Hi,
Interessant, ähnlich wie es bei mir war. Hast Du auch mit
einem guten Bibelkenner mal die Bibel durchgelesen?
Wie erwähnt, ein Freund von mir ist Diakon, mit dem hab ich da einige Dinge mal diskutiert. Das reicht mir.
Wenn ja, was war für Dich interessant, neu, wichtig, komisch.
In groben Zügen mein Fazit daraus:
Die Bibel schränkt mich ein. Sie wiederspricht einigen Vorstellungen, von denen ich überzeugt bin. Allein schon einige Begriffe lassen meine Nackenhaare hochstehen, wie z.B. das ganze Sündenthema. Oder der grundlegende Dualismus Gut-Böse. Das komplette AT könnte man meintwegen löschen, oder bestenfalls als schlechtes Beispiel stehen lassen. Häufig kommt von Christen, wenn sie auf das AT angesprochen werden, die Bemerkung, das NT habe vieles erklärt und erweitert und sei sowieso viel wichtiger - ich meine, daß mir das egal ist - auch Christen nehmen das AT an, schliesslich ist es Teil der Bibel. Für mich völlig indiskutabel, mich dem anzuschließen. Diese Gut-Böse-Sache und das Sünden-Ding ziehen sich btw. auch durch’s NT…
Ich lehne diesen dualistischen Glauben für mich ab. In meinen Augen ist das Christentum im wesentlich eine Krücke, für Menschen, die etwas externes brauchen, um sich daran festzuhalten. Es lenkt den Blick gen Himmel, um „Gott“ zu suchen, anstatt in einen selbst. Ich will nicht an Krücken gehen, ich will laufen und hüpfen und springen. Diese Freiheit lässt mir die Bibel nicht. Allein schon die Beschränktheit durch den monotheistischen Charakter der Religion, den Glauben an einen Gott als Wesenheit irgendeiner Form widerstrebt mir, ebenso wie der missionarische Auftrag - furchtbar. Hin und wieder probieren es mal wieder irgendwelche Leute, mich zu missionieren, so amerikanische Hanseln (Baptisten, oder?) oder Zeugen Jehovas - da kann ich überhaupt nicht drauf, und das probieren die nur einmal.
Die Moral, die die Bibel nahelegt oder ja sogar vorschreibt, finde ich teilweise trivial, teilweise abzulehnen. Jene Regeln hatten sicherlich ihren Sinn, wenn man die Zustände auf dieser Welt in den vergangenen Jahrtausenden betrachtet, aber es gibt auch Alternativkonzepte, die ich besser finde.
Es gibt einige wunderschöne Passagen in der Bibel, ohne Zweifel, und auch ein paar lesenswerte Sprüche (einige Psalmen z.B.), aber ihr Anteil am Gesamtwerk ist so gering, daß mein Fazit und meine Empfehlung für andere, die mich fragen, lautet: Lies die Bibel, wenn Du Lust hast, falls Dir Gedanken daraus gefallen, nimm sie mit, falls nicht, laß sie dort. Du magst es „die Rosinen rauspicken“ nennen, ich sage: Ja, na und? Ich sage, tu dasselbe mit dem Koran, mit Philosophen, mit Osho (Lies mal „Der Weg der weißen Wolke“, sehr nett), mit trivial-mystischer Literatur wie Coelho (der sehr schön schreibt, mir aber auch zu christlich angehaucht ist und manchmal zu dick aufträgt), mit den Buddhisten und auch mit Satanisten, Heiden etc. pp.
Kurz: Suchst Du „Erleuchtung“, gehe mit offenen Augen und offenem Herz durch die Welt, sei kritisch, überprüfe, bevor Du etwas annimmst und rede nicht soviel, sondern handle. In diesem Sinne, ich hab schon zuviel geredet, schliesse ich mit
Gruß,
-doc.