Nonverbale Signale missverstehen?

Hallo,

mich beschäftigt zur Zeit etwas und vielleicht kann mir hierzu jemand neue Sichtweisen vermitteln:

Ich bin 27 J. alt und mache derzeit eine Fortbildung mit Abschlussprüfung. Es gibt einen Lehrer (ca. 45 J., verheiratet und Kind), den ich besonders sympathisch und witzig finde, in den ich aber ganz sicher nicht verliebt bin und auch nie sein werde. Ich mag ihn einfach nur sehr. Mir ist aufgefallen, dass er von Anfang an während des Unterrichts (ich sehe ihn an ca. 2 Tagen die Woche) sehr, sehr oft mich ansieht. Selbst während er auf eine Frage von jemand anderem antwortet, landen seine Blicke wieder bei mir. Er lässt sie natürlich ständig in der Runde schweifen, spricht aber trotzdem blickmäßig überwiegend mich an. Dass ich ihn oft ansehe ist ja nur natürlich, denn er ist schließlich der Lehrer.

Ich frage mich, ob ich ihm dadurch, dass ich ihn sehr sympathisch finde, nonverbal Signale zukommen lasse, die darauf schließen lassen könnten, ich sei in ihn verliebt (ist ja nicht meine Absicht). Verbal flirte ich keineswegs mit ihm. Und selbstverständlich bin ich nicht darauf aus ihn dazu zu bringen, sich für mich zu interessieren.

Kann ich ihm unabsichtlich einen falschen Eindruck vermittelt haben und würde er das aber nicht völlig ignorieren, indem er vermutlich sogar bewusst darauf achtet, mir nicht mehr, eher weniger als den anderen Beachtung zu schenken? Oder würde er versuchen, mein vermeintliches Interesse durch Blickkontakt aufrecht zu erhalten (schmeichelt evtl. seinem Ego)?

Oder könnte diese „Bevorzugung“ daran liegen, dass ich Klassenbeste bin und der Lehrer sich ganz automatisch der Person mit dem größten Potential zuwendet? (Dabei bin ich gar nicht mal die, die sich am öftesten zu einem Thema äußert.) Für diese Theorie würde sprechen, dass es einen zweiten Lehrer gibt, der mir ebenfalls – wenn auch nicht ganz soviel wie der erstgenannte – mehr als den anderen Aufmerksamkeit widmet.

Übrigens: Falls sich jetzt jemand das klassische Bild einer umwerfend schönen Blondine gemacht hat, die überall die Blicke auf sich zieht, so irrt er ich! In diese Kategorie falle ich nicht. Ich weiß aber, dass ich eine gewisse Ausstrahlung habe (man sagte mir mal, ich hätte eine unheimliche Präsenz, wenn ich einen Raum betrete – keine Ahnung, man selbst spürt das ja nicht so).

Das ganze Thema stellt für mich keineswegs ein Problem dar, auch dann nicht, wenn er glauben sollte ich sei in ihn verliebt, sondern es beschäftigt und irritiert mich einfach nur und da ich mich ohnehin für Psychologie interessiere, freue ich mich über jede Meinung.

Danke schon mal für alle Antworten, Grüße
Nicole

Hi Nicole,
nun, nun…
Darf ich Dich zunächst zitieren?:

Und selbstverständlich bin ich nicht darauf aus ihn dazu zu
bringen, sich für mich zu interessieren.

Wenn dem so ist…wenn dem also wirklich so ist, dann dürfte die ganze Geschichte kein Problem für Dich werden, Nicole.
Aber überprüf Dich da nochmal. Vielleicht DARFST Du Dich nicht für ihn interessieren, weil er ja verheiratet ist und ein Kind hat.
Gruss, Branden

wenn man vor einem publikum spricht, ist es angenehm/ beruhigend (…), wenn es im publikum jemand gibt, der aufmerksam und freundlich schaut. da ich bei vorträgen ziemlich aufgeregt bin, habe ich mir sogar schon mal einen freund mitgenommen, damit ich in ein sympathisches gesicht gucken kann.

vielleicht geht es deinem lehrer genauso.

oder dein lehrer hat das (gute) gefühl, daß du seine worte am meisten würdigst. das würde ja auch zu dem fakt passen, daß du klassenbeste bist.

psychologisch läßt sich das per instrumentellem lernen erklären: der blick zu dir wird mit dem damit verbundenen positiven gefühl belohnt. verhalten, das belohnt wird, tritt häufiger auf.

