Nun ist da nicht was falsch

Salü tigger
Danke für deinen Beitrag und auch die von den anderen Autoren. Alle enthalten Antworten zu, Wo, sich der Himmel befindet. Zur eigentlichen Frage. „Was der Himmel ist“ finde ich keine Erklärung. Es wäre schon wenn sich dazu noch etwas findet.

Da es gerade am Weg liegt, mein Eindruck von Gollwitzer

Hallo Anton,

: Also kannst du mir sagen, was der „Himmel“ ist?

hmm…ich habe davon Abstand genommen, mir selbst alles erklaeren zu wollen, weil ich genau weiss, dass ich gar nicht imstande bin, Gott zu erfassen. Deshalb fehlt mir vermutlich auch das Vermoegen, Dir hier eine erschoepfende Antwort zu geben. Allerdings habe ich mal im Katechismus 2000 gesucht, um hier einmal mehr Rainer Gollwitzer zu zitieren:

(Zitat Rainer Gollwitzer, Pfarrer)

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde«. Dieser erste Satz der Heiligen Schrift ist die wichtigste Aussage des Glaubens. Alle weiteren folgen daraus. Das war freilich nicht immer so. Es muß Zeiten gegeben haben, in denen unsere Vorfahren im Glauben, die Israeliten, noch nicht nach der Entstehung von »Himmel und Erde« fragten - und doch glaubten.

Da staune ich unverständig! Das wichtigste was ich immer glauben konnte, ist die Existenz Gottes. Daneben braucht es noch einige Grundsätze von richtigem Handeln. Da wirst du rasch fündig. Handeln mit Liebe und Nächstenliebe. Alles weitere ist dann eigentlich nebensächlich.

Warum soll es das wichtigste sein, dass Gott Himmel und Erde erschaffen hat?
Warum muss ich alten „heiligen“ Büchern glauben, die ich teils sehr verwirrend und voller Widersprüche finde.
Ich lebe heute und nicht vor zwei bis viertausend Jahren in einer archaischen Hirten- und Sippengesellschaft. Somit stellt sich die Frage nicht nach dem „Glauben“ sondern wissen. Natürlich muss man einige Dinge glauben, nur dabei sollte eine gewisse Evidenz vorliegen, dass es so sein kann.

Urdatum ihres Glaubens ist der Exodus, Urerfahrung ist der Gott, »der uns mit starkem Arm aus Ägypten geführt hat«. Das Volk Israel verehrt zunächst den, »der mitgeht« und sie durch Schilfmeer und Wüste »begleitet«. Es erfährt einen »mobilen Gott«, der zur freudigen Überraschung ein »Kriegsmann« ist und siegreich auf der Seite der israelitischen Stämme kämpft, bis sie im Land sind, »wo Milch und Honig fließt«. Zunächst verehren sie also den »Gott ihrer Stammesgeschichte«. Der »Gott der Ur-Geschichte« steht noch nicht auf der Tagesordnung der Nomaden.
Der Glaube an den Schöpfer ist erst im Kulturland »gewachsen« und durch zeitgemäße Anfragen »geworden«. Die Nachbarschaft zu anderen Kulten mit ihren Vorstellungen von der Entstehung der Welt und des Himmels ist eine Herausforderung. In deren Schöpfungsmythen ist die Rede von streitenden Urgottheiten, im Grunde von gigantischen Kämpfen zwischen den Naturgewalten. Daraus seien Himmel und Erde hervorgegangen: eine Scheibe, von Ozeanen umgeben und von einer Kuppel überwölbt.
Israel übernimmt diese »neuesten« Vorstellungen und bearbeitet sie im Sinne seines Glaubens. Genesis 1 entmythologisiert die Mythen der Nachbarn und setzt anstelle der zahlreichen Naturgottheiten seinen Gott ein als den, »der Himmel und Erde gemacht hat«, eben »alles« und das »All«. Der Eine Gott arbeitet mit dem alleinigen Mittel seines Wortes. Er spricht sein göttliches »Es werde!« und »Es ward!« Oder, wie es Psalm 33 ausdrückt: »Er spricht, und es geschieht, er gebietet, und es steht da«. So »macht« er durch sein Wort das »Chaos« zum »Kosmos«, das »Tohuwabohu« zur herrlichen Ordnung der Schöpfung. Dazu erschafft er zuerst das Licht, scheidet dann das Licht von der Finsternis und verweist die lebensfeindlichen Unwasser auf ihre Plätze. Damit sie nicht von allen Seiten auf die Erdscheibe hereinstürzen, »macht« er eine »Feste«, das »Firmament«, »breitet den Himmel aus wie einen Teppich«, »wölbt« ihn wie ein Zelt. So »zähmt« er die Wasser des »Himmelsozeans« - das Blau des Himmels, dachte man, rührt von einem Meer her; verständlich, weil doch vom Himmel tatsächlich schier unendliche Wassermassen kommen können. Erst das Himmelsgewölbe, das Firmament, ermöglicht Leben auf der Scheibe, Leben inmitten lebensbedrohender Fluten.

