beeinträchtigt wird!

Beatrix

Hallo,

Hallo an alle Schüler, Eltern, Lehrer, Bürger!

Ich fühle mich mal als „Bürger“ mitangesprochen.

Der Befund, dass es mit abnehmenden Alter immer weniger
Deutsche gibt, die ihre Sprache richtig (ob nun alt, neu oder
reformiert neu) schreiben können, dürfte allgemein akzeptiert
sein. (Ich selbst könnte seitenweise Beispiele aus
Bewerbungsschreiben zitieren.)

Das ist mir noch nicht aufgefallen, aber mir fehlt natürlich auch der Vergleich zu früher.

Ich frage mich nun, woran das liegt. Konnte ich bis in die
70er Jahre davon ausgehen, dass ein Volksschüler lesen,
rechnen, schreiben kann - und zwar richtig -, trifft dies
heute nicht einmal mehr auf alle Akademiker zu.

Ich vermute zwar, dass es nicht ganz so schlimm ist, wie von dir beschrieben, aber mir würde noch ein Grund einfallen:
Wenn ich mir meine Nachhilfeschüler und deren Eltern anschaue, dann scheint mir, dass es allgemein so ist, das Wissen immer weniger zählt.

Mathe? Braucht man als „normaler Mensch“ doch sowieso nicht. Und in meiner Familie sind sowieso alle schlecht in Mathe. Und in der heutigen Zeit haben doch sowieso alle Taschenrechner…
Rechtschreibung? Wozu braucht man die? Und mit der Rechtschreibreform weiß man ja auch nicht mehr wie es geht… Und überhaupt: Solange man es versteht, kann doch jeder schreiben wie er will, die armen Kinder müssen heute doch noch sooo viel anderes lernen. Außerdem hatte ich schon immer den Verdacht, dass das arme Kind sowohl Dyskalkulie hat, wie auch Legastheniker ist…
Naturwissenschaften? Das verstehe ich doch nicht, außerdem braucht man das doch nie im Alltag.
sonstige Allgemeinbildung? Wozu muss ich wissen, wann Bach gelebt hat? Die Musik höre ich sowieso nicht und tot ist der auch schon lange. Wozu muss ich wissen, wie unser Kanzler heißt? Ich gehe sowieso nicht wählen.

War jetzt nicht ganz ernst gemeint, wäre aber vielleicht ein Erklärungsansatz.

Gruß
Kati

Hi Lea,

zu dem Thema der von dir schön dagelegten Form der Fähigkeit unseres Hirns des ‚absatraktiven Lesens‘ gibt es ja schon jahrelang zahlreiche Studien. Ist das dann der Vorstoss in eine Rechtschreibfreie Welt?

Grüße,
JPL

Hallo!

Der Befund, dass es mit abnehmenden Alter immer weniger
Deutsche gibt, die ihre Sprache richtig (ob nun alt, neu oder
reformiert neu) schreiben können, dürfte allgemein akzeptiert
sein. (Ich selbst könnte seitenweise Beispiele aus
Bewerbungsschreiben zitieren.)

Diesem Befund würde ich ohne genauere Untersuchungen nicht zustimmen wollen.
Die erste Frage ist: Was heißt „richtig“? Ist „richtig“ das, was in den 70er Jahren gültig war, was die Duden-Redaktion herausgibt (was sogar unter Linguistikprofessoren sehr umstritten ist) oder was du als richtig empfindest?
Ich kann momentan seitenweise Beispiele von Menschen zwischen 20 und 70 zitieren, die nach meinem Empfinden (und sehr häufig nach den Standards meiner Ausbildung) falsch sind. Bei älteren Menschen genauso wie bei jüngeren. Nach alter (die nicht mehr gültig, also falsch ist) und nach neuer RS. Schlichtweg falsch.
Deshalb sind das ja aber keine schlechten Texte. Deshalb haben diese Menschen ja keine schlechte Ausbildung. Sie haben damit teilweise viele jahrzehnte lang gute Jobs gemacht.

Eine häufige Diskussion unter uns jungen Leute sind z.Zt. die Kommaregeln, die Höflichkeitsformeln und ein paar Zweifelsfälle bei Groß-/Kleinschreibung, Getrennt-/Zusammenschreibung. Wir gehen dabei nach Regeln, aber auch nach Gefühl. Immerhin werden wir von alten und von jungen Leuten gelesen.