Hallo Branden,

danke für deine Antwort, theoretisch eine Möglichkeit. Aber ganz sicher: nicht verliebt und das wird auch zukünftig so bleiben. Ich kenne mich gut genug und bin mir gegenüber auch immer ehrlich (und du solltest den Typen mal sehen …). Und wenn ich mich ansonsten verliebe, kann das Gefühl auch keine Ehefrau verhindern. Also hier ein klares Nein.

Und wie schon gesagt, ein Problem ist es nicht, es ist nur eine interessante Geschichte, die mich beschäftigt und auch vom psychologischen Standpunkt aus interessiert.

Grüße
Nicole

Hi Nicole,

Und wie schon gesagt, ein Problem ist es nicht, es ist nur
eine interessante Geschichte, die mich beschäftigt

nun denn, scharen sich „kleine Mädchen“ nicht auch immer wieder gerne in der Pause um „ihre/n Lehrer/in“, um Aufmerksamkeit zu erringen? Mein Gefühl ist es, dass es sich hier um eine Projektion handelt.

vom psychologischen Standpunkt aus

genau daher…
Gruß,
Anja

unwillkürlicher Blickkontakt
Hi Nicole

aus der Perspektive von jemandem, der gewohnt ist, öffentlich zu reden - Seminare, Vorträge, und immer frei natürlich, gerade um den Blickkontakt zum Publikum zu halten - kann ich dir zu deiner Beobachtung Folgendes sagen:

Du wirst als (freier) Redner immer - in den Gesichtern lesend - beobachten, wieweit das Aufmerksamkeitspotential deine Zuhörer geht, und demenstprechend deine Redeweise variieren. Dazu gibt es übrigens einen interessanten Aufsatz von Kleist „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ …

Je mehr du dich aber in den Gedankengang allein vertiefst, wird dein Blick sich unwillkürlich auf diejenigen Gesichter heften, bei denen du die deutlichste Präsenz erkennst: Das sind diejenigen, deren Ausdruck ihrerseits „sprechend“ ist. Und das ist ganz unabhängig davon, ob das nonverbale Signal dieser Gesichter dabei ablehnend oder skeptisch oder zustimmend ist, oder ob es Überraschung ausdrückt oder ob es andeutet, daß etwas noch unverstanden geblieben ist.

Der Blick heftet sich also unwillkürlich an die Gesichter, die am genauesten den Gedankengang zu verfolgen versprechen. An denen kannst du am leichtesten kontrollieren, wieweit deine Rede „rüberkommt“.

Einiges von dem, was du nun von dir selbst erwähnst, deutet genau daraufhin, daß du eine solche Zuhörerin bist

man sagte mir mal, ich hätte eine unheimliche Präsenz, wenn ich einen Raum betrete …

zumal du ja andeutest, daß dir ähnliches auch mit einem anderen Lehrer passiert. ich möchte fast vermuten, daß dir das mit jedem Sprecher passiert, der während des Sprechens intensiven Blickkontakt mit denjenigen hat, die er anspricht, und sich nicht krampfhaft am Gang seiner trocken vorbereiteten Rede festhalten muß.

Das Ganze schließt natürlich nicht aus, daß im Blickaustausch zwischen dir und diesem Lehrer zusätzlich noch andere - im wörtlichen Sinne - Hinter-Gedanken eine Rolle spielen könnten: Eine subliminale nonverbale Gesprächsebene, die im undramatischsten Fall einfach heißen könnte
„mir gefällt es, daß du mich beim Reden anschaust“ und
„mir gefällt es, daß du mich beim Zuhören anschaust“.

Ganz recht hast du mit der Vermutung jedenfalls, daß mindestens einer von euch den Blickkontakt meiden würde, wenn ihm die signalisierte Sympathie des anderen unangenehm wäre.

Gruß

Metapher

Hallo Nicole,

ich denke, daß Du höchstwahrscheinlich schon die Begründung für das Verhalten Deines Lehrers gefunden hast:

Oder könnte diese „Bevorzugung“ daran liegen, dass ich
Klassenbeste bin und der Lehrer sich ganz automatisch der
Person mit dem größten Potential zuwendet?