Man kann dazu auch die Mosis Geschichte von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen nehmen. Materiell gedeutet, ergibt sich ein blanker Unsinn. Nur, Moses war sicherlich kein Dummkopf. Darum bin ich nicht der Ansicht, das Mosis Darstellung falsch ist, Falsch finde ich hingegen eine Deutung, die „Moses Visionsbilder“ als Schöpfung des materiellen“ ansieht.

»Droben am Himmel«, irgendwo »über den Wolken«, stellt man sich die »Wohnung des Höchsten« vor. Aus der fährt er gelegentlich herab und »nimmt Wohnung« da und dort und vor allem im Tempel. Im Himmel »thronend« regiert er Blitz und Donner, »Wolken, Luft und Winden gibt er Wege, Lauf und Bahn«. Der Himmel ist der Ort, von dem aus der »statische Gott« mit seinem Wort das Regiment über jeden einzelnen Menschen und ganze Völker wahrnimmt.

so sehen menschliche Vorstellungen, Bilder aus. Das wird akzeptabel. Aber man soll schlicht dazu sagen, dass es eben nur ein Erklärungsversuch ist…Mehr ist es nicht, sonst ist es daneben.

Bald bricht der Glaube Israels die enge Vorstellung eines eindeutig lokalisierbaren Himmels über den Wolken auf. Gott ist allemal »größer als das Herz des Menschen« und damit größer als alle menschliche Vorstellungskraft. Israel lernt, daß Gott überall ist.

da sehe ich langsam aufkeimende Vernunft.

Die aufkommende Apokalyptik spekuliert, sicher zu Unrecht, über die Anzahl verschiedenster Himmel und schier unendlicher Engelshierarchien, macht sich aber zu Recht Gedanken über die Größe Gottes, und für die ist ein nur »statisch« geglaubter Himmel sicherlich zu klein.

Au weia! wie da mit der Apokalypse umgegangen wird. Unser blankes Unvermögen, diese Visionen richtig zu deuten, ist kein Freibrief, ihr Unrecht zu geben. Aber die „Bilder“ müssten wir eben lesen können. Warum bringt ein studierter Theologe nicht den Mut auf zu sagen: „ich verstehe das nicht? “