Ich finde die sog. „alte RS“ seltsam, empfinde sie an vielen Stellen als falsch und unlogisch. Ich bin mit der alten RS aufgewachsen, durfte mein Abi noch darin schreiben, musste aber in neuer RS studieren, wobei einige Linguistikprofs auf die alte oder sogar auf ihre eigene (!) RS bestanden. Habe da also ein bißchen was durch :wink: Mittlerweile schreibe ich fast nur noch neu, wobei ich oft staune, dass etwas „neu“ ist (also für ältere Leute „falsch“), was ich nie anders gemacht hätte (z.B. das leidige „ß“).

Ich denke, ob etwas richtig oder falsch ist, was mit Sprache zu tun hat, hängt auch viel vom eigenen Empfinden ab. Natürlich gibt es Regeln, die die Kommunikation erleichtern sollen, und auch viele dieser Regeln sind logisch und hilfreich. Natürlich sollten junge Menschen eine gute Rechtschreibung haben (und einen differenzierten Ausdruck, das finde ich ja fast noch wichtiger), und natürlich muss das Bestandteil der Schulbildung sein. Über Qualität und Quantität kann ich nichts sagen, aber es ist Bestandteil in jeder Altersstufe!

Ich denke aber, dass ein „durchschnittlicher Schüler X im Jahr 2008“ (wenn es den denn gibt) nicht zwangsläufig schlechter in Rechtschreibung ist als ein „durchschnittlicher Schüler Y im Jahr 1970“. Meine kühne These wäre: Du überschätzt die früheren Zeiten :smile:

LG
Sonne

Moin,

Wird das in der Grundschule nicht mehr gefordert? Steht es
nicht mehr im Lehrplan? Ist es den Lehrern egal? Gibt es dazu
Erhebungen, Untersuchungen?

Wenn du die Ursachen in der Grundschule suchen willst, dann suchst du meiner Meinung nach am falschen Ort. Man kann richtige Schreibung nämlich auch wieder verlernen. Es gibt sogar Fälle, wo Schüler nach Beendigung der Grundschule halbwegs lesen und schreiben konnte, dies aber mangels Übung in späteren Jahren wieder verlernten.

Meine Deutschnoten zeugen z.B. davon, dass ich mit Beendigung der 8. Klasse durchaus gut in Rechtschreibung war. Später lag der Schwerpunkt der Benotung im Deutschunterricht hingegen nicht mehr auf der Rechtschreibung, sondern diese floss allenfalls noch mit in die Note ein (und bei anderen Fächern zählte diese noch weniger). Als ich dann nach dem Abitur (unter anderem mit Deutsch als Prüfungsfach) während meiner Lehre an der Berufsschule Diktate schreiben sollte, traf mich erstmal der Schlag :smile:

Ein weiterer Knick in der Rechtschreibung kam bei mir nach mehrjährigen Auslandsaufenthalten. Davon zurückgeblieben war lange Jahre das Problem, dass ich „f“ statt „v“ schrieb, z.B. „for“ statt vor oder „Fater“ statt Vater.

Wie du siehst, kann es also mehrere Gründen geben, warum jemand nicht so gut in Rechtschreibung ist.

Gruß
Marion

Hallo Andreas,

Grob vielleicht nicht, aber aus anderem Zusammenhang liegt mir
ein einseitiger Bericht eines Historikers (M.A.) vor, der auf
die komplette Seite genau zwei Kommata gesetzt hat. Nur so als
Beispiel.

Ist denn der Bericht inhaltlich stimmig? Ich kenne einige durchaus sehr intelligente Menschen, die auf ihrem Gebiet absolute Genies sind. Die eine verwechselt IMMER „seid“ und „seit“. Ein anderer widerum schafft es nie den Unterschied zwischen „das“ und „dass“ zu verstehen. Wenn jemand keine Kommata setzt und der Text aber sont gut und ohne Fehler ist, dann verbuche ich es unter „Marotte“. Wenn man sehr eng mit jemanden zusammenarbeitet, der eine solche „Marotte“ hat, kann so etwas auch sehr charmant wirken, so als gehöre es zu dieser Peron einfach dazu keine Kommata zu setzen. Ich denke auch nicht dass es das ist was Du meinst, sondern die Menschen, die unbewusst nicht die Rechtschreibung und Grammatik beherrschen, nicht in der Lage sind eine Seite handschriftlich zu schreiben oder ein Buch zu lesen.

Keineswegs. Mir kam jüngst ein Gerücht zu Ohren, dass es eine
neue Lehrmethode gebe, nach der die Kinder ersteinmal so
schreiben können, wie sie wollen. Erst später wird dann
Rechtschreibung beigebracht. Wer weiß was?