Ja, ich denke, daß dies höchstwahrscheinlich der Grund ist. Mir ist nämlich aufgefallen, daß ich während meines Seminars ebenfalls am häufigsten diejenigen Teilnehmer anschaue, von denen ich den Eindruck gewonnen habe, daß sie den Stoff verstehen. Ein Gesichtsausdruck, der Verstehen signalisiert, hilft mir abzuschätzen, ob meine Erklärungen ausreichen. Ein Gesichtsausdruck, der Verwirrung signalisiert, läßt mich etwas noch einmal erklären oder im Kurs nachfragen, ob noch Fragen offen sind. Dieses nonverbale Kommunikationsverhalten läßt sich gut mit operanter Konditionierung erklären und entwickelt sich ganz unwillkürlich.

Gruß,

Oliver Walter

Hallo,

aus meinen Erfahrungen als Vortragsrednerin kann ich ich bestätigen, dass auch ich mich beim Reden unbewusst an den Reaktionen derer orientiere, die mir gebannt/ aufmerksam zuhören. Das kann aber zu - nonverbalen Kommunikationsstörungen führen: bei einem Vortrag hing mir eine ältere Dame an den Lippen, lächelte, wenn die andern lachten, benahm sich „ganz normal“. Nach dem Vortrag stellte sich heraus, dass sie völlig taub war, ihr Hörgerät vergessen hatte und nur spannend fand, wie ich vorne bewegte :wink:.
Ingeborg

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Hallo Anja,

Mein Gefühl ist es, dass es sich hier um eine Projektion handelt.

Ich bin immer weider erstaunt, wie schnell der Psychologie frönende und/oder zuweilen auch durch sie ihr Brot erwerbende Menschen den Begriff der „Projektion“ herbeizaubern.

Für mich ist es immer wieder grauenhaft feststellen zu dürfen, wie aus Annahme, deren Ausgangspunkt sehr oft wenn nicht sogar stets Gefühle sind, Wirklichkeit erschafft wird.

Lässt sich denn letztlich nicht jeder Eindruck und jedes Verhalten mit dem Begriff der „Projektion“ erklären?

vom psychologischen Standpunkt aus

genau daher…

Sicher. Die Gesetze der Statistik garantieren uns, dass derjenige, der fleißig in der Gegend herumdiagnostiziert, auch _irgendwann eine „wahre“ Diagnose stellt.

Wer die Wirklichkeit wirklich so sieht, wie sie ist, der ist „normal“ - vor allem die Therapeuten.

Aber was ist schon die „Wirklichkeit“? Und was ist die „wirkliche Wirklichkeit“? Anderes Forum. Ich weiß.

*zwinker

Grüße,

Pere_

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Hallo,

Nach dem Vortrag stellte
sich heraus, dass sie völlig taub war, ihr Hörgerät vergessen
hatte und nur spannend fand, wie ich vorne bewegte :wink:.

taub kommt mir so mancher Hörende in Lehrveranstaltungen auch vor. :wink:

Gruß,

Oliver Walter

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Ich selbst mal Unterricht gegeben, es ist das:

Oder könnte diese „Bevorzugung“ daran liegen, dass ich
Klassenbeste bin und der Lehrer sich ganz automatisch der
Person mit dem größten Potential zuwendet? (Dabei bin ich gar
nicht mal die, die sich am öftesten zu einem Thema äußert.)
Für diese Theorie würde sprechen, dass es einen zweiten Lehrer
gibt, der mir ebenfalls – wenn auch nicht ganz soviel wie der
erstgenannte – mehr als den anderen Aufmerksamkeit widmet.

Das hat einfach damit zu tun, dass man den Eindruck hat das jenes was man sagt wenigstens/am ehesten bei dir auf fruchtbaren Boden fällt, du bist einfach der verständige ‚Gesprächspartner‘, mehr nicht…
T.

P.S. Ich hab dazu mal den Witz vom schizophrenen Paranoiker gemacht, der sich an die Kreuzung stellt damit ihm wenigstens Jemand zunickt.
Kam mäßig an.