Jahrhunderte später bringt eine kleine Anekdote den Glauben an die Größe Gottes auf den Punkt. Ein Rabbiner sagt zu einem Kind: »Du bekommst einen Taler, wenn du mir sagst, wo Gott wohnt.« Das Kind antwortet: »Und du bekommst einen Taler, wenn du mir sagst, wo er nicht wohnt.« Der Himmel als Ort über den Wolken hat ausgedient. Gott ist größer, statischer und mobiler als alles Denken und Verstehen. Diese Einsicht wächst, je mehr die unvorstellbaren Ausmaße des Alls bekannt werden.
»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.« Wo, um Himmels willen, kommt dann die Hölle her! Teil der Schöpfung ist sie offenbar nicht. Israel lernt das dreigegliederte Weltbild der Antike kennen - oben der Himmel, in der Mitte die Erde, unten die Hölle - und integriert es im Sinne seines Glaubens. Die zunächst fremde Vorstellung vom Teufel als dem mächtigen Gegenspieler Gottes wird ebenfalls integriert. Dem Teufel wird sein Platz in der Hölle als »Wohnung« angewiesen.
Wieder ist es die Apokalyptik, die spekulativ übertreibt, sich die Hölle als Ort in allen Details und in Farbtönen von Pech und Schwefel ausmalt und von ganzen Teufelsdynastien bewohnt denkt. Wo das Alte Testament bei sich selbst bleibt und den Glauben an den Lebendigen am reinsten verkündet, wird selbst die Hölle als ein Ort geschildert, der selbstverständlich auch in Gottes Zuständigkeitsbereich liegt. Psalm 139 bekennt: »Führe ich zum Himmel, so bist du da. Bettete ich mich in die Hölle, siehe, du bist ja auch dort!« Die Hölle ist dem Schöpfer nicht versehentlich untergekommen und nicht teuflisch hinter seinem Rücken entstanden. Sie ist sein Hoheitsgebiet.

So dürfte es wohl sein. Sonst wären wir chancenlos…

Das Neue Testament kann von Himmel und Hölle noch ganz im herkömmlichen Sinne sprechen. Es deutet sich aber, etwa im Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus aus Lukas 16, bereits eine neue, noch heute hilfreiche Interpretation an. Himmel und Hölle sind nicht Orte über den Wolken oder unter der Erde. Himmel und Hölle sind Erfahrungen der Nähe oder der Ferne des lebendigen Gottes. Himmel und Hölle können im Grunde überall und zu jeder Zeit sein. Wo Gott ist, da ist »lauter Himmel«. Wo er nicht zu sein scheint oder den Menschen »gottlos« abhanden gekommen ist, da ist »das Leben die Hölle«. Gott wohnt mitten unter den Menschen und in ihnen. Die rabbinische Weisheit ergänzt sinngemäß: Der Himmel ist, »wo man Gott einläßt.« Eine gottlos gewordene Welt und gottlose Lebensumstände sind die Hölle. (Zitat Ende)

So wie ich die Propheten und Seher verstehe. Da ist jedes Wort, sogar die Reihenfolge abgemessen. Vieles wurde mit voller Absicht „verschlüsselt“ dargestellt. Was sie von ihren Kundgaben niedergeschrieben haben, verstanden tw. nicht mal sie selbst. Lies mal das Hohelied vom weisen Samuel. Bildhaft übersetzt scheint es das Produkt eines Wahnsinnigen! Wird es aber nicht sein, wenn du den „Schlüssel“ kennst.

Was um Himmelswillen, ist der Himmel, er wurde doch am Anfang erschaffen?
Was hat Gott mit dem Begriff „Himmel“ erschaffen.
Meint der Begriff Himmel „das Vorbild oder eine Idealvorstellung von Schöpfung“?

Gestern suchte ich im Web nach dem Himmel:
In vielen Religionen wohnen Gott beziehungsweise die Götter an einem Ort, der gemeinhin in christlich geprägten Kulturen mit Himmel übersetzt wird. Die Vorstellung eines tatsächlichen Raumes (zum Beispiel das Gebirge Olymp bei den alten Griechen oder ein Bereich jenseits der Himmelsschale wie in manchen Schichten des Alten Testaments) und die gleichnishafte Darstellung eines nicht lokalisierbaren Zustands gehen dabei ineinander über. Der Konflikt zwischen beiden, ist dem mythischen Denken fremd. Der Himmel in religiöser oder eschatologischer Bedeutung spielt unter anderem eine bedeutende Rolle in der Genesis des Pentateuchs und in der chinesischen Philosophie (siehe: Yin und Yang).
In abstraktem Sinn sprach Jesus vom „Reich der Himmel“ (gr. basileia tôn ouranôn) und meinte damit die in Glauben und Liebe schon irdisch anbrechende Gottesherrschaft. Siehe auch Himmelreich.
Bei Jakob Lorber findet sich:
…Es wird gegen die Nähe des Gerichtes aber auch zu sehen sein das Zeichen des Menschensohnes am Himmel, das heißt, der Himmel im Menschen wird Mich als den alleinigen Herrn Himmels und der Erde anerkennen.
…Da der Mensch dasjenige ist, was Gott durch alle die zahllosen Vorschöpfungen erreichen wollte und auch erreicht hat, so entspricht alles in den Himmeln und auf sämtlichen Weltkörpern in allem und jedem einem Menschen, - wie es auch Moses in seiner Schöpfungsgeschichte bildlich dargestellt hat.