Es git eine Lehrmethode, wo die Kinder erstmal schreiben sollen, ohne dass ein Lehrer sie korrigiert. Genaueres dazu wird ja weiter unten im Thread beschrieben. Ich persönlich halte nicht viel davon, weil ich denke, dass sich ein „motorisierter“ Fehler nur sehr schwer wieder umlenken lässt. Mein Sohn schreibt inzwischen mit einem Schriftbild, dass sich jedem Schön-Schreib-Lehrer die Fussnägel hochrollen würden. Aber er schreibt ohne Fehler ist dabei kreativ und hat Spass. Mit Hilfslinien kann er nichts anfangen. Das ist das Dilemma der Menschen, die ihren Focus woanders haben - auf den Inhalt des geschriebenen.

Gruß
Chili

Hallo!

das nennt sich Lesen durch Schreiben oder Schreibwerkstatt.
Es wird davon ausgegangen, dass die „Angst vor Fehlermachen“
die Kinder dazu bringt, nicht gerne zu schreiben.

Tja, da stelle ich dann wieder die Medien in Frage! Schon in Sendungen für die ganz Kleinen wird gezeigt, wie der „normale“ Mensch sein sollte. Schön, beliebt und erfolgreich. Ist ja dann klar, dass die Kinder unter Druck stehen und keine Fehler macher wollen. So entwickeln sich immer öfters auch soziale Phobien. Die Kinder brauchen mehr Selbstbewusstsein, und darum sollten sich die Eltern kümmern.
In den Medien wird auch viel zu wenig über Bücher gezeigt. Woher sollen dann die Kinder wissen, dass „es so was überhaupt gibt“?
Ich bin 21 Jahre, als ich jünger war gabs noch nicht PC und Spielzeug wie heute. Und trotzdem bin ich in meinem Freundeskreis die Einzige (!), die regelmäßig ein Buch in die Hand nimmt! Ich finde das traurig, es gibt so tolle Bücher!
Liebe Grüße, Anna

brauchen wir sie überhaupt?
Hallo,

von Sonnes Artikel angeregt werfe ich mal die These in den Raum, ob wir nicht zu deutsch denken und überhaupt keinen so großen Wert auf die richtige Schreibweise legen sollten.
Sprache, auch die geschriebene, dient schließlich nur der Vermittlung von Inhalten. Mir ist ein geschriebener Text lieber, der von Rechtschreibfehlern nur so strotzt, dabei aber in der Form kurz, prägnant und verständlich bleibt. Das zu erlernen ist imho viel wichtiger als die Fähigkeit, z.B. zu wissen, ob es nun desöfteren, des öfteren oder des Öfteren heisst.

Grüsse

Jörg

Hallo, Andreas,
ich denke, Deine Klage ist so alt wie die Welt und ebenso wirkungslos wie das Wettern gegen die Tugendlosigkeit der Jugend.

Ich transcribiere zur Zeit Briefe meines Vaters, die er vor seinem Tode 1942 geschrieben hat. Er war von Beruf Pfarrer, also durchaus ein studierter Mensch. Seine Kommasetzung, seine Groß- und Kleinschreibung und auch seine Orthographie weisen teilweise ganz erhebliche Mängel auf.

Auch ich bin des Deutschen wohl einigermaßen mächtig, habe aber meine liebe Not mit den Regeln der Zusammen- und Getrenntschreibung. Und beim schnellen Schreiben gerade hier im Internet unterlaufen mir durchaus viele Fehler, die mir erst bei sorgfältigem Nachlesen auffallen.

Wir sollten also nicht gar so beckmesserisch an das Geschreibsel anderer Leute herangehen, sondern uns zuvörderst bemühen, unsere eigene Schwelle sauber zu halten.

Grüße
Eckard

Mir ist ein geschriebener Text
lieber, der von Rechtschreibfehlern nur so strotzt, dabei aber
in der Form kurz, prägnant und verständlich bleibt.

Hin und wieder ein kleiner Fehler ist auch für mich kein Problem, ich hatte in meiner Schulzeit alte, neue und reformierte neue Rechtschreibung, ich schreibe auch oft nach Gefühl.

Wenn ich allerdings einen Text lese (z.B. hier im Forum), der wirklich vor Fehlern strotzt, komplett klein geschrieben ist [an sich kein Problem, mach ich auch, aber bei noch 100 anderen Fehlern noch undurchsichtiger], keinerlei Satzzeichen aufweist und keine vollständigen Sätze enthält - dann hab ich 1. schon keine Lust mehr, ihn zu lesen und 2. ist es öfter der Fall, dass ich wirklich nicht verstehe, was derjenige will.

Wie gesagt, einige kleine Fehler passieren jedem, aber ein gewisses Niveau sollte meiner Meinung nach doch erhalten bleiben.

