Hallo,
findest Du es dann total aus der Luft gegriffen, das ganze mit
Ja und nein. Nein, denn ich kann es natürlich nicht wissen, und wie soll ich es widerlegen können? Aber auf der anderen Seite überwiegt die Zuversicht: wie ich schon sagte, Kriege, Seuchen, Unwetter etc. gab es seit jeher. Nur: heute erfahren wir von allen und unmittelbar. Um mal etwas zynisch zu werden: Wären vor 100 Jahren durch eine Vogelgrippe 20, 1000 oder 10000 Menschen gestorben - hätte es wahrscheinlich niemanden interessiert. Wäre vor 500 Jahren in Südostasien ein Tsnuami gewesen - die Menschen hätten es wenn überhaupt Monate später gehört und sich wahrscheinlich nicht viel vorstellen können - gleiches gilt für Hurrikan-Katastrophen etc. Neben diesem Informationsfluss sind wir inzwischen ziemlich viele Menschen mehr als je zuvor, auch da ist es klar, dass mehr passiert. Deshalb das Ende der Welt zu erwarten? Halte ich in der Tat für „aus der Luft gegriffen“.
Heute zu vergleichen? Ich meine weshalb bist Du Dir da so
sicher, dass das Gericht nach dem Tode, und nicht zum
Weltenende kommt?
Da bin ich mir nicht sicher, das ist meine Auslegung. Vielleicht mal etwas ausführlicher als beim ersten Posting:
Nach dem Tod erwartet mich die Zusammenkunft mit dem Schöpfer so wie das „Purgatorium“ („Fegefeuer“). Für mich ist das der Moment der absoluten Erkenntnis, der ungeschminkten Konfrontation mit dem irdischen Leben. Das ist der Moment der Entscheidung, ob man seine Fehler tatsächlich bereut und ob ihrer Schwere tatsächlich bereuen kann - dieser Moment der Erkenntnis ist für mich eben jenes Purgatorium. Danach dann die ewige Vereinigung mit Gott.
Was hat das mit der Offenbarung zu tun? Beschrieben wird hier das Jüngste Gericht, also die Zusammenkunft mit dem Schöpfer - also genau das, was mich nach meinem Tod erwartet. Nach dem Tod aber hat - wie für Gott - Zeit keine Bedeutung mehr. Insofern ist es also gleich, ob man nun vor 1000 Jahren gestorben ist oder in 1000 Jahren stirbt, jeder tritt zur gleichen Zeit (und doch individuell) vor den Schöpfer. Also werden tatsächlich alle Menschen, gleich wann sie lebten, „gerichtet“. Gott ist ein gerechter Gott, wie wir Christen ja glauben, und es wäre kaum gerecht, Generationen von Menschen das, was in der Apokalypse beschrieben steht, zu ersparen und nur einer letzten Generation das anzutun.
Womit wir beim Inhalt wären. Wie Du aus meiner obigen Beschreibung schließen konntest, glaube ich weder an die tatsächliche Ankunft apokalyptischer Reiter noch sonstiger Sachen, die dort wortwörtlich beschrieben sind. Denn es sind Weissagungen, die einen Hintergrund haben: den Menschen auf kommendes Unheil vorzubereiten. Dazu muss man den geschichtlichen Hintergrund kennen, vor dem dieser neutestamentliche Text verfasst wurde. Er wurde zum Ende des 1. Jahrhunderts verfasst - das junge Christentum hatte erste Verfolgungen hinter sich, und weitere, grausame Verfolgungen waren zu erwarten. Auf dem Thron (in Rom) saß ein Mensch, der sich als Gott verehren ließ und kein Verständnis für den christlichen Gott hatte. Wer an Christus glaubte, musste damit rechnen, zum Märtyrer zu werden und gequält zu werden - die Offenbarung zeigt also sehr konsequent auf, was einen (durch fremder Menschen Hand) erwarten kann, wenn man an den christlichen Gott glaubt.
gibt es eine mehr oder weniger eindeutige Linie. Das letzte
Buch ist doch im Endefekt, die Abrechnung der Greueltaten.
Wie gesagt, ganz am Ende der Apokalypse wird beschrieben, wie tatsächlich ALLE vor Gott stehen und nach ihren Werken beurteilt werden. „Ich sah die Toten vor dem Thron stehen, die Großen und die Kleinen. […] Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren; und der Tod und die Unterwelt gaben ihre Toten heraus, die in ihnen waren.“ (20, 12ff) Nun kann es aber kaum sein, dass die Menschen, die vor 1000 Jahren lebten tatsächlich so lange dahinschmachten müssen bis zum Jüngsten Gericht, zumal die Zeit nach dem Tod ja, wie dargestellt, ihre Bedeutung verloren hat.
Interesant finde ich dann auch den Hinweis, dass die Christen
vor den sieben Zornschalen entrücken, die Juden (sein Volk)
aber anscheinend vorübergehend noch zurückbleibt auf Erden.
Was mainst Du dazu?
Ich denke nicht, dass es im Moment des Jüngsten Gerichtes von Bedeutung ist, welcher Religion man angehört hat, da Er die Menschen nach ihren Werken beurteilt. („Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war.“)
Jetzt könnte die Frage kommen: „Warum dann überhaupt Christ sein?“ - Für mich ist das der beste Weg, die Werke so zu verrichten, wie Gott es wünscht. Sehr zum Ärger einiger Zeitgenossen bin ich aber der unumstößlichen Meinung, dass ein Atheist sehr wohl gut handeln kann - er muss im Moment der Erkenntnis aber damit zurecht kommen, an was er (nicht) geglaubt hat.
Um es ganz kurz auf den Punkt zu bringen: m.E. ist das Jüngste Gericht und damit die Apokalypse kein fester Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte, sondern die Vorbereitung des Individuums auf Leidenszeiten so wie auf das Gericht nach dem Tod, wenn alle Zeit bedeutungslos ist.
So, ich hoffe, irgendjemand konnte diesen Gedankengängen folgen. Noch Fragen? 
Viele Grüße
Christian