Der große Lichtmensch aber ist die neue geistige Schöpfung: ein neuer Himmel und eine neue Erde, …
…Ja, Ich sage euch noch hinzu: Es gibt in Meiner Unendlichkeit sogar mehrere solche Himmel und jeder ist für sich ein vollkommener Mensch. All diese Himmel bilden zusammen-genommen einen Menschen von solcher Unendlichkeit, daß er von niemand gedacht und empfunden werden kann denn allein von Mir. Denn im Grunde ist er Mein Leib selbst, oder Gott in Seiner Unendlichkeit, der da Sein Selbst und Seine All-Einheit auf das allerklarste denkt und fühlt.

Allerdings, dass moechte ich diesem Zitat auch hinzufuegen, laesst sich die Bibel auch darueber aus, dass Gott alle Dinge erfuellt. Sogar selbst die Hoelle, in der Bibel auch als Totenreich, Abgrund, Hades steht seinem Zugriff zur Verfuegung. Er uebersieht den Abgrund (dieser liegt offen vor ihm), er wirft in den Abgrund, er befreit aus dem Abgrund. Es ist selbst keinem Menschen moeglich, sich im Abgrund vor Gott zu verstecken. Es steht geschrieben: Ich stehe vor der Tuer und klopfe an. (Off. 3,20). Er will eintreten, aber erst dann, wenn wir ihn einlassen. Himmel und Hoelle sind also in uns selbst. Wir duerfen zwischen ihnen selbst waehlen. Wir haben aber keine Schluesselgewalt ueber diese Bereiche. Lassen wir aber Gott ein, so ist - wie im Zitat beschrieben - der Himmel in uns geoeffnet.

Daher glaube ich nicht, dass man wirklich allumfassend beschreiben kann, was der Himmel. So vielfaeltig wie Gott und seine Kinder sind, so vielfaeltig sind auch die Himmel.

Beste Gruesse

tigger

Gruss Anton

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

hey tig,

Nur zur Sicherheit: Ich wollte damit nicht sagen, dass Israel
sich einen Gott ausgedacht haette. Ich glaube ja selbst dran.

Schon klar, aber die Art, wie man sich den Gott Israels vorzustellen hat, wird doch recht ausführlich in der Bibel beschrieben. Ich denke da an Geschichten was er bewirkt hat, verhindert hat etc. Das heißt für mich, dass die Vorstellung dieses Gottes doch sehr auf der Vorstellung der Menschen (Israels) beruht, oder nicht ?

Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen,
dass grundsätzlich auch jeder alles über Gott behaupten kann.
Allein was sich hier im Brett zu dem Thema findet gäbe schon
eine ganz nette Sammlung.

Dem ersten Anschein nach schon. Und nur so konnten ja auch die
verschiendenen Konfessionen entstehen. Die Frage ist nur, ob
sich solche Behauptungen dann auch auf Dauer durchsetzen. Es
gibt ja viele Kirchen, in denen sich jemand an die Spitze
stellt, der behauptet, er waere auserwaehlt oder stuende
unmittelbar in apostolischer Sukzession und haette daher
direkt von Gott eingegeben Erkenntnisse, deren
ausschliessliches Entschluesselungsvermoegen bei eben nur
dieser Person liegt. Einer Betrachtung im Lichte der Bibel
koennen diese Lehraussagen dann eigentlich nie standhalten.

