Noch mal das Thema Kaffe

Hallo Rainer,

Ist ja interessant, dann sind Leute mit niedrigem Blutdruck,
die morgens Kreislauftropfen nehmen, abhängig.

Natürlich sind diese Menschen abhängig von Ihrem Medikament, denn ohne würde es ihnen sehr schlecht gehen bzw. könnte das Weglassen dieses Medikaments nicht unerhebliche Folgen haben.

Mich würde daher an dieser Stelle deine Definition von „abhängig“ und „süchtig“ interessieren.

Abhängig sein bedeutet für mich, ohne einen gewissen Umstand, Stoff, Zusatz usw. mein Ziel nicht erreichen zu können.
Beispiel : Ich bin darauf angewiesen, meinen Zug um 15:00 Uhr zu bekommen.
Dies schaffe ich aber nur, wenn mein Bus keine Verspätung hat … also bin ich abhängig von dem Busfahrer, den anderen Fahrgästen, dem Straßenverkehr.

Auch dein Beispiel bezüglich lebensnotwendiger Medikamente finde ich hier passend.
Mein Körperbefinden hängt von einer gewissen Dosis eines Medikamentes ab.

Dies hat ja aber nicht das Entfernteste mit Sucht zu tun und von daher hat das Wort „Abhängigkeit“ für mich auch erst mal keinerlei negative Bedeututng.

Ist auch medizinisch nicht haltbar, Coffein als Droge zu
definieren,

Warum nicht ?
Kaffee ist ja nicht nur ein Genussmittel und wird von vielen Menschen sehr unterschätzt, wie ich finde.
Es gibt Menschen, die ohne einen extrem hohen Coffeinspiegel einfach nicht mehr munter werden und sich den ganzen Tag über mit Unmengen von Kaffee wach halten - das finde ich schon sehr bedenklich und ich definiere das dann auch als Sucht.
Denn entziehst du diesen Menschen den Kaffee, wird es sicher eine Zeit lang sehr schwer für sie.

Wie gesagt, deine Definition interessiert mich sehr, denn ich finde dieses Thema sehr spannend …

Viele Grüße,
Vanessa

Hallo Rainer,

Ist auch medizinisch nicht haltbar, Coffein als Droge zu
definieren, dann könnte Schokolade auch eine Droge sein.

Was „Droge“ ist, definiert die Gesellschaft bzw. die Politik. Coffein ist ein Wirkstoff, ebenso das im Kakao enthaltene Serotonin. Nicht umsonst macht Schokolade glücklich und wird auch unter dem Namen „Nervennahrung“ gedealt.

Gruß
Rainer

Voy

Hallo,
also das Serotonin in der Schokolade ist verschwindend wenig. Zudem fragt sich, was davon die Blutgehirnschranke (BGS) passiert. Die Serotoninsteigerung im Hirn bei Schokoladengenuß beruht m.M. auf Zucker und Tryptophan (eine Aminosäure und Vor-Vorstufe des Serotonins). Zucker erhöht den Blutzuckerspiegel, das wiederrum setzt Insulin frei, Insulin drängt vorzugsweise „verzweigkettige“ Aminosäuren (BCAAs=branch chained amino acids) in die Muskulatur und das Tryptophan, das dieser Gruppe nicht angehört kann vermehrt die BGS passieren, die zudem durch das Insulin durchlässiger wird. Resultat: mehr Grundsubstanz für Serotonin im Hirn und damit letztlich mehr Serotonin.

Gruss
Enno

Hallo,

Hi Enno,

also das Serotonin in der Schokolade ist verschwindend wenig.