Hi,

Ich bin immer weider erstaunt, wie schnell der Psychologie
frönende und/oder zuweilen auch durch sie ihr Brot erwerbende
Menschen den Begriff der „Projektion“ herbeizaubern.

Ich benutze diesen Begriff eigentlich nie. Hier hat er sich mir aufgedrängt. Möglicherweise in der Assoziazion zu einem „Projektor“ in Schulungsveranstaltungen, einem Projektor der hin- und hergeworfenen Blicke, als Bild. Ich denke fast nur in Bildern.

Lässt sich denn letztlich nicht jeder Eindruck und jedes
Verhalten mit dem Begriff der „Projektion“ erklären?

Kann ich nicht beurteilen, glaube es aber nicht.

derjenige, der fleißig in der Gegend herumdiagnostiziert, auch
irgendwann eine „wahre“ Diagnose stellt.

Ich stelle keine Diagnosen. Was ich beschreibe, ist ein Eindruck, der möglicherweise ein Denkanstoß ist, mehr nicht.

Wer die Wirklichkeit wirklich so sieht, wie sie ist, der ist
„normal“ - vor allem die Therapeuten.

Ich hoffe, ich bin nicht „normal“ (auch wenn es Tage gibt, an denen ich mir das wünsche).

Aber was ist schon die „Wirklichkeit“? Und was ist die
„wirkliche Wirklichkeit“? Anderes Forum. Ich weiß.

Es gibt nicht die Wirklichkeit. Und das gilt für das Psych.-Brett genauso wie für das „Phil.-Brett“, auf das Du vermutlich verweist (und vermutlich viele andere Bretter auch).
Bist Du denn sicher, dass das vom „Probanden“ geschilderte Problem Wirklichkeit ist?

*zwinker

*zurückzwinker
Anja

Hi,

Lässt sich denn letztlich nicht jeder Eindruck und jedes
Verhalten mit dem Begriff der „Projektion“ erklären?

Kann ich nicht beurteilen, glaube es aber nicht.

ich wage die These, daß sich mit dem Begriff der Projektion nichts erklären läßt. Wer anderer Meinung ist: Mich würden die konkreten Bedingungen interessieren, unter denen eine Erklärung mittels Projektion falsifizierbar ist?

Ich stelle keine Diagnosen. Was ich beschreibe, ist ein
Eindruck, der möglicherweise ein Denkanstoß ist, mehr nicht.

Korrekt. Das mit den Diagnosen ist eine fixe Idee (-> Diagnose). *g*

Ich hoffe, ich bin nicht „normal“ (auch wenn es Tage gibt, an
denen ich mir das wünsche).

Ich hoffe, daß Du „normal“ im Sinne von „nicht gestört“ bist.

Es gibt nicht die Wirklichkeit.

Oder können wir sie bloß nicht wahrnehmen?

Und das gilt für das
Psych.-Brett genauso wie für das „Phil.-Brett“, auf das Du
vermutlich verweist (und vermutlich viele andere Bretter
auch).

Vermutlich?

Oliver Walter
(vermutlich)

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Nachfrage…
Hi Oliver,

ich wage die These, daß sich mit dem Begriff der Projektion
nichts erklären läßt. Wer anderer Meinung ist: Mich würden die
konkreten Bedingungen interessieren, unter denen eine
Erklärung mittels Projektion falsifizierbar ist?

Könnte es sein, dass in dem Falle, wo ein Mann, der ständig seine Frau betrügt, seinerseits seiner (treuen) Frau ständig Untreue vorwirft und sie dafür auch noch „bestraft“, um sich somit zu „rechtfertigen“, eine Projektion vorliegt?
Interessiert:
Anja

Hallo an Metapher und auch an alle anderen, die sich zu meinem Beitrag geäußert haben!

Herzlichen Dank für eure Postings. Der Grundtenor scheint mir der zu sein, dass jemand der vor Leuten spricht, blickmäßig dazu neigt sich an den zu wenden, von dem am meisten Verständnis „rüberkommt“. Leuchtet absolut ein. Und dass ich vermutlich einen „sprechenden“ Gesichtsausdruck habe. Ein sehr interessanter Gedanke, es scheint alles darauf hinzudeuten. Da ich im Unterricht sehr oft das Gefühl habe ich sei im Einzelunterricht, nicke ich ab und an (aus Verlegenheit über die so häufigen und längeren Blicke des Lehrers), dies wird sicherlich zum Verständnissignal beitragen. Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt und im Allgemeinen bin ich nicht auf Aufmerksamkeit aus. Die Vermutung mit dem Scharen um den Lehrer, die Anja geäußert hat, trifft auf mich nicht zu. Eher sucht der Lehrer meine Nähe als ich die seine.