Wobei hier natürlich auch die Wiedersprüchlichkeit der Bibel an sich zum Tragen kommt. Es scheint ja für fast alles irgendwo in der Bibel einen Textabschnitt zu geben, der als Begründung herhalten kann. Bei der (entsprchend der jeweiligen Anschauung) korrekten Deutung ist man dann eben doch wieder auf Menschen angewiesen.

Wird aber durch einen Unfehlbarkeitsanspruch ueberbrueckt,
eine Pruefung anhand der Schrift wird dann als „Anfechtung des
Satans“ unterdrueckt. Einem Freund von mir, der ein ehemaliges
Mitglied der Neuapostlischen Kirche (in Englang „New Apostolic
Church“ war, wurde im Jugendalter erklaert, er waere von
Daemonen umgeben, als er eine Frage stellte, die wohl der
Bibel, nicht aber dem Verstaendnis der Kirchenleitung
entsprach.

So etwas meine ich. Auch hier konnte man sicherlich anhand der Bibel argumentieren und auch hier war das Wesentliche der Glaube.

Wie meinst du das ? Gibt es für dich mehr als eine Realität ?

Ja. Sicherlich. Ich selbst habe zwar nur eine, aber jeder
Mensch hat eine eigene und andere Wahrnehmung der Realitaet
und handelt danach. Fuer mich, der ich Gott als Schoepfer der
Realitaeten betrachte, muss meine eigene Sichtweise der
Realitaet nicht zwangslaeufig derer anderer Menschen oder der
Gottesrealitaet selbst entsprechen.

ok.

Sicher. Bekanntlich darf ja jeder glauben was er will. Nur
endet dann hier auch im Grunde die Diskussion, was ich schade
fände.

Quatsch. Enden muesste sie nur, wenn wir versuchen wollten,
uns gegenseitig zu ueberzeugen und dabei zu siegen. Der Sieg
in der Diskussion ist in diesen Brettern ja sowieo zumeist
erstes Ziel. Es kann aber auch ruhig einmal darum gehen,
einfach nur die Ansichten andere Menschen kennen zu lernen.
Der Rest ergibt sich dann.

Nun ja, für mich sind die Ansichten der Anhänger einer der drei großen Monos (Judentum, Christentum, Islam) ziemlich fremd. Ich kann ja noch nicht mal mit dem Konzept „Glauben“ so recht etwas anfangen.

Es ist ja in vielen Bereichen so, dass sich Menschen dort
hilflos sehen, wo andere sich auf Popularitaet stuetzen. Wie
R. schon sagte: Ein unbeliebter Politiker bleibt in der Ecke,
selbst wenn er die besten Vorschlaege macht. Diese
Hilflosigkeit ist also vom Umfeld erzeugt. Das Problem ist
einfach, dass Wissenschaft und Glaube zwei Dinge sind, die
unterschiedlicher nicht sein koennen. Wenn man aber schon
darueber sprechen moechte, dann geht das nur, wenn man keine
beharrlichen Standpunkte vertritt. Und dann fuehlt sich auch
niemand hilflos.

Hilflos ist je nicht gleich unsympathisch. Ich persönlich kann jedenfalls wesentlich mehr mit Menschen anfangen, die ihre Anschauungen auch hinterfrage können, als mit Typen der „Datt is eben so“ Fraktion :smile:

Gruß
Marion

Móin pen,

Schon klar, aber die Art, wie man sich den Gott Israels
vorzustellen hat, wird doch recht ausführlich in der Bibel
beschrieben. Ich denke da an Geschichten was er bewirkt hat,
verhindert hat etc. Das heißt für mich, dass die Vorstellung
dieses Gottes doch sehr auf der Vorstellung der Menschen
(Israels) beruht, oder nicht ?

Oder eben deren beschriebenen Erfahrungen…:wink:

Wobei hier natürlich auch die Wiedersprüchlichkeit der Bibel
an sich zum Tragen kommt.

Sie ist ja ansich nicht unbedingt widerspruechlich. Diese Widerspruechlichkeit ergibt sich dann, wenn sie von verschiedenen Menschen verschiedener Anschuung und Motivation zu verschiedenen Zeiten ausgelegt wird. Ebenso sind ja auch die Verfasser der Bibel.

