Moin Dyan
davon abgesehen, dass ich im wesentlichen Anteil zitiert habe,
finde ich nicht, dass Deine Vermutung zutrifft. Ist wohl halt
eine Frage des Blickwinkels.
Ich meinte hier natürlich den Blickwinkel von Gollwitzer.
Zunächst macht er deutlich, dass es sich bei der Bibel nicht um Protokolle tatsächlicher Ereignisse oder wissenschaftlicher Erkenntnisse handelt:
„Kein Mensch war dabei, „am Anfang“, als „Himmel und Erde“ entstanden sind. Wenn die Bibel auf den ersten Seiten den Vorgang dennoch beschreibt, kann es sich logischerweise um kein Protokoll der Ereignisse handeln. Schon gleich nicht um eine wissenschaftliche Erklärung.“
Als nächstes postuliert er, um WAS es sich denn seiner Meinung nach handelt:
„Genesis 1 ist mit bloßem Auge zu erkennen als Poesie, als ein großangelegter Hymnus auf Gott, den Schöpfer“
Wir haben hier also Niederschriften von Menschen (zumindest nehme ich mal an, dass mit „Israel“ Menschen gemeint sind), wie sie sich ihren Gott (im Gegensatz z.B. zu den Göttern anderer Völker) vorstellen:
„Diese erste Zeile ist die wichtigste. Gott war es. Der Gott Israels. Nicht ein gut meinendes oder blind wütendes Schicksal. Nicht eine der Gottheiten der assyrischen und babylonischen oder ägyptischen Nachbarn.“
„In steter Kontroverse mit den Nachbarkulten widerspricht Israel heftig und formuliert seinen eigenen Glauben aus: Gott war es. Unser Gott. Der Widerspruch fällt insofern besonders heftig aus, als Israel den Wortlaut des babylonischen Schöpfungsmythos, „der seinerzeit besten Erkenntnis“, weitgehend übernimmt, ihn aber „entmythologisiert“, „unseren Gott“ überall da in den Text einsetzt, wo von anderen Gottheiten die Rede ist. Israel fertigt geradezu eine Persiflage auf den Schöpfungsmythos der Nachbarn an.“
„Der Gott, dessen Lob Genesis 1 singt, wird als ein sehr vornehmer Gott geschildert. Er ist kreativ ausschließlich durch sein Wort. Er spricht. Und es wird.“
„Genesis 1 beschreibt unseren Gott zudem mit den „seinerzeit modernsten“ Möglichkeiten und scheut sich dazu nicht, trotz der genannten Kontroverse Anleihen bei den noch heute verblüffenden wissenschaftlichen Erkenntnissen der Nachbarn zu nehmen.“
„Einer anderen Logik folgt der an sich Jahrhunderte ältere, nun aber als zweiter Schöpfungsbericht erscheinende Text aus Genesis 2. Er wirkt weit archaischer: sprachlich und von seinen Vorstellungen her. Als sei Israel zur Zeit seiner Abfassung noch in einer herrlich naiven, spontanen, von theologischer Reflexion unverdorbenen Phase des Glaubens.“
„Gott aber erscheint wie ein freundlicher Gärtner.“
„Israel scheut sich nicht, diesen ursprünglich auf die ägyptische Sonnengottheit gemünzten Text aufzugreifen und wiederum dergestalt zu entmythologisieren, dass ein herrlicher Hymnus auf unseren Gott entsteht.“
etc.
Sorry, aber für mich erweckt das den Anschein, als erfinden sich Menschen unter Anlehnung an Beschreibungen der Götter anderer Völker ihren eigenen Gott und belegen ihn mit Attributen a gusto.
Ich will damit nicht sagen, dass es beim christlich/jüdischen Gott in jedem Fall so ist , sonder ich beziehe mich hier nur auf den Eindruck, den der Text von Gollwitzer erweckt.
Übrigens durchaus interessant, ich kannte bislang nur die Version der „göttlich inspirierten“ Schreiber der Bibel, also dass quasi Gott selbst den Schreibern das eingegeben hat, was sie niederschreiben sollten (was natürlich wieder ganz andere Widersprüche eröffnet und daher kaum haltbar ist).
Gruß
Marion