Aber eines ist mir noch nicht ganz klar: Warum nimmt man denjenigen, der am meisten versteht und das auch zeigt, als Maßstab für den Rest der Gruppe?

Um bei meinem Fall zu bleiben: Ich verstehe im Unterricht 100 %, zwei andere fast ebenso viel und die restlichen 85 % der Gruppe verstehen in etwa weniger als bis an die Hälfte. In unserem Unterricht ist die Teilnehmerbeteiligung rege, es spricht nicht fast ausschließlich der Lehrer, ich stelle mir aber vor, dass man doch in einer Unterrichtssituation versuchen sollte vor allem die zu erreichen, die einen weniger gut verstehen, vor allem in diesem Fall, da Vorbereitung auf Prüfung. Warum holt man sich dann die Bestätigung von einer einzigen Person oder einer kleinen Gruppe, anstatt auf die Mehrheit der weniger Verstehenden einzugehen?

Grüße
Nicole

Hi Anja,

Könnte es sein, dass in dem Falle, wo ein Mann, der ständig
seine Frau betrügt, seinerseits seiner (treuen) Frau ständig
Untreue vorwirft und sie dafür auch noch „bestraft“, um sich
somit zu „rechtfertigen“, eine Projektion vorliegt?

wie willst Du nachweisen, daß der psychoanalytische Prozeß der „Projektion“ das Verhalten des Mannes erklärt? Einem Verhalten einen wissenschaftlich klingenden Namen zu geben, ist keine Erklärung des Verhaltens, sondern oft täuscht so etwas nur eine Erklärung vor. Stattdessen: Versuche Bedingungen zu finden, unter denen genau das geschieht, was Du beschreibst. Versuche eine kausale Kette angefangen von den Bedingungen des Verhaltens bis zum Verhalten zu bilden. Dann hast Du eine Erklärung gegeben. Die Einführung mystischer Begriffe für ungelöste Probleme trägt nichts dazu bei.

Gruß,

Oliver Walter

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Hi

wie willst Du nachweisen,

ich habe eine Frage gestellt. Nicht mehr und nicht weniger.
Deine eitle Patzigkeit hab’ ich satt.
Anja

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Hi Nicole

Der Grundtenor scheint mir
der zu sein, dass jemand der vor Leuten spricht, blickmäßig
dazu neigt sich an den zu wenden, von dem am meisten
Verständnis „rüberkommt“.

Das mögen manche so sehen, oder auch tun. Aber das wäre dann die Eigenschaft eines Redners oder Lehrers, der mehr seine Eitelkeit im Visier hat und daher nur das positive feedback ausgefiltert wahrnimmt. Mein Grundtenor war vielmehr, daß das Gesicht zum „Ruhepunkt“ wird, das überhaupt aufmerksames Zuhören zeigt, das also in seiner Mimik „mitgeht“. Interessanter als die positiver Zustimung oder Verständnissignale wäre z.B. auch ein zweifelndes Stirnrunzeln, ein skeptische Kopfbewegung, wo man spürt, daß dort jemand eine Frage auf der Zunge hat. Ein solcher Zuhörer hätte bei mir mehr Aufmerksamkeit als z.B. der verstehend Nickende.

Fragwürdiger ist aber die Situation, die weniger im öffentlichen Vortrag (oder zB bei meinen Studenten) zu bemerken ist, eher im Schulunterricht, daß diejenigen, die nicht verstehen, in ihrer Mimik eher erstarren oder sich verbergen. Das sind dann Gesichter, die dich zumindest nicht ihrerseits anblicken.

In diesem Szenarium ist es dann natürlich tatsächlich so, daß die, mit denen man überhaupt Blicke tauscht, auch diejenigen sind, die verstehen, bzw die den Gedankengang interessant finden und Zustimung zeigen.