Es scheint ja für fast alles
irgendwo in der Bibel einen Textabschnitt zu geben, der als
Begründung herhalten kann. Bei der (entsprchend der jeweiligen
Anschauung) korrekten Deutung ist man dann eben doch wieder
auf Menschen angewiesen.

Leider schon. Und das kann viel Streit und Elend erzeugen. Es gibt halt Menschen, die die Bibel ihren Zwecken dienlich machen wollen, aber es gibt auch solche, die ehrlich - auch oft unter Hilfe von Historikern - versuchen, den wahren Gehalt der Schrift hervorzutragen und zu vermitteln.

Wird aber durch einen Unfehlbarkeitsanspruch ueberbrueckt,
eine Pruefung anhand der Schrift wird dann als „Anfechtung des
Satans“ unterdrueckt. Einem Freund von mir, der ein ehemaliges
Mitglied der Neuapostlischen Kirche (in Englang „New Apostolic
Church“ war, wurde im Jugendalter erklaert, er waere von
Daemonen umgeben, als er eine Frage stellte, die wohl der
Bibel, nicht aber dem Verstaendnis der Kirchenleitung
entsprach.

So etwas meine ich. Auch hier konnte man sicherlich anhand der
Bibel argumentieren und auch hier war das Wesentliche der
Glaube.

Die Bibel sagt ganz klar: „Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.“ (1.Tim 2,5)
An dieser Stelle zerbricht die Bibel die Vermutung, dass es neben Jesus Christus noch andere Menschen geben koennte, die zwischen Gott und den Menschen vermitteln koennten. Scharf ausgedrueckt, weder der Papst als Bischof von Rom, noch der Stammapostel der Neuapostolischen Kirche kann sich als Stellvertreter Christi auf Erden bezeichnen, zumal Jesus ja nicht nur Sohn, sondern im Sinne der Dreifaltigkeit Gott selbst ist. Wenn jetzt aber in einer Kirche der Glaube vorherrscht, dass Papst oder Stammapostel tatsaechlich Stellvertreter sind, dann ergibt sich daraus natuerlich auch oft eine Unfehlbarkeitsvermutung. Quasi modo man sagen wuerden, der Papst ist ja Jesu Stellvertreter, deshalb ist die Bibel gar nicht so interessant, viel interessanter ist, was Gott heute durch seinen Stellvertreter zu verkuenden hat. Jetzt sieht ein in dieser Weise glaeubiger Mensch aber auch, dass ja saemtliche Priester und Bischoefe ihrer Kirche ebenso durch diesen „unfehlbaren“ Papst oder Stammapostel berufen wurden, mithin ebenso unfehlbar sind (womit wir mittlerweile dann auch schon nebenbei gesagt bei einigen Zehntausend Mittlern zwischen Gott und Menschen waeren), obwohl es gem. Bibel nur EINEN EINZIGEN gibt und diesen auch noch beim Namen nennt). Also ist es doch ganz klar, was sich ein so glaeubiger Mensch denkt, wenn ihm von so einem durch Menschen ernannten Vermittler gesagt wird, dass er im Falle von Zweifeln von Daemonen umgeben ist. Damit werden dann Zweifel und Kritik totgeschlagen - ein freier Glaube kann nicht zustande kommen.

Quatsch. Enden muesste sie nur, wenn wir versuchen wollten,
uns gegenseitig zu ueberzeugen und dabei zu siegen. Der Sieg
in der Diskussion ist in diesen Brettern ja sowieo zumeist
erstes Ziel. Es kann aber auch ruhig einmal darum gehen,
einfach nur die Ansichten andere Menschen kennen zu lernen.
Der Rest ergibt sich dann.

Nun ja, für mich sind die Ansichten der Anhänger einer der
drei großen Monos (Judentum, Christentum, Islam) ziemlich
fremd. Ich kann ja noch nicht mal mit dem Konzept „Glauben“ so
recht etwas anfangen.

Das ist ja nicht schlimm. Du kannst Dich ja damit befassen :wink:

Hilflos ist je nicht gleich unsympathisch.

Ja, das stimmt auch wiederum. Leider koennen nur manche Menschen an eben dieser Stelle nicht trennen.

Ich persönlich kann
jedenfalls wesentlich mehr mit Menschen anfangen, die ihre
Anschauungen auch hinterfrage können, als mit Typen der „Datt
is eben so“ Fraktion :smile:

Das ist ja das, was ich mit dem Festhalten an Standpunkten meinte.

Gruss
tigger

Hey tig,

Nun ja, für mich sind die Ansichten der Anhänger einer der
drei großen Monos (Judentum, Christentum, Islam) ziemlich
fremd. Ich kann ja noch nicht mal mit dem Konzept „Glauben“ so
recht etwas anfangen.

Das ist ja nicht schlimm. Du kannst Dich ja damit befassen :wink:

Mach ich ja grade :smile:
Anknüpfend an das andere, was du geschrieben hast, stellt sich mir allerdings die Frage, woher weiß ich denn z.B. als Interessierte, welcher Art von christlichem Glauben ich mich anschließen sollte ? Was ist autehentisch ?

Und wie entgehe ich z.B. der Falle, eine Richtung zu bevorzugen, die mit meinen sonstigen Einstellungen am Besten übereinstimmt und somit in gewisser weise die „bequemste“ ist ?

Gruß
Marion

Pen, Hi!

Mach ich ja grade :smile:

Achso…sorry :wink:

Anknüpfend an das andere, was du geschrieben hast, stellt sich
mir allerdings die Frage, woher weiß ich denn z.B. als
Interessierte, welcher Art von christlichem Glauben ich mich
anschließen sollte ? Was ist autehentisch ?

Weisst Du eigentlich, was so eine kurze Frage fuer eine Antwort erfordert? Meinst Du, ich bekomme meine Zeit als Massenartikel hinterher geworfen? :wink:)

Hui, das ist sehr schwer zu beantworten, zumal die Auswahl an Kirchen ja riesig ist :wink:. Ich wuerde fast sagen, dass es gar nicht so sehr auf eine bestimmte Kirche ankommt. Aus meiner Sicht erkennt eine weitgehend authentische Kirche folgendes an:

  1. Gott ist dreieinig, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jesus Christus ist wahrer Gott vom wahren Gott. Jesus Christus ist Gott (siehe Johannes 1,1).

  2. Die Sakramente wurden von Gott gespendet. Menschen geben sie lediglich aus, ohne dabei die „Wuerdigkeit“ des Empfaengers bewerten oder einen darum Bittenden gar ausschliessen zu duerfen (siehe Lukas 22,19). Die aus meiner Sicht wichtigsten Sakramente sind die Taufe und die Eucharistiefeier.

  3. Menschen koennen (und sollen) nur solche Suenden vergeben, die ihnen selbst von anderen Menschen angetan wurden (siehe Matthaeus 18,21-23).

  4. Alle anderen Suenden koennen nur von Gott vergeben werden. Die goettliche Suendenvergebung kann nur durch Jesus Christus vermittelt werden. Er ist das einmalige und ewig gueltige Opfer zur Vergebung der Suenden (siehe Matthaeus 9,6).

  5. Kein Geistlicher steht Gott naeher als jedes x-beliebige Mitglied „seiner“ Kirche. Es gibt keine Stellvertreter Jesu auf Erden, es gibt keinen Vermittler neben Jesus Christus. (siehe 1. Timotheus 2,5).

  6. Eine Kirche im Sinne Christi verfolgt das von ihm eingesetzte hoechte Gebot, die Naechstenliebe. Eine solche Kirche ist karitativ sicherlich sehr aktiv durch uneigennuetzige Hinwendung zu jenen, denen sich auch Christus zuwandte: Arme, Kranke, Suender (siehe Roemer 13,8 und Markus 2,17).

Das waeren die Grundlagen, nach denen ich zuerst suchen wuerde. Nicht authentisch sind m. E. alle christlichen Gemeinden, deren Geistliche von sich selbst behaupten, von Gott zu seiner Stellvertretung gerufen worden zu sein, die behaupten, sie koennten den Menschen Vergebung vermitteln; deren Lehren im Licht der Bibel nicht standhalten, worauf diese Kirche dann behauptet, eine quasi „aktuellere“ Eingebung von Gott erhalten zu haben, die der Bibel daher nicht zwangslauefig entsprechen muesste. Gemeinden, die die Dreifaltigkeit Gottes in Abrede stellen. Gemeinden, die andere Christen, die nicht ihrer Gemeinde angehoeren, als „verloren“ bezeichnen und ihnen daher aus eigener Arroganz die Erloesung absprechen.

Merke stets: Der Glaube ist frei! Dort, wo der freie Glaube an Jesus Christus gemassregelt wird, wo Menschen erklaert wird, dass sie dem unbedingten Glaubensdiktat eines anderen Menschen folgen muessen, wenn sie Christus nah sein wollen, wo ein Mensch behauptet, Suenden vergeben zu koennen, dort, wo Menschen ihr geistliches Amt mit Pracht, Prunk und Ehre versehen, dort wird wider Gott gehandelt (siehe Johannes 5,44), denn alle Ehre gebuehrt Gott allein. Gott will nicht in einem Palast ueber den Menschen regieren, sondern in einer Huette bei den Menschen wohnen, sie troesten, mit ihnen feiern und tanzen.

Und wie entgehe ich z.B. der Falle, eine Richtung zu
bevorzugen, die mit meinen sonstigen Einstellungen am Besten
übereinstimmt und somit in gewisser weise die „bequemste“ ist
?

Da gibt es eigentlich gar keine Falle. Der Glaube ist frei. Glaube mit eigenen Einstellungen immer in Uebereinstimmung zu bringen, ist nur den wenigsten Menschen moeglich. Ich denke, wenn Du diese Punkte oben beruecksichtigst, kannst Du schonmal davon ausgehen, dass Du an etwas geraetst, was wirklich von Herzen christlich sein moechte. Dann wird man auch Ruecksicht darauf nehmen, wenn Du an einen Widerspruch geraetst. Wie umgehst aber Du diese „Falle“?

Die zentrale Aussage des NT ist die Erloesung durch das einmalig dargebrachte und ewig gueltige Kreuzopfer Christi. Dabei sollte Deine Einstellung nicht mit dem Glauben kollidieren, dass

1.)sich Jesus Christus fuer die Vergebung der Suenden aller geopfert hat. Wenn Dir also mal was schiefgelaufen ist, egal was, dann sollst Du glauben koennen, dass Gott es Dir durch seinen Sohn vergibt, wenn Du ihn im Namen Christi darum bittest. Das passiert dann auch. Mach’ den Quatsch nach Moeglichkeit nicht nochmal, aber wenn’s passiert, dann passiert’s. Er vergibt gerne immer wieder und immer wieder, solange Du nicht aus eigenem Antrieb heraus etwas tust, womit Du Gott absichtlich herausforden willst. Er laesst sich nicht auf den Arm nehmen.

2.) Gott jenen am meisten vergibt, die am meisten lieben. Jesus hat das Gebot der Naechstenliebe zum hoechsten Gebot eingesetzt. Wenn Du ehrlich versuchst , jeden Menschen zu lieben (nicht unbedingt koerperlich :wink:) und ihm zu vergeben, was er Dir angetan hat; wenn Du milde bist, indem Du den Menschen - unabhaengig von jeglicher Herkunft - Gutes tust und Dich nicht ueber andere Menschen erheben willst, so reicht der ehrliche Versuch, damit Du alle Bedingungen auf einmal erfuellst. Denn wer den Unterlegenen liebt, der hat diese Liebe Gott geliehen und er wird es vergelten. Jesus wollte der Geringste sein, der Kleinste, der Aermste, ein Lamm, ohne Macht. Wie sehr wird er es vergelten, wenn man versucht, alle Menschen zu lieben?

Wenn dieses Grundsaetze mit Deinen „sonstigen Einstellungen“ nicht kollidieren, brauchst Du keine Falle zu fuerchten.

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

Gruss
tigger