sich wie ein Affe benehmen
Hallo Carlos,
Vor kurzem konnte ich auf einem Gartenfest beobachten, wie
sich zwei Kinder stritten. Der Junge (ca. 4) hinderte seine
Schwester (ca.5) mit aller Gewalt daran auf die Rutsche zu
gehen. Schließlich hat er sie weggetreten. Das Mädchen
entfernte sich dem Heulen nahe und der Junge freute sich
erkennbar.
In Sachen Gewalt bei Kindern kenne ich zwei Seiten:
eine Bekannte von mir ist allein erziehende Mutter eines Jungens, und vertritt die Meinung, dass jegliche Gewalt verabscheuungswürdig ist. Die Kehrseite daran ist, dass ihr Junge in seiner Klasse keinen Fuß auf die Erde bekommt. Sie erzählte mir, dass er häufig gepiesackt wird. Und ich nehme an, dass der Junge sich nicht wirklich wehrt. Rangeleien unter Kindern - vorallem unter Jungens - sind wichtig, wobei es um Macht, Hackordnung und Positionen geht.
Ich bin da mit meiner Meinung sehr zwiespältig, und weiß nicht so genau, was sein darf und was verhindert werden muss.
Die andere Seite kenne ich, dass manche Eltern Gewaltbereitschaft gerade bei Jungens stillschweigend dulden, und somit unterstützen, mit dem Hintergedanken, dass demonstrierte Gewaltbereitschaft den Jungen zu einem respektierten Mann machen soll. Da würde wahrscheinlich dein Gartenfestbeispiel dazupassen.
Mutter die populäre Ansicht, dass die Kinder so etwas
untereinander ausmachen sollen.
da würde ich eben sagen: „es kommt darauf an.“ Wenn ein Spielgerät für alle Kinder da ist, dann hat das Mädchen die gleichen Rechte wie der Junge. Wenn die Frau nicht will, dass sich ihr Kleiner Manieren eines Schimpansens aneignet, dann sollte sie ihren Stolz auf sein Durchsetzungsvermögen gegen eine Sorge um sein Benehmen und vorallem um seine soziale Kompetenz austauschen.
Wenn nun Gewalt in der Erziehung nichts zu suchen hat, weil
sie seelische Schäden hinterlässt, wäre es nicht die logische
Konsequenz erst Recht die Gewalt von Kindern untereinander zu
verhindern?
Da sehe ich eben eine Gefahr. Aggressionen und Gewalt sind ein Teil von uns Menschen. Dieser Teil läßt sich nicht wegleugnen, weil Gewalt unter Kindern aber auch unter uns Erwachsenen vorkommt, nicht zuletzt in noch so putzigen Kinderfilmen - es gibt genügend Beispiele und Vorbilder dafür. Und deshalb ist es meiner Ansicht nach nicht sinnvoll Gewalt den Kindern wie eine Krankhaftigkeit darzustellen, diese Unglaubwürdigkeit wäre nicht zu toppen. Damit meine ich, wenn meine Mädels sich schlagen (und da gehen auch mal Haare aus, wenn ich nicht rechtzeitig dazwischen gehe), dann schimpfe ich sie nicht, weil sie sich gegenseitig Schmerzen zufügen, sondern weil sie sich nicht um eine Alternative für ihre Auseinandersetzung bemüht haben. Es geht auch anders, das will ich ihnen beibringen.
Ich glaube, dass die physische und vor allem die psyische
Gewalt, die von Kindern und Jugendliche zwar nicht die Tiefe
erreicht, wie die durch Erwachsene ausgeübte Gewalt, dafür
aber wesentlich mehr betrifft.
Unter Ihresgleichen stecken Kinder Schläge weg, weil es ein Teil eines Streits sein kann. Das wird dann auch vergessen wie jeder Streit. Schläge von einem überlegenen Jemand von dem kind abhängig ist, ist eine physische und psychische Demütigung, also eine Unterdrückung, mit dem man einen unerfahrenen Menschen seelisch in die Knie zwingt.
Ich bin gegen ein Wegschauen oder ein bequemes Zuschauen.
Gespräche über Kindererziehung sind immer ein wenig heikel, weshalb ich mich da gerne auf Partys zurückhalte. Bei den beiden Kindern auf der Rutsche hätte ich nicht eingegriffen oder kommentiert. Ich würde nur etwas unternehmen, wenn Gefahr in Verzug ist z.B. Kind könnte durchs Schupsen von der Leiter der Rutsche fallen.
viele Grüße
grilla