Da ich im Unterricht sehr oft das Gefühl habe ich sei im
Einzelunterricht, nicke ich ab und an (aus Verlegenheit über
die so häufigen und längeren Blicke des Lehrers)

Das hieße dann, die anderen Gesichter geben keinerlei Signale der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Thema, sind also träge. Dann bist du der nonverbale Ansprechpartner.

Da du aber dein Nicken zeigst, um der Verlegenheit, von ihm angeblickt zu werden, auszuweichen: Dann ist es dir unangenehm, daß er dich länger als nur vorübergehend anblickt? Zumindest zeigst du damit, daß du selbst bereits diese Blicke als etwas anderes erlebst, als nur zusätzliche nonverbale Kommunikation im Rahmen des Themas? Also doch ein unterschwelliger Austausch mit einem Hintergedanken?

Muß es aber nicht heißen. Es kann durchaus sein, daß ihm das gar nicht bewußt ist, daß er dich länger anschaut. Es kann(!) ganz einfach ein Zeichen sein, daß er seine eigene Mimik nicht im Griff hat und das Ganze bloß wiederum ein Reflex auf dein Nicken ist. D.h. ihr verstärkt euch wechselseitig in einer inhaltlosen Mimik und nur du allein machst dir Gedanken über mögliche Bedeutungen. Wie gesagt: kann sein.

Möglich ist auch, daß er dich einfach als Kriterium ausgewählt hat und auf dein Nicken wartet. Sozusagen: Wenn du nickst, dann war es zumindest versteh_bar_.

Aber eines ist mir noch nicht ganz klar: Warum nimmt man
denjenigen, der am meisten versteht und das auch zeigt, als
Maßstab für den Rest der Gruppe?

Siehe oben. Das tu ich meinerseits nicht. Eher denjenigen, der nicht versteht, das aber auch mimisch erkennen läßt. Aber wenn die anderen Gesichter „leer“ sind: Ja, dann ist es allerdings so.

In unserem Unterricht ist die Teilnehmerbeteiligung rege, es
spricht nicht fast ausschließlich der Lehrer.

Was du hier beschreibst, wiederspricht ein wenig deiner Bemerkung, daß du dich im Einzelunterricht fühlst, oder? bei einer lebendigen Gruppe ist es ungewöhnlich, daß der Blick hauptsächlich auf eine Person fällt. Das jetzt Gesagte scheint mir dann doch eher darauf hinzudeuten, daß der Blickkontakt deines Lehrers mit dir einen Anteil spezieller Sympathie enthält.

Gegenfrage: Wäre es dir unangenehm, wenn du genauer wüßtest, daß es so ist?

Gruß

Metapher

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Hallo Anja,

ich habe Dir zu Deinem Posting eine Mail geschrieben.

Gruß,

Oliver Walter

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Hi,

wenn du erwartest, durch „nonverbale“ Signale eindeutige Ziele zu erreichen, dann spielst du eine Lotterie, bei der die Zahl der Nieten die Zahl der Treffer weit übersteigt.

Es ist ein vielfach zu erlebendes Nißverständnis, daß Menschen erwarten, andere könnten ihre „Gedanken“ lesen, eben die Gedanken, die hinter einem Lächeln, einem Blick in die Augen oder wie auch immer stehen.

Natürlich KANN es sein, daß der andere deine Signale so deutet, wie du sie meinst, wenn es dir aber wichtig ist, daß er sie versteht, würde ich ein Gespräch empfehlen.

Durch das Setzen auf „nonverbale“ Kommunikation (sowohl die Meinung und Gegühle des anderen voraussetzen als auch voraussetzen, daß der andere unsere Gefühle und Gedanken erkennt) vermeiden wir, unsere Gefühle oder unsere Meinung offen aussprechen zu müssen und uns damit der Gefahr der Zurückweisung oder der Kritik auszusetzen.

Insgesamt eine Strategie, in der ich eine kleine Unanehmlichkeit vermeide aber dafür viele Wünsche und Bedürfnisse unerfüllt lasse.

Wenn es nur um „flirten“ geht, ist das ein nettes Spiel, aber ich kann nur warnen, ernsthaft aus „Blicken“ auf die Gefühle eines Menschen zu schließen.

Gruß

Yoyi

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