Liebe Grüße,
Thorid

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Hallo Jörg,

nach meiner Erfahrung ist es so, daß diejenigen, die am lautesten über Normen schimpfen, auch am lautesten darüber schimpfen, wenn es sie nicht (mehr) gibt.

Trotz meiner Probleme mit der Rechtschreibung und dem Bedienen einer Tastatur bemühe ich mich redlich, so verständlich wie möglich zu schreiben. Das ist für mich etwas, was mit Respekt meinem Gegenüber zu tun hat.

Wenn jeder nach seinem Gustus schreibt, wird es schnell unverständlich. Sprachnormen sind meist dazu da, die allgemeine Verständlichkeit zu erhöhen. Der eine oder ander Fehler oder Vertipper ist akzeptabel, aber wenn ich jeden Satz mehrfach durcharbeiten muß, damit ich auch nur ansatzweise verstehe, was die schreibende Person damit nun gemeint haben könnte, finde ich erstens lästig (für mich) und zweitens unverschämt (von dieser Person).

Gandalf

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Zwischenstand
Hallo an alle Schreiber und Leser,

habt vielen Dank für Eure durchweg konstruktiven Beiträge (wenn man gelegentlich bei Religion oder Politik mitdiskutiert, weiß man das hoch zu schätzen).

Die Extrempositionen (RS braucht man eh nicht bzw. man muss genau gemäß Duden schreiben) mache ich mir nicht zu eigen. Ich werfe ja niemanden vor, dass er „daß“ schreibt. Oder Rußland. In Bayern sollte man allerdings wissen, ob man Bier in maßen oder Massen trinkt.

Auch Flüchtigkeitsfehlre - kein Problem. Aber ich finde schon, dass in 90% der Fälle mangelhafte (wirklich mangelhafte Rechtschreibung) auch auf andere Defizite hinweist (z.B. Schludrigkeit, Unkonzentriertheit, gelegentlich - o Schreck - Unbildung). Und jetzt komme man mir nicht mit dem legasthenischen Genie! Ja, gibt es, aber doch nicht als Regelfall. Es gibt auch hundertjähtige Kettenraucher.

Ich weiß, wie wir zu dieser Rechtschreibung gekommen sind, und mir ist auch das Phänomen bekannt, dass gerade Sprachwissenschaftler am wenigsten für die Rechtschreibung eintreten. Aber darin liegt ja gerade das Fiese: als Humanist weiß ich natürlich, warum man „Inter-esse“ trennt oder „tollerant“ falsch ist. Der Normalbürger weiß das aber nicht. Durch die Rechtschreibung hat er aber die Chance („Schongse“?), dabei zu sein, ohne dass man sich über ihn erhebt oder lustig macht.

Danke auch für die Antwort auf meine Lehrplanfrage. Da muss also das Fach Sprache die mangelnde Charakterbildung ausgleichen. Ich bin begeistert. Und jetzt schnell wieder an die Arbeit, damit ich meinen Kindern eine Privatschule meiner Wahl finanzieren kann.

Gruß,
Andreas

Hallo Andreas,

kann ich nicht viel zu sagen, finde ich nämlich völlig irrelevant. Aber immerhin kann ich das sagen… :wink:

Ein Journalist oder Autor sollte natürlich richtig schreiben können, aber bei einem Arzt ist es wesentlich wichtiger dass die Diagnose auch richtig ist statt richtig geschrieben ist.

Und mathematische Fertigkeit zum Beispiel ist mit den sprachlichen Assoziationsgebieten im Hirn u. U. negativ korreliert.

Ein Autist kann vielleicht nicht richtig schreiben, hat aber dafür ganz andere, wundervolle(re) Fähigkeiten.

Einen Legastheniker in eine falsche Ecke zu rücken, indem man das „richtige Schreiben“ allgemein für extrem wichtig ansieht halte ich für nicht im Zusammenhang zur Relevanz stehend.

Es gibt tausend Dinge, die ich wesentlich relevanter finde als ob jemand gut oder richtig schreibt.

Ein Schulsystem indes, welchen größeren Wert darauf legen würde einheitlich gute bis hervoragende Schreiberlinge hervorzubringen statt individuelle Fähigkeiten zu fördern wäre meiner Meinung nach ein Schulsystem, welches Mittelmäßigkeit produzieren möchte und ein Land in den Schatten stellt.

Und auf der Liste der (Hoch-)Begabungen wäre „Schreiben“ bei mir auch in Bezug auf eine gesellschaftliche Relevanz unter „ferner liefen“ zu finden.

Lieben Gruß
Patrick