(…)

mag ja sein. Mein Kommentar galt dem, wer definiert, was „Drogen“, im Unterschied zu Medikamenten oder Genussmitteln sind. Grundsätzlich hat Rainer recht wenn er sagt, dass auch Kaffee und Schokolade als „Drogen“ definiert sein können. Es ist ja gerade das, was mich manchmal verblüfft. Ein Staunen darüber, gar Ablehnung, dass das tatsächlich möglich ist. So selbstverständlich sind die Alltagsdrogen … sorry, Genußmittel geworden, die im Gegensatz zu „Drogen“ natürlich was ganz anderes sind. Natürlich? „Drogen“ sind gesellschaftlich auf vielerlei Weise geächtet und diese unreflektierte Sichtweise wird auch gerne übernommen, solange man nicht selbst für Besitz und Konsum von z. B. Alkohol (Zigaretten, Kaffee, Tee …) schlimmstenfalls die Freiheit verlieren kann.

Gruss
Enno

Voy

Hallo Rainer,

Ist auch medizinisch nicht haltbar, Coffein als Droge zu
definieren, dann könnte Schokolade auch eine Droge sein.

Was „Droge“ ist, definiert die Gesellschaft bzw. die Politik.
Coffein ist ein Wirkstoff, ebenso das im Kakao enthaltene
Serotonin. Nicht umsonst macht Schokolade glücklich und wird
auch unter dem Namen „Nervennahrung“ gedealt.

Hallo Voyager
Das stimmt, Schokolade enthält Phenylethylamin, ein „Glücklichmacher“.
Man sollte aber mit den Begriffen abhängig oder süchtig nicht leichtfertig umgehen.
Eine Sucht ist ein totaler Zwang, dem sich alle anderen Lebensbedürfnisse unterordnen, Essen, Trinken, Gesundheit usw.
Jemand, der zu lange in der Kneipe oder vorm Fernseher gesessen hat oder zu lange gearbeitet hat und morgens Kaffee braucht, um die Augen aufzukriegen, ist nicht abhängig.
Der sollte nur mal seinen Lebensstil überprüfen, da stimmt was nicht.
Gruß
Rainer

auf-, nicht abgebrüht
Hi Tanja,

mein eher unwissenschaftlicher Beitrag beruht auf jahrelangem exzessivem Kaffeekonsum und einer guten Portion Erfahrungswerten. Also:
Bis vor ein paar Jahren hatte ich die gleichen Sorgen wie Du, aber- zum Duivel- das Zeug schmeckt, und ich hab´ zu niedrigen Blutdruck. Zum Antesten hab´ ich mir dann einen der Sortenkaffees („Privat-Kaffee“) der einschlägig bekannten Kaffeerösterei geholt, den puderfein mahlen lassen und nur noch direkt in der Kanne aufgebrüht - also nix Maschine, nix Filter. Siehe da: der Magen war´s zufrieden, der Blutdruck auch. Außerdem schmeckt´s.
Seit der Kaffeepreisbindung werden die üblichen Supermarkt-Kaffees nämlich nur noch durchschnittlich 3 min (aus Gewichtsgründen, feuchte Kaffeebohnen wiegen mehr…, nebenbei schmeckt man das auch, brrr…) geröstet, ein guter Kaffee braucht dagegen mindestens 10min, bis er nicht nur lecker, sondern auch bekömmlich ist. Ich trinke trotzdem nach einer Tasse Kaffee immer nochmal die gleiche Menge Wasser.
Das mit dem „Runterkommen“ kenne ich auch, allerdings erst nach einem guten Liter, bei maschinengebrühtem (und auch noch 2 Std. warmgehaltenen) Kaffee passiert das schon nach zwei Tassen…
Laß Dir also den Genuß nicht vermiesen, ich trink´ jetzt meinen African Blue aus und geh´ schlafen.

Tschö, Dörte

Hallo,
diese Sichtweise wird ja auch durch den Staat und die Gesetzgebung gefördert. Der Drogenbegriff ist einfach schwammig und abhängig davon welche Sichtweise man einnimmt. Bsp. juristisch - alle Stoffe die in Anhang 3 des BTMG aufgeführt sind, pharmakologisch - psychoaktive Substanz, moralisch/ethisch - Abnorme Nutzung einer Substanz. Die Bedeutung von „Droge“ ist kontextbehaftet, der Kontext in vielen Diskussionen nicht ersichtlich.

Gruss
Enno