Hallo M oder Nh, oder welcher Buchstabe?, 
Beschäftigt habe ich mich selbst damit nicht, meiner reicht
mir
Aber es gibt doch schon öfter mal Beiträge im TV oder
man hört sowas in der Art.
Öh, mhm, ja. Fernsehen halt.
Dass es halt sehr, sehr lange
dauert
Was ist „sehr, sehr lange“?
und die Familien genau angeschaut werden. Ist das gar
nicht so?
Es ist schon so, dass es nicht hopplahopp geht. Aber 1-3 Jahre
halte ich nicht für sehr, sehr lange, angesichts der Schwere
der Entscheidung.
Die Familien werden genau angeschaut. Aber irgendwelche
kiffende Kusinen (oder Geschwister) haben keinen Einfluss.
Unfair ist es vom System her nicht (allerdings wird das System
von Menschen betreut und die Einzelfälle, wenn etwas schiefgeht,
eignen sich halt hervorragend für die „human interest- (horror) -
stories“ in den Medien.
Inwiefern sieht denn die Adoptionsrealität anders aus?
Es werden Familien für Kinder gesucht, die aus verschiedenen
Gründen, nicht mit ihren ersten Eltern rechnen können.
Leider verstehen viele Adoption gerade anders herum, nämlich
dass Kinder für kinderlose Paare gesucht werden.
Diese Kinder haben bereits ein schwieriges Schicksal und
es ist daher nur recht und billig, dass man sich sehr wohl
über die Familie Gedanken macht, in die sie kommen sollen.
Eine Beurteilung der Familie ist also sehr wichtig - das Ideal
ist, dass Kind und Familie wirklich aufeinander abgestimmt sind,
dann sind die Chancen einer gelungenen Adoption größer.
Aus diesem Grund gibt es Gespräche mit dem zuständigen
Sozialarbeiter, Hausbesuche um Dinge zu klären, auch Gespräche
mit eventuell vorhandenen Geschwistern. Außerdem gibt es
gesundheitliche Checks (Adoptivkinder haben bereits ein Set
Eltern verloren, man sollte die Möglichkeit gering halten, dass
sie gleich nochmal ein Elternteil verlieren). Ferner gibt
es Vorgaben (keine Gesetze, nur Vorgaben ,die u.U. von
verschiedenen Gesellschaften anders gehandhabt werden), was
das Alter betrifft (dazu könnt ich jetzt viel schreiben,
lass es aber aus Zeitgründen). Einkommen kommt nur insofern
in die Beurteilung, dass die Eltern in der Lage sein sollten,
den Kindern ein geregeltes Familienleben zu bieten. Anders
ist das bei Auslandsadoptionen, einfach deshalb weil der Vorgang
teuer ist.
Um ein konkretes Beispiel zu geben: ein nicht-religiöses Ehepaar
möchte adoptieren und druckst herum, was die Religionszugehörigkeit
bzw. die tatsächliche Ausübung des Glaubens betrifft. Man möchte
sich die Chancen nicht versauen. Sie wurden übersehen, als
die Adoptionsgesellschaft ein Paar suchte, was keine aktiven
Kirchgänger waren, weil das bei einem bestimmten Kind genau
gepasst hätte (diese Beispiel ist nicht aus Deutschland, aber
es zeigt, dass es kein ideales Profil für ein adoptionswilliges
Paar gibt).
Es wir zu lange, wenn ich jetzt weiterschreibe, aber mir ging
es hauptsächlich darum zu zeigen, dass es sich nicht
um überzogenen Ansprüche handelt. Natürlich gibt es immer
das Argument, dass jeder ohne Probleme Kinder in die Welt
setzen kann, aber ein Kind zu adoptieren birgt andere Verantwortungen
(auch für die Sozialarbeiter, die für das „placement“ zu-
ständig sind)*.
Gruß
Elke
*ps: man entschuldige bitte meine Anglizismen, aber
in dem Bereich bin ich auf Englisch einfach